Avram Goldstein (* 3. Juli 1919 in New York City; † 1. Juni 2012 in Palo Alto) war ein US-amerikanischer Pharmakologe.
Leben und Wirken Er wurde als Sohn eines Rabbiners geboren. Nach dem Besuch der progressiven Walden School in New York City wurde er bereits mit 15 Jahren zum Studium an der Harvard University zugelassen. Er verschob jedoch den Studienbeginn um ein Jahr und arbeitete zunächst in einem Kibbuz in Palästina. Nach Abschluss des Studiums an der Harvard University (1940) und der Harvard Medical School (1943) diente er während des Zweiten Weltkriegs in der US-Armee in Colorado. Nach Kriegsende lehrte er als Assistenzprofessor in Harvard.
1955 nahm er das Angebot der Stanford University an, einen Lehrstuhl für Pharmakologie zu übernehmen und Wissenschaftler für eine Erweiterung der Forschung an der medizinischen Fakultät zu rekrutieren. Während seiner Zeit als Lehrstuhlinhaber von 1955 bis 1970 untersuchte er die Auswirkungen von Coffein auf den Menschen, gründete 1965 die Fachzeitschrift Molecular Pharmacology und verfasste das Werk Biostatistics (1964). Außerdem war er Koautor des Lehrbuchs Principles of Drug Action (1968).
Im Jahr 1969 wandte er sich den Opiaten wie Morphin und Heroin zu – zu einer Zeit, als diese Drogen zunehmend zu einem sozialen Problem in amerikanischen Städten wurden, aber ihre Wirkungen im Gehirn nicht verstanden wurden. Er entwickelte die Methodik zur Untersuchung der Bindung von Molekülen an Opioidrezeptoren im Gehirn, ein entscheidender Schritt bei der Suche nach den Endorphinen. In den 1970er Jahren arbeitete Goldstein intensiv daran, die chemische Struktur eines Endorphinrezeptors und anschließend das Endorphin selbst zu isolieren und zu identifizieren. Das Molekül, das er auf diese Weise entdeckte, war eines der wichtigsten Endorphine, das er aufgrund seiner hohen Wirksamkeit Dynorphin nannte. Allerdings hatten bereits kurz vorher John Hughes und Hans Walter Kosterlitz die ersten Endorphine, die Enkephaline, entdeckt.
Parallel zu seiner Laborforschung arbeitete Goldstein direkt mit Heroinsüchtigen in San José zusammen, wo er Anfang der 1970er Jahre die erste große Methadonklinik Kaliforniens gründete. Er beriet politische Entscheidungsträger in Fragen der Drogenpolitik. In seinem 1994 erschienenen Buch Addiction: From Biology to Drug Policy erklärte er einem breiten Publikum die Drogenabhängigkeit, von den biologischen Grundlagen bis hin zur staatlichen Politik. Er war als Berater für die Biotech-Industrie im Silicon Valley tätig und war wissenschaftlicher Berater mehrerer Unternehmen. Sein Arbeitsspektrum reichte von der Grundlagenforschung bis hin zur angewandten Wissenschaft. Diese Bereiche verschmolzen 1974 in der von ihm gegründeten Addiction Research Foundation, die ihren Sitz in unmittelbarer Nähe von Stanford hatte. In dieser Einrichtung wurden die Laborforschung, die Forschung am Menschen und die Behandlung von Heroinsüchtigen unter einem Dach vereint.
1980 wurde er zum Mitglied der National Academy of Sciences und 1995 der American Academy of Arts and Sciences gewählt. Die Accademia Nazionale dei Lincei nahm ihn 1998 als auswärtiges Mitglied auf. 1980 wurde er mit der Benjamin-Franklin-Medaille für Biowissenschaften des Franklin Institute ausgezeichnet.
Er war seit 1947 mit der Pharmakologin Dora Goldstein (1922–2011) verheiratet, die ebenfalls an der Stanford University als Professorin lehrte.
Schriften (Auswahl) Bücher
Aufsätze in Zeitschriften
Literatur
Weblinks Noted pharmacologist and addiction expert Avram Goldstein dies at 92 Nachruf von Rosanne Spector im Stanford Medicine Magazine. Nachruf bei Palo Alto Online. Eintrag zu Avram Goldstein bei der National Academy of Sciences.
Einzelnachweise
Kategorie:Pharmakologe Kategorie:Hochschullehrer (Stanford University) Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der Accademia dei Lincei Kategorie:Absolvent der Harvard University Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1919 Kategorie:Gestorben 2012 Kategorie:Mann