Die Evangelische Kirche ist ein Kirchengebäude in Großerlach, einer Gemeinde im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Die Kirchengemeinde Großerlach-Grab gehört zum Kirchenbezirk Backnang der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Das schlichte Gotteshaus wurde in den Jahren 1857 bis 1858 im württembergischen Kameralamtsstil erbaut.

Geschichte Ursprünglich gehörte Großerlach zur Pfarrei Sulzbach an der Murr. Wegen der räumlichen Distanz und der schlechten Straßen war es jedoch nur wenigen Menschen möglich, die Gottesdienste in Sulzbach regelmäßig zu besuchen. Im 19. Jahrhundert kam es zu einem starken Bevölkerungswachstum, sodass das königlich-württembergische Konsistorium 1854 beschloss, Großerlach von Sulzbach zu trennen. Am 21. November 1854 wurde Großerlach zu einer eigenständigen Pfarrei erhoben und der Bau einer eigenen Kirche beschlossen. Ab 1855 war Carl Christian Nieffer vom Bezirksbauamt Ludwigsburg mit den Planungen betraut. Im Januar 1857 legte Nieffer einen Kostenvoranschlag vor; 16.399 Gulden wurden für den Neubau genehmigt. Die Kosten und die Baulast übernahm der Staat. Am 25. November 1858 war die Kirche im Wesentlichen fertiggestellt. Die endgültigen Baukosten beliefen sich auf knapp 18.000 Gulden. An den Arbeiten war auch Schlossermeister Ferdinand Nägele aus Murrhardt beteiligt.

Ein Pfarrhaus im selben Stil wurde 1860 neben der Kirche errichtet. Die Unterhaltung des Pfarrhauses lag ebenfalls beim Staat. Es wurde schon vor langer Zeit als Rathaus umgenutzt.

In den Jahren 1960 bis 1961 wurde die Kirche durch Architekt Ulrich Straub (Buoch) innen umgebaut und renoviert. Mit Wirkung vom 1. Januar 2011 fusionierten die bislang selbstständigen Kirchengemeinden Grab und Großerlach.

Architektur Die neo-romanische Kirche nach dem württembergischen Bautypus einer KameralamtskircheSiegwart Rupp: Kirchenbauten im württembergischen Kameralamtsstil. In: Schwäbische Heimat 3/1972, S. 178–196. hat einen rechteckigen Grundriss mit einer angebauten Apsis im Nordosten. Das Mauerwerk ist aus Bruchstein erstellt und erhielt anschließend eine Verblendung aus heimischem Sandstein sowie Blendpfeiler an den Gebäudeecken. Auf der südwestlichen Giebelwand des Satteldachs befindet sich ein kleiner steinerner Dachturm für die Glockenstube und die Turmuhr. Die Befensterung des Langhauses ist wegen der ursprünglichen Innenemporen zweistöckig angelegt. Die Balkendecke wird getragen von durchgehenden Stützbalken der dazwischen eingehängten Emporen. Nachdem bei der Renovierung 1961 die Emporen zum Kirchenschiff hin mit Industrieglas geschlossen und unter dem hinteren Teil der Westempore ein Vorraum und die Sakristei abgeteilt worden waren, ergab sich die gewünschte Reduzierung der Anzahl von Sitzplätzen dieser ursprünglich zu großen Kirche. Auch einige Fenster- und Türöffnungen wurden in diesem Zusammenhang vermauert oder verändert.

Ausstattung Die hölzerne Kanzel wurde von Schreinermeister Knapp aus Mainhardt geliefert. Der Altar und der Taufstein wurden von Steinhauer Keil aus Marbach am Neckar geschaffen.

Bereits 1858 wurden Farbglasfenster für die Apsis gestiftet. 1933 wurden sie durch drei Fenster von Walter Kohler und der Stuttgarter Glaswerkstatt Jahn & Gaiser (jetzt: Gaiser & Fieber, Esslingen) ersetzt, die jedoch bei der Renovierung 1960/61 ebenfalls ausgebaut und zur Aufbewahrung in die Kirche oder das Pfarrhaus Grab verbracht worden waren. Über den seitherigen Verbleib ist nichts bekannt. Zugleich wurden diese Kohler-Fenster durch Betonglasfenster von Christian Oehler ersetzt.Günther Wirth: Botschaft der Taube. Leben und Werk von Christian Oehler. Herausgegeben von Eberhard Hübner und Hugo Schuler. Stuttgart/Zürich 1989 Ihre Bildthemen sind in der Chormitte unten das Lamm Gottes, darüber in der Mandorla Christus der Weltenrichter. Die kleinen Seitenfenster unten links und rechts enthalten Motive der Ich-bin-Worte Jesu (Ich bin der gute Hirte, ich bin das Licht der Welt usw.).Carla Fandrey: Glasmalerei im Rems-Murr-Kreis. In: Kreissparkasse Waiblingen, Geschäftsbericht 1985, S. 6 f.

Orgel Die erste Orgel lieferte 1860 die Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link (Giengen an der Brenz). Dieses Instrument hatte 9 Register. Im Rahmen der Renovierung 1960/1961 wurde die Orgel durch ein Instrument von Orgelbau Walcker mit 11 Registern ersetzt. Im März 2013 fand die Orgeleinweihung einer historischen „neuen“ Orgel aus dem Jahr 1874 statt. Die von Orgelbau Tzschöckel vollkommen restaurierte englische Orgel mit dem weichen Klang stammt von der Firma W. G. Vowles aus Bristol.

Glocken In dem Dachturm hängen drei Glocken. Ursprünglich hatte die Kirche nur zwei Glocken, die beide von L. Neubert (Ludwigsburg) gegossen wurden. Während des Ersten Weltkriegs musste die größere Glocke 1917 als Metallspende abgegeben werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Geläut um eine dritte Glocke von Heinrich Kurtz (Stuttgart) ergänzt. +GlockeGlockengießerGussortGussjahrSchlagtonDurchmesserI.L. NeubertLudwigsburg1858dis66 cmII.Heinrich KurtzStuttgart1887ges''65 cmIII.Heinrich KurtzStuttgart1949es''65 cm

Literatur Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 198. Siegwart Rupp: Kirchenbauten im württembergischen Kameralamtsstil. In: Schwäbische Heimat 3/1972, S. 178–196. Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Band 1. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 391–393.

Einzelnachweise

Weblinks

Die Website der Kirchengemeinde Großerlach-Grab

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