miniatur|Tanzsportturnier – im Vordergrund steht ein Wertungsrichter

Beim Tanzsport wird Tanzen als Sportart ausgeübt. Wettkampfmäßigen Tanzsport nennt man auch Turniertanz. Sitzt dabei mindestens einer der Tänzer im Rollstuhl, ist es Rollstuhltanz.

Als Tanzsport betrieben werden unter anderem die lateinamerikanischen Tänze, die Standardtänze, Rock ’n’ Roll, Boogie-Woogie, Bugg und West Coast Swing sowie Orientalischer Tanz, modern Line Dance, Cheer Dance, Hip-Hop, Showdance, Discodance, Stepptanz, Breakdance, Electric Boogie, Jumpstyle, Gardetanz, Contemporary, und Jazz und Modern Dance. Welche Tänze sportlich ausgeübt werden, unterscheidet sich von Land zu Land. Die ersten drei genannten sind auch bei den World Games vertreten. 2013 wurde auch Salsa bei den World Games in Cali, Kolumbien als Tanzsportwettbewerb in Kooperation des WDSF und der IDO durchgeführt.

Auf Tanzturnieren treten Einzeltänzer, Tanzpaare oder Tanzformationen gegeneinander an. Wertungsrichter beurteilen die Darbietungen unter verschiedenen Gesichtspunkten und vergeben Punkte oder Platzierungsempfehlungen, anhand derer Sieger und Ranglisten ermittelt werden. Ablauf und Form der Turniere können sehr unterschiedlich ausfallen.

Tanzturniere mini|Lateinformation

Tanzsport ist sowohl im Breiten- als auch im Turnier- und Leistungssport beliebt. Dabei ist der Übergang vom Hobbytänzer über den ambitionierten Breitensportler bis hin zum Einsteiger in die Turnierszene im Idealfall fließend. Turniere gibt es sowohl für den Breiten- als auch für den Leistungssportbereich. Dabei treten einzelne Tänzer, Paare, Formationen oder Mannschaften einzelner Paare an. Sie präsentieren den Turnierregeln folgend entweder eine einstudierte Choreografie oder interpretieren ein gespieltes Musikstück frei.

In Turnieren des Deutschen Tanzsportverbandes (DTV) treten Paare, eingeteilt nach Alter und Leistungsstand, in Wettbewerben gegeneinander an. Während der Vor- und Zwischenrunden werden sie in ihrer Leistung von einer ungeraden Anzahl an Wertungsrichtern in verdeckter Wertung vergleichend beurteilt. Aufgrund dieser punktuellen Bewertung entscheidet sich, ob ein Paar in die nächste Runde kommt oder nicht. An der nächsten Runde, je nach Anzahl der Paare bis zu fünf Runden pro Turnier, nimmt mindestens die Hälfte der Paare der vorherigen Runde teil. Bis zu sieben Paare schaffen es in die Endrunde und können damit eine begehrte Platzierung erringen, von denen zwischen fünf und zehn zum Aufstieg in die nächsthöhere Klasse notwendig sind. Für jedes Paar, welches in der Gesamtwertung auf einem niedrigeren Platz liegt, erhält das Paar einen Punkt, maximal jedoch 20 Punkte pro Turnier. Eine bestimmte Anzahl von Punkten sind ebenfalls zum Aufstieg in die nächsthöhere Klasse notwendig. Platzierungen und Punkte werden im Startbuch eines Paares verzeichnet. Während das Startbuch früher noch aus Papier war, erfolgt die Verwaltung der Punkte und Platzierungen seit 2015 elektronisch in der ESV (Elektronische Sportverwaltung im DTV). Die Paare erhalten eine ID-Karte und können ihre Ergebnisse, Punkte und Platzierungen online abrufen.

Außer vom oben genannten DTV werden in Deutschland Tanzturniere auch vom 1993 gegründeten Deutschen Amateur Turnieramt (DAT) veranstaltet. Trotz der leicht irreführenden Bezeichnung „Amt“ ist das DAT keinesfalls eine offiziell anerkannte Sportorganisation im Deutschen Olympischen Sportbund. Aufgrund der Einbindung in den Berufsverband Deutscher Tanzlehrer ist eine kommerzielle Prägung nicht von der Hand zu weisen. Die Turniere des DAT richten sich, laut eigener Angabe, besonders an Tänzer, die weniger leistungsorientiert tanzen wollen. Sie unterscheiden nur zwischen Hobby- und Sporttänzern, ohne sie permanent in Leistungsklassen einzuteilen. Erst auf einem Turnier werden durch sogenannte Sichtungsrunden die an diesem Tag durch die teilnehmenden Paare resultierenden Leistungsklassen gebildet und dann ausgetanzt. Im Gegensatz zum DTV-System muss sich jedes Paar bei jedem Turnier neu für eine Klasse qualifizieren.

Darüber hinaus werden in Deutschland noch Turniere der WDC German Amateur League (GAL) durchgeführt. Auch hier treten die Paare in verschiedenen Leistungsklassen und Altersgruppen in den fünf Standard- und Lateintänzen gegeneinander an. Es handelt sich hierbei um die deutsche Amateurliga des World Dance Council (WDC), dem zweiten großen Weltverband neben der World Dance Sport Federation. In vielen Punkten gleichen sich Turnierablauf und Regeln mit denen des Deutschen Tanzsportverbandes, in einigen Bereichen gibt es Unterschiede. So werden z. B. in allen Turnieren zunächst Sichtungsrunden getanzt und anhand der gezeigten Leistungen dann die Klassen eingeteilt.

Zusätzlich werden in Deutschland offizielle Tanzturniere von TAF Germany e. V. (The Actiondance Federation) ausgerichtet. TAF ist als Verband in Deutschland für alle Tanzrichtungen, welche nicht den Standard- oder den lateinamerikanischen Tänzen sowie dem Rock ’n’ Roll zuzurechnen sind, offen und richtet eine Vielzahl von regionalen und nationalen Turniere dazu aus. TAF besteht, mit seinen namentlichen Vorläufern, seit 1978 und ist seit 2012 ein eigenständiger e. V. sowie das deutsche Mitglied in der IDO (International Dance Organization). TAF ist weiterhin Fachverband mit besonderer Aufgabenstellung im DTV (Tanzsport Deutschland) sowie im ADTV (Allg. Deutscher Tanzlehrerverband) und steht allen deutschen Tänzerinnen und Tänzern offen. Der DTV ist wiederum Mitglied in TAF.

Startgruppen Startgruppen sind Einteilungen nach Alter. Im Bereich des DTV gibt es folgende Startgruppen:

Kinder- und Jugendgruppen Kinder I (Höchstalter des älteren Partners 9 Jahre) Kinder II (Höchstalter des älteren Partners 11 Jahre) Junioren I (Höchstalter des älteren Partners 13 Jahre) Junioren II (Höchstalter des älteren Partners 15 Jahre) Jugend (Höchstalter des älteren Partners 18 Jahre) Zurzeit werden bis auf Weiteres die beiden Kindergruppen zu einer gemeinsamen Startgruppe Kinder zusammengefasst.

Hauptgruppen Hauptgruppe (Mindestalter des älteren Partners 19 Jahre) Hauptgruppe II (Mindestalter eines Partners 28 Jahre)

Seniorengruppen Senioren I (Mindestalter des älteren Partners 35 Jahre, Mindestalter des jüngeren Partners 30 Jahre) Senioren II (Mindestalter des älteren Partners 45 Jahre, Mindestalter des jüngeren Partners 40 Jahre) Senioren III (Mindestalter des älteren Partners 55 Jahre, Mindestalter des jüngeren Partners 50 Jahre) Senioren IV (Mindestalter des älteren Partners 65 Jahre, Mindestalter des jüngeren Partners 60 Jahre) Senioren V (Mindestalter beider Partner 70 Jahre)

Startklassen Startklassen sind Einteilungen nach Leistung. Im Bereich des DTV beginnen Turnieranfänger in der D-Klasse und ertanzen sich durch Platzierungen und Punkte den Aufstieg in die C-Klasse, auf welche die B- und A-Klasse folgen. Danach kann noch der Aufstieg in die höchste deutsche Klasse, die S(onder)-Klasse, erreicht werden. Die Anforderungen dazu sind besonders hoch und wie bei allen anderen Klassen bundeseinheitlich geregelt.

In der D- und C-Klasse sind nur bestimmte Figuren erlaubt. Ab der B-Klasse ist diese Schrittbegrenzung aufgehoben.

Die Startklasse bestimmt auch die Kleiderordnung der Tänzer. So sind in der D-Klasse Standard für Damen weder Turnierkleider noch Schmuck erlaubt, sondern nur Straßen- bzw. Trainingskleidung. Die Einschränkungen werden in den höheren Klassen immer weiter aufgehoben, wobei die Kleidung der unteren Klassen immer erlaubt bleibt.

In der Kindergruppe gibt es nur die Startklassen D bis C, In der Juniorengruppe D bis B, in der Jugendgruppe D bis A. In der höchsten Kinder-, Junioren- und Jugendklasse ist ein Doppelstart in der gleichen Klasse der jeweils nächsten Altersgruppe erlaubt. Dort ist dann auch ein Aufstieg in die nächsthöhere Klasse zugelassen. Somit kann beispielsweise ein Paar zugleich Jugend A und Hauptgruppe S sein. Die Lateinklassen der Senioren gibt es nur bis zur Senioren IV, Kombinationsturniere, also Turniere, in denen alle 10 Standard- und Lateintänze getanzt werden, nur bis Senioren III.

Bei geringer Anzahl von Aktiven in einzelnen Startklassen und bei Einladungsturnieren (Turniere 2. Ordnung ohne Vergabe von Aufstiegspunkten und -platzierungen) können Startklassen auch kombiniert werden, zum Beispiel B- mit A-Klasse; bei Turnieren 1. Ordnung ist dafür die Genehmigung des Bundes- oder Landessportwartes notwendig.

Da ein Abstieg in eine niedrigere Startklasse nicht möglich ist, sammeln sich die Paare in der S-Klasse, so dass die Leistungsspanne gerade dort besonders hoch ist. Es ist praktisch nur eine Frage der Zeit, dass man bei regelmäßiger Turnierteilnahme und günstiger Wahl von Turnieren in die nächsthöhere Klasse aufsteigt. Problematisch wird dies bei Paaren, die aufgrund ihres Alters oder mangelnder Zeit an Leistung verlieren. Die selbstbeantragte Rückstufung in eine niedrigere Startklasse ist zwar möglich, wird jedoch nur selten genutzt, so dass Abstiegsregelungen immer wieder diskutiert werden.

Turnierarten Breitensportwettbewerb (BSW) BSW-Turniere sind eher für Einsteiger gedacht. Es wird nur eine Auswahl aus beiden Disziplinen (Standard und Latein) getanzt. Startberechtigt sind alle Paare, die über einen Verein angemeldet werden (mit einem Breitensportpass können diese Paare auch an einem D-Turnier teilnehmen), allerdings auch Standard- und Lateinpaare der D-Klasse.

Kombinationsturnier („Zehn Tänze“) In einem Kombinations- oder Turnier über zehn Tänze werden alle zehn klassischen Turniertänze (Standard und Latein) in einem Wettbewerb absolviert.

Ranglistenturnier In den höchsten Leistungsklassen der jeweiligen Altersgruppen werden in beiden Disziplinen (Standard und Latein) Ranglistenturniere in Deutschland ausgetragen. Junioren II B Jugend A Hauptgruppe S Senioren I S Senioren II S Bei diesen Turnieren erhalten die Paare je nach ihrer Platzierung sogenannte Ranglistenpunkte. Über diese sich daraus ergebende Rangliste werden sogenannte Sternchenpaare ermittelt, die bei den Deutschen Meisterschaften direkt für die Zwischenrunde qualifiziert sind und die Vorrunde nicht zu bestreiten brauchen.

Turnierrunden mini|Tänzerin beim Blauen Band an der Spree Im Folgenden ist von Paaren die Rede, auch wenn beispielsweise in Formationswettbewerben keine einzelnen Paare, sondern die ganze Formation als Gruppe gewertet wird.

Bei Tanzsportturnieren unterscheiden sich die Wertungsverfahren in den Vorrunden und der Endrunde: Während in den Vor- und Zwischenrunden von den Wertungsrichtern eine verdeckte Wertung vorgenommen wird, findet in der Endrunde eine offene, für Teilnehmer und Publikum sichtbare, Wertung statt.

Vor- und Zwischenrunden Bei mehr als sechs startenden Paaren finden Vor- und evtl. Zwischenrunden statt. In der Vorrunde nehmen alle startenden Paare teil. Da in der Endrunde aber nur sechs (bei Punktgleichheit sieben) Paare starten dürfen, muss die Anzahl der Paare in den Vor- und Zwischenrunden auf diese Zahl verringert werden. Die Regeln besagen, dass mindestens die Hälfte der Paare in die nächste Runde kommen sollen. Dies geschieht durch eine Auswahlwertung.

Dazu verteilen die Wertungsrichter bei jedem Tanz Kreuzchen an diejenigen Paare, die sie in der nächsten Runde (oder der Endrunde) noch einmal sehen möchten. Dabei stehen ihnen so viele Kreuzchen zur Verfügung wie Paare in der nächsten Runde tanzen sollen. Bei 23 Paaren soll auf 18 Paare reduziert werden, also stehen 18 Kreuze zur Verfügung. Dennoch kann es bei gleicher Kreuzezahl passieren, dass mehr als die Hälfte der Paare an der nächsten Runde teilnehmen dürfen. Kommt es dazu, wird die nächste mit mehr Paaren getanzt als geplant. In dieser Runde stehen dann unter Umständen weniger Kreuze als die Hälfte der Paare zur Verfügung.