mini|Dschomard-Gassab-Mausoleum in Gəncə Das Dschomard-Gassab-Mausoleum (aserbaidschanisch Comərd Qəssab türbəsi) ist ein architektonisches Denkmal aus dem 17. Jahrhundert in Gəncə, der zweitgrößten Stadt Aserbaidschans.

Geschichte Das Mausoleum liegt nordöstlich von Gəncə, etwa 1 km südlich der Festungsmauern am rechten Ufer des Flusses Gəncəçay.

Der sowjetische Archäologe Iwan Scheblykin führt eine volkstümliche Legende an, wonach das Mausoleum im 9. Jahrhundert zu Ehren eines heldenhaften Metzgers errichtet worden sein soll, der bei der Verteidigung seiner Heimatstadt während eines der Angriffe auf Gəncə ums Leben kam. Der aserbaidschanische Archäologe Ischak Dschafarzade verwies auf eine unter der lokalen Bevölkerung weit verbreitete Legende, wonach dieses Denkmal über dem Grab eines Metzgers errichtet worden sei, der zur Zeit der Herrschaft des vierten Kalifen Ali ibn Abi Talib (656–661) lebte. Dieser Mann soll in Gəncə große Bekanntheit genossen und bei der Stadtbevölkerung hohes Ansehen und große Wertschätzung erfahren haben. Auf dieser Grundlage gelangte Scheblykin in seiner späteren Arbeit „Denkmäler der Architektur Aserbaidschans“ (Baku, 1949) zur vorsichtigen Schlussfolgerung, dass das Mausoleum wahrscheinlich im 11. oder im 12. Jahrhundert entstanden ist.

Der Kunsthistoriker Abdul Wahab Salamsade datiert das Bauwerk aufgrund seiner stilistischen Merkmale in das 17. Jahrhundert. Als Begründung für seine Annahme nennt er die großen Abmessungen der Eingangsbögen, die für Mausoleen des 17. und 18. Jahrhunderts typisch sind, sowie zahlreiche kompositorische Parallelen dieses Bauwerks zu anderen Mausoleen des 17. Jahrhunderts.

2001 wurde das Mausoleum durch den Beschluss Nr. 132 des Ministerkabinetts der Republik Aserbaidschan unter staatlichen Schutz gestellt und als Architekturdenkmal von nationaler Bedeutung anerkannt. Drei Jahre später wurde das Bauwerk durch die Heydər-Əliyev-Stiftung restauriert. Während der Arbeiten wurden alte Ziegelsteine verwendet, die aus Naxçıvan herbeigeschafft wurden.

Architektur Sowohl äußerlich als auch im Innenbereich weist das Mausoleum einen achteckigen Grundriss auf. Jede Außenfläche ist mit einer rechteckigen dekorativen Nische versehen, während die Innenwände durch spitzbogige Nischen gegliedert sind. Die Ecken des Oktogons sind innen wie außen durch vorspringende Bauelemente betont; die äußeren Auskragungen sind dabei zweistufig ausgebildet. Durch diese gestalterische Ausarbeitung erhält das Bauwerk seinen charakteristischen Charakter eines achteckigen Mausoleums mit regelmäßig angeordneten Fassadennischen.

Das Mausoleum weist teilweise den Charakter einer an drei Seiten offenen Rotunde auf, die durch dazwischenliegende geschlossene Wände gegliedert ist, da sich in der Süd-, West- und Ostwand des Bauwerks axial angeordnete Öffnungen befinden.

Literatur und Einzelnachweise

Kategorie:Mausoleum in Aserbaidschan Kategorie:Gəncə Kategorie:Erbaut im 17. Jahrhundert