Twistringen (Plattdeutsch Twustern) ist eine Stadt im Landkreis Diepholz in Niedersachsen. Sie liegt rund 30 Kilometer südwestlich von Bremen am Südostrand des Naherholungsgebietes Wildeshauser Geest. In Twistringen entspringt die Delme.

Geografie Lage Twistringen liegt 30 Kilometer südwestlich von Bremen, 25 Kilometer nordöstlich von Diepholz und 40 Kilometer westlich von Nienburg. Twistringen liegt vollständig auf dem Gebiet des Naturparks Wildeshauser Geest.

Stadtgliederung Die Stadt Twistringen besteht aus acht Ortschaften die jeweils einen Ortsrat haben (Einwohnerzahlen Stand 31. Januar 2025). Name Einwohner Orte Ortsbürgermeister Abbenhausen 650 Abbenhausen, Binghausen, Brümsen, Hinterm Holze, Köbbinghausen, Üssinghausen Bernhard Kunst Altenmarhorst 804 Altenmarhorst, Neuenmarhorst und Horst Andreas Beuke Heiligenloh 1.158 Bissenhausen, Borwede, Ellinghausen, Heiligenloh, Ridderade, Stophel Anke von der Lage-Borchers Mörsen 1.090 Heinrich Schmidt Natenstedt 514 Abbentheren, Duveneck, Ellerchenhausen, Lerchenhausen, Natenstedt, Rüssen Marco Cohrs Scharrendorf 1.206 Scharrendorf, Stöttinghausen Rolf Meyer Stelle 346 Joachim Wilcke Twistringen (Zentrum) 7.610 Anja Thiede

Nachbarorte Nachbargemeinden der gesamten Stadt Twistringen sind innerhalb des Landkreises Diepholz im Nordosten die Stadt Bassum, im Südosten die Samtgemeinde Schwaförden und im Süden die Samtgemeinde Barnstorf. Im Westen sind die Gemeinden Colnrade (Landkreis Oldenburg) und Goldenstedt (Landkreis Vechta) Nachbarn. mini|Kernstadt und die Ortschaften von Twistringen mini|Twistringen

Naturraum Twistringen liegt in der Syker Geest (naturräumliche Einheit Nr. 594), die Teil der naturräumlichen Haupteinheit Ems-Hunte-Geest (Nr. 59) ist. Der Begriff Wildeshauser Geest ist nicht Bestandteil des Systems naturräumlicher Einheiten Deutschlands. Als Delmequelle wurde eine Quelle in der Nähe des Zentrums von Twistringen definiert, obwohl der „Nebenfluss“ Rote Riede deutlich länger ist als der Abschnitt der Delme oberhalb des Zusammenflusses beider Gewässer.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Stadtgebiet von Twistringen gehört zum Einzugsgebiet der Hunte und damit zum Flusssystem der Weser.

Durch das Gebiet fließt nach Norden die Delme und der Zufluss Rote Riede. Westlich von Twistringen, im Ortsteil Heiligenloh, verläuft die Heiligenloher Beeke, die über die Hunte dem Wesersystem angehört.

Südlich von Ridderade befindet sich das Horstmannsche Schlatt, ein kleinteiliges Feuchtgebiet mit Schlattgewässern und moortypischer Vegetation, das Lebensraum für Amphibien bietet.

Das Wietingsmoor erstreckt sich mit einer Gesamtfläche von rund 5000 ha zwischen Twistringen und Wagenfeld. Große Teile stehen unter Schutz, darunter das 2018 ausgewiesene Naturschutzgebiet Nördliches und Mittleres Wietingsmoor, Freistätter Moor und Sprekelsmeer (NSG HA 249) mit etwa 2800 ha. Das Gebiet umfasst Hochmoorflächen, Moorheiden, Moorwälder und renaturierte Wasserflächen und zählt zu den bedeutenden Vogelhabitaten der Region, unter anderem für Kraniche.

Im nördlichen Bereich des Steller Moores liegt das Twistringer Bruchmoor, ein ökologisch wertvolles Niedermoor, das als Kohlenstoffspeicher dient und Lebensraum für moortypische Pflanzen sowie zahlreiche Tierarten bietet.

Das Geestmoor (NSG HA 029) zwischen Twistringen und Schwaförden ist durch Entwässerung und Torfabbau stark verändert; in Teilbereichen sind jedoch noch Relikte wie Moorbirkenwälder, Feuchtflächen und ehemalige Torfstiche erhalten.

Das Sprekelsmeer, heute Teil des Wietingsmoor-Schutzgebiets, besteht aus einem Stillgewässer mit Inseln und Uferzonen und bietet Lebensraum für Amphibien sowie Wasser- und Wiesenvögel.

Twistringen steht hydrologisch und ökologisch vor Herausforderungen, die vor allem mit der historischen Entwässerung und Nutzung der umliegenden Moorlandschaften zusammenhängen. Moore wie das Wietingsmoor und angrenzende Gebiete haben dadurch ihre natürliche Funktion als Wasserspeicher, Kohlenstoffsenke und Lebensraum teilweise verloren. Die Wiedervernässung dieser Flächen ist hydrologisch komplex und erfordert eine dauerhafte Steuerung des Wasserhaushalts, um moortypische Bedingungen zu stabilisieren. Ökologisch sind viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten durch veränderte Feuchteverhältnisse und Nährstoffeinträge gefährdet. Zudem tragen entwässerte Moorböden erheblich zu Treibhausgasemissionen bei, weshalb Renaturierung und Schutzgebietsmanagement eine zentrale Rolle für Klima- und Naturschutz spielen.

Naturschutz, Landschaftsschutz, Flora-Fauna-Habitat Twistringer Anteil am Naturschutzgebiet Nördliches und Mittleres Wietingsmoor, Freistätter Moor und Sprekelsmeer (NSG HA 249) im äußersten Südosten Twistringens; Landschaftsschutzgebiet Dehmse (Waldgebiet) (LSG DH 00064) im nördlichen Stadtgebiet von Twistringen, ca. 1 km westlich des Twistringer Ortsteils Köbbinghausen, an der Grenze zur Samtgemeinde Harpstedt; Landschaftsschutzgebiet Rote Riede (LSG DH 00074); Landschaftsschutzgebiet Heiligenloher Beeke und angrenzende Bachniederungen (LSG DH 00078); Nördliches Schlatt des gemeindeübergreifenden Landschaftsschutzgebietes Schlatts am Wietingsmoor, genannt „Pilz-Gusten-Schlatt“ (LSG DH 00084, zugleich FFH-Gebiet 286) mit Hügelgräbern, direkt an die Samtgemeinde Barnstorf grenzend.

Untergrundverhältnisse Twistringen ist geologisch bekannt, weil dort bis in die 1990er Jahre Ton für eine Ziegelei abgebaut wurde. Diese Tone entstanden vor etwa 15 Millionen Jahren in der damaligen Ur-Nordsee und sind nach dem Ort als „Twistringer Schichten“ benannt.

In den Tonen wurden sehr viele Fossilien gefunden, vor allem Schnecken und Muscheln, aber auch Korallen und andere Meerestiere. Obwohl die Tiere meist klein waren, ist ihre Vielfalt außergewöhnlich groß. Deshalb gilt Twistringen heute als bedeutender Fundort der Fossilienkunde, und Funde sind in vielen Museen zu sehen.

In Twistringen liegt das oberflächennahe Grundwasser meist in 2–10 m Tiefe, schwankt stark und ist oft mit Nitrat belastet. Der wichtigste Grundwasserleiter für Trinkwasser und Landwirtschaft befindet sich in etwa 15–40 m Tiefe, kann aber ebenfalls belastet sein. Tiefere, besser geschützte Grundwasserleiter liegen meist ab 60–120 m und werden vor allem von Wasserwerken genutzt; die Tiefen variieren lokal.

Klima In Twistringen herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt.

2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist aufgrund des fortschreitenden Klimawandels tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C.

Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden. Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr.

Von 2012 bis 2021 war die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge 559 mm.

Geschichte

Twistringen wird erstmals um 1250 unter der Bezeichnung Thuisteringe in einer Urkunde als einer der Orte erwähnt, die jährliche Beiträge zum Unterhalt der Weserbrücke in Bremen leisten mussten.

Eine Pfarrei bestand in Twistringen bereits seit etwa 825. Nachdem die Christen im Niederstift Münster, dem Twistringen im 16. Jahrhundert angehörte, durch lutherische Prediger im Gefolge der Reformation stark im Sinne der evangelischen Konfession beeinflusst worden waren, wurde das Kirchspiel Twistringen ab 1668Franz Josef Scheeben: Seit 350 Jahren gehört Oldenburg zum Bistum Münster – Warum „Bomben-Bernd“ die geistliche Gewalt in Südoldenburg kaufte. kirche-und-leben.de. 14. September 2018 erfolgreich rekatholisiert. Im evangelisch geprägten bis 1866 hannoverschen, danach bis 1946 preußischen und seit 1946 niedersächsischen Umland ist das Kirchspiel Twistringen seit Jahrhunderten eine katholische Enklave und Sitz eines Dekanates.

Bis 1811 gehörte Twistringen zur Herrschaft Vechta im Niederstift Münster. 1811 wurde der Ort Teil des von Napoleon I errichteten Départements de l’Ems-Supérieur. Während der Franzosenzeit von 1811 bis 1813 erhielt der Ort mit der Napoleon-Straße (heute B 51) eine modernere Straßenanbindung.

Durch den Wiener Kongress und nach Grenzverhandlungen zwischen dem Großherzogtum Oldenburg und dem Königreich Hannover wurde Twistringen 1817 Hannover zugeordnet. Die katholische Kirchengemeinde wurde 1824 Teil des Bistums Osnabrück. Erst mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Bremen–Osnabrück 1873 siedelten sich wieder Lutheraner in Twistringen an. Diese gründeten 1891 eine evangelisch-lutherische Gemeinde und weihten 1894 ihre Kirche ein.

In Twistringen gab es eine kleine jüdische Gemeinschaft und bis zum Novemberpogrom 1938 eine Synagoge, an die heute eine Gedenktafel erinnert. Jüdischen Männer wurden „in Schutzhaft“ genommen, SA-Angehörige durchsuchten die Wohnungen und beschlagnahmten Wertgegenstände. Nachdem Teile der Synagogeneinrichtung ins Freie geschleppt worden waren, wurde diese in Brand gesetzt. Anfang 1939 lebten noch acht jüdischen Einwohner im Ort; alle sollen in den folgenden Jahren deportiert und ums Leben gekommen sein. Außerhalb des Ortskerns liegt der Jüdische Friedhof Twistringen.

1964 erhielt die Gemeinde Twistringen die Stadtrechte. Am 1. März 1974 entstand die Einheitsgemeinde Stadt Twistringen mit den Ortschaften Abbenhausen, Altenmarhorst, Heiligenloh, Mörsen, Natenstedt, Rüssen, Scharrendorf, Stelle und Twistringen.

Strohverarbeitung mini|Küche aus den 1950er Jahren im Museum der Strohverarbeitung: Trinkhalmfertigung in Heimarbeit Über Jahrhunderte spielte in Twistringen die Strohverarbeitung eine bedeutende Rolle. Zeitweise war ein Drittel der Einwohner in Fabriken und in Heimarbeit in diesem Industriezweig beschäftigt. Hergestellt wurden u. a. Strohhüte, Ummantelungen für Weinflaschen (so genannte Malotten) und Trinkhalme. Die Artikel wurden in zahlreiche Länder exportiert. Das Museum der Strohverarbeitung dokumentiert die Geschichte und Entwicklung dieser Industrie von ihren Anfängen bis in die Gegenwart.

Größter Strohhut der Welt Zur Feier des 750-jährigen Jubiläums der Stadt Twistringen im Jahr 2000 wurde vor dem Rathaus ein Strohhut angefertigt, der einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde brachte. Mit einem Durchmesser von etwa 5,5 Metern stellt der Hut eine 20-fache Vergrößerung eines Kreissäge-Hutes aus den 1920er Jahren dar. Der Hut ist heute im Museum der Strohverarbeitung zu sehen.

Frühgeschichtlicher Ringwall mini|Eingangstor zur Hünenburg Im Ort Stöttinghausen befindet sich die Hünenburg Stöttinghausen. Sie ist ein frühgeschichtlicher Ringwall mit einem Durchmesser von etwa 80 m. Dabei handelt es sich um die Reste einer frühgeschichtlichen Wehranlage aus dem 5. bis 9. Jahrhundert. 1932 ergab eine Untersuchung des Wallinneren, dass sich ehemals mehrere Gebäude darin befanden. 2005 wurde das hölzerne Eingangstor zur Hünenburg rekonstruiert. 2008 folgte das erste Gebäude im Innenbereich. Den Abschluss bildete 2014 die Errichtung eines Backhauses. Die Pflege und Instandhaltung der Anlage übernahm der Heimatverein.Heimatverein Scharrendorf:

Flugzeugunglück von 1973 Am 13. November 1973 stürzte ein belgischer Starfighter im Ortsteil Mörsen auf einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Wohnhaus. Der Pilot, ein Feuerwehrmann, der Vater, die Mutter und zwei Mädchen einer Familie kamen ums Leben. Ein Junge der Familie konnte sich aus einer Luke heraus retten, bevor das Feuer auf das Wohnhaus übergriff. Das Unglück hinterließ drei junge Waisen.

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