mini|hochkant|Der Maler Fritz Franke, Zeichnung von Lino Salini Fritz Franke (* 12. August 1895 in Frankfurt am Main; † 22. Juli 1966 in Neu-Isenburg) war ein deutscher Maler und Grafiker. Bekannt wurde er vor allem als Illustrator der ersten bebilderten Ausgabe von Waldemar Bonsels’ Die Biene Maja und ihre Abenteuer (1920) sowie durch seine Frankfurter Stadtansichten und Naturdarstellungen.
Leben Fritz Franke wurde am 12. August 1895 in Frankfurt am Main geboren. Erste künstlerische Begabungen zeigten sich nach Darstellung seiner Tochter bereits vor seiner Schulzeit, als er während eines längeren Aufenthalts in einem Kinderspital Ärzte und Schwestern zeichnete. Nach der Schule wurde er zum Lithographen ausgebildet und besuchte später eine Meisterklasse der Kunstgewerbeschule in Frankfurt.
Ab 1925 war Franke verheiratet und hatte zwei Töchter. Er lebte und arbeitete bis 1944 in Frankfurt. Als er 1944 ausgebombt wurde, zog er mit seiner Familie zunächst nach Allenstein in Ostpreußen zu Verwandten, wurde jedoch im selben Jahr wegen der Kriegsereignisse nach Pirna bei Aussig an der Elbe evakuiert. Von dort bei Kriegsende vertrieben, hielt er sich bis Februar 1946 in Meuselwitz in Thüringen auf. Noch 1946 ließ sich Franke nach einem kurzen Aufenthalt in Ostpreußen in Neu-Isenburg nieder, wo seine Mutter lebte und deren Familie seit 1774 in der Hugenottenstadt ansässig war. Er starb dort am 22. Juli 1966.
Werk Franke war ursprünglich eng mit seiner Vaterstadt Frankfurt am Main verbunden, wo auch die meisten seiner Arbeiten entstanden; viele davon gingen durch Kriegseinwirkungen verloren. Sein Werk umfasst zahlreiche Ölgemälde, Aquarelle, Holzschnitte und Zeichnungen. Neben Stadtmotiven, vor allem aus Frankfurt am Main, interessierte er sich für die Darstellung der Natur und ihrer Einzelheiten (Pflanzen und Tiere). Daneben entstanden zahlreiche Porträts. Von seinen Arbeiten zeugten zahlreiche Ausstellungen in Frankfurt. Werke Frankes befinden sich unter anderem in der Sammlung des Städel Museums in Frankfurt, darunter die Arbeiten Ein Bauernhof in Rennerod und Lido in Niederrad.
Der Frankfurter Zeichner und Karikaturist Lino Salini (1889–1944) hielt Franke seinerseits in einem Porträt fest. Die Zeichnung erschien in dem von Reinhold Brückl zusammengestellten Band Lino Salinis Frankfurter Bilderbogen. 118 Karikaturen – Porträts – Skizzen (Haag + Herchen Verlag, Frankfurt am Main 1978).
Buchillustrationen Einen besonderen Stellenwert in Frankes Schaffen nehmen Buchillustrationen ein, vor allem zu Kinderbüchern. Zu den von ihm illustrierten Büchern zählen:
Waldemar Bonsels: Die Biene Maja und ihre Abenteuer. Verlag Rütten & Loening, Frankfurt am Main 1920 (erste illustrierte Ausgabe des 1912 erstmals erschienenen Textes) Hans Pfeifer: Das Frankfurter Bilderbuch. Verlag Englert und Schlosser, Frankfurt am Main 1922. Friedrich Stoltze: Pracht im Wunnerkepp, Frankfurter Verlagsanstalt A.-G., Frankfurt am Main 1922. Grimms Märchen, eingeleitet von Waldemar Bonsels, Verlag Rütten & Loening, Frankfurt am Main 1925. Rudolf G. Binding: Das Peitschchen, Verlag Rütten & Loening, Frankfurt am Main. Wilhelm Bölsche: Der singende Baum, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Wilhelm Bölsche: Das Liebesleben in der Natur, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Friedrich Stoltze: Gefühle einer Stadtwehruniform, Verlag August Hase, Frankfurt am Main 1941. Friedrich Stoltze: Ein Stück Alt-Frankfurt, Waldemar Kramer Verlag, Frankfurt am Main (postum, zur Buchmesse 1966 erschienen)
Ein Exemplar von Gefühle einer Stadtwehruniform schenkte der Frankfurter Bürgermeister Dr. Leiske dem Bundespräsidenten Theodor Heuss zu dessen 73. Geburtstag im Januar 1954.
Weitere Arbeiten Bis 1933 wurden Frankes Zeichnungen in der Frankfurter Zeitung veröffentlicht, außerdem in einer Frankfurter Rundfunkzeitung. Bereits 1917 schuf er zum 400-jährigen Jubiläum der Reformation Postkarten mit Darstellungen von Luthers Wirken. Franke war zudem mehrfacher Gewinner von Plakatwettbewerben, darunter 1924 zu den Frankfurter Kindertagen. Später, während seiner Aufenthalte in Ostpreußen, dem Sudetenland und Thüringen, entstanden Zeichnungen von Landschaften und Porträts.
Neben seiner Tätigkeit als Grafiker war Franke auch auf dem Gebiet der Wandmalerei tätig. Um 1930 entstanden Wandfresken im städtischen Kinderheim in der Hammelsgasse in Frankfurt, in Sodenthal im Spessart sowie im Frankfurter Zoo. Am Schlossturm des Kinderheims in Wolfmünster bei Gemünden schuf er eine Sonnenuhr.
In Neu-Isenburg interessierten ihn der „Alte Ort“, die damals noch weitgehend „natürliche“, schöne Umgebung sowie seine Mitmenschen, die er in Porträts festhielt. 1949 fertigte er die Zeichnungen der Broschüre an, die zur 250-Jahr-Feier der Stadt Neu-Isenburg erschien. Nach seinem Tod entstandene Kupferbilder nach seinen Vorlagen, etwa der alten Neu-Isenburger Schule und der Gastwirtschaft „Haus zum Löwen“ (heute Stadtmuseum), befinden sich im Bestand des Stadtmuseums Neu-Isenburg.
Postume Würdigung durch die Stadt Neu-Isenburg Zum Gedenken an Franke gab die Stadt Neu-Isenburg 1982/1983 eine Kunstmappe mit dem Titel Neu Isenburger Motive – gezeichnet von Fritz Franke heraus. Sie enthält sechs Zeichnungen, die Franke 1948 vom „Alten Ort“ angefertigt hatte, als Nachdrucke sowie einen von Frankes Tochter Eva Wünschmann verfassten biografischen Begleittext. Bürgermeister Büchel würdigte Franke anlässlich der Herausgabe als „sehr bescheiden“ und hob hervor, die Stadt könne ihn 16 Jahre nach seinem Tod und 34 Jahre nach Entstehung der Zeichnungen auf diese Weise ehren.
Literatur Reinhold Brückl (Hrsg.): Lino Salinis Frankfurter Bilderbogen. 118 Karikaturen – Porträts – Skizzen. Haag + Herchen, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-88129-154-7.
Weblinks Fritz Franke in der Digitalen Sammlung des Städel Museums
Einzelnachweise Neu-Isenburger Motive – gezeichnet von Fritz Franke. Hrsg.: Stadt Neu-Isenburg, [ca. 1982/83]. Biografischer Begleittext „Fritz Franke – Sein Leben und seine Arbeit“ von Eva Wünschmann (geb. Franke), Neu-Isenburg, Dezember 1982. Fritz Franke. In: Digitale Sammlung des Städel Museums. Abgerufen am 16. Juni 2026. Grafik Neu-Isenburg Alte Schule. Stadtmuseum „Haus zum Löwen“, Neu-Isenburg, bei museum-digital:hessen. Abgerufen am 16. Juni 2026. Kupferbild Haus zum Löwen. Stadtmuseum „Haus zum Löwen“, Neu-Isenburg, bei museum-digital:hessen. Abgerufen am 16. Juni 2026. Reinhold Brückl (Hrsg.): Lino Salinis Frankfurter Bilderbogen. 118 Karikaturen – Porträts – Skizzen. Haag + Herchen Verlag GmbH, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-88129-154-7. Antiquariatsbeschreibungen zur Ausgabe von Die Biene Maja und ihre Abenteuer (Rütten & Loening, Frankfurt am Main 1920) verzeichnen diese übereinstimmend als erste illustrierte Ausgabe, mit 16 Farblithographien von Fritz Franke; die erste Textausgabe war 1912 ohne Illustrationen bei der Deutschen Verlagsanstalt erschienen. Vgl. Antiquariatsnachweise bei ZVAB und AbeBooks, abgerufen am 16. Juni 2026. Original „Frankfurter“ Humor und Wein für Bundespräsident Heuss. In: Offenbach-Post, 17. Februar 1954, S. unbekannt. Stadtverordnete waren in festlicher Stimmung – Maier überreicht Mappe mit Franke-Zeichnungen. In: [Lokalzeitung, Neu-Isenburg/Dreieich-Ausgabe], 20. Dezember 1982, S. 4. Stadt würdigt Fritz Franke mit Kunstmappe – 16 Jahre nach Tod des Künstlers – „Isenburger Motive“. In: Offenbach-Post, 4. Januar 1983, S. 14. (Dort fälschlich „1885“ als Geburtsjahr; korrekt 1895, siehe Einzelnachweise NIM und Städel.)
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