mini|Britische Marke mit dem Nummernstempel „A25“ von Malta

Britische Nummernstempel waren Poststempel der britischen Postverwaltung und ihrer Kolonial- beziehungsweise Auslandspostämter. Sie dienten als Entwerter für Briefmarken und enthielten eine Nummer oder eine Buchstaben-Nummern-Kombination, mit der das verwendende Postamt oder der verwendete Entwerter identifiziert werden konnte. Als Sonderform der Nummernstempel sind sie für die Philatelie und Postgeschichte besonders wichtig, weil sie bei losen Marken oder Briefstücken Rückschlüsse auf den Aufgabeort, die Postamtsserie oder eine Auslandsverwendung britischer Marken erlauben. Besonders bekannt sind die ab Mai 1844 eingeführten britischen Balkenentwerter sowie Buchstaben-Nummern-Stempel britischer Postämter außerhalb des Mutterlands, etwa der Malteser Entwerter „A25“.

Entstehung mini|Penny Black mit rotem Malteserkreuzstempel. Das Malteserkreuz war die frühe Standardentwertung der britischen Briefmarkenzeit ab 1840; ab Mai 1844 wurden die nicht ortscodierten Entwerter durch Nummernstempel ersetzt.

Mit der Einführung der ersten Briefmarken im Vereinigten Königreich 1840 wurde ein zuverlässiges Verfahren nötig, um Marken so zu entwerten, dass sie nicht erneut verwendet werden konnten. Zunächst erhielten Postorte und einzelne Unterpostämter Entwerter in Form des sogenannten Malteserkreuzes. Diese Stempel dienten zwar der Entwertung der Marke, waren aber weitgehend gleich gestaltet. Der Ort der Aufgabe ließ sich daher aus dem Entwerter selbst meist nicht erkennen.

Nach Darstellung von S. Stanaway wurde deshalb ein neues System eingeführt, bei dem jedes entwertende Postamt eine eigene Nummer erhielt. Diese neuen Entwerter kamen im Mai 1844 in Gebrauch. Die Nummernstempel ergänzten damit die Funktion des Entwertens um eine codierte Ortsangabe. Für die postgeschichtliche Auswertung ist dennoch Vorsicht nötig, weil Nummern bei Schließung von Postämtern eingezogen und später anderen Orten neu zugewiesen werden konnten.

Hauptserien Stanaway unterscheidet fünf Hauptserien der britischen Nummernstempel. Da alle Serien jeweils bei „1“ begannen, wurden unterschiedliche Stempelformen verwendet, um Verwechslungen zu vermeiden.

London Inland Office Die frühen Entwerter des London Inland Office zeigen die Nummer in einer Raute innerhalb eines Ovals aus Balken. Die Nummern bezeichneten hier nicht verschiedene Postämter, sondern unterschiedliche im London Inland Office verwendete Entwerter.

London District Office Die Entwerter des London District Office zeigen die Nummer in einem Kreis innerhalb eines Ovals aus Balken. Ursprünglich waren Nummern bis 49 für Vorortpostämter vorgesehen; Nummern ab 50 wurden im Chief District Office verwendet. Nach der Neueinteilung des London District 1855 kamen Buchstaben- und Zahlenkombinationen für die Londoner Bezirke hinzu.

England und Wales Die Nummernstempel für England und Wales hatten eine oval wirkende Form mit gebogenen Balken an den Seiten und geraden Balken ober- und unterhalb der Nummer. Die erste Serie reichte von 1 bis 999. Danach folgten unter anderem die Nummern 001 bis 099 sowie Buchstabenserien wie A01 bis A99. Anfangs wurden die Nummern weitgehend alphabetisch nach Orten vergeben; spätere Ergänzungen folgten diesem System nicht mehr durchgehend.

Schottland Die schottischen Entwerter hatten eine rechteckige Balkenform mit ausgespartem Mittelfeld. Die Nummern reichten nach Stanaway von 1 bis 755. Auch hier war die ursprüngliche Liste zunächst alphabetisch angelegt, spätere Ergänzungen und Neuvergaben wichen davon ab.

Irland Die irischen Nummernstempel hatten eine rauten- beziehungsweise diamantförmige Balkenform mit ausgespartem Mittelfeld. Die Nummern reichten nach Stanaway von 1 bis 564. Die irische Serie weist zahlreiche Rücknahmen, Neuvergaben und Doppelverwendungen auf.

Die vollständigen Ortszuordnungen der Nummern sind Gegenstand umfangreicher Spezialverzeichnisse. Die Great Britain Philatelic Society stellt online Verzeichnisse und Ergänzungen zu den Post Office Numbers und zu den Barred Numeral Cancellations of England and Wales bereit. Für Schottland und Irland liegen ebenfalls moderne Verzeichnisse mit Seltenheitsbewertungen als Volltexte vor.

Buchstaben-Nummern-Stempel außerhalb Großbritanniens Von den Nummernstempeln im Inland zu unterscheiden sind Entwerter britischer Postämter, Kolonialpostämter oder britischer Postdienste außerhalb Großbritanniens. Im englischsprachigen Sammelgebiet werden solche Verwendungen häufig als Great Britain used abroad bezeichnet, insbesondere wenn britische Marken außerhalb des Mutterlands verwendet und dort mit einem britischen Entwerter versehen wurden.

Ein besonders bekanntes Beispiel ist Malta. Dort wurde im Februar 1859 ein Duplexstempel eingeführt, der aus einem Datumsstempel und einem kreisförmigen Balkenentwerter mit der Kennung „A25“ bestand. Fenech beschreibt den Stempel als kombinierten Datums- und Entwertungsstempel mit der Ortsangabe MALTA und dem Entwerter „A25“. Die späteren ovalen A25-Duplexstempel wurden ab 1881 ebenfalls in Malta verwendet.

Malta ist dabei ein Übergangsfall: Der A25-Stempel ist ursprünglich eng mit der Verwendung britischer Marken in Malta verbunden, wurde später aber auch auf lokalen Malta-Ausgaben verwendet. Nach Fenech sind die Malta Halfpenny Yellows seit der 23. Auflage mit dem ovalen A25-Duplexstempel bekannt. Eine Übersicht in der P.S.M. Magazine nennt für 1881 und später die Verwendung ovaler A25-Duplexstempel sowohl auf in Malta verwendeten britischen Marken als auch auf Halfpenny Yellows and Greens sowie auf den Queen-Victoria-Definitives von 1885. Deshalb wird Malta in diesem Artikel als Grenzfall der Auslands- und Kolonialverwendung behandelt.

Auch andere britische Postorte außerhalb Großbritanniens verwendeten Buchstaben-Nummern-Entwerter. Stanaway weist besonders darauf hin, dass entsprechende „A“-Entwerter aus Jamaika und den West Indies gesuchte Stücke im Sammelgebiet britischer Marken mit Auslandsverwendung sind.

Koloniale Nummernstempel Von den britischen Inlandsserien und den Buchstaben-Nummern-Stempeln außerhalb Großbritanniens zu unterscheiden sind Nummernstempel innerhalb einzelner britischer Kolonien. Diese wurden in der jeweiligen Kolonie zur Entwertung eigener kolonialer Briefmarken verwendet. Die Systeme waren nicht einheitlich: In einigen Gebieten wurden einfache Zahlen verwendet, in anderen ovale, rechteckige oder diamantförmige Balkenformen.

Als Beispiel für ein solches koloniales System können die Nummernentwertungen von Ceylon gelten. Die Website Ceylon Stamps führt für Ceylon eine eigene Gruppe Numeral Cancellations, 1868–1892 und nennt unter anderem Zuordnungen wie Fort Macdonald „33“, Kosgoda „36“, Batticaloa beziehungsweise Trincomalee „70“ und Uduvil „79“. Solche kolonialen Nummernstempel gehören zwar typologisch in denselben Zusammenhang wie britische Nummernentwerter, sind aber nicht mit den britischen Inlandsserien gleichzusetzen.

Literatur

John G. Hendy: The History of the Postmarks of the British Isles from 1840 to 1876. Stanley Gibbons, London 1909. John Parmenter, David Luckly, Ken Smith: Barred Numeral Cancellations of England and Wales. Great Britain Philatelic Society. Mike Batty: Penny Red Stars Used Abroad. 12. Auflage, Great Britain Philatelic Society, 2026.

Weblinks

Post Office Numbers from 1844 bei der Great Britain Philatelic Society GB Barred Numeral Postmarks from 1844 bei der Great Britain Philatelic Society John G. Hendy: The History of the Postmarks of the British Isles from 1840 to 1876 im Internet Archive Glossary of Philatelic Terms des Postal Museum

Einzelnachweise

Kategorie:Poststempel Kategorie:Postgeschichte (Vereinigtes Königreich)