Das Mauser Modell 1889 ist ein deutsches Repetiergewehr, welches der Ursprung aller einteiligen Repetiergewehre von Mauser ist und von 1889 bis in die 1960er Jahre eingesetzt wurde.

Entwicklungsgeschichte Mitte der 1880er Jahre beabsichtige Belgien ein neues Repetiergewehr einzuführen und die alten 11 mm Einzellader Albini-Braendlin, M1870 Belgian Comblain und Terssen zu ersetzten. Im Jahr 1886 begann die Manufacture d’armes de l’État mit der Erprobung verschiedener und größtenteils ausländischer Konstruktionen. Dazu zählten das Kropatschek Gewehr, das Jarmann M1884 und das Remington-Lee Model 1879. Das Remington–Lee M1879 ging in den Bewertungen zwar als Sieger hervor, galt für den Truppendienst jedoch als zu kompliziert und wurde verworfen. Aus diesem Grund kam es zu einer zweiten Testrunde, bei der das Mannlicher Modell 1886 als Sieger hervorging.

Im Jahr 1887 kam es in der Entwicklung der Gewehre zu einer bahnbrechenden Neuerung durch die Nutzung von rauchschwachen Schießpulver Poudre B, sowie der Nutzung der revolutionären Kleinkaliber-Patrone 8 × 50 mm R Lebel. Infolge dessen galten alle Schwarzpulvergewehre als veraltet und die Armee weltweit suchten nach neuen und vielversprechenden Gewehren. Im Jahr 1888 erprobten die Belgier eine neue rauchlose Patrone mit dem Kaliber von 8 mm mit einem neuen Gewehr. Dabei handelte es wahrscheinlich um den Prototypen des Mannlicher Modell 1886/88. Da die Entwickler und Hersteller erst die Schwierigkeiten bei der Verwendung von rauchlosen Pulver bewältigen mussten, konnte eine neue Versuchsreihe erst im Juli 1888 durchgeführt werden. Dabei stellen die Waffenhersteller Mannlicher, Nagant, Pieper und Schulhoff ihre neuen Gewehre vor, jedoch ohne eindeutiges Ergebnis für die Belgier.

Paul Mauser nahm nicht an den Testphasen für die belgische Armee teil, begann jedoch unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Entwicklung des Gewehr 88 mit der Entwicklung an einem eigenen Gewehr. Im Februar 1888 ließ er eine neue Verschlusskonstruktion mit hinterer Verriegelung patentieren, welche dem System von Lee sehr ähnelte. Im April 1888 kam dann ein weiteres Patent für ein abnehmbares Magazin dazu. Zur gleichen Zeit schickte er ein Versuchsgewehr, welches als Mauser-Metford bekannt wurde, nach Großbritannien. Diese führten zu jener Zeit ein Kleinkaliber-Gewehr von Eduard Rubin für die .303 British Munition. Das Versuchsgewehr kam jedoch zu spät, da seit Dezember 1887 Tests und Truppenerprobungen mit dem zukünftigen Lee–Metford durchgeführt wurden, dessen Muster nach kleinen Änderungen im November 1888 als Standardgewehr für die britischen Truppen festgelegt wurde.

Im September 1888 meldete Mauser ein britische Patent für einen Ladestreifen an und erprobte dieses mit einem Versuchsgewehr. Zwar war die Idee nicht neu, da im Jahr 1878 ein US-amerikanischer Erfinder eine ähnliche Konstruktion patentieren ließ, allerdings gelang es erst Mauser den Ladestreifen kommerziell zu verwenden. Die Konstruktion wurde an die Randlose 7,65 mm Patrone aus einer aus dem Arsenal Spandau Patrone 88 abgeleitet.

Zwischen Oktober und Dezember 1888 kam es zu neuen Erprobungen in Belgien unter der Leitung von General Alfred van der Smissen. Dabei waren fünf Waffenhersteller mit ihren Gewehren eingeladen. Dies waren erneut Mannlicher, Nagant, und Pieper, sowie diesmal Engh/Liégeoise und Mauser. Bis auf Mauser verwendeten alle Modelle ein Kaliber von 8 mm. Obwohl das Modell von Mauser, neben Engh/Liégeoise und Mannlicher, zu den drei Besten gehörte, traten mehrere Störungen auf. In unterschiedlichen Quellen werden unterschiedliche Ursachen aufgezählt. So heißt es in einer moderneren Quelle, dass eine Patrone riss, wodurch der Stoßboden und der Auszieher beschädigt wurden. Mauser selbst machte dafür die fehlerhafte Munition verantwortlich. In einer französischen Quelle aus dem Jahr 1888 heißt es, dass das Ausziehen der leeren Hülsen zum Ende hin sich als schwierig erwies. Auch hier machte Mauser erneut die schlechten Patronen verantwortlich, welche den Verschluss durch Verbrennungsrückstände verdreckten. In einer dritten, russischen Quelle von 1889 heißt es, dass sich der Verschluss mit hinterer Verriegelung unter dem ständigen hohen Druck der neuen Patronen verformte.

Nach diesen Erprobungen entschied sich Mauser dazu, die Verriegelungswarzen vorn statt hinten am Verschluss anzubringen. Dies führte jedoch zu höheren Fertigungskosten, war aber für den Verschluss besser, da er langlebiger wurde und die Probleme mit den Patronen vermieden wurden. In der letzten Phase der Erprobung in Beverloo nahmen nun 24 Hersteller mit ihren Gewehren Teil, darunter wieder Mannlicher, Nagant, Pieper, Mauser und Engh/Liégeoise, sowie auch Schlhoff und Marga. Die Erprobung begann im Mai 1889 und dauerte bis August an. Durch die Neuerungen und Anpassungen an seinem Gewehr, setzte sich Mauser in der letzten Phase gegen Mannlicher und Nagant durch. Nach einigen kleinen Änderungen an der Sicherung, der Visierung und einer Verlängerung des Laufes, wurde am 23. Oktober 1889 das Mauser Model 1889 freigegeben und in den Bestand der belgischen Armee übernommen.

Produktion Die Produktion des Mauser Modell 1889 fand sowohl in der staatlichen Fabrik von Manufacture d’armes de l’État (kurz. MAE), als auch in den privaten Fabriken von FN Herstal (Belgien), Ludwig Loewe & Co. aus Berlin und Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken statt. Um die Produktion unter Lizenz bei FN Herstal sicherstellen zu können, finanzierten mehrere belgische Waffenhersteller FN Herstal. Als im Ersten Weltkrieg das Werk in deutsche Hände fiel, verlagerte man die Produktion in die Werke von Hopkins & Allen in der englischen Stadt Birmingham und in den Vereinigten Staaten. Für die belgische Armee wurden bis 1925 um die 275.000 Gewehre hergestellt.

Technische Beschreibung Mauser Modell 1889 mini|Mauser Modell 1889 mini|Karabiner Modell 1889 mini|Mauser Modell 1889/36 Das Mauser Modell 1889 ist ein manuell repetierbares Gewehr mit einem Zylinderdrehverschluss. Dieser Verschluss verfügt über zwei Verriegelungswarzen vorn und über einen Patronenauszieher, welcher als Klaue in den Verschlusskopf eingelassen ist. Der Patronenauswerfer hingegen ist am Gehäuse angebracht. Der Lauf ist mit einem rohrförmigen Laufmantel ausgestattet und verfügt über vier Züge und Felder nach rechts laufend. Der Gewehrschaft ist aus Holz und so gestaltet, wie die üblichen Gewehre aus der Zeit. Das Gewehr ist 1295 mm lang und hat eine Lauflänge von 780 mm. Es wiegt ohne Bajonett 3,8 kg und mit Bajonett 4,3 kg.

Die Visiereinrichtung am Gewehr besteht aus Kimme und Korn und wird als Treppen-Rahmenvisier bezeichnet. Der Verstellbereich für die Visierung liegt zwischen 100 m, sowie 400 m bis 2.000 m. Eine Windmessvorrichtung ist am Gewehr nicht vorhanden. Die Mündungsgeschwindigkeit beim Abfeuern der Patronen liegt bei 620 m/s. Die effektive Kampfentfernung mit Gewehr liegt bei 400 m.

mini|Paul Mausers Patent auf den Ladestreifen mit Kastenmagazin Die Patronenkammer war revolutionär. Das Gewehr nutzte als erstes ein einreihiges Kastenmagazin, welches fünf Patronen fasst. Der Ladestreifen mit den fünf Patronen wird über die Öffnung an der Oberseite des Gehäuses eingeführt. Um diesen korrekt in das Gewehr einführen zu können, verfügt der Bereich über Zuführlippen aus Federstahl. Dabei ist es möglich, den Ladestreifen oder einzelne Patronen in das Gewehr einzubringen. Um das Kastenmagazin reinigen oder austauschen zu können, ist dieses vom Abzugsbügel getrennt und kann leicht entnommen werden. Der Magazinauslöser befindet sich im Abzugsbügel. Das Kaliber des Gewehrs war ursprünglich 7,65 mm, wurde aber während der langen Nutzung und von verschiedenen Nationen verändert und angepasst. Ein geübter Schütze kann bis zu 10 Schuss die Minute abfeuern.

mini|Baionnette du Fusil Mauser Modele 1889 mini|Baionnette du Fusil Mauser Modele 1916 Um das Gewehr und den Karabiner im Nahkampf nutzen zu können, wurde auch ein Bajonett ausgegeben. Speziell für alle Modelle bis 1916 gab es das Baionnette du Fusil Mauser Modele 1889, welches in einer langen und kurzen Version vorhanden war. Ab dem verbesserten Modell 1916 gab es ein neues Degenbajonett, das Baionnette du Fusil Mauser Modele 1916, welches an das leicht veränderte Gewehr angepasst und leichter gestaltete wurde und alle früheren Modelle ersetzte. Im weiteren Verlauf nutze man auf dem Karabiner 1889 ein Bajonett, welches wie ein Yatagan konstruiert wurde. Dieses wurde hauptsächlich von der Militärpolizei und den Festungstruppen genutzt.

Karabiner Modell 1889 Im Grunde basiert der Karabiner Modell 1889 (deutsch: Karabiner) auf dem Mauser Modell 1889. Beim Karabiner wurde jedoch ein kürzerer Lauf und dementsprechend auch kürzere Laufmäntel verwendet. Ist der Lauf beim Gewehr noch 780 mm lang, ist er beim Karabiner lediglich 447 mm lang. Damit war der Karabiner auch nur 940 mm lang. Er hatte ein Gewicht von 3,6 kg und im Lauf gab es ebenfalls vier Züge und Felder mit einem Rechtsdrall.

Leichter Karabiner Modell 1889 Während des Ersten Weltkrieges richtete die belgische Armee in der französischen Hafenstadt Calais ein Waffendepot ein, welches direkt hinter dem von Belgien kontrollierten Frontabschnitt lag. Das Depot war für die Bergung von Waffen auf dem Schlachtfeld verantwortlich. Dabei war es möglich, leicht beschädigte Waffen schnell zu reparieren, wodurch es zu einer Sonderform des Karabiner 1889 kam, dem leichten Karabiner Modell 1889. Dieser entsprach im Grunde dem normalen Karabiner, jedoch mit einigen Änderungen. So wurden die Originalhalterungen entfernt und der Schaft verschlossen und unter dem Schaft und dem Unterarm wurden Riemenbügel angebracht. Die markanteste Änderung war jedoch die Montage eine Bajonettverschlusses und Zapfens auf der rechten Seite des Laufmantels für die Aufnahme des französischen Gras-Bajonetts. Die berittene Militärpolizei nutzte ein langes Bajonett mit schwerem Schaft.

Mauser Modell 1889/36 Um in der Armee eine Standardisierung nach dem Vorbild des Mauser Modell 1935 zu erreichen, begann im Jahr 1936 die Umstellung der Schäfte der Gewehre und Karabiner des Modell 1889. Diese Arbeiten wurden in der Fabrik von Pieper and Cie. in Herstal sowie in der Manufacture d’Armes de L’Etat bis ins Jahr 1940 durchgeführt. Daraus entstand das Mauser Modell 1889/36 mit einem verkürztem Schaft des Modell 1889 und dem Lauf, der Visierung und dem Vorderschaft des Modell 1935. Um den Schaft zu verstärken wurde ein Rückstoßbolzen unterhalb des Patronenlagers, direkt vor dem Magazin, eingebaut. Somit hat der Luf bei diesem Gewehr eine Länge von 600 mm, was in einer Gesamtlänge von 1096 mm resultierte.

Munition randlose 7,65 mm Patrone, 78 mm lang, 28,5 g Gewicht, abgerundete Spitze, Kupfernickel-Geschoss (Belgien) Aufbohrung auf 7,92 mm (Deutsches Kaiserreich)

Bezeichnungen Fusil Mauser Model 1889 – (Belgien) Mausergewehr Modell 89 – (Deutsches Kaiserreich) Gewehr 261 (b) – (Wehrmacht) Gewehr 263 (b) – (Wehrmacht) Mousqueton Model 1889 – (Belgien) Karabiner 451 (b) – (Wehrmacht)

Einsatz Belgien mini|Truppen der Force Publique mit dem Mauser Model 1889/36 Die erste Nutzung in einem Kampfeinsatz fand während des Ersten Weltkrieges größtenteils an der Westfront statt. Einige Modelle des Mauser Model 1889/36 wurden noch während der Kongo-Krise in Belgisch-Kongo von der Force Publique eingesetzt.

Deutsches Kaiserreich Nachdem die deutsche Armee während des Ersten Weltkrieges in Belgien einmarschierte, fielen ihnen zahlreiche Mauser Model 1889 in die Hände. Da das Gewehr in Belgien Munition vom Typ 7,65 × 53,5 mm verschoss, die deutsche Armee jedoch Munition vom Typ 7,92 × 57 mm nutzte, wurden viele Gewehr für dieses Kaliber aufgebohrt oder umgebaut, um die Standardmunition der Armee weiter nutzten zu können.

Paraguay Im Jahr 1930 erwarb Paraguay 7.000 Gewehre vom Modell 1889 für die eigene Armee.

Wehrmacht