Hedwig von Meißen, auch Hedwig von WettinAndreas Thiele: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte. Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser, Frankfurt 1991, S. 608. (* 1205 in Meißen; † vor dem 2. Februar 1249Nach anderen Angaben: kurz vor dem 2. Februar 1250. – Vgl. Dieter Kastner: Die Territorialpolitik der Grafen von Kleve (= Veröffentlichungen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere das alte Erzbistum Köln, 11). Dissertation Bonn 1968, Verlag L. Schwann, Düsseldorf 1972, S. 183. in Kleve), war durch Ehe mit Dietrich IV./VI. Gräfin von Kleve. Ihr Sohn Dietrich V./VII. trug zeitweise den Beinamen „von Meißen“. Dies zeigt, dass für die klevische Dynastie Hedwigs Herkunft aus dem Haus der Wettiner bedeutsam war.
Leben Hedwig, auch Hadewig, war die älteste Tochter des Meißener Markgrafen Dietrich des Bedrängten aus dessen Ehe mit Jutta von Thüringen.Herbert Helbig: Dietrich der Bedrängte. In: Neue Deutsche Biographie. Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, S. 680 f. (Online-Version).Hedwig. In: Otto Posse: Die Wettiner. Genealogie des Gesammthauses Wettin Ernestinischer und Albertinischer Linie. Mit Einschluss der regierenden Häuser von Großbritannien, Belgien, Portugal und Bulgarien. Giesecke & Devrient, Leipzig/Berlin 1897, S. 49 (Google Books). Um 1226 wurde sie mit dem verwitweten Grafen Dietrich VI. „Nust“ von Kleve vermählt.Stammtafel der Grafen von Cleve. In: Anton Fahne: Die Dynasten, Freiherren und jetzigen Grafen von Bocholtz. Band 1, 1. Teil, J. M. Heberle (H. Lempertz), Köln 1863, S. 278 (Google Books).Oskar Vater: Die Sächsischen Herrscher. Ihre Familien und Verwandten. Rudolstadt an der Saale 1895, S. 22, Nr. 609 (Google Books).Manuel Hagemann: Dietrich IV. von Kleve. In: Portal Rheinische Geschichte, Landschaftsverband Rheinland, 31. August 2016, zuletzt geändert am 20. Mai 2025 (online, abgerufen am 27. Juni 2026). Dass ein relativ weit entfernt gelegener und bedeutender Feudalstaat wie die Markgrafschaft Meißen eine Heiratsverbindung mit der Klever Dynastie einging, wird durch deren gewachsenes Prestige erklärt.Abraham Glezermann, Michael Harsgor: Cleve – ein unerfülltes Schicksal. Aufstieg, Rückzug und Verfall eines Territorialstaates (= Historische Forschungen, Band 23). Duncker & Humblot, Berlin 1985, S. 71 f. Aus Hedwigs Ehe gingen mindestens zwei Söhne und zwei Töchter hervor. Ihre Söhne waren Dietrich V./VII., der spätere Graf von Kleve, und Dietrich Luf I., ihre Töchter Jutta († 1275/1276) und Agnes (* um 1232; † um den 1. August 1285). Jutta heiratete den Herzog Walram V. von Limburg, Agnes den Grafen Bernhard IV. zur Lippe.
Dietrich V./VII. trug zeitweise den Beinamen „von Meißen“, der in der neueren Forschung mit der Herkunft seiner Mutter erklärt wird.Manuel Hagemann: Dietrich V. von Kleve. In: Portal Rheinische Geschichte, Landschaftsverband Rheinland, 31. August 2016, zuletzt geändert am 20. Mai 2025 (online, abgerufen am 27. Juni 2026). Die ältere genealogische Auswertung der Clevischen Chronik brachte die zeitweise Meißener Namensführung beider Söhne mit Ansprüchen Hedwigs auf die Markgrafschaft Meißen nach dem Tod ihrer älteren Brüder in Zusammenhang.Robert Scholten: Clevische Chronik nach der Originalhandschrift des Gert van der Schuren. Verlag von Fr. Boss, Kleve 1884, S. 195 f. (Digitalisat).
In Urkunden des Grafen von Kleve tritt Hedwig entsprechend mittelalterlichem Herrschaftsverständnis als Mit-Ausstellerin und als Zeugin auf.Wolf-Rüdiger Schleidgen: Kleve-Mark Urkunden. Regesten des Bestandes Kleve-Mark im Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf. Siegburg 1983–2003. Band 1: 1223–1368 (1983), Band 2: 1368–1394 (1986), Band 3: 1394–1416 (2003). (= Veröffentlichungen der Staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen. Reihe C: Quellen und Forschungen aus den staatlichen Archiven, Bände 13, 23 und 48) Graf Dietrich IV./VI. von Kleve stellte um 1232 eine Schenkungs- und Bestätigungsurkunde für ein lokales Kloster aus. Dabei wird Hedwig explizit als Ehefrau aufgeführt, die der Schenkung ausdrücklich zustimmt (cum consensu uxoris nostrae Hadewigis). Dies belegt die notwendige Konsensgemeinschaft im hochadeligen Eherecht des 13. Jahrhunderts: Der Graf durfte über bestimmte klevische Güter nicht ohne das Einverständnis seiner Gemahlin verfügen. Das beweist Hedwigs direkte Einbindung in die ökonomischen und territorialen Entscheidungen der Grafschaft.Theodor Joseph Lacomblet (Hrsg.): Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, der Fürstenthümer Jülich und Berg, Geldern, Meurs, Cleve und Mark, der Grafschaften Homburg, Seyn, Wittgenstein, Limburg und Styrum. Band 2, Düsseldorf 1846, S. 95, Nr. 182. Im Juni 1238 wurde ein komplexer Vertrag über herrschaftliche Rechte und Zolleinnahmen am Niederrhein besiegelt. In der Zeugen- und Besiegelungsliste wird vermerkt, dass die Urkunde nicht nur mit dem Reitersiegel des Grafen versehen ist, sondern auch das Siegel der Gräfin Hedwig angehängt ist. Die physische Besiegelung durch Hedwig belegt ihre unabhängige juristische Person (Handlungsfähigkeit): Ein eigenes Siegel stand im Hochadel nur Frauen zu, die über ein eigenes Witwengut (Wittum) oder über zugewiesene Regierungsrechte verfügten. Dies zeigt, dass sie nach außen hin als gleichberechtigte politische Akteurin des Hauses Kleve auftrat.Theodor Joseph Lacomblet (Hrsg.): Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln. Band 2, Düsseldorf 1846, S. 121, Nr. 235. Ein weiterer Beleg, in dem Hedwig neben ihrem Ehemann mit ihrem eigenen, heute noch erhaltenen Siegel urkundete, ist ein Rechtsdokument des Jahres 1242.Andrea Stieldorf: Rheinische Frauensiegel. Studien zur rechtlichen und sozialen Stellung weltlicher Frauen im 13. und 14. Jahrhundert (Rheinisches Archiv 142), Köln/Weimar/Wien 1999, S. 115–116 sowie im Katalogteil S. 341 (Kat.-Nr. 19). Um 1245 (kurz vor ihrem Tod) wurde eine Urkunde zur Absicherung der jüngeren Söhne ihres Ehemannes aufgesetzt und besiegelt (darunter Dietrich Luf I.), nachdem der älteste Sohn aus erster Ehe (Dietrich primogenitus) überraschend verstorben war. Hedwig tritt hier gemeinsam mit ihrem Ehemann auf, um die Erbfolge neu zu regeln und ihren eigenen Kindern (den „Wettiner Abkömmlingen“) klevische Herrschaftsteile vertraglich zu sichern. Diese Urkunde belegt Hedwigs aktive Rolle bei der dynastischen Weichenstellung. Sie sicherte den verbleibenden Söhnen die Macht, was die Grundlage dafür war, dass ihr ältester Sohn Dietrich V./VII. „von Meißen“ später als Graf die Gesamtherrschaft im Territorialstaat Kleve übernehmen konnte.Theodor Joseph Lacomblet (Hrsg.): Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln. Band 2, Düsseldorf 1846, S. 164, Nr. 312.
Hedwig wurde im Marienstift Bedburg, der Grablege der Grafen von Kleve, bestattet.Theodor Joseph Lacomblet (Hrsg.): Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, der Fürstenthümer Jülich und Berg, Geldern, Meurs, Kleve und Mark, und der Reichsstifte Elten, Essen und Werden. Band 2: Von dem Jahr 1201 bis 1300 einschliesslich. Düsseldorf 1846, S. 187, Nr. 356 (Digitalisat). In der Urkunde vom 2. Februar 1249, mit der Graf Dietrich dem Stift Bedburg ein Grundstück schenkte, erscheinen ihre Söhne Dietrich und Dietrich Luf als zustimmende Zeugen. Dabei wird erwähnt, dass ihre Mutter dort ruhte.
Zeitgenössische Porträts von Hedwig aus dem 13. Jahrhundert dürften nicht überliefert sein. Allerdings wurde offenbar versucht, sie im Sächsischen Stammbuch darzustellen. Dieses Dokument ist eine berühmte genealogische Handschrift aus dem 16. Jahrhundert (entstanden 1500–1546), die Biografien, Wappen und 334 Bildnisse sächsischer Herrscher von der Antike bis zur Reformationszeit umfasst. Die Miniaturen wurden maßgeblich von der Werkstatt Lucas Cranach des Älteren geprägt. Eine Miniatur soll Hedwig, die Gräfin von Kleve, darstellen. Hier wurde ein Kunstgriff angewendet: die Dargestellte, deren Antlitz nicht bekannt zu sein schien, wird von hinten gezeigt.Maike Vogt-Lüerssen: Die Wettiner — Hedwig († 1235), die Gräfin von Kleve, eine Tochter von Dietrich dem Bedrängten (abgerufen am 28. Juni 2026).Das Sächsische Stammbuch – Mscr.Dresd.R.3 – 67.
Literatur Manuel Hagemann: Dietrich IV. von Kleve. In: Portal Rheinische Geschichte, Landschaftsverband Rheinland, 31. August 2016, zuletzt geändert am 20. Mai 2025 (online). Jens Lieven: Adel, Herrschaft und Memoria. Studien zur Erinnerungskultur der Grafen von Kleve und Geldern im Hochmittelalter (1020 bis 1250). (= Schriften der Heresbach-Stiftung Kalkar, Band 15). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89534-695-8. Die Grafen von Kleve. In: Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln. Band 18: Zwischen Maas und Rhein 1. 1998, ISBN 978-3-465-02757-7. Hedwig. In: Otto Posse: Die Wettiner. Genealogie des Gesammthauses Wettin Ernestinischer und Albertinischer Linie. Mit Einschluss der regierenden Häuser von Großbritannien, Belgien, Portugal und Bulgarien. Giesecke & Devrient, Leipzig/Berlin 1897, S. 49 (Google Books).
Einzelnachweise
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