Die Heilig-Geist-Kathedrale (, ) ist eine orthodoxe Kathedrale in Czernowitz in der westukrainischen Oblast Tscherniwzi. Der zwischen 1844 und 1864 errichtete Sakralbau war die erste orthodoxe Kathedrale der Stadt. Seit 1989 dient sie wieder als Gotteshaus.

Lage Die Kathedrale befindet sich an der Holowna-Straße 85 südlich des historischen Stadtzentrums von Czernowitz. Der vor dem Gebäude gelegene Platz trägt die Bezeichnung Soborna ploschtscha („Kathedralplatz“).

Geschichte Vorgeschichte und Errichtung In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfügte die orthodoxe Bevölkerung von Czernowitz noch über keine ihrer wachsenden Bedeutung entsprechende repräsentative Hauptkirche. Die Initiative zum Bau einer Kathedrale ging maßgeblich von Eugen Hakmann aus, der seit 1835 orthodoxer Bischof der Bukowina war. Hakmann betrieb den Ausbau eigenständiger kirchlicher Institutionen in der habsburgischen Bukowina und wurde 1873 erster Metropolit der neu errichteten Metropolie der Bukowina und Dalmatiens. Bei der architektonischen Konzeption griff Hakmann auf Vorlagen der Isaakskathedrale in Sankt Petersburg zurück. Die Bauarbeiten standen unter der Aufsicht des Landesingenieurs Adolf Marin und des aus Wien stammenden Baubeamten Anton Röll. Röll überarbeitete die ursprünglichen Pläne und passte sie den örtlichen baulichen und funktionalen Anforderungen an.

Der Grundstein der Kathedrale wurde am gelegt. Die Errichtung dauerte aufgrund finanzieller und technischer Schwierigkeiten rund zwanzig Jahre. Im Juli 1864 weihte Bischof Eugen Hakmann die fertiggestellte Kathedrale. Hakmann wurde 1873 in der Kathedrale beigesetzt. Bei Umbauarbeiten wurden seine Gebeine entfernt und an unbekanntem Ort bestattet. Eine 1993 angebrachte Gedenktafel erinnert an das frühere Grab.

Umgestaltung im 19. Jahrhundert Nach der Weihe wurde das äußere Erscheinungsbild nochmals 1869 verändert. Der böhmisch-österreichische Architekt Josef Hlávka, der in Czernowitz gleichzeitig die spätere Residenz der orthodoxen Metropoliten der Bukowina und Dalmatiens plante, entwarf eine Neugestaltung der Hauptfassade und der beiden seitlichen Glockentürme.

Rumänische und sowjetische Zeit Nach dem Übergang der Bukowina an das Königreich Rumänien im Jahr 1918 war die Kathedrale Teil der zur Rumänisch-Orthodoxen Kirche gehörenden Metropolie der Bukowina.

Nach der Eingliederung der Nordbukowina in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik wurde die Kathedrale schließlich 1961 aufgrund der antireligiösen Politik der sowjetischen Behörden für den Gottesdienst geschlossen. Kirchliche Ausstattungsstücke gelangten teilweise in Museen und Teile der Wandmalereien wurden beschädigt oder überstrichen. Ende der 1970er Jahre diente die Kathedrale als Papierlager, danach für eine Ausstellung von Industriewaren, bevor in ihr eine Ausstellungshalle eingerichtet wurde.

Wiederherstellung als Kirche 1989 wurde die Kathedrale der orthodoxen Gemeinde zurückgegeben und erneut für Gottesdienste geöffnet. In den folgenden Jahren erfolgte eine umfassende Restaurierung des Innenraums. Bis 1997 wurden die erhaltenen Wandmalereien restauriert und die verlorene beziehungsweise beschädigte Ikonostase rekonstruiert. Im Jahr 2000 erhielten die Glockentürme neue Glocken.

2006 wurde vor der Kathedrale ein Denkmal des Bischofs Eugen Hakmann errichtet. Die zeitweilig intensiv rosafarbene Fassadenfassung wurde bei einer späteren Renovierung durch eine hellere, dem historischen Erscheinungsbild angenäherte Farbgebung ersetzt. Die Heilig-Geist-Kathedrale ist als Architekturdenkmal von lokaler Bedeutung geschützt und wird unter der Denkmalnummer 11/56-Чв geführt.

Architektur Außenbau Die Kathedrale ist ein gemauerter, verputzter Kreuzkuppelbau. Ihre Architektur verbindet spätklassizistische Formen mit Elementen der italienischen Renaissance. Der Bau verfügt über eine zentrale Kuppel über einem hohen Tambour sowie zwei kleinere Kuppeln zur West- und Ostseite. Die Westfassade besitzt einen vorspringenden Mittelrisalit mit Hauptportal, Pilastern und Dreiecksgiebel. Seitlich wird sie von zwei mehrgeschossigen Glockentürmen eingefasst. Über dem Haupteingang befindet sich an der Wand ein Reliefbild mit Mitra und zwei gekreuzten Paterissas.

Innenraum Der zentrale Kirchenraum öffnet sich zu den seitlichen Kreuzarmen und zum Altarraum. Der Altarraum ist durch eine Ikonostase vom Gemeinderaum getrennt.

Ein Teil der historischen Wandmalereien, die zwischen 1892 und 1896 vom österreichischen Maler Karl Jobst angefertigt wurden, überstand die sowjetische Zeit, während andere Partien beschädigt oder vernichtet wurden. Die heutige Ausmalung und die Ikonostase sind das Ergebnis mehrerer historischer Phasen sowie der Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten nach 1989.

Weblinks

Website der Kathedrale (ukrainisch) Offizielles Tourismusportal der Stadt Czernowitz (ukrainisch)

Einzelnachweise

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