mini|Poststraße, Blick nach Westen, vor 1900 Die Poststraße war eine Straße in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.
Lage und Verlauf Die Straße befand sich in der Magdeburger Altstadt im Bereich der historischen Stiftsfreiheit. Sie führte von der historischen Kreuzgangstraße nach Norden und knickte dann nach Osten ab, wo sie letztlich auf die Regierungsstraße traf. Im Bereich des Knicks bestand länger eine nach Westen führende Ausbuchtung, die als „Winkel“ bezeichnet wurde. Zumindest in der Mitte des 19. Jahrhunderts bestand ein Durchgang vom Winkel aus, hin zum Haus der Feuerversicherung, Breiter Weg 7.
Geschichte Im Gebiet der späteren Straße befanden sich im Mittelalter einige Kurien. Anfang des 14. Jahrhunderts lagen hier die Höfe des Domherren Siegfried von Anhalt und seiner Ehefrau von Barby. Ein großer Teil des Areals gehörte zum sich weit nach Osten bis in die Nähe zur Regierungsstraße erstreckenden Garten der Domherrenkurie Breiter Weg 8. Zur Kurie gehörte auch die Blasiuskapelle. In der von Otto von Guericke 1632 angefertigten Karte der Stadt Magdeburg waren in diesem Bereich Gärten eingetragen.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 98. Bereits vor 1631 gab es jedoch in diesem Bereich eine von der nordwestlichen Ecke des Domplatzes nach Norden verlaufende Gasse, die dicht am Kreuzgang der St. Nikolaikirche entlang führte.Sabine Ullrich, Vom alten Parat zum Landtag, Stadtplanungsamt Magdeburg 2007, Seite 82. mini|Einmündung der Poststraße (links) auf die Kreuzgangstraße mit dem 1506 errichteten Haus Kreuzgangstraße 5 als Eckhaus Der Bereich des nach Norden führenden Zweigs hieß ursprünglich Der alte Parat bzw. Parade-(Platz). Der Name Alter Parat ist erstmals aus dem Jahr 1699 überliefert, dürfte jedoch, worauf schon die Bezeichnung als alt hinweist, deutlich älter sein. Es wird angenommen, dass Parat sich vom griechischen prattein, italienisch barateren/barato für deutsch handeln/Tausch ableitet und sich hier ein Platz für Geldwechsler befand. Es gibt Vermutungen, dass sich hier ein Wechselgeschäft befand. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass im Mittelalter hier, anlässlich von auf dem Domplatz durchgeführten Herbstmessen, Geldwechsler ihren Standort hatten und die Fläche jeweils vom Inhaber der Domherrenkurie Breiter Weg 8 anmieteten. Nach der Zerstörung der Stadt im Jahr 1631 lag die Fläche bis Ende des 17. Jahrhunderts wüst. 1685/1687 wurde der Bereich nach dem Inhaber von 1631 der Kurie Breiter Weg 8, Kuno von Alvensleben, als Alvenslebensche wüste Stätte bezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt standen auf der Fläche vier Häuschen. In den folgenden Jahren wurden in der Zeit bis 1700 noch weitere Hütten errichtet, die jedoch ungeordnet errichtet waren. Noch bis 1699 befand sich hier eine wüste Fläche, die, da die nördliche Bebauung des Domplatzes noch nicht bestand, eine direkte Verbindung zum Domplatz hatte. 1698 erwarb der Abt des Klosters Berge, Simon Friedrich Wolfhard, das komplette Paradgelände mitsamt der Blasiuskapelle vom Domkapitel Magdeburg. Während er selbst am Breiten Weg 8 ein neues Wohnhaus erbaute, verpflichtete er die Bewohner der auf seinem Grundstück zu diesem Zeitpunkt stehenden neun kleinen Häuser zur Zahlung von Grundzinsen. Insgesamt zahlten sie 36 Taler. Es bestanden darüber hinaus weitere Gebäude, die zu anderen Grundstücken des Breiten Wegs gehörten. Ein Haus des Christian Ulrich gehörte zur Alvenslebenschen Kurie Breiter Weg 7, ein Haus des Glasers Wulkau befand sich auf dem Gebiet des Gartens des Hauses Kreuzgangstraße 5. Ab 1699 begann eine unregelmäßige Bebauung durch eher ärmere Leute. Der Bereich wurde dann auch als Hurenwinkel bezeichnet. Um 1720 wurde die nördliche Randbebauung des Domplatzes errichtet. 1731 wurde auf dem Platz Alter Parat eine Straße angelegt. Die meisten Bewohner des Gebiets mussten ihre Häuser auf Grundstücke direkt an der Straße verlegen, die ihnen die königliche Baukommission zuwies. Seitens des Staats wurden Beihilfen in Form von Geld und Bauholz geleistet. Die Straße selbst wurde gepflastert und lag letztlich erhöht über der Umgebung, mit der Folge, dass tieferliegende, stehen gebliebene Häuser Probleme durch das Abfließen von Wasser hatten. Mit der Errichtung der neuen straßenbegleitenden Häuser ergaben sich die Probleme.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 99. Für die so entstandene neue Straße wurde zunächst weiter der Name Alter Parat genutzt. Parallel dazu ergab sich ab 1743 die Benennung als Neue Poststraße. Die Bezeichnung ergab sich aus dem Umstand, dass sich am südwestlichen Ende der Straße, an der Adresse Kreuzgangstraße 6, seit 1668 das erste brandenburgische Postgebäude befand. Da der östliche Teil der damaligen Kreuzgangstraße ebenfalls Poststraße genannt wurde, ergaben sich im weiteren zur Unterscheidung die Namen Alte und Neue Poststraße. mini|Lageskizze der Poststraße mitsamt des Winkels aus dem Jahr 1821, nach links (Westen) geht ein Durchgang zum Haus der Feuerversicherung ab Der östliche Zweig der Straße, mit einer Ausbuchtung am westlichen Ende, hieß wohl seit dem Mittelalter Bläßgasse. Eine erste entsprechende urkundliche Erwähnung ist von 1552 überliefert. Der Name ging auf die Kapelle des Heiligen Blasius zurück, die sich auf dem Hof des Grundstücks Poststraße 6 befand und schon seit 1170 vorhanden war. mini|Ehemalige Einmündung der Poststraße auf die Regierungsstraße, 2026 Bis 1807 bestanden diese unterschiedlichen Namen der Straße. 1808 wurde dann der einheitliche Name Poststraße festgelegt. Die Unterscheidung zwischen Alter und Neuer Poststraße hatte sich erübrigt, da die Alte Poststraße Teil der Kreuzgangstraße geworden war.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 359.
Die Häuser der Poststraße waren eher kleine, zumeist einfach gehaltene Wohngebäude. Anfänglich wurden sie häufig noch als Gehöfte benannt. Zu den traufständig an der Straße stehenden Wohnhäusern gehörten Seiten- und Nebenhäuser, die sich um enge Höfe gruppierten. Zum Teil bestanden kleine Gärten. Die meisten Gebäude wurden in der Zeit zwischen den 1830er Jahren und der Mitte des 19. Jahrhundert um ein zweites Obergeschoss aufgestockt. Einige Fassaden (Nummer 7 und 17) waren repräsentativer gestaltet. Im Zuge des Neuen Bauens wurden auch in der Poststraße einige Fassaden neu farbig gefasst.Sabine Ullrich, Vom alten Parat zum Landtag, Stadtplanungsamt Magdeburg 2007, Seite 83.
Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg war die Bebauung der Poststraße stark zerstört. Beim sich in weiten Teilen nicht an die historische Stadtstruktur haltenden Wiederaufbau wurde die Poststraße aufgegeben und überbaut. In ihrem südlichen Teil entstand der Gebäudekomplex des heutigen Landtags. Im nördlichen und östlichen Teil wurden quer zum bisherigen Straßenverlauf Wohnblöcke errichtet. An den Verlauf der Poststraße erinnert auf der Westseite der Regierungsstraße eine im Pflaster des Fußwegs angedeutete Straßeneinmündung.
Hausnummerierungen Die Hausnummerierung begann mit der Nummer 1 am südöstlichen Ende und verlief dann aufsteigend nach Nordosten bis zur Nummer 7 nahe der Einmündung auf die Regierungsstraße. Von dort ging es auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit der Nummer 8 beginnend zurück bis zur Nummer 21 nahe der südwestlichen Ecke an der Einmündung zur Kreuzgangstraße.
Historische Häuser der Poststraße Nachfolgend werden die Grundstücke der Poststraße tabellarisch aufgeführt. Darüber hinaus werden Straßeneinmündungen eingeordnet.