mini|Musée d'art de Toulon Das Musée d’Art de Toulon (MAT) ist ein städtisches Kunstmuseum in Toulon im französischen Département Var. Es wurde 1888 eröffnet und trägt seit 2002 das Label Musée de France. Es beherbergt die künstlerischen Sammlungen der Stadt Toulon mit rund 3000 Objekten, darunter archäologische Funde, Gemälde vom 15. bis zum 20. Jahrhundert, zeitgenössische Kunst seit den 1960er Jahren sowie mehrere hundert Fotografien.

Geschichte mini|Nicolas Laugier – das von Émile Hugoulin geschaffene Medaillon an der Fassade des Museumsflügels Ein erstes städtisches Museum war im ehemaligen Bürgerhospital Saint-Esprit in Toulon untergebracht. Da dieses Gebäude bald zu klein und baufällig wurde, entstand der Plan zur Errichtung eines eigenen Museumsbaus. Im Jahr 1852 ordnete ein kaiserliches Dekret die Erweiterung der Stadt an. In diesem Zusammenhang wurde die nördliche Stadtmauer abgerissen und durch den Boulevard de Strasbourg ersetzt. In der so entstandenen Haute Ville wurden in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche öffentliche Bauten errichtet, darunter das Krankenhaus Chalucet (1854), der Bahnhof (1858), das Théâtre-Opéra (1862) und das Collège Peiresc (1867).

Der Bau eines eigenständigen Musée des Beaux-Arts war seit Jahren Gegenstand kommunalpolitischer Diskussionen, wurde jedoch wiederholt verschoben. Mit der Realisierung wurde der in Toulon geborene Architekt Stanislas Gaudensi Allar (1841–1904) beauftragt, der seine Ausbildung bei Henri Espérandieu in Marseille absolviert hatte. Das Gebäude wurde 1888 eingeweiht und beherbergte ursprünglich drei Institutionen: das Kunstmuseum, das Naturhistorische Museum (Muséum d’Histoire naturelle) sowie die Städtische Bibliothek.

mini|Von Benoît Lucien Hercule geschaffene Büste von Pierre Puget an der Fassade des Kunstmuseums von Toulon

Im Jahr 1939 wurde der wertvollste Teil der Sammlungen in das Musée des Beaux-Arts de Nice ausgelagert. Während des Zweiten Weltkriegs verschlechterten sich die Konservierungsbedingungen der Werke und das Gebäude verfiel zunehmend. Nach Kriegsende begonnene Arbeiten ermöglichten 1948 eine teilweise Wiedereröffnung des Museums. 1953 wurden Dach und Verglasung instand gesetzt. Mit dem Auszug der Sammlungen des Marinemuseums in den 1950er Jahren konnten die Sammlungen im Erdgeschoss neu präsentiert werden.

In den 1970er Jahren wurde unter der Leitung der Kuratorin Marie-Claude Beaud ein bedeutender Bestand zeitgenössischer Kunst aufgebaut. Der seit 1977 aufgebaute fotografische Bestand des Museums umfasst mehrere hundert Werke. Die im Museum verwahrte asiatische Kunstsammlung, die größtenteils auf Schenkungen von Seemannsfamilien zurückgeht, bildete die Grundlage für das im Jahr 2001 in der Villa Jules Verne im Stadtteil Le Mourillon eröffnete Musée des Arts Asiatiques.

2002 wurde das Museum als erstes Kunstmuseum des Départements Var mit dem Label Musée de France ausgezeichnet. Ende 2017 wurde das Museum für umfassende Renovierungsarbeiten geschlossen, die der Verbesserung von Zugänglichkeit, Beleuchtung, klimatischen Bedingungen und Sicherheit dienten. Die Wiedereröffnung erfolgte in zwei Schritten: 2019 wurde das Erdgeschoss zugänglich gemacht, 2021 folgten die Ausstellungsräume im Obergeschoss, die Bibliothek und die Verwaltungsräume. Durch die Sanierung wurde die Ausstellungsfläche des Museums verdreifacht.

Architektur mini|André-Joseph Allar (1845–1926): Karyatiden, die links die Malerei und rechts die Bildhauerei darstellen Das Gebäude wurde von Stanislas Gaudensi Allar im Stil der Neorenaissance entworfen. Sein U-förmiger Grundriss rahmt einen Vorplatz mit einem französischen Garten und einem Brunnen ein, der vom Boulevard aus einsehbar ist. Der Hauptbau verfügt über zwei Loggien im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss, die jeweils von fünf Rundbögen durchbrochen sind. Sie durchfluten die Verkehrsgalerien sowie die große, doppelläufige Treppe mit Licht. Bei der Gestaltung griff Allar zahlreiche Details des Palais Longchamp in Marseille auf, insbesondere die monumentale Treppe und die Straßenfassaden. Die Farbgebung des Gebäudes orientiert sich an der Pariser Opéra Garnier. mini|Marmorskulptur von Lange Guglielmo (1839–1917) im Kunstmuseum von Toulon, die einen Faun mit Weintrauben darstellt (1874) Die beiden seitlichen Pavillons der Loggien sind mit je vier Karyatiden aus Stein versehen, die von André Allar (1845–1926), dem Bruder des Architekten, geschaffen wurden. Der westliche Pavillon (Museumsseite) trägt Allegorien der Malerei und der Bildhauerei, der östliche Pavillon (Bibliotheksseite) Allegorien der Poesie und der Geschichte. Die Fassade ist zudem mit zwölf glasierten Keramikmedaillons des Künstlers Jules Paul Loebnitz geschmückt. Am Nordflügel zeigen sechs von Émile Hugoulin geschaffene Medaillons die Bildnisse von Jean-Honoré Fragonard, Jean Nicolas Laugier, Simon Julien, Christophe Veyrier, Bernard Turreau, genannt Toro, und Joseph Louis Hubac. Mit Ausnahme Fragonards stammen alle Dargestellten aus Toulon. Am Südflügel, auf der Bibliotheksseite, zeigen sechs von Victorien Bastet geschaffene Medaillons die Schriftsteller Honoré-Gabriel Riquetti de Mirabeau, Jean Baptiste Massillon, Pierre Gassendi, Jean-Jacques Barthélemy, Luc de Clapiers (Marquis de Vauvenargues) und Louis Moréri.

Im Innenhof befinden sich zwei von Benoît Lucien Hercule geschaffene Büsten, die den Bildhauer und Maler Pierre Puget sowie den Gelehrten Nicolas-Claude Fabri de Peiresc darstellen. Im Treppenhaus befinden sich in den Nischen weitere Skulpturen und dekorative Wandgemälde, darunter Darstellungen ländlicher Szenen von Octave Gallian, Frédéric Montenard und Eugène Dauphin sowie ein Künstlerporträt von Auguste Laugier.

Sammlung

Die Sammlung des Museums umfasst Werke vom 15. bis zum 20. Jahrhundert sowie zeitgenössische Kunst seit den 1960er Jahren. Im Erdgeschoss wird die Sammlung alter und moderner Kunst präsentiert, deren Schwerpunkt auf der Landschaftsmalerei liegt. Besondere Bedeutung kommt Malern aus Marseille und Toulon des 19. Jahrhunderts zu, darunter Émile Loubon, Paul Guigou, Vincent Courdouan und Raphaël Ponson (Nardi). Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Marinemalerei sowie auf Werken mit orientalistischen Motiven, die im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit Reisen in den Mittelmeerraum entstanden sind, etwa von Félix Ziem und Frédéric Montenard. Diese Bestände werden durch Dauerleihgaben, unter anderem des Musée d’Orsay, ergänzt.

Im ersten Obergeschoss wird die Sammlung zeitgenössischer Kunst gezeigt. Sie wurde seit den 1970er Jahren unter der Kuratorin Marie-Claude Beaud aufgebaut und umfasst heute mehr als tausend Werke. Sie enthält Arbeiten von Vertretern des Nouveau Réalisme (Arman, César Baldaccini, Christo, Yves Klein, Martial Raysse), der amerikanischen Konzeptkunst sowie des Minimalismus (Donald Judd, Sol LeWitt) und der Künstlergruppe Supports/Surfaces (Daniel Dezeuze, Claude Viallat). Die fotografische Sammlung, deren Aufbau 1977 begann, umfasst mehr als 400 Werke, unter anderem von Henri Cartier-Bresson, Edward Steichen und Willy Ronis.

Im ersten Obergeschoss befindet sich zudem ein Cabinet de Curiosités, das im Zuge der Wiedereröffnung eingerichtet wurde. In diesem werden rund hundert ethnografische und archäologische Objekte aus Schenkungen und Vermächtnissen reisender Sammler gezeigt. Ein gesondertes Cabinet d'art graphique dient der wechselnden Präsentation lichtempfindlicher Werke, darunter Fotografien und Zeichnungen aus dem Museumsbestand. Für Wechselausstellungen stehen Räumlichkeiten mit einer Fläche von rund 230 Quadratmetern zur Verfügung. Dort wurden unter anderem die Ausstellungen Picasso et le paysage méditerranéen (2019), Troyes – Le paysage moderne (2021) und L'Algérie des peintres (2022) sowie eine Ausstellung zum Werk von Man Ray gezeigt.

Werke (Auswahl)

Weblinks

Website des Museums Mairie de Toulon – Musée d'art de Toulon (MAT)

Einzelnachweise

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