mini|Ozeanzirkulation und Bathymetrie im Nordatlantik und in den Nordischen Meeren. Rosa/blaue Pfeile = oberflächennahe bzw. Tiefenwasser-Überstromwege; braune Polygone = ausgewählte Contourit-Ablagerungskörper; DS = Dänemarkstraße; DSOW = Dänemarkstraßen-Überstromwasser; ISOW = Island-Schottland-Überstromwasser (dunkelblaue Pfeile); ISR = Island-Schottland-Rücken; NAC = Nordatlantikstrom; NADW = Nordatlantisches Tiefenwasser. b Schnitt entlang einer Strömungslinie der Plattenausbreitung, der die Bohrstellen 395/395C schneidet (basierend auf einem Reflexionsseismik-Profil); graue Schattierung = Sediment. mini|Färöer-Bank-Kanal-Überstrom (Faroe-Bank-Channel overflow) Das Island-Schottland-Überstromwasser (, ISOW) ist eine kalte, dichte Wassermasse des nördlichen Atlantiks, die aus den Nordischen Meeren über den östlichen Teil des Grönland-Schottland-Rückens – zwischen Island und Schottland – in den Nordatlantik überströmt. Es ist nach dem Dänemarkstraßen-Überstromwasser die zweitgrößte Überstromverbindung über den Rücken und ein Hauptbestandteil des unteren Astes der Atlantischen Umwälzzirkulation (AMOC).Robert R. Dickson, Juan Brown (1994): The production of North Atlantic Deep Water: Sources, rates, and pathways. In: Journal of Geophysical Research: Oceans. Band 99 (1994), Ausgabe C6, S. 12319–12341. doi:10.1029/94JC00530. Im Islandbecken ist es die wesentliche Quelle des Nordostatlantischen Tiefenwassers (NEADW).Hendrik M. van Aken (2000): The hydrography of the mid-latitude Northeast Atlantic Ocean. I: The deep water masses. In: Deep-Sea Research Part I. Band 47 (2000), Ausgabe 5, S. 757–788. doi:10.1016/S0967-0637(99)00092-8.

Entstehung und Überstrom

Das Island-Schottland-Überstromwasser geht aus dem dichten Wasser der Nordischen Meere hervor, das östlich von Island über den Rücken läuft. Der wichtigste Überstrompunkt ist der Färöer-Bank-Kanal – mit rund 840 m die tiefste Passage des gesamten Grönland-Schottland-Rückens –, durch den rund 2 Sverdrup (Sv) strömen und wo das Wasser zunächst als Färöer-Bank-Kanal-Überstrom bezeichnet wird; geringere Mengen (etwa 1 Sv) laufen über den flacheren Island-Färöer-Rücken über.Bogi Hansen, Svein Østerhus (2007): Faroe Bank Channel overflow 1995–2005. In: Progress in Oceanography. Band 75 (2007), Ausgabe 4, S. 817–856. doi:10.1016/j.pocean.2007.09.004.Peter M. Saunders (2001): Kapitel 5.6 – The dense northern overflows. In: International Geophysics. Band 77, S. 401–417. doi:10.1016/S0074-6142(01)80131-5. Beim Abstieg in das Islandbecken mischt sich das überströmende Wasser mit darüberliegendem Atlantikwasser (salzreichem Subpolar Mode Water) und mit Labradorseewasser. Gerade die Einmischung des salzreichen Subpolar Mode Water unterscheidet das Island-Schottland-Überstromwasser von den frischeren Wassermassen – Dänemarkstraßen-Überstromwasser und Labradorseewasser.Hendrik M. van Aken, Gerd Becker (1996): Hydrography and through-flow in the north-eastern North Atlantic Ocean: the NANSEN project. In: Progress in Oceanography. Band 38 (1996), Ausgabe 4, S. 297–346. doi:10.1016/S0079-6611(97)00005-0.

Ausbreitung im Nordatlantik

Nach dem Überstrom fließt das Island-Schottland-Überstromwasser als tiefer Randstrom südwestwärts entlang der Ostflanke des Reykjanesrückens. Auf diesem Weg formt seine bodennahe Strömung ausgedehnte Konturit-Drifts (unter anderem den Gardar- und den Björn-Rücken). Der Hauptstrom durchquert die Charlie-Gibbs-Bruchzone – die wichtigste tiefe Verbindung vom östlichen in den westlichen Nordatlantik – und gelangt so in die Irmingersee, wo er Teil des dort zirkulierenden Nordostatlantischen Tiefenwassers wird und sich dem tiefen westlichen Randstrom anschließt.James H. Swift (1984): The circulation of the Denmark Strait and Iceland-Scotland overflow waters in the North Atlantic. In: Deep Sea Research Part A. Oceanographic Research Papers. Band 31 (1984), Ausgabe 11, S. 1339–1355. doi:10.1016/0198-0149(84)90005-0. Ein kleinerer, mit dem Island-Schottland-Überstrom verwandter Zweig läuft weiter südöstlich über die Wyville-Thomson-Schwelle in den Rockallgraben über (Wyville-Thomson-Überstromwasser).Bogi Hansen, Svein Østerhus (2000): North Atlantic–Nordic Seas exchanges. In: Progress in Oceanography. Band 45 (2000), Ausgabe 2, S. 109–208. doi:10.1016/S0079-6611(99)00052-X.

Eigenschaften

Im nördlichen Islandbecken ist das Island-Schottland-Überstromwasser die dichteste Wassermasse; es ist durch eine potentielle Dichte von σ₀ > 27,8 kg/m³ und – infolge der Einmischung von Subpolar Mode Water – durch eine vergleichsweise hohe Salinität von über 34,94 Practical Salinity Units (PSU) gekennzeichnet. Durch fortgesetzte Einmischung verändern sich seine Eigenschaften auf dem weiteren Weg; sein Transport nimmt stromabwärts entsprechend zu.

Bedeutung

Als wesentliche Quelle des Nordostatlantischen Tiefenwassers und als einer der beiden großen Nordmeer-Überströme ist das Island-Schottland-Überstromwasser ein zentraler Baustein des unteren, südwärts gerichteten Astes der Atlantischen Umwälzzirkulation. Über die Charlie-Gibbs-Bruchzone trägt es maßgeblich zur Belüftung des tiefen westlichen Nordatlantiks bei. Langzeitmessungen am Färöer-Bank-Kanal zeigen über die Beobachtungsperiode einen vergleichsweise stabilen Überstromtransport. Zugleich prägt seine bodennahe Strömung über die Bildung von Konturit-Drifts die Sedimentablagerung im Islandbecken.

Einzelnachweise

Kategorie:Ozeanografie Kategorie:Meereskunde Kategorie:Atlantischer Ozean Kategorie:Meeresströmung