mini|hochkant=1.2|Kirche mit Glockenturm Guter Hirt ist die römisch-katholische Kirche in Winsen (Luhe), der Kreisstadt des Landkreises Harburg im Norden von Niedersachsen. Die nach dem Guten Hirten, einer Selbstbezeichnung Jesu im Johannesevangelium, benannte Kirche ist die Pfarrkirche der gleichnamigen Pfarrei und die östlichste Kirche im Dekanat Unterelbe des Bistums Hildesheim.

Geschichte In Winsen, das damals zum Bistum Verden gehörte, wurde unter der Regentschaft von Herzog Ernst I., Fürst von Lüneburg, ab 1526 die Reformation eingeführt,Jürgen Klahn: Die lutherische Reformation in Winsen an der Luhe 1526–1530. Winsener Geschichtsblätter, Neue Folge, Heft 2. Heimat- und Museumverein Winsen (Luhe) und Umgebung e.V. (Hrsg.), Winsen 2016, ISBN 978-3-946053-08-8. wodurch die Bevölkerung und die Kirche lutherisch wurden.

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg fanden in Winsen wieder katholische Gottesdienste statt.Thomas Flammer: Nationalsozialismus und katholische Kirche im Freistaat Braunschweig 1931–1945. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2013, S. 110, Fußnote 355 (dort wird vom Gottesdienst im September 1935 berichtet). Nachdem im Zuge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa infolge des Zweiten Weltkriegs Katholiken in größerer Zahl in Winsen eine neue Heimat gefunden hatten, wurde am 1. Oktober 1945 von Propst Leo Koplin (1907–1989) im Auftrag des Bischofs von Hildesheim, Joseph Godehard Machens, in Winsen eine römisch-katholische Gemeinde gegründet. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs war Koplin mit seiner Mutter und seiner Schwester aus Jastrow, wo er als Pfarrer an der Propsteikirche tätig gewesen war, als Flüchtling nach Winsen gekommen.Martina Albert: Ein Aufbau aus dem Nichts. In: KirchenZeitung. Ausgabe 42/2020 vom 18. Oktober 2020. (Artikel anlässlich des 75-jährigen Gemeindegründungsjubiläums) Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 1972 stand Koplin der katholischen Gemeinde Winsen, die 1956 von der Pfarrvikarie St. Georg zur Pfarrei erhoben wurde, vor.

1949 weihte Bischof Joseph Godehard Machens die von der katholischen Gemeinde in diesem Jahr gepachtete und renovierte evangelische Kapelle St. Georg als katholisches Gotteshaus. Die Gemeinde nutzte die Kapelle für ihre Gottesdienste,Bischöfliches Generalvikariat Hildesheim (Hrsg.): Katholischer Gottesdienst in der Diözese Hildesheim. Hildesheim 1966, S. 84. bis 1967 die neue Pfarrkirche Guter Hirt mit Gemeindezentrum und Pfarrhaus im neu angelegten Hansaviertel entstanden war. 1972 übernahm die Neuapostolische Kirche die Kapelle St. Georg.Winsen (Luhe), St. Marien. Kirchengemeindelexikon der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, abgerufen am 1. Juli 2026. mini|Grundstein 1962 erfolgte die Gründung eines Kirchbauvereins, da die Kapelle für die gewachsene Kirchengemeinde längst zu klein geworden war. Mitte 1966 wurde der Grundstein für die Kirche gelegt, die am 26. August 1967 durch Bischof Heinrich Maria Janssen geweiht wurde. Bereits zum 1. Januar 1967 war die Pfarrei St. Georg in Guter Hirt umbenannt worden. Der Glockenturm wurde erst später erbaut.Martina Albert: Vielfalt in Hamburgs Speckgürtel. In: KirchenZeitung. Ausgabe 34/2017 vom 27. August 2017, S. 12. (Artikel anlässlich des 50-jährigen Kirchweihjubiläums)

1995 wurde das Dekanat Buchholz-Soltau gegründet, dem die Pfarrgemeinde Guter Hirt angeschlossen wurde.Entwicklung Altarraum. Pfarrei St. Petrus, abgerufen am 6. September 2026. Zuvor gehörte die Pfarrgemeinde Guter Hirt zum Dekanat Hamburg-Harburg.St.-Godehards-Werk (Hrsg.): Der Dom ´91. Hildesheim 1990, S. 129. Seit dem 1. September 2004 gehört die Pfarrgemeinde Guter Hirt zum damals neugegründeten Dekanat Unterelbe, das Dekanat Buchholz-Soltau wurde zu diesem Zeitpunkt aufgelöst.Bischöfliches Generalvikariat: Urkunde über die Auflösung des Dekanates Buchholz-Soltau, über die Umbenennung und Veränderung des Dekanates Stade sowie über die Veränderung der Dekanate Celle und Verden. Bistum Hildesheim, Kirchlicher Anzeiger Nr. 7/2004, S. 230–231. Seit dem 1. November 2014 gehören zur Pfarrei Guter Hirt auch die Kirchen St. Altfrid in Meckelfeld und St. Ansgar in Hittfeld.Bischöfliches Generalvikariat: Urkunde über die Aufhebung der katholischen Pfarrgemeinden St. Altfried, Seevetal-Meckelfeld, Guter Hirt, Winsen (Luhe) und über die Errichtung der katholischen Pfarrgemeinde Guter Hirt, Winsen (Luhe). Bistum Hildesheim, Kirchlicher Anzeiger Nr. 8/2014, S. 235–236. Die Kirche wird heute vom Förderverein Guter Hirt Winsen (Luhe) e.V. unterstützt.

Beschreibung Die Kirche steht im Nordwesten von Winsen auf dem Grundstück Winser Baum 2, an der Ecke zur Fuhlentwiete.

Die moderne Kirche mit ihrem freistehenden, kreuzbekrönten Glockenturm entstand nach Plänen des Architekten Aldag.Willi Stoffers: Bistum Hildesheim heute. Hildesheim 1987, ISBN 3-87065-418-X, S. 88. Drei der Glocken stammen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, eine weitere Glocke wurde 2001 in Heilbronn gegossen.

Die an der Nord-Süd-Achse ausgerichtete Kirche wird durch ein Portal an der Südseite erschlossen. An den Seitenwänden hängen 14 Kreuzwegstationen. Zwei Nischen in den Seitenwänden dienen als Kinderecke und dem Totengedenken.

Der Altarraum wird durch ein modern gestaltetes Hängekruzifix geprägt. Im Altarraum sind auch das Taufbecken, der Ambo, der Altar und die Tabernakelstele angeordnet. Die Darstellung am Ambo zeigt Jesus Christus, wie er die vier Evangelisten lehrt.

Die Buntglasfenster in der Marienkapelle, die zuvor als Taufkapelle genutzt worden war, wurden 1996 vom Künstler Siegfried Assmann aus Großhansdorf entworfen und ausgeführt.Tauffenster der Kirche Guter Hirt. siegfried-assmann.sh-kunst.de, abgerufen am 1. Juli 2026. Vor einem Marienbild können Opferkerzen aufgestellt werden. Auch ein Herz-Jesu-Bild ist dort platziert.

Orgel Die Orgel steht auf der Orgelempore und wurde 1983 vom Orgelbauer Klaus Becker erbaut. Das Instrument hat 17 Register auf zwei Manualwerken und Pedal.

Brustwerk 1. Gedackt 8′ 2. Spitzflöte 4′ 3. Quinte ′ 4. Prinzipal 2′ 5. Terz ′ 6. Scharf III 1′ 7. Krummhorn 8′ Tremulant Hauptwerk 8. Prinzipal 8′ 9. Rohrflöte 8′ 10. Oktave 4′ 11. Waldflöte 2′ 12. Mixtur IV 2′ 13. Trompete 8′ Pedal 14. Subbaß 16′ 15. Prinzipal 8′ 16. Choralbass 4′ 17. Posaune 16′

Siehe auch Liste der Kirchen im Bistum Hildesheim Gut-Hirten-Kirche

Literatur Festschrift anlässlich des 75jährigen Bestehens der Katholischen Kirchengemeinde Winsen. Winsen 2020. Doppel-Jubiläumspfarrbrief zum 1. Oktober 1970: 25 Jahre Katholische Kirchengemeinde Winsen (Luhe), 25 Jahre Priesterwirken in dieser Gemeinde; 1. Oktober 1945 - 1. Oktober 1970. Willi Stoffers: Bistum Hildesheim heute. Hildesheim 1987, ISBN 3-87065-418-X, S. 88–89.

Weblinks

Chronik Winsen. Katholische Pfarrgemeinde Guter Hirt Winsen (Luhe).

Einzelnachweise

Guter Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Harburg Winsen Luhe Kategorie:Gut-Hirten-Kirche Kategorie:Erbaut 1967 Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Kirchengebäude der Moderne Kategorie:Bauwerk der Moderne in Niedersachsen Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Zeltkirche