Four Compositions (Quartet) 1995 ist ein Musikalbum von Anthony Braxton. Die am 19. August 1995 in der Wesleyan University entstandenen Aufnahmen erschienen 1997 auf dem Label Braxton House.

Hintergrund Das Album enthält die ersten Stücke der Ghost Trance Music – die Kompositionen Nr. 183, 184, 182, 181 von Anthony Braxton, aufgeführt von Anthony Braxton, Ted Reichman, Kevin Norton und Joe Fonda, aufgenommen an der Wesleyan University 1995. Anthony Braxtons Ghost Trance Musics im Jahr 1995 war ein Meilenstein im Schaffen von Anthony Braxton, meint Bill Shoemaker in den Liner Notes. In vielerlei Hinsicht stellen sie sowohl eine logische Weiterentwicklung von Themen dar, die traditionell in Braxtons Musik vorherrschend waren, als auch eine scheinbar plötzliche Abkehr von der gängigen Praxis. Ob man nun den Platz der Ghost Trance Musics innerhalb der bekannten Parameter von Braxtons „Omniversum“ betrachtet oder die Besonderheiten von Phrasierung, Anschlag und Klangfarbe bestimmter GTM-Kompositionen – die Ghost Trance Musics vermitteln komplexe Botschaften über die Entwicklung von Braxtons Werk.

Titelliste Anthony Braxton: Four Compositions (Quartet) 1995 (Braxton House BH-005) Composition No. 182 12:25 Composition No. 183 9:58 Composition No. 184 19:58 Composition No. 181 16:03

Die Kompositionen stammen von Anthony Braxton.

Rezeption Brian Olewnick verlieh dem Album in Allmusic lediglich zweieinhalb Sterne und schrieb, Braxton habe mit diesen Stücken einen völlig neuen Ansatz gewählt: der Einführung dessen, was später als seine „Ghost Trance Music“ bekannt werden sollte. Im Allgemeinen zeichne sich dieses Subgenre durch eine sich wiederholende, unisono gespielte Melodielinie aus, die in gleichmäßig betonten Achtelnoten vor sich hin wandert, dabei jedoch von mindestens zwei der Instrumentalisten zu jedem Zeitpunkt des Stücks aufrechterhalten wird. Solisten, soweit man sie als solche bezeichnen kann, verzieren diesen zentralen Strang, kehren aber nach einer Weile zum Muster zurück, um anderen die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Ausarbeitungen zu entwickeln. Wenn es an irgendetwas in Braxtons früherem Schaffen erinnert, könnte man sagen, dass es eine gewisse Ähnlichkeit mit seinen Kompositionen der „Kelvin“-Reihe aus den frühen 70er Jahren aufweise. Trotz aller oberflächlichen Einfachheit finde hier ein hohes Maß an komplexer Interaktion statt. Da dies für diese Musiker die erste Begegnung mit diesem neuen Konzept war, sei es nicht verwunderlich, dass sie in einigen Abschnitten dieses Albums mit einer gewissen Zurückhaltung spielen.

Spätere Aufnahmen sollten diesen Aspekt von Braxtons Werk noch eindringlicher zur Geltung bringen (insbesondere „Composition 193 for Tentet“), doch sei es zweifellos faszinierend, hier seine Entstehung mitzuerleben, so Olewnick. Die verwendeten Klangfarben (insbesondere da Norton sich lange Zeit auf verschiedenen Metallophonen aufhält) würden eine helle und verspielte Atmosphäre schaffen – ein willkommener Ansatz für Musik, die das Potenzial hatte, etwas trocken und akademisch zu klingen. Es sei erfrischend zu sehen, dass Braxtons Musik, die ihren Zuhörern stets viel abverlangt, dies auch bis weit in die 90er Jahre hinein tat.

Auf diesem Mitte der 1990er-Jahre erschienenen Album werde die Struktur der Ghost Trance Music immer deutlicher, meint Uros Vucinic (JazzFuel). Das Quartett bewegt sich in langatmigen Stücken, die sich eher allmählich als abrupt wandeln. Themen tauchen als anhaltende Strömungen auf, die gelegentlich von kontrastierenden Passagen unterbrochen werden. Was diese Schaffensphase in Anthony Braxtons Diskografie auszeichne, sei Geduld. Die Musik verlange kein sofortiges Verständnis; sie würde aber das Eintauchen in ihre Welt belohnen.

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Einzelnachweise

Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 1997 Kategorie:Livealbum Kategorie:Anthony-Braxton-Album