mini|Jean Hollander (Ende der 2000er Jahre) Jean Hollander (* 5. Juli 1928 in Wien als Josephine Habermann; † 10. April 2019 in Hopewell Township, Mercer County) war eine U.S.-amerikanische Lyrikerin, Übersetzerin und Hochschullehrerin. Zusammen mit ihrem Ehemann Robert Hollander veröffentlichte sie eine Versübersetzung von Dante Alighieris Göttlicher Komödie, für die sie von der Stadt Florenz mit der Goldmedaille für Dante-Übersetzungen ausgezeichnet wurde.

Leben Josefin (später verkürzt zu Jean) Haberman wurde am 5. Juli 1928 in Wien als Tochter von Isaak Haberman, der im Alter von siebenundachtzig Jahren starb,„Half god, half dead / at eighty-seven he refused / the doctor's regimen / foreseeing him unfit / to live as long“. In: To a Dead Father. In: Jean Hollander: Torn Love. WordTech Communications, 2015, ISBN 978-1625490483. und Francesca Haberman geboren. Sie hatte einen Bruder, William Haberman, dem sie das Gedicht An meinen BruderPubliziert im Gedichtband Organs and Blood. widmete, in dem sie ihre Gefühle über eine bisweilen distanzierte Beziehung zum Ausdruck brachte, sowie eine Schwester, Charlotte Haberman. Zusammen mit ihrer Familie floh sie aus Wien, nachdem ihr Vater aus dem Konzentrationslager entlassen worden war (er war im KZ Bergen-Belsen und im KZ Dachau inhaftiert). Sie verbrachten ein Jahr in Kuba und kamen anschließend in die Vereinigten Staaten und lebten in Brooklyn. Jean besuchte das Brooklyn College und absolvierte ihr Studium an der Columbia University, wo sie ihren späteren Ehemann, Robert Hollander, als Doktorandin kennenlernte. Sie heirateten 1964 und hatten drei Kinder: Elizabeth (als Säugling verstorben), Cornelia Vanness (Zaz, geboren 1968) und Robert B. Hollander III (Buzz, 1969–2023). Zunächst zogen sie nach Princeton und später, im Jahr 1965, auf ein vier Hektaren großes Waldgrundstück am Fuße des Sourland Mountain in der Hopewell Township, Mercer County, wo sie bis zu ihrem Tod lebten.„Robert Hollander, Literaturprofessor an der Princeton University und Spezialist für die mittelalterlichen italienischen Autoren Giovanni Boccaccio und Dante Alighieri, arbeitet gemeinsam mit seiner Frau Jean, die am College of New Jersey Lyrik und Literatur unterrichtet, an der Übersetzung der drei Bücher von Dantes Commedia, dem epischen Gedicht über das Leben nach dem Tod.... Das Ehepaar Hollander, das seit 1965 in Hopewell Township lebt, hat zwei Kinder: Cornelia Vanness Hollander, 33, Umweltjournalistin in Idaho, und Robert B. Hollander III, 31, der an der University of North Carolina Medizin studiert.“ Quelle: Sie starb dort am 10. April 2019 eines natürlichen Todes. Sie sprach fließend Deutsch und Italienisch und wanderte gerne auf Wanderwegen in North Carolina, New Hampshire und Alaska sowie in der Schweiz, Norwegen und Peru. Mehrere Gedichte sind dem Thema Wandern gewidmet, darunter Caritas (in: Torn Love) und Hiking (in: And They Shall Wear Purple).

Karriere Jean Hollander unterrichtete Literatur und kreatives Schreiben an der Princeton University, am Brooklyn College, an der Columbia University – wo sie ihr Studium absolvierte – sowie am College of New Jersey, wo sie dreiundzwanzig Jahre lang die Leitung der jährlichen Writers’ Conference innehatte. Sie war Lyrikredakteurin und Kolumnistin beim Princeton Packet, hielt über hundert Lesungen ihrer eigenen Gedichte und führte Workshops an Universitäten, in Bibliotheken, Buchhandlungen und bei Lyrikveranstaltungen durch, darunter am Geraldine R. Dodge Poetry Festival, in der University of Dallas, bei der Poetry Society of America, bei der Barnes & Noble Reading Series in Manhattan und Princeton, beim Sender WPFW für Voice of America, bei der Harvard University, im Poets House und anderen. Sie veröffentlichte über dreihundert Gedichte in Hunderten von Zeitschriften und Anthologien, darunter The American Scholar, Asheville Poetry Review, Cumberland Poetry Review, Literary Review, National Review, Nimrod, Pegasus Review, Poem, Sewanee Review, Southern Humanities Review und anderen.

Poetische Grundsätze Als Lehrerin für Lyrik hatte Jean Hollander keinerlei Anspruch darauf, für ihr eigenes Werk Kunsttheorien zu entwickeln: „Ich weiß, dass ein Gedicht kein Möbelstück ist. Man kann sich nicht darauf setzen, es nicht essen, nicht tragen und es nicht einmal zum Trost nutzen. Auch wenn Gedichte manchmal trösten können, können sie uns auch noch schlechter fühlen lassen. Wenn ich aus einer gewissen Verzweiflung heraus schreibe, dringt das Schreiben manchmal noch tiefer ins Herz, weil die Trauer das Messer schärft.“Quelle: Nachwort im Gedichtband And They Shall Wear Purple, S. 266. (übersetzt mit DeepL). Obwohl sie ihren Schülern empfahl, sich täglich eine feste Zeit für das Schreiben von Gedichten vorzunehmen, hielt sie sich selbst nie daran: „Ich schreibe, wenn mich etwas tief bewegt: eine Kindheitserinnerung, die mir plötzlich wieder in den Sinn kommt, ein Traum, der Angst oder Bedauern weckt, ein Musikstück, das Freude oder Traurigkeit hervorruft, ein weißer Mond, der größer als die Sonne im Osten aufgeht, oder die ersten blauen Immergrün-Blüten, die aus der noch schneebedeckten Erde sprießen. Zu anderen Zeiten, wenn keine neue Inspiration da ist, ich aber dennoch das Bedürfnis verspüre zu schreiben, blättere ich durch Stapel von Gedichten, die ich vor Jahren begonnen, aber nie vollendet habe. Dann wecken ein paar Zeilen hier und da weitere Gedanken und Bilder, und die Worte, die mir beim letzten Mal nicht einfallen wollten, tauchen plötzlich auf und drücken aus, was ich zuvor nicht sagen konnte. Und so werde ich heute und morgen und an den Tagen danach weiter mit der Poesie arbeiten – Gedichte lesen, lehren und schreiben –, nicht nur, weil ich es liebe, wenn Worte mehr sagen und bedeuten als ihre Wörterbuchdefinitionen, sondern vor allem, wie viele vor mir bereits betont haben: Ich werde Gedichte schreiben, weil ich einfach nicht anders kann.“ (übersetzt mit DeepL). Des Weiteren sagte sie über das Gedichteschreiben: „Ich versuche, meine Gedanken und Gefühle ans Licht zu ringen. Es ist ein unmittelbarer und hässlicher Vorgang, eine brutale Geburt, manchmal eine Totgeburt, immer ein Kampf. Ich hoffe immer wieder, dass jedes neue Gedicht anders und besser sein wird als das letzte.“

Werke Gedichte Crushed into Honey. The Saturday Press, 1986. (Gewinnerin des Eileen W. Barnes Award) Moondog, Quarterly Review of Literature, 1996 (Gewinnerin der QRL Poetry Book Series) Organs and Blood, David Robert Books, 2008 Counterpoint (At Hand Poetry Chapbook Series), Bright Hill Press, 2011 (Gewinnerin des Bright Hill Press Preises) (auf Italienisch übersetzt in der September-2014-Ausgabe von Poesia, einer italienischen Lyrikzeitschrift) Torn Love, David Robert Books, 2013 And They Shall Wear Purple – New and Selected Poems, Sheep Meadow Press, Rhinebeck, New York 2016, ISBN 978-1-937679-62-0, 269 Seiten (umfasst die früheren Gedichtbände, neue Gedichte sowie die Übersetzung von „Inferno, Gesang I“)

Übersetzungen mini|Robert und Jean Hollander (2001) Dante’s Inferno, Doubleday, New York 2000 (hardcover) und Anchor Books, New York 2002, ISBN 0-385-49698-2. Dante’s Purgatorio, Doubleday, New York 2003 (hardcover) und Anchor Books, New York 2004, ISBN 0-385-49700-8. Dante’s Paradiso, Doubleday, New York 2007 (hardcover), und Anchor Books, New York 2008, ISBN 978-1-4000-3115-3Jean Hollander schrieb das Gedicht "Translating Paradise" in Healdsburg im 2005. In: Organs and Blood. Hugo von Hofmannsthal, Woman Without a Shadow (Originaltitel: Die Frau ohne Schatten), Edwin Mellen Press, 1993, ISBN 0-7734-9282-8. 116 Seiten. Charlotte von Mahlsdorf, I am my own woman: the outlaw life of Charlotte von Mahlsdorf, Berlin's most distinguished transvestite, Cleis Press, Pittsburgh 1995 (Originaltitel: Ich bin meine eigene Frau), 179 Seiten.

Übersetzung der Divina Commedia 1997 begannen Jean und Robert Hollander mit der Arbeit an einer englischen Übersetzung der Göttlichen Komödie, wobei Jean die Versübersetzung vornahm und Robert die Kommentare verfasste.«Jean Hollander, eine Lyrikerin, war für die Versübersetzung verantwortlich; Robert Hollander, ihr Ehemann, sorgte für deren korrekte Wiedergabe. Die Anmerkungen stammen von Robert, einem Dante-Forscher und emeritierten Professor an der Princeton University, wo er zweiundvierzig Jahre lang über die Göttliche Komödie lehrte.» (übersetzt mit DeepL) Quelle: Die Bände Inferno, Purgatorio und Paradiso des Ehepaars erschienen 2000, 2003 bzw. 2007. Die Übersetzung wurde von der Kritik hoch gelobt: Der Schriftsteller Tim Parks bezeichnete ihr Inferno als „das beste von allen“, und die Kritikerin Joan Accocella nannte ihre gesamte Göttliche Komödie „die beste auf dem Markt“. Roberts Kommentare zur Übersetzung wurden als besonders gründlich gewürdigt; Acocella schätzte, dass sie „fast dreißigmal so lang wie der Text“ seien.

Artikel Robert Hollander: Translating Dante into English Again and Again und Jean Hollander: Getting Just a Small Part of it Right. In:

Auszeichnungen Eileen W. Barnes Award für Crushed into Honey, 1986 Drei Stipendien für Lyrik des New Jersey State Council on the Arts Gewinnerin in der QRL-Gedichtbandreihe für Moodog The Billie Murray Denny Poetry Contest (erster Preis von 1.000 Dollar für ein Einzelgedicht) Allen Ginsberg Award New Jersey State Council on the Arts Award (dreifache Gewinnerin) Goldflorin der Stadt Florenz für die Übersetzung von Dantes Commedia, 2008

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Einzelnachweise

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