Walter Funcke (* 20. November 1907 in Scheelshof, Kreis Plön; † 14. Dezember 1987 in Potsdam) war ein deutscher Garten- und Landschaftsarchitekt.
Leben und Werk Funcke absolvierte von 1922 bis 1925 in Hamburg-Nienstedten eine Lehre als Gärtner. Er war damals Mitglied der Wandervogel- und der Arbeiterjugend-Bewegung. Von 1927 bis 1929 studierte er an der Fachschule für Gartenbau und Gartengestaltung in Oranienburg.
Ab 1929 arbeitete er als Gartenbautechniker bei der Arbeitsgemeinschaft Foerster-Mattern-Hammerbacher, zunächst auf Baustellen, dann im Entwurfsbüro und ab 1936 als Büroleiter. Er gehörte zu dem Freundes- und Arbeitskreis um Karl Förster, der später „Bornimer Kreis“ genannt wurde. 1931 trat Funcke der KPD bei, der in der Weimarer Republik nur wenige Gartenarchitekten angehörten. Er blieb den kommunistischen Ideen lebenslang verbunden.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Funcke 1933 von der Gestapo verhaftet und kam für ein halbes Jahr als Schutzhäftling in das KZ Oranienburg. Danach unterlag er bis 1937 der Überwachung. 1938/1939 war er im Büro Mattern Mitarbeiter bei den umfangreichen Umgestaltungsmaßnahmen für die Reichsgartenschau 1939 auf dem Stuttgarter Killesberg. Von 1940 bis 1943 war er an Siedlungsplanungen für das von der Wehrmacht annektierte Polen beteiligt. 1942/1943 entwarf er die Grünplanung für das besetzte Prag, und von 1943 bis 1944 war er unter Hermann Mattern stellvertretender Leiter der Abteilung Landbau der Organisation Todt. In dieser Funktion organisierte er im besetzten Russland und Lettland den Aufbau von Gemüseanbaubetrieben zur Versorgung Nazi-Deutschlands.
1944 wurde Funcke zur Wehrmacht eingezogen, aber vom Kriegseinsatz zu Planungsarbeiten bei Mattern für die Reichsautobahn freigestellt.Joachim Radkau, Frank Uekötter: Naturschutz und Nationalsozialismus. Campus, 2003; ISBN 3-593-37354-8; S. 347
Nach dem Ende des NS-Staats arbeitet Funcke von 1945 bis 1947 als selbständiger Gartenarchitekt in der Lüneburger Heide in Oldendorf/Luhe-Aspelhorn und in der Planungsgemeinschaft Bauhaus in Dessau. Von 1947 bis 1951 war er in Potsdam selbständiger Gartenarchitekt. Er plante u. a. Bodenreformdörfer, Bebauungspläne und die Gartenschau Erfurt.Siehe egapark Für deren erste Schau „Erfurt blüht“ 1950 integrierte er Fontäne-Becken als zentrale Blickpunkte im Gelände und arrangierte er 80.000 Stauden auf dem Gelände, was diese in das Zentrum der Gestaltung rückte. 1951 bis 1954 war Funcke Leiter die Abteilung Grünplanung des volkseigenen Entwurfsbüros für Industriebahnbau. Dabei leitete er u. a. ab 1952 mit seinem Stellvertreter Walter Meißner (1928–2000) die gesamtstädtische Grünplanung für die neu entstehende Stadt Eisenhüttenstadt. Wegen inhaltlichen Differenzen mit dem Ministerium für Aufbau wurde Funcke der Auftrag 1953 entzogen.Elisabeth Knauer-Romani: Eisenhüttenstadt und die Idealstadt des 20. Jahrhunderts. VDG Weimar, Verlag und Datenbank für Geistes-wissenschaften, 2000; ISBN 978-3-89739-098-0; S. 21
Von 1954 bis 1959 war Funcke in Potsdam wieder als selbständiger Gartenarchitekt tätig. Er plante den Kulturpark Babelsberg und war maßgeblich an Planungen für die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) in Erfurt beteiligt. Für die IGA 1961 war er insbesondere für die Neugestaltung und Erweiterung der Wasserfläche verantwortlich. Dabei wurde unter Einbeziehung der bereits bestehenden und nochmals überarbeiteten Fontäne-Becken eine durchgängige, ineinandergreifende Wasserlandschaft, teils mit Sumpf- und Uferzonen, geschaffen.
Als Mitglied des Bunds der Architekten der DDR gründete Funcke dessen Fachgruppe Gartenarchitektur und Landschaftsgestaltung.
Von 1959 bis 1965 war Funcke Fachgruppenleiter der Gartenarchitekten im Büro für Gebiets-, Stadt- und Dorfplanung Potsdam. Er plante u. a. 1962/1963 mit Hermann Göritz den Karl-Foerster-Garten in Bornim in dessen heutiger Ausprägung. Von 1965 bis zum Eintritt in die Rente 1972 war Funcke Abteilungsleiter für Landschaftsplanung im Potsdamer Büro für Territorialplanung. Er war Mitglied der Ständigen Arbeitsgruppe für sozialistische Landeskultur beim Ministerrat der DDR und engagiert sich in gesellschaftlichen Arbeitsgruppen. Auch als Rentner betätigte Funcke sich weiter als Gartenkünstler. So war er 1974 an der Rekonstruktion der Freundschaftsinsel beteiligt (an deren Neuanlage als Schau- und Sichtungsgarten er bereits ab 1953 mitgewirkt hatteGeschichte. In: freundschaftsinsel-potsdam.de. Abgerufen am 10. Juli 2026.) und nahm er 1976 am Wettbewerb für die Gestaltung des Karl-Liebknecht-Forums in Potsdam teil.
Zu Ehren Funckes erhielt eine Schafgarben-Zuchtform den Namen Achillea filipendulina Walter Funcke. Im Jahr 2000 wurde eine Straße im Bornstedter Feld (Gelände der Bundesgartenschau 2001 in Potsdam) nach ihm benannt.Funcke, Walter. In: bundesstiftung-aufarbeitung.de. Abgerufen am 10. Juli 2026.
Funcke war mit Ursula Funcke (1911–2002) verheiratet.
Werke (Auswahl) mini|Springbrunnenanlage mit Teichen auf der Freundschaftsinsel in Potsdam mini|Ziermauern aus Beton, Freundschaftsinsel Fluraufteilungsplan der Gemeinde Kotzen, 1947 Rekonstruktion der Goethegärten am Frauenplan und Am Stern in Weimar, 1948 Neuer Friedhof in Potsdam, 1948 Planung der Gartenschau „Erfurt blüht“ auf der Cyriaksburg, 1948–1950 Grünplanung für Schwerpunktsiedlung in Hennigsdorf, 1949 Soldatenfriedhof in Halbe, 1950 Gartenschau Erfurt, 1951 Grünflächen der Werkswohnungsbauten in Ludwigsfelde, 1952 Perspektivplanung und Projektdetailbearbeitung für Eisenhüttenkombinat Ost in Fürstenberg (Oder), 1952 Vorentwurf und Entwurf für Lehrgebäude und Wohnbauten der Jugendhochschule in Bogensee, 1952 Staudensichtungsgarten Freundschaftsinsel in Potsdam, 1952–1955, 1972–1977 (Umgestaltung zum Schau- und Lehrgarten im Zuge der 10. Weltfestspiele der Jugend und Studenten) Springbrunnenanlage mit Teichen, Freundschaftsinsel, 1953–1957, Sandstein, ca. 80 m × 4 m zuzüglich angrenzende TeicheSpringbrunnenanlage mit Teichen, Walter Funcke, ab 1953. In: potsdam.de. Abgerufen am 10. Juli 2026. Ziermauern aus Beton, zusammen mit Landschaftsarchitektin Hiltrud Berndt (* 1944), Freundschaftsinsel, 1973, Betonguss, Elemente mit variierenden Abmessungen ca. 1–6 m × 0,5–1,20 m × 0,25 mZiermauern aus Beton, Walter Funcke und Hiltrud Berndt, 1973. In: potsdam.de. Abgerufen am 10. Juli 2026. Kultur- und Sportpark in Potsdam-Babelsberg, 1953–1959 Straßenbepflanzung und Friedhof in Eisenhüttenstadt, 1954 Tierpark Roter Berg in Erfurt, 1955–1958 Kulturpark Erfurt, 1956 Erfurter Blumentage, 1958 Beteiligung an der Stadtplanung Potsdam, 1959–1965 Bebauungsplan für Potsdam-Waldstadt, 1959–1961 Mitarbeit bei der Internationalen Gartenbauausstellung in Erfurt, 1961–1966, 1973, 1986/1987 Mustergrabfeld für den Hauptfriedhof Erfurt, 1961 Mustergrabfeld für den Hauptfriedhof Potsdam, 1963 Entwurf für Karl-Liebknecht-Forum, Potsdam, 1968
Literatur
Weblinks
Walter Funcke (1907–1987) - Karl-Foerster-Stiftung
Einzelnachweise
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