Die Desulfosalsimonadaceae sind eine Familie von Bakterien. Im Juni 2026 waren zwei Gattungen bekannt: Desulfosalsimonas und Desulfonatronobacter. Die Arten kommen in anoxischen Böden hypersaliner Seen vor. Sie führen die Sulfatatmung durch: Elektronen, die beispielsweise von Fettsäuren stammen, werden auf Sulfat (Anion der Schwefelsäure) übertragen und hierdurch letztendlich ATP gewonnen. Dies ähnelt der „normalen“ Atmung mit Sauerstoff, statt Sauerstoff dient hier Sulfat als Elektronenakzeptor.

Merkmale Die Zellen sind stäbchenförmig und kommen einzeln oder paarweise vor. Die Gram-Färbung verläuft Gram-negativ: Bei gramnegativen Bakterien ist eine innere und eine äußere9 Membran vorhanden, dazwischen befindet sich eine einschichtige Mureinschicht.D. Wessner, C. Dupont, T. Charles, and J. Neufeld: Microbiology, 3rd ed. Wiley, 2020 [Online]. Available: https://www.perlego.com/book/3866179. [Accessed: 25-Jun-2026] Endosporen werden nicht gebildet. Die Arten sind in der Regel durch Flagellen beweglich, die Art Desulfonatronobacter acetoxydans ist unbeweglich.

Stoffwechsel und Wachstum mini|400x400px|Der Wood-Ljungdahl-Stoffwechselweg, der von sulfatreduzierenden Bakterien (SRB) und auch von Acetogenen, aceticlastischen Methanogenen (Methanbildner) und syntrophen Acetat-oxidierenden Bakterien (SAOB) genutzt wird. Die Arten sind strikt anaerob, sie tolerieren keinen Sauerstoff. Der Stoffwechsel ist die anaerobe Atmung mit Schwefelverbindungen, wie z. B. Sulfat (Anion der Schwefelsäure). Die Schwefelverbindungen werden über die Desulfurikation reduziert (auch als Sulfatatmung bezeichnet). Die Fettsäuren Propionat und Butyrat (von allen Vertretern genutzt) oder andere kurzkettige Fettsäuren (Desulfonatronobacter) bzw. einfache organische Verbindungen, wie beispielsweise Alkohole bei Desulfosalsimonas, dienen als Elektronendonatoren und Kohlenstoffquellen und werden zu Kohlendioxid (CO2) oxidiert. Dies geschieht höchstwahrscheinlich über den oxidativen Wood-Ljungdahl-Weg.

Die Art Desulfonatronobacter ist obligat alkaliphil mit einem pH-Optimum für das Wachstum zwischen 9,0 und 10,0. Desulfosalsimonas ist dem hingenen neutrophil mit einem pH-Optimum von 7,0 (Desulfosalsimonas ). Alle Arten sind halophil („salzliebend“). Desulfonatronobacter ist hier mäßig halophil, die Arten zeigen bestes Wachstum bei 35 g/l NaCl-Gehalt. Desulfosalsimonas ist dem hingegen obligat halophil, die Art Desulfosalsimonas propionicica zeigt bestes Wachstum bei 60 g/l.

Es sind mäßig halophile, also „salzliebende“ Arten (Desulfonatronobacter) und obligat halophile (Desulfosalsimonas) vorhanden. Desulfosalsimonas zeigt ein optimales Wachstum bei pH-Werten von 9–10. Die Arten sind mesophil: Der optimale Temperaturbereich für das Wachstum liegt zwischen 35 und 40 °C. mini|Lactat (Anion der Milchsäure) mini|Sulfat (Anion der Schwefelsäure) mini|Sulfit (Anion der Schwefligen Säure) mini|Thiosulfat (Anion der Thioschwefelsäure) Es folgt eine Tabelle mit einigen Merkmalen: DesulfonatronobacterDesulfosalsimonasMorphologiestäbchenförmigstäbchenförmig, manchmal lange FädenGram-Färbung−−Motilität +/− +StoffwechselAtmungAtmungWichtigste FettsäurenC16:0 (Palmitinsäure) und C18:1 ω7NrMenachinonMK-9 oder MK-8NrGC-Gehalt53,5–54,4 (Tm)54.1 (LC)SubstratoxidationVollständigVollständigaKohlenmonoxid-Dehydrogenase-AktivitätNrNrTypische ElektronendonatorenFettsäuren (C3 - C8)H2, Propionat, Butyrat, Lactat, Pyruvat, Fumarat, C2 - C4 - Alkohole, Isobutyrat und HefeextraktChemolithoautotrophes WachstumNr−Fermentatives Wachstum−−Wachstum durch Disproportionierung reduzierter SchwefelverbindungenNrNrTypische ElektronenakzeptorenSulfat und ThiosulfatSulfat, Sulfit und ThiosulfatOptimale Wachstumstemperatur ( ° C)35–4040Optimale NaCl-Konzentration (g/l)3560Optimaler pH-Wert für Wachstum9,0–10,07.0LebensraumAnoxische Sedimente eines hypersalinen SodaseesAnoxische Sedimente eines hypersalinen Sodasees

Symbole: −, negativ; +, positiv; Nr, nicht angegeben; Tm, „melting temperature“ von DNA, Temperatur, bei der sich die beiden DNA-Stränge trennen (Denaturierung); LC, „liquid chromatography“ (Flüssigchromatographie). a Der Typstamm vereint metabolische Merkmale für den vollständigen und unvollständigen Abbau von Substraten: Laktat und Propionat werden vollständig oxidiert, während Alkohole nur zu ihren entsprechenden Carbonsäuren oxidiert werden. Hefeextrakt (0,1 g/l) war für das Wachstum unabhängig von der Art des bereitgestellten Elektronendonators erforderlich.

Ökologie Die Arten der Desulfosalsimonadaceae sind haloalkaliphil, sie sind somit auf Lebensräume mit hohen Salz- und pH-Werten angewiesen. Hierzu zählen Sodaseen. Die zwei Arten D. acidivorans und D. acetoxydans wurden aus anoxischem Sediment des Bitter-1-Sees, einem Sodasee im Südwesten Sibiriens (Region Altai, Russland), isolier. Der Fundort von Desulfosalsimonas propionicica ist der Große Salzsee in Utah.Alexander Galushko, Jan Kuever: Desulfosalsimonas In:

Systematik Die Familie Desulfosalsimonadaceae wurde im Jahr 2021 von Alexander Galushko und Jan Kuever eingeführt. Sie zählt zu der Ordnung Desulfobacterales innerhalb der Thermodesulfobacteriota.

Es folgt eine Liste der Gattungen und Arten (Stand Juni 2026): Desulfonatronobacter Desulfonatronobacter acetoxydans Desulfonatronobacter acidivorans Desulfosalsimonas Desulfosalsimonas propionicica

Einzelnachweise

Genutzte Literatur

Weblinks LPSN: Desulfosalsimonadaceae NCBI

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