Die St. Louis XCG-5 (Werksbezeichnung Model SL-6) war ein Lastensegler des US-amerikanischen Herstellers St. Louis Aircraft, einer Tochtergesellschaft der St. Louis Car Company im Zweiten Weltkrieg. Es wurde ein Prototyp gebaut, der jedoch nur einmal im Schlepp einer Douglas C-47 getestet wurde.

Geschichte Schon nach den ersten Erfolgen der deutschen Luftwaffe mit dem Einsatz von Kampfzonen-Lastenseglern (siehe Schlacht von Fort Eben-Emael im Mai 1940), begannen auch in den USA Bestrebungen derartige Flugzeuge zu entwickeln. General Hap Arnold, Chef des US Army Air Corps, startete zusammen mit dem Air Materiel Command (AMC) auf dem Wright Field in Dayton, Ohio, ein Sofortprogramm zur Aufstellung eines Glider Corps. Einer der wichtigsten Unterstützer des Programms war Fred E. Dent, dem in Dayton die neu aufgestellte Seglerabteilung im Flugzeug-Labor der experimentellen Ingenieurabteilung unterstand.

Die ersten Verträge verlangten von den beauftragten Firmen jeweils die parallele Entwicklung von einer achtsitzigen und einer 15-sitzigen Version. Arnold untersagte jedoch den großen Firmen die Teilnahme an den Ausschreibungen, da sie dem Kriegsministerium für Programme mit höherer Priorität zur Verfügung stehen sollten. Es entstanden danach von vier Unternehmen die Muster XCG-1 bis XCG-8; von denen aber nur die Hälfte den Status von fliegenden Prototypen erreichten. Als Material für die Flugzeugstruktur war Holz vorgegeben, da Flugzeugaluminium Projekten mit höherer Priorität vorbehalten war.

An der Ausschreibung nahm neben der Frankfort Sailplane Company (XCG-1 und XCG-2) und Waco Aircraft (CG-3 und CG-4) auch die St. Louis Aircraft Corporation teil. Letzteres Unternehmen, eine Tochtergesellschaft des Autoherstellers St. Louis Car Company, erhielt am 28. Juni 1941 einen Auftrag zum Bau der achtsitzigen (XCG-5) und der 15-sitzigen Version (XCG-6). Zu den acht transportierten Personen zählte bei der kleineren Variante auch der Pilot, der nach der Landung ebenfalls als Soldat eingesetzt wurde. Die Linienführung war an zeitgenössische leistungsfähige Sportsegelflugzeuge angelehnt und besaß einen Knickflügel (Möwenflügel), ähnlich der Tragfläche, wie sie auch z. B. die Laister Lawrence Tech Yankee Doodle und die Ross-Stephens RS-1 Zanonia verwendeten. Die größere, nicht gebaute Variante XCG-6 (Werksbezeichnung Model SL-7), hätte wahrscheinlich ähnlich ausgesehen.

Die Windkanalversuche mit der XCG-5 waren im September 1941 abgeschlossen, wonach Anfang 1942 die statische Bruchzelle an das Glider Corps ausgeliefert wurde. Die Zellenstruktur versagte jedoch schon bei 90 % der Auslegungsbelastung, gefordert waren hier 150 %. Das flugfähige Exemplar der XCG-5 erreichte das Corps im Oktober 1942 und wurde am 15. Dezember 1942 abgenommen. Zu dieser Zeit hatte sich die Army jedoch schon für eine umfassende Beschaffung der CG-4 entschieden, sodass klar war, dass St. Louis keinen Auftrag für eine weitere Fertigung erhalten würde. Als Konsequenz wurden auch die weiteren Arbeiten an der XCG-6 eingestellt und der Auftrag gekündigt.

Die Hoffnung bestand anfangs noch, dass die XCG-5 für Untersuchungen des Flugverhaltens bei geringer Tragflächenbelastung eingesetzt werden könnte. Noch 1942 führte der vom Segelflugzeughersteller Laister-Kauffman ausgeliehene Testpilot Howard C. Blossom einige Flugversuche hinter einem Lkw als Schleppfahrzeug durch. Dabei wurden Geschwindigkeiten von fast 90 km/h erreicht. Flugstabilität und -steuerung waren ausreichend, um Flüge im Schlepp einer Douglas C-47 in Betracht zu ziehen. Beim ersten Start im Flugzeugschlepp rollte die XCG-5 bei 170 km/h wegen einer Böe nach links, was zu starken Schwingungen der geschleppten Maschine führte. Sowohl Querruder als auch Seitenruder konnten bei dieser Geschwindigkeit nicht bewegt werden. Nach dem Ausklinken in 600 m Höhe und einer Geschwindigkeitsverringerung auf 90 km/h war das Flugzeug wieder steuerbar und es konnte eine Außenlandung durchgeführt werden.Hayden Hamilton, 2023, S. 100. Für einen sicheren Betrieb der Maschine hätten man umfangreiche Modifikationen vornehmen müssen, was dazu führte, dass keine weiteren Flugversuche unternommen wurden.

Technische Daten Kenngröße Daten XCG-5Bill Norton, 2007, S. 104 Daten XCG-6Hayden Hamilton, 2023, S. 101 Besatzung 1 1 Passagiere 7 14 Spannweite 25,1 m 32,61 m Leermasse 1048 kg max. Startmasse 1919 kg 2912 kg max. Schleppgeschwindigkeit 192 km/h

Siehe auch Liste von Flugzeugtypen

Literatur Bill Norton: Elephantine but Silent – U.S. Army Cargo Glider Development, Part 1. In: AAHS Journal Sommer 2007, S. 104. William Green, Gordon Swanborough: Transport Gliders – The Rise and Demise of a Weapon, Part 4. In: AIR Enthusiast Juni 1972, S. 321. Hayden Hamilton: St. Louis Aircraft Corporation. In: AAHS Journal Sommer 2023, S. 92–101.

Weblinks Foto der XCG-5

Einzelnachweise

Kategorie:Lastensegler Kategorie:Nicht realisiertes Militärflugzeugprojekt (Vereinigte Staaten)