mini|Ellen und William Craft um 1871 Ellen und William Craft (Ellen Craft * 1826 in Jones County (Georgia); † 1891. William Craft * 25. September 1824 in Macon (Georgia); † 28. Januar 1900 in Charleston (South Carolina)) waren amerikanische Abolitionisten, die als Sklaven geboren wurden. Sie erlangten nach ihrer erfolgreichen Flucht im Dezember 1848 Berühmtheit in Großbritannien.
Flucht aus der Sklaverei Ellen Craft war die Tochter des Sklavenhalters James Smith und seiner afroamerikanischen Sklavin. Aufgrund ihrer Hautfarbe wurde sie oft fälschlicherweise für ein eheliches Kind der Familie ihres Vaters gehalten. Daher wurde sie von der Ehefrau von Smith 1837 im Alter von elf Jahren deren Tochter Eliza zur Hochzeit geschenkt.
William kam in Macon zur Welt und wurde wie seine Familie von seinem Besitzer verkauft, um dessen Spielschulden zu begleichen. Williams neuer Besitzer gab ihn in eine Lehre als Zimmermann, damit er mit seiner Arbeit Geld verdienen konnte.
1846 durften Ellen und William heiraten, konnten jedoch nicht zusammenleben, da sie verschiedenen Besitzern gehörten.
mini|Ellen Craft verkleidete sich als Mann, um der Sklaverei zu entkommen. Im Dezember 1848 gelang den Crafts die Flucht aus der Sklaverei. Ellens helle Haut erlaubte es ihr, sich als weißer Mann zu verkleiden. Sie gab sich als junger Plantagenbesitzer aus dem Süden aus und William spielte ihren Diener. Da Ellen nicht schreiben konnte, trug sie ihren rechten Arm verbunden, um nicht in die Verlegenheit zu kommen mit ihrem Namen unterschreiben zu müssen. Sie reisten mit dem Zug von Macon nach Savannah, wo sie ein Dampfschiff nach Charleston bestiegen. Von dort aus fuhren sie mit einem weiteren Dampfschiff nach Wilmington (North Carolina) und anschließend mit dem Zug bis kurz vor Fredericksburg (Virginia). Dort bestiegen sie ein weiteres Dampfschiff nach Washington, D.C., und reisten schließlich mit dem Zug weiter nach Baltimore und überquerten die Mason-Dixon-Linie nach Pennsylvania. Das Paar erreichte am Weihnachtssonntag Philadelphia und wähnte sich nun in Sicherheit. Die Crafts zogen dann nach Boston, wo es eine gut organisierte, schützende abolitionistische Bewegung gab. William gründete ein Möbelgeschäft. Gemeinsam mit dem ebenfalls geflohenen Sklaven William Wells Brown nahmen Ellen und William an Anti-Sklaverei-Vorträgen in ganz Neuengland teil. 1850 verabschiedete der Kongress im Rahmen des Kompromisses von 1850 den Fugitive Slave Act. Daraufhin reisten die beiden Sklavenfänger Willis Hughes und John Knight in den Norden, um die Crafts gefangen zu nehmen. Die Stadt Boston gewährte dem Paar Unterschlupf und schützte sie vor den Kopfgeldjägern. Zwei Jahre nach ihrer Flucht aus der Sklaverei segelten sie im Dezember 1850 von Halifax nach Liverpool.
Aufenthalt in London In den folgenden sechs Monaten bereisten die Crafts Großbritannien und hielten gemeinsam mit dem ebenfalls geflohenen William Wells Brown Vorträge gegen die Sklaverei in Amerika. Im Juni 1851 demonstrierten sie auf der Londoner Weltausstellung gegen die amerikanische Sklaverei. Mit Unterstützung englischer Abolitionisten wie Lady Byron und Harriet Martineau verbrachten sie anschließend drei Jahre an der Ockham School, einer Handwerksschule im ländlichen Surrey. Die Tochter von Lady Byron, Lady Lovelace, hatte die Ockham School gegründet. Obwohl die Crafts ihre Schulzeit in Ockham als Schüler begannen, übernahmen sie später auch Lehrtätigkeiten. Sie verbrachten fast zwei Jahre in Ockham, bevor sie auf öffentlichen Bühnen gegen die Sklaverei protestierten und zum Boykott von Produkten aus Sklavenarbeit aufriefen. Drei ihrer fünf Kinder wurden zwischen 1853 und 1863 in der Pfarrkirche von Ockham getauft. Die Crafts lebten schließlich in Hammersmith im Westen Londons. Von dort aus halfen sie beim Aufbau der London Emancipation Society und hielten weiterhin Vorträge in Großbritannien. Ellen Craft engagierte sich zudem in einer Frauenwahlrechtsorganisation und im Frauenflügel der British and Foreign Freedmen's Aid Society, während William in Dahomey (heute Benin) Projekte zur Bekämpfung des dortigen Sklavenhandels verfolgte.
Rückkehr nach Amerika Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861–1865) und der damit einhergehenden rechtlichen Abschaffung der Sklaverei kehrten die Crafts im August 1869 mit drei ihrer fünf Kinder nach Boston zurück. Dank Spenden und Investitionen britischer und amerikanischer Abolitionisten erwarben sie eine Plantage in Bryan County (Georgia), wo sie 1873 die Woodville Cooperative Farm School gründeten, um befreite Sklaven zu unterrichten und zu beschäftigen. Obwohl die Schule anfangs erfolgreich war, beschuldigten einige ihrer Geldgeber William Craft 1876, Spenden für eigene Zwecke veruntreut zu haben. Er klagte wegen Verleumdung, verlor jedoch vor Gericht. Die Schule musste mangels finanzieller Mittel schließen. Aufgrund eines drastischen Preisverfalls bei Baumwolle Mitte der 1880er Jahre verloren die Crafts schließlich die Farm.
1890 zogen William und Ellen Craft nach Charleston, um bei ihrer Tochter zu leben. Ellen Craft starb dort 1891. William starb am 28. Januar 1900 im Haus ihrer Tochter in Charleston. Er wurde auf dem Friedhof der Humane and Friendly Society der Stadt beigesetzt.
Verwandtschaftsbeziehungen Im Februar 2024 wies der Washington-Post-Autor Bryan Greene anhand von DNA-Beweisen nach, dass Ellen Craft mit der Familie Healy blutsverwandt war. Zu dieser Familie gehörten mehrere Geschwister, die einst in Jones County (Georgia), versklavt waren und später Führungspersönlichkeiten in der katholischen Kirche und anderen Bereichen waren. DNA-Testergebnisse zeigten, dass eine Nachfahrin von Martha Healy mit drei Nachkommen von Craft im vierten bis achten Grad verwandt war. In seinem Artikel zitierte Greene einen Bericht von S. T. Pickard aus dem Jahr 1893, dem ehemaligen Herausgeber des Portland Transcript. Dieser gab an, Ellen Craft habe ihm erzählt, sie sei die Cousine ersten Grades von James Augustine Healy, dem Bischof von Portland (Maine). Die DNA-Ergebnisse von 2024 bestätigten rund 131 Jahre später, dass Craft tatsächlich mit Healy verwandt war.
Ehrungen mini|Eine blaue Gedenktafel wurde am 5. Oktober 2021 von English Heritage an der Adresse 26 Cambridge Grove, London, W6 0LA, London Borough of Hammersmith and Fulham angebracht. 1996 wurde Ellen in die Georgia Women of Achievement aufgenommen. 2018 wurde im Rahmen einer Zeremonie in Ockham, an der ihr Ururenkel Christopher Clark und andere Nachkommen teilnahmen, eine Gedenktafel für ihre Flucht enthüllt. 2021 wurde ihner mit einer Gedenktafel an ihrem Haus im Cambridge Grove 26 in Hammersmith gedacht, von wo aus sie sich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten. Zum Gedenken an den 175. Jahrestag der legendären Flucht von William und Ellen Craft aus der Sklaverei im Jahr 1848 gründeten direkte Nachkommen der Familie Craft in den Vereinigten Staaten im Dezember 2023 die gemeinnützige William & Ellen Craft Foundation (WECFoundation). Die WECFoundation setzt sich für die Förderung der Geschichte der Afroamerikaner, der Bildung und der Bürgerrechte ein, indem sie das Vermächtnis ihrer Vorfahren William und Ellen Craft bewahrt und weitergibt.
Veröffentlichungen (Auswahl) William Craft, Ellen Craft: Running a Thousand Miles for Freedom; Or, the Escape of William and Ellen Craft from Slavery. LULU PR, 2009, ISBN 978-1409932246.
Literatur
Ann Short Chirhart, Betty Wood: Georgia Women: Their Lives and Times. University of Georgia Press, 2009, ISBN 978-0-8203-3900-9. Hannah-Rose Murray: Advocates of Freedom: African American Transatlantic Abolitionism in the British Isles. Cambridge: Cambridge University Press 2020, ISBN 978-1-108-48751-1. Ilyon Woo: Master, Slave, Husband Wife. 37 Ink, 2023, ISBN 978-1501191053.
Weblinks
Youtube Video: SCAD presents 'A Thousand Miles and Counting' honoring William and Ellen Craft (englisch) Ellen and William Craft (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Sklave Kategorie:Gerichtsentscheidung (Vereinigte Staaten) Kategorie:Person (Macon, Georgia) Kategorie:Ehepaar Kategorie:Abolitionist Kategorie:Sklaverei in den Vereinigten Staaten Kategorie:Flüchtlingsthematik