Die Werrahänge von Frankenroda bis Falken liegen in einem Talabschnitt der Werra zwischen den Hochflächen des Ringgau und des Oberen Eichsfelds. In dieser Landschaft, zwischen Hörschel im Süden und Treffurt im Norden, hat sich der Fluss durch die dort anstehenden Muschelkalkrandplatten des Thüringer Beckens gegraben und ein canyonartiges Tal geschaffen, in dem sich eng geschwungene Talmäander mit steilen, felsigen Prallhängen und flacheren Gleithängen ausgebildet haben. Zu den Bereichen mit den charakteristischen Biotopen gehört der Abschnitt rechts der Werra zwischen Frankenroda und Falken. Um ihn mit seinen markanten Steilhängen, naturnahen Laub- und Mischwäldern und den Trocken- und Halbtrockenrasen zu schützen, wurde er als ein Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Gebiet in das länderübergreifende Netz besonderer Schutzgebiete Natura 2000 integriert. Das FFH-Gebiet liegt vollständig im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal und umfasst das Naturschutzgebiet Probsteizella.
Lage Das aus zwei Teilflächen bestehende FFH-Gebiet erstreckt sich östlich der Werra und liegt auf einer Höhe zwischen rund 209 m und 382 m im nordwestlichen Teil des thüringischen Wartburgkreises, in der Nähe der Landesgrenze zu Hessen. Administrativ gehören die westlichen Flächen des Schutzgebiets zu dem Ortsteil Falken der Stadt Treffurt und die südlichen zu Frankenroda der Verwaltungsgemeinschaft Hainich-Werratal. Mit einem nur geringen Gebietsanteil von jeweils rund einem Prozent auch zu Ebenshausen und der Gemeinde Nazza. Mit etwa 460 Hektar, das 81 Prozent entspricht, liegt die größte Fläche in der Gemarkung von Frankenroda.Susann Schleip, Ingenieurbüro für Naturschutz und Landschaftsplanung (INL), Drei Gleichen: Managementplan (Fachbeitrag Offenland) für das FFH-Gebiet „Werrahänge von Frankenroda bis Falken“. Abschlussbericht.
In der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, die auf der Geografischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg basiert, ragt der westliche Teil des FFH-Gebiets in die Engtalstrecke zwischen Creuzburg und Treffurt (483.441) im Creuzburger Werradurchbruch (483.44). Der überwiegende Bereich wird der Falkener Platte (483.52) im Hainich (483.5) zugeordnet. Sie sind Einheiten der Nordwestlichen Randplatten des Thüringer Beckens (483).Hans-Jürgen Klink: Blatt 112 Kassel. In: Naturräumliche Gliederung nach der Geographischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg. Nach dem innerthüringischen, nur landesweit einteilenden System der Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) gehören die Flächen zu dem Naturraum Werrabergland - Hörselberge (3.3).Naturräume Thüringens auf der Website des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum; abgerufen am 25. Juni 2026.
Schutzgebiet Die im Jahr 1992 von den damaligen Mitgliedstaaten der Europäischen Union einstimmig verabschiedete Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sollte wildlebende Arten und ihre Lebensräume sichern und schützen. Mit dem Ziel, die Vielfalt an Lebensräumen in Europa zu erhalten und sie länderübergreifend zu vernetzen, wurden natürliche und naturnahe Lebensraumtypen, die als von gemeinschaftlichem Interesse gelten, definiert. Mit dem Standarddatenbogen für besondere SchutzgebieteThüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN): Standard-Datenbogen für besondere Schutzgebiete Creuzburger Werratal-Hänge, erstellt im Dezember 1999 und im Oktober 2023 aktualisiert. meldete das Thüringer Umweltministerium zwölf Lebensraumtypen (LRT), die in dem Bereich nachgewiesen werden konnten, der EU für das Schutzgebietsnetz Natura 2000.
Zu dem Gebiet gehören die stark geneigten Abhänge der Berge Kahn (321,7 m), Goldberg (379,8 m), Eselskopf (365,7 m) und Fuchsberg (350,2 m), die mit tief eingeschnittenen Tälern, flacheren Sockeln und mit teilweise steilen Abbruchkanten die Landschaft prägen. Es wird angenommen, dass diese Bereiche durch Erosion und Verkarstung entstanden und prägnante Relikte aus geomorphologischen Entstehungsprozessen sind. Bei Probsteizella und im nördlichen Bereich fließen von Ost nach West zwei, nur periodisch wasserführende, Bäche zur Werra hin. Im Nordosten ist mit dem „Dudelbrunnen“ eine in ihrer Schüttung stark schwankende und zeitweise auch versiegende Karstquelle vorhanden. Als geologische Besonderheit wird das Vorkommen von Höhlen an Kahn- und Goldberg angesehen.
Lebensräume Nach der Verwaltungsvorschrift des Thüringer Umweltministeriums zu Natura 2000 erfolgte die Managementplanung nach einem modularen Prinzip: Mit der Erfassung der Offenlandbereiche wurde unter der Federführung der Naturschutzfachbehörde die Bietergemeinschaft Ingenieurbüro für Naturschutz und Landschaftsplanung (INL), Drei Gleichen und Büro für Ökologie und Naturschutz (RANA), Halle (Saale) beauftragt, die zwischen April 2016 und November 2017 den Fachbeitrag erstellten. Für die Bearbeitung der Wälder war das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum (FFK) von ThüringenForst in Gotha zuständig, das mit dem Stichtag 1. Januar 2018 in Zusammenarbeit mit den Forstämtern und unteren Naturschutzbehörden die Flächen untersuchte.
Wälder Der überwiegende Teil des FFH-Gebiets ist bewaldet. Von den Waldbiotopen bedeckt der Waldmeister-Buchenwald (LRT 9130), mit der Rotbuche (Fagus sylvatica) als dominierender Baumart, mit rund 300 Hektar die größte Fläche. Mit nur geringen Anteilen sind noch der Mitteleuropäische Orchideen-Kalk-Buchenwald (LRT 9150), der Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (LRT 9170) und ein Schlucht- und Hangmischwald (LRT *9180) vorhanden. Nach den Daten von ThüringenForst wachsen mit 33 Prozent auf dem größten Teil der Waldflächen Laubmischwälder. Etwa 21 Prozent der Flächen gelten als Laubwald-Reinbestände oder als Mischwälder mit Laub- und Nadelbäumen. Im Schutzgebiet hat der Kommunalwald mit 69 Prozent den größten Anteil. Daneben gehören 18 Prozent der Waldfläche zum Staatswald und 13 Prozent sind im privaten Besitz.
In den Wäldern sind die vorhandenen starkstämmigen Altbäume, deren Höhlen und Spalten von Fledermäusen genutzt werden, von besonderer Bedeutung. Als auffallend angesehen wird hier das große Artenspektrum der nachgewiesenen Fledermausarten. Zu ihnen gehören die im Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelisteten Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), Großes Mausohr (Myotis myotis), Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) und Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), die in ganz Europa gefährdet und damit schützenswert sind. Ihren Lebensraum in den Wäldern haben ebenfalls Breitflügelfledermaus (Cnephaeus serotinus), Große Bartfledermaus (Myotis brandtii), Fransenfledermaus (Myotis nattereri) und Braunes Langohr (Plecotus auritus). Auch sie werden wie alle heimischen Fledermausarten durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders und streng geschützt.Fachbeitrag Wald zum Managementplan für das Natura 2000-Gebiet „Werrahänge von Frankenroda bis Falken“. Bearbeitung durch das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha von ThüringenForst.
Von den typischen Arten der Wälder, die als „wertgebend“ gelten, sind im Gebiet Wildkatze (Felis silvestris), Mäusebussard (Buteo buteo), Wander- (Falco peregrinus) und Baumfalke (Falco subbuteo), Rot- (Milvus milvus) und Schwarzmilan (Milvus migrans), Schwarz- (Dryocopus martius) und Grauspecht (Picus canus), Waldkauz (Strix aluco), Zauneidechse (Lacerta agilis) und Glattnatter (Coronella austriaca) vertreten.
Zu den floristischen Besonderheiten gehören neben den Vorkommen zahlreicher Orchideenarten auch die Spitzbuchtige Mehlbeere (Sorbus acutisecta). Der Baum ist im Nordwesten Thüringens endemisch und kommt nur im Mittelwerragebiet vor. Unter den nachgewiesenen Orchideenarten befinden sich reiche Vorkommen des Frauenschuhs (Cypripedium calceolus), einer Anhang II-Art der FFH-Richtlinie, die unter besonderem Schutz der Europäischen Union steht. Die Orchideen Langblättriges Waldvöglein (Cephalanthera longifolia), Fuchs’ Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii), Kleinblättrige Stendelwurz (Epipactis microphylla), Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), Stattliches (Orchis mascula), Helm- (Orchis militaris), Blasses (Orchis pallens), Purpur- (Orchis purpurea) und Dreizähniges Knabenkraut (Neotinea tridentata) und Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) gehören nach der Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens zu den Arten, die erheblich oder merklich zurückgegangen sind oder die auf der Vorwarnliste stehen weil sie durch weitere menschliche Einwirkungen bedroht sind.Gesamtartenliste zum Fachbeitrag Wald. In: Fachbeitrag Wald zum Managementplan für das Natura 2000-Gebiet „Werrahänge von Frankenroda bis Falken“. Bearbeitung durch das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha von ThüringenForst.Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens. Herausgegeben vom Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz; abgerufen am 25. Juni 2026.
Offenland mini|Kalkfelsen über dem Werratal Das FFH-Gebiet wird durch eine kleinflächige Vernetzung von Wald- und Offenlandbiotopen geprägt. Größere offene Bereiche sind nur am Lindenberg, auf dem Plateau und an den Südhängen des Goldberges und im Ziegental vorhanden. Das Werratal um Probsteizella weist eine Reihe von hohen und steilen Kalkfelsbildungen auf, die teilweise unzugänglich sind. Insgesamt wurden bei den Untersuchungen für den Managementplan auf rund 40 Hektar Lebensraumtypen des Offenlands ermittelt, was 6,9 Prozent der Gebietsfläche entspricht.
Den größten Anteil nehmen mit etwa 63 Prozent die häufig mit Streuobstbeständen ausgestatteten Mageren Flachland-Mähwiesen (LRT 6510) auf rund 25 Hektar ein. Zu diesem Lebensraumtyp gehören arten- und blütenreiche, extensiv bewirtschaftete Mähwiesen des Verbandes der Glatthaferwiesen mit dem namensgebenden Glatthafer (Arrhenatherum elatius) sowie Weicher Trespe (Bromus hordeaceus), Flaumhafer (Avenula pubescens), Wiesen-Rispengras (Poa pratensis) und Goldhafer (Trisetum flavescens) als dominierende Grasarten. Fast alle Teilflächen besitzen einen unterschiedlich großen Anteil an Nährstoffzeigern, wie Löwenzahn (Taraxacum), Knaulgras (Dactylis glomerata) und Wiesen-Schwingel (Festuca pratensis).
Die Schutzwürdigkeit des Gebiets begründen ebenfalls die weiteren Lebensraumtypen des Offenlands, zu denen die Kalkfelsen (LRT 8210) am Werraprallhang gehören. An sie ist eine spezielle Felsspaltenvegetation gebunden, die meist von Kleinfarnen beherrscht wird, aber auch Moose und Flechten sind immer vertreten. Die Kalkfelsen sind eng mit Blaugras-Rasen (LRT 6210) und auch mit dem Kalk-Pionierrasen (LRT 6210) verzahnt, der sich durch einen artenreichen Bewuchs auszeichnet. In ihm kommen die Kennarten Berg-Lauch (Allium lusitanicum), Bleicher Schöterich (Erysimum crepidifolium) und Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre) häufig vor.
Es wird angenommen, dass die Vorkommen der Trocken- und Halbtrockenrasen (LRT 6210), einschließlich der orchideenreichen Ausprägung (LRT 6210*) sowie der Wacholderheide (LRT 5130) auf weniger stark geneigtem Gelände erst in den letzten hundert Jahren durch Aufgabe ehemaliger Ackerflächen entstanden sind. Steilere Flächen, die früher lange als Weide genutzt wurden, sind inzwischen stark verbuscht und an Arten verarmt. Sie gelten als Kulturrelikte jahrhundertelanger traditioneller Landwirtschaft.
Schutz FFH-Gebiet