mini|Stumme Zeitungsverkäufer

Eine Tageszeitung ist nach internationaler Definition ein mindestens viermal wöchentlich,Revised Recommendation concerning the International Standardization of Statistics on the Production and Distribution of Books, Newspapers and Periodicals. In: UNESCO, Office of International Standards and Legal Affairs. 1. November 1985. heute meist täglich von Montag bis Samstag erscheinendes Druckerzeugnis, das eine umfassende Berichterstattung bietet und sich an ein allgemeines Publikum richtet. Tageszeitungen werden nach ihrem Verbreitungsgebiet als Regionalzeitungen und überregionale Zeitungen unterschieden. Eine Sonderform der Tageszeitung ist die Boulevardzeitung. Fast alle deutschen Tageszeitungen erscheinen mittlerweile in gedruckter Form als Morgenausgabe; das heißt, die Zustellung im Abonnement und zu den Einzelhändlern erfolgt in den frühen Morgenstunden des Erscheinungstages.

Geschichte mini|200px|Einkommende Zeitungen 1650, Nr. 9 Als Vorläufer der Tageszeitung können die im antiken Rom vom Konsul Gaius Julius Caesar 59 v. Chr. eingeführten, bis mindestens 235 n. Chr. wohl nicht immer täglich erschienen Nachrichtenbulletins Acta diurna gelten.

Die erste Tageszeitung der Neuzeit erschien am 1. Juli 1650 in Leipzig: Zwei Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wandelte der Leipziger Drucker und Buchhändler Timotheus Ritzsch seine bereits seit 1643 viermal in der Woche erschienene „Wöchentliche Zeitung“ in eine Tageszeitung um. Die neue Einkommende Zeitungen erschien ab 1650 sechsmal pro Woche. Jede Ausgabe bestand aus vier Seiten im Format von etwa 13,5 mal 17 Zentimetern. Die Auflage betrug etwa 200 Exemplare. Gesetzt waren die Einkommenden Zeitungen in Metall-Lettern, gedruckt wurden sie von Hand auf einer hölzernen Druckerpresse.

Aufgaben und Merkmale einer Tageszeitung Vier Merkmale charakterisieren eine Zeitung: 1. die Publizität, das heißt die allgemeine Zugänglichkeit der Publikation. 2. die Aktualität, die Veröffentlichung der Nachricht sollte möglichst zeitnah zum dazugehörigen Ereignis stehen. 3. die Zeitung muss regelmäßig erscheinen (Periodizität). 4. die Universalität, die redaktionelle und damit inhaltliche Vielfalt der Zeitung. Eine Tageszeitung muss mindestens viermal pro Woche erscheinen, anderenfalls wird sie als Wochenzeitung bezeichnet.

Eine Tageszeitung hat die Aufgabe, die Bevölkerung zu informieren, die Ereignisse zu kommentieren und zu analysieren. Sie ist somit sehr wichtig für die tägliche Informationsverbreitung und damit auch für die Meinungsbildung in der Gesellschaft.

Die fünf wichtigsten und klassischen Ressorts einer Tageszeitung sind Politik, Wirtschaft, Kultur, Lokales und Sport; dazu kommen heute oft noch die Wissenschaft, Reise, Unterhaltung und Weiteres. Eine Zeitung besteht aus einzelnen gefalteten Papierlagen, die nicht zusammengeheftet sind. Diese Lagen werden auch Bücher genannt. Bei Tageszeitungen befindet sich immer im ersten Buch die Politik, im zweiten zumeist die Wirtschaft; dann folgen die Kultur und der Sport. Eine Tageszeitung besteht aus zwei Teilen, dem redaktionellen Teil und dem Anzeigenteil. Beide müssen sich in der Gestaltung deutlich voneinander unterscheiden.

Früher gab es nahezu ausschließlich Vollredaktionen, die alle Beiträge für ihre Publikation selbst schrieben und erstellten. Heute geht, vor allem bei Lokal- und Regionalzeitungen, hauptsächlich aus Kostengründen der Trend zu Mantelredaktionen.

Mit Leserbriefen, heute häufig auch in Form eines E-Mail- oder Blog-Kommentars, kann die Leserschaft ihre Meinung äußern. Für die Zeitung bedeutet der Leserbrief ein Feedback und stärkt die Leser-Blatt-Bindung. Heute leisten Zeitungsverlage noch weitere Dienstleistungen für ihre Leser, sie organisieren beispielsweise Veranstaltungen oder Reisen, außerdem sponsern sie oft kulturelle Ereignisse.

Die Tageszeitung wird häufig erst in der Nacht gedruckt und dann gleich ausgeliefert: circa 80 % der verkauften Auflage einer Tageszeitung werden zwischen 5 Uhr und 11 Uhr morgens verkauft oder an die Abonnenten ausgeliefert. Hierfür muss es ein funktionierendes Vertriebssystem geben (Pressevertrieb). Tageszeitungen werden entweder im Handel, den sogenannte Pressegrossisten beliefern, oder durch das Abonnement (ca. 50 %) verkauft. Kaufzeitungen dagegen, wie lange Zeit die Bild-Zeitung, werden nur im Einzelverkauf vertrieben. Die verkaufte Auflage von Tageszeitungen ging in den letzten Jahren kontinuierlich zurück, vor allem im Einzelverkauf.

Überregionale Zeitungen werden oftmals aus beruflichen Gründen auch am Arbeitsplatz gelesen und sprechen eine gebildete Zielgruppe an. Regionalzeitungen wollen dagegen eine breitere Bevölkerungsschicht ansprechen. Häufig werden sowohl eine regionale als auch eine überregionale Tageszeitung gelesen, wobei manche überregionale Tageszeitungen Lokalausgaben haben.

Bei der Mainzer Langzeitstudie Medienvertrauen liegen die Lokalzeitungen Anfang der 2020er Jahre mit etwa 60 % leicht vor den überregionalen Zeitungen mit etwa 55 %. Damit liegen sie zwischen dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen (ca. 65 %) und dem Privatfernsehen (ca. 20 %).

Der Tageszeitungsmarkt in verschiedenen Ländern

Tageszeitungen in Deutschland 2004 waren 299 von insgesamt 443 deutschen Kreisen (Landkreise und Städte) sogenannte Einzeitungskreise, die nur durch eine tägliche Lokal- oder Regionalzeitung versorgt wurden. Viele dieser Titel kooperieren eng mit anderen und sind mit ihnen teilidentisch. Alle Zeitungen, die mit einem gemeinsamen Mantel erscheinen, werden auch als „Publizistische Einheit“ bezeichnet. 2006 gab es 137 solcher Einheiten in Deutschland, die angesichts der vielfältigen Kooperationen als beste statistische Näherung für Zeitungshauptredaktionen und damit als Maß für die publizistische Vielfalt angesehen werden.

Die Zahl der wirtschaftlich unabhängigen, miteinander im Wettbewerb stehenden Einheiten ist wesentlich geringer, da insbesondere den wenigen großen Zeitungsverlagen viele Zeitungen und publizistische Einheiten gehören.

2009 gab es in Deutschland 351 Tageszeitungstitel mit einer täglichen Gesamtauflage von 25,31 Millionen, davon 334 lokale oder regionale Tageszeitungen (Auflage: 14,85 Millionen). 27. Mai 2010; zum Vergleich: 353 / 21,19 Millionen, Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger: Zeitungen 2006. Berlin 2006, ISBN 3-939705-00-4. Laut der 8. Stichtagssammlung der deutschen Tagespresse, welche Walter Schütz im Auftrag der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover durchführte, gab es 2012 333 gesellschaftsrechtlich selbstständige Zeitungsverlage in Deutschland. Diese 333 Zeitungen wurden von 130 Vollredaktionen betreut und geben 1.527 verschiedene Lokalausgaben heraus.Steffen Grimberg: Alles, was zählt. In: Sonntaz. 39, 14./15. Juli 2012.

Von 2002 bis 2012 fiel die Gesamtauflage der deutschen Tageszeitungen von 27,49 auf 21,13 Millionen Stück (einschließlich ePaper-Verkäufe).

Überregionale Tageszeitungen Als erste überregionale und durch das gesamte 19. Jahrhundert hindurch unangefochten führende Tageszeitung deutscher Sprache galt die Kölnische Zeitung.

Nur wenige deutsche Tageszeitungen gelten als überregionale Zeitungen, die bundesweit wahrgenommen werden. Die Definition dieser überregionalen Zeitungen ist schwierig, weil es bis heute nicht gelungen ist, exakte Kriterien zu finden. Die meisten der als überregional geltenden Tageszeitungen verkaufen nach wie vor mehr als die Hälfte ihrer Auflage in ihrem Regionalgebiet, in dem sie Lokalredaktionen unterhalten, und sind damit zugleich Regionalzeitungen.

Die sinnvollste Abgrenzung von reinen Regionalzeitungen gelingt über das Kriterium der bundesweiten Verfügbarkeit im Einzelverkauf in Kiosken und Supermärkten sowie über die bundesweite Wahrnehmung und meinungsbildende Funktion der Hauptredaktionen. Die so anerkannten Zeitungen beinhalten – mit Ausnahme der Boulevardzeitung Bild – einen quantitativ und qualitativ deutlich überdurchschnittlichen Politik-, Feuilleton- und Wirtschaftsteil. Da das Gewicht bei der gesellschaftlichen Meinungsbildung von der Größe, Ausstattung und Kompetenz der Redaktion abhängt, ist es zwischen den Zeitungen unterschiedlich. Außerdem ändert es sich im Lauf der Zeit, sodass eine Liste nicht als dauerhaft gelten kann.

mini|Zeitungsstand in Göttingen – Fußgängerzone

Die bundesweit verbreiteten Tageszeitungen Deutschlands ab einer Auflage von 20.000 Exemplaren sind:

Tageszeitung (Abkürzung) Ort des Verlages Verkaufte Exemplare(Quelle ) Leser(Quelle ) Druckauflage (Eigenangabe) Bild* Berlin 6.930.000 - Süddeutsche Zeitung (SZ) München 1.260.000 - Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) Frankfurt am Main 890.000 -Handelsblatt** Düsseldorf 550.000 - Die Welt Berlin 960.000 - die tageszeitung (taz) Berlin (Printausgabe nach dem 17. Oktober 2025 eingestellt) 310.000 - junge Welt (jW) Berlin - - 23.100 – 29.000https://www.jungewelt.de/werbung/Mediadaten.pdf

*Boulevard **mit Wirtschaftsschwerpunkt

Die überregionalen Zeitungen werden häufig in das politische Spektrum Deutschlands eingeordnet: So gelten die Süddeutsche Zeitung als linksliberal, die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) als konservativ-liberal,„Die ‚FAZ‘ wird überwiegend als konservativ-liberal, liberal-konservativ bezeichnet. Gegen diese Bezeichnung ist nichts einzuwenden. Dabei wird es bleiben.“ Werner D’Inka (Mitherausgeber der FAZ) 2007 in Alter Wein in neuen Schläuchen. Deutschlandfunk, 6. Oktober 2007; abgerufen am 11. Juli 2011. die Welt als konservativ-marktliberalNicola Pointner: In den Fängen der Ökonomie? Ein kritischer Blick auf die Berichterstattung über Medienunternehmen in der deutschen Tagespresse. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17198-2, S. 153 (zugleich: Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität, München 2009; benannte Quellen: Pürer, 1996, S. 168 f.; Hachmeister & Rager, 2000, S. 284.) und die tageszeitung (taz) als links-alternativ.

An der Grenze zwischen überregionaler Tageszeitung und Regionalzeitung mit überregionalem Anspruch steht der Berliner Tagesspiegel, der sich als „Zeitung für Berlin und Deutschland“ bezeichnet. Ebenfalls deutschlandweit erscheint die Börsen-Zeitung in Frankfurt am Main mit Wirtschaftsschwerpunkt.

Krise der Tageszeitungen Im Jahre 2013 wurde die Krise, in der sich fast alle Tageszeitungen Deutschlands befinden, durch die Insolvenz der Frankfurter Rundschau und die Einstellung der Financial Times Deutschland unübersehbar. Tageszeitungen in anderen Ländern haben ähnliche Probleme. Als Gründe werden unter anderen genannt:

Sinkende Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft. Sie betrugen im Jahre 2012 nur noch rund 40 % der Gesamteinnahmen und waren auch davor schon stetig gefallen. Demgegenüber stiegen die Vertriebseinnahmen, die jahrzehntelang lediglich eine untergeordnete Rolle spielten, im Trend anteilig auf 52,8 % aller Einnahmen. Aus einer seit Jahren rückläufigen Auflage resultieren sinkende Vertriebseinnahmen (sofern die Preise nicht erhöht wurden). Die Auflage sank im Schnitt um 2 % pro Jahr (im 2. Quartal 2012 gegenüber dem Vorjahresquartal um 2,4 %). Einem täglichen Verkauf im Jahr 2012 von etwa 18,4 Millionen Exemplaren standen 1991 noch über 27,3 Millionen gegenüber. Da der erzielbare Anzeigenpreis von der Auflage abhängt, führt eine sinkende Auflage langfristig zu sinkenden Anzeigenerlösen. Sogenannte elektronische Zeitungen können den Einnahmerückgang nicht auffangen.