mini|Porträt der drei Ingenieurinnen: Margaret Rowbotham, Beatrice Shilling und Margaret Partridge Margaret Dorothea Rowbotham (* 19. Juni 1883 in Plumstead, Kent, England; † 23. Februar 1978 in Willand, Devon, England) war eine britische Mathematikerin und Ingenieurin. Sie engagierte sich in Großbritannien für die Beschäftigungsrechte von Frauen und war eine der Gründungsmitglieder der Women’s Engineering Society (WES).
Leben und Werk Rowbotham war die älteste Tochter von John Edward Rowbotham, dem leitenden Angestellten eines Schiffsmaklers, und seiner Frau Miriam Ann, geb. Isaac. Von 1893 bis 1902 besuchte sie die Blackheath High School und erwarb dort das Matriculation Class 1 Certificate. Am Girton College in Cambridge schloss sie 1905 den ersten Teil des Mathematikstudiums mit Auszeichnung ab und erwarb 1906 das Lehrerdiplom am Cambridge Training College. Von 1906 bis 1913 war sie Internatslehrerin für Mathematik an der Roedean School in Brighton, wo auch ihre jüngere Schwester Violet Mirelle Rowbotham Lehrerin wurde.
Nach einer sechsmonatigen Ausbildung in Fahrzeugtechnik an der British School of Motoring erwarb sie den Führerschein des Royal Automobile Club. Im September 1914 reiste sie über den Atlantik und verbrachte zwei Jahre als eine der ersten Mathematiklehrerinnen am Havergal College in Winnipeg. Nach ihrer Rückkehr im Sommer 1916 nach Großbritannien absolvierte sie bis 1917 eine Ausbildung in den Werkstätten und im Konstruktionsbüro der Galloway Engineering Co. Ltd. und bei Arrol-Johnston, Ltd. in Dumfries. Hier übernahm sie von 1917 bis 1921 die Leitung der Maschinenwerkstatt und des Werks in den Tongland-Werken in Kirkcudbright. Seit der Eröffnung des Werks im Februar 1917 war sie persönlich für die Entwicklung und Organisation der Arbeiten in den Werkstätten verantwortlich. Das Werk war ein soziales Experiment, das neben der Munitionsproduktion eine Art Ingenieurakademie für Frauen schaffen sollte. Das Vorhaben wurde von Frauenorganisationen der damaligen Zeit und der Regierung unterstützt, um Frauen in ehemals rein männliche Betriebe zu integrieren. Ein Artikel mit dem Titel Damen als Ingenieurinnen, der die Fabrik und die Karrieremöglichkeiten für ausgebildete Ingenieurinnen beschrieb, wurde mit einem Foto von Rowbotham auf einem Motorrad als Werksleiterin illustriert (The Gentlewoman, 17. November 1917, S. 902). Die abgelegene Lage des Werks führte jedoch dazu, dass Frauen nicht in der erforderlichen Zahl für die Werksakademie gewonnen werden konnten, Daher entwickelte sich das Werk zu einer Munitionsfabrik, in der hauptsächlich Frauen aus der Region und verfügbare Männer beschäftigt waren.
mini|Am 23. Juni 1919 beschlossen Rachel Mary Parsons, Katharine Parsons, Lady Katharine Parsons, ihrer Tochter Rachel Mary Parsons, Lady Margaret Moir, Laura Annie Willson, Eleanor Shelley-Rolls, Janetta Mary Ornsby und Margaret Rowbotham, die Women’s Engineering Society zu gründen. Alle hatten sich bis zum 19. Dezember 1919 angemeldet, und die Satzung wurde am 24. Dezember 1919 verabschiedet. Mit dem Ende des Krieges und der Entlassung von Frauen gemäß dem Restoration of Pre-War Practices Act 1919 waren Frauen wie Rowbotham und ihre Kollegin und Arbeitgeberin Dorothée Pullinger bestürzt über den Verlust von Arbeitsplätzen für qualifizierte Ingenieurinnen. Aus diesem Grund wurden sie 1919 Gründungsmitglieder der Women’s Engineering Society (WES).
Pullinger erkannte, dass viele Frauen während ihres Kriegsdienstes Autofahren gelernt hatten. Gemeinsam mit ihrem Vater Thomas C. Pullinger entwickelte sie den Galloway für Frauen, der von den Frauen im Werk in Tongland produziert werden sollte. Rowbotham verließ das Unternehmen 1921, kurz bevor die Automobilproduktion nach Dumfries verlegt wurde.
1920 hatte sich Rowbotham um die Mitgliedschaft in der Institution of Mechanical Engineers beworben, wurde aber abgelehnt. Sie nahm eine Stelle als stellvertretende Werksleiterin bei der Swainson Pump Co. Ltd. in Newcastle an. Robert Swainson gründete dieses Unternehmen mit Unterstützung Parsons, die einen Teil der Finanzierung bereitstellte, unter der Bedingung, dass er Frauen in der Produktion und eine Frau als stellvertretende Geschäftsführerin einstellte. Rowbotham blieb nur etwa ein Jahr und studierte dann bei Ethel B. Jayne Wäschereimanagement. 1924 kehrte Rowbotham an die Roedean School zurück und blieb dort bis 1927.
1927 wurde sie zur Direktorin des von ihrer Partnerin Margaret Partridge gegründeten Elektrotechnikunternehmens M. Partridge & Co. in Exeter ernannt, wo sie bis 1953 tätig war. Sie wurde Geschäftsführerin und Vorsitzende der Tochtergesellschaft Cheriton Fitzpaine Electric Co-operative Society Ltd. in Devon. Partridges Firma bot Elektrifizierungsprojekte für Häuser und Dörfer in ganz Devon an.
Rowbotham war von 1919 bis 1944 Mitglied des WES-Vorstands. Von 1927 bis in die 1950er Jahre setzte sie sich für die Aufhebung des Washingtoner Übereinkommens über die Beschäftigung von Frauen in der Nacht (1919) ein, das Frauen die Nachtarbeit verbot. Die WES schloss sich mit der Abteilung für Frauenbeschäftigung des Internationalen Arbeitsamtes und dem Internationalen Verband der Unternehmerinnen zusammen, um eine Gesetzesänderung zu erreichen. 1935 wurde das Verbot teilweise gelockert, sodass zumindest Frauen in Verwaltungs- und Aufsichtspositionen nachts arbeiten durften. Rowbotham und ihre Kolleginnen bei M. Partidge & Co. waren direkt von dem Verbot betroffen, da sie ihre kleinen Kraftwerke nachts nicht betreiben konnten, ohne gegen das Gesetz zu verstoßen. Sie nannten sich selbst Die Täterinnen des ursprünglichen Verstoßes. Die vollständige Aufhebung des Gesetzes erfolgte in den 1950er Jahren.
Bis Ende der 1950er Jahre lebte Rowbotham in Exeter, bevor sie zu ihrer langjährigen Freundin Partridge in deren Elternhaus Harpitt House in Willand Old Village in Devon zog. Rowbotham starb 1978 im Royal Devon and Exeter Hospital in Heavitree, Exeter. Ihre Asche wurde auf dem Friedhof von Willand neben der von Margaret Partridge beigesetzt.
Teile ihrer Korrespondenz sind im Imperial War Museum archiviert. Sie enthält Informationen über Themen unter anderem die Aufstellung von Wasser- und Ölpumpen, die Beschäftigungsmöglichkeiten von Frauen in der Industrie nach dem Krieg.
Literatur Cheryl Law: Suffrage and Power: The Women’s Movement 1918–1928. I.B.Tauris, London 2000, ISBN 1-86064-478-3. Henrietta Heald: Magnificent women and their revolutionary machines. Unbound, London 2019, ISBN 978-1-78352-660-4.
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