Atwell Sidwell Mopeli-Paulus (geb. 15. Januar 1913; gest. 1994) war ein südafrikanischer Schriftsteller. Er gehörte zum Volk der Basotho, schrieb in Sesotho und wirkte an englischsprachigen Werken mit. In den 1950er Jahren vollendete er mehrere Romane, Novellen und den ersten Entwurf seiner Autobiografie.

Bekannt wurde er vor allem durch den Roman „Blanket Boy’s Moon“, den er zusammen mit Peter Lanham (dem Pseudonym von Cecil John Lanham Parker) verfasste. Das Buch war ein internationaler Bestseller und wurde in viele Sprachen übersetzt.

Leben Atwell Sidwell Mopeli-Paulus wird oft fälschlicherweise als „Lesotho-Autor“ bezeichnet, obwohl er tatsächlich in Südafrika geboren wurde und dort einen Großteil seines Lebens verbrachte, in Gebieten, die nach dem Gun War (Basotho-Krieg) beschlagnahmt wurden. Er behielt jedoch eine starke Verbundenheit zu Lesotho bei.Chris Dunton, Lerato Masiea: Between Rocks and Hard Places: the Controversial Career of A.S. Mopeli-Paulus. In: English in Africa. vol. 48. 2021: S. 48–49

Er war der Sohn von Sidwell Mopeli und ’Mathota Mopeli-Paulus und wurde 1913 in Monontsha im damaligen Witzieshoek Native Reserve (später QwaQwa) des Oranje-Freistaats geboren. Er war ein direkter Nachkomme von Moshoeshoe I. und sollte später dessen Häuptlingswürde in Witzieshoek erben.Albert S. Gérard: Four African literatures: Xhosa, Sotho, Zulu, Amharic. University of California Press, Berkeley 1971: S. 162.

Er wurde am Edendale Teacher’s College und an der Universität von Witwatersrand ausgebildet, bevor er im Zweiten Weltkrieg in Ägypten, Abessinien und Kenia beim Cape Corps diente.

Nach dem Krieg zog Mopeli-Paulus nach Johannesburg und begann in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten. Dort verfasste er ein langes Gedicht über den Untergang der SS Mendi im Ersten Weltkrieg. Dieses Gedicht scheint verloren gegangen zu sein, abgesehen von einem kurzen Auszug, der in seinen späteren Roman „Blanket Boy Moon“ aufgenommen wurde.A. S. Mopeli-Paulus mit Peter Lanham: Blanket Boy’s Moon. Collins, London 1953: S. 57–58.Chris Dunton: From Mqhayi to Sole: Four Poems on the Sinking of the Troopship Mendi. In: Bernth Lindfors, Geoffrey V. Davis: African Literatures and Beyond. Brill 2013: S. 140.

Mopeli-Paulus’ erste Veröffentlichung war eine kleine Sammlung von Sesotho-Gedichten mit dem Titel „Ho Tsamaea Ke Ho Bona“ (Reisen heißt Lernen) aus dem Jahr 1945. Diese Gedichte reflektieren seine Kriegserlebnisse, seine Familie und das schwarze Bewusstsein.

Fünf Jahre später veröffentlichte er seinen ersten Sesotho-Roman, „Liretlo“ (Medizinmord), und die Kurzgeschichte „Lilahloane wa batho“ (Der arme Lilahloane). Liretlo handelt von der Praxis des Mordens wegen der Körperteile, aus denen dann Medizin zubereitet wurde, von der man glaubte, sie würde die Kräfte der Mörder stärken. Dieses Thema wurde auch von Sebolai Matlosa in seinem Theaterstück „Katiba“ aufgegriffen. Liretlo wurde oft fälschlicherweise als Originaltext des englischsprachigen Werkes Blanket Boy Moon angesehen.

Von 1949 bis 1950 war Mopeli-Paulus am Witzieshoek-Aufstand beteiligt, unter anderem an einer Schlacht bei Namoha, die mehrere Tote forderte. Er floh über die Grenze nach Lesotho, wurde aber bald darauf inhaftiert. Seine Haftzeit wird sowohl in „Turn to the Dark“ als auch in „The World and the Cattle“ thematisiert.John Aerni-Flessner, Charles Fogelman, Nthabiseng Mokoena-Mokhali: Historical Dictionary of Lesotho. Rowman & Littlefield Publishers 2023: S. 8.

Mopeli-Pualus kehrte später nach QwaQwa zurück, nahm eine Stelle als Lehrer an und war Mitglied der Legislativversammlung. Er veröffentlichte eine Biografie von Moshoeshoe I., „Moshweshwe moshwaila“, sowie eine Übersetzung von Macbeth.

Blanket Boy’s Moon (1953) Blanket Boy’s Moon (Der Mond des Jungen mit der Decke) erzählt die Geschichte von Monare, der als Wanderarbeiter nach Johannesburg reist und anschließend in seine Heimat Lesotho zurückkehrt. Dort wird er in einen Liretlo-Mord verwickelt. Monare flieht und versucht, aus Schuldgefühlen heraus, anderen Bedürftigen auf seinem Weg nach Mosambik zu helfen. Er kehrt dann nach Südafrika zurück, um Männer zu retten, die nach einem Mineneinsturz verschüttet wurden. Schließlich wird er jedoch von der Polizei gefasst und nach Lesotho ausgeliefert, wo er vor Gericht gestellt und gehängt wird.Hannah Jones: A Co-Authored 'Curio' from the 'Dark Continent': A. S. Mopeli-Paulus and Peter Lanham’s Blanket Boy’s Moon. In: Journal of Southern African Studies. vol. 21, is. 4; 1995: S. 602. Marc Epprecht hat sich zur Darstellung von Homosexualität in der Geschichte geäußert:

Das Buch wurde ein internationaler Bestseller und ist nach den Romanen von Thomas Mofolo das meistgelesene Werk eines Mosotho-Autors. Allein die erste britische Ausgabe erreichte eine Auflage von 47.000 Exemplaren. In den Vereinigten Staaten erschien es unter dem Titel „Blanket Boy“ und wurde ins Niederländische („Dekenjongen“, 1952), Dänische („Sort mands måne“, 1953), Französische („L’homme noir sous la lune“, 1953), Deutsche („Blut hat nur eine Farbe“, 1953), Schwedische („Svart mans måne“, 1953), Hebräische („הירח של מונארה“) und später ins Italienische („Fuoco nero“, 1960) übersetzt. Es wurde außerdem in einer Suaheli-Zeitschrift als Fortsetzungsgeschichte veröffentlicht. Mehrere Taschenbuchausgaben erschienen später, die letzte 1984 beim David Philip Verlag in Kapstadt. Es wurde sowohl in der populären Presse als auch in akademischen Rezensionen allgemein gut aufgenommen.Peter Abrahams: The Conflict of Culture in Africa. In: International Affairs. vol. 30, is. 3; 1954: S. 304.John Barkham: Under White Man’s Rules. New York Times 1953-03-29: S. 4.Marjorie Felton: Reviewed Work(s): Blanket Boy by Peter Lanham and A. S. Mopeli-Paulus. In: The Journal of Negro History. vol. 38. 1953: S. 449.J.G.W.: Reviewed Work(s): Blanket Boy’s Moon by Peter Lanham and A. S. Mopeli-Paulus. In: African Affairs. vol. 52. 1953: S. 258.Orville Prescott: Books of the Times. New York Times, 1953-04-07: S. 27.

Die Autorschaft von Mopeli-Paulus’ bekanntestem Werk hat viel Aufmerksamkeit erregt. Obwohl noch Unklarheiten bestehen, ist es wahrscheinlich, dass Mopeli-Paulus einen englischen Manuskriptentwurf verfasste, bevor er ihn an Lanham schickte, der sich als Herausgeber und Verleger angeboten hatte. Lanham überarbeitete den Text daraufhin – offenbar recht umfangreich – und veröffentlichte ihn anschließend. Die erste britische Ausgabe beschreibt das Werk als „von Peter Lanham basierend auf einer Originalgeschichte von A. S. Mopeli-Paulus“. Mopeli-Paulus suchte Rechtsberatung bei seinem Anwalt Hyman Basner, was zu einer Pauschalzahlung und der Zusicherung führte, dass die amerikanische Ausgabe „Peter Lanham und A. S. Mopeli-Paulus“ zugeschrieben würde. Trotzdem blieb das Werk „Blanket Boy’s Moon“ im Besitz von Lanham und ging nach dessen Tod an seinen Erben über.Chris Dunton: Mopeli-Paulus and “Blanket Boy’s Moon”. In: Research in African Literatures. vol. 21, is. 4 1990: S. 109.

Turn to the Dark (1956) Turn to the Dark (Wende in die Dunkelheit) erzählt die Geschichte von Lesiba, einem jungen Mann aus Mosotho, der seine Ausbildung in einer Mission und die Führung seines Vaters, eines Predigers, aufgibt, um eine traditionelle Initiationsschule zu besuchen. Lesiba wird zum Schützling des örtlichen Häuptlings, der ihn zur Teilnahme an Liretlo zwingt und er wird verhaftet daraufhin.

Wie schon „Blanket Boy’s Moon“ zuvor, entstand auch „Turn to the Dark“ in Zusammenarbeit mit anderen Autoren. Mopeli-Paulus arbeitete diesmal mit Miriam Basner, der Ehefrau seines Anwalts, zusammen und verfasste zunächst den Textentwurf, bevor Basner wesentliche Überarbeitungen vornahm.Chris Dunton: Dispossession and Repossession in the Published and Unpublished Works of A. S. Mopeli-Paulus. In: Research in African Literatures. vol. 50. 2019: S. 142.

The World and the Cattle (2008) Mopeli-Paulus arbeitete in den folgenden Jahren weiterhin mit Miriam Basner zusammen und vollendete Mitte der 1970er Jahre „The World and the Cattle“ (Die Welt und die Rinder). Auszüge daraus erschienen zwar bereits 1954/55 in der Zeitschrift „Drum“, der vollständige Text wurde jedoch erst 14 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht.

Das autobiografische Werk „The World and the Cattle“ schildert größtenteils Mopeli-Paulus’ Beteiligung am Witzieshoek-Aufstand sowie seinen anschließenden Prozess und seine Inhaftierung. Daher wurde es häufig als primäre Quelle zum Verständnis der Ereignisse von 1949/50 herangezogen und fand nach seiner Veröffentlichung großen Anklang.Maureen Isaacson: Lesotho to El Alamein, to prison and, at last, into print: Dispatches. Independent Online (South Africa) 2008-06-29

Werke Ho Tsamaya Ke Ho Bona.Sesuto Book Depot, Morija 1945. Lilahloane wa batho. Via Afrika, Bloemfontein 1950. Liretlo. Via Afrika. Bloemfontein 1950. mit Peter Lanham: Blanket Boy’s Moon. Collins, London 1953. Archivlink mit Peter Lanham: Blanket Boy. Thomas Y. Crowell Co. New York 1953. mit Miriam Basner: Turn to the Dark. Jonathan Cape, London 1956. Moshweshwe moshwaila. Bona Press, Johannesburg 1964. Moshanyana se llele ho disa. De Jager-Haum, Pretoria 1985. Makebete. Educum, Midrand 1993. The World and the Cattle. Penguin, Johannesburg 2008. In addition to his published works, several unpublished texts exist in archives. These include Tongaland, a novel dated 1952 and a short story At the Crossroads written sometime after 1960. In addition, he may have authored Histori ya Kereke ya Zion Christian Church, dated 1972.

Einzelnachweise

Literatur Peter Abrahams: The Conflict of Culture in Africa. In: International Affairs. vol. 30, is. 3; 1954: S. 304–312. jstor=2605750 doi:10.2307/2605750 John Aerni-Flessner, Charles Fogelman, Nthabiseng Mokoena-Mokhali: Historical Dictionary of Lesotho. Rowman & Littlefield Publishers 2023. google books ISBN 978-1-5381-8769-2 John Barkham: Under White Man’s Rules. New York Times 1953-03-29. via proquest.com 2024-07-09 Chris Dunton: Mopeli-Paulus and “Blanket Boy’s Moon”. In: Research in African Literatures. vol. 21, is. 4 1990: S. 105–120. jstor 3819324 Chris Dunton: From Mqhayi to Sole: Four Poems on the Sinking of the Troopship Mendi. In: Bernth Lindfors, Geoffrey V. Davis: African Literatures and Beyond. Brill 2013: S. 135–420. doi=10.1163/9789401209892_010 Chris Dunton: Dispossession and Repossession in the Published and Unpublished Works of A. S. Mopeli-Paulus. In: Research in African Literatures. vol. 50. 2019: S. 141–149. jstor.org Chris Dunton, Lerato Masiea: Between Rocks and Hard Places: the Controversial Career of A.S. Mopeli-Paulus. In: English in Africa. vol. 48. 2021: S. 47–64. doi=10.4314/eia.v48i3.3 Marjorie Felton: Reviewed Work(s): Blanket Boy by Peter Lanham and A. S. Mopeli-Paulus. In: The Journal of Negro History. vol. 38. 1953: S. 448–449. jstor=2715898 Albert S. Gérard: Four African literatures: Xhosa, Sotho, Zulu, Amharic. University of California Press, Berkeley 1971. Archivlink David A. Gerstner: Routledge International Encyclopedia of Queer Culture. Routledge, Abingdon 2006. Maureen Isaacson: Lesotho to El Alamein, to prison and, at last, into print: Dispatches. Independent Online (South Africa) 2008-06-29 ProQuest 431141119 J.G.W.: Reviewed Work(s): Blanket Boy’s Moon by Peter Lanham and A. S. Mopeli-Paulus. In: African Affairs. vol. 52. 1953: S. 258–259 jstor=718487 Hannah Jones: A Co-Authored 'Curio' from the 'Dark Continent': A. S. Mopeli-Paulus and Peter Lanham’s Blanket Boy’s Moon. In: Journal of Southern African Studies. vol. 21, is. 4; 1995: S. 601–612. jstor=2637211

Orville Prescott: Books of the Times. New York Times, 1953-04-07 via ProQuest 112879282 2024-07-09.

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