mini|Rolf Urban, 2010 Rolf Urban (* 1958 in Bretten) ist ein deutscher bildender Künstler. Sein Werk umfasst Zeichnung, Druckgrafik, Malerei, Holzobjekte und Film. Seit den 1980er-Jahren wurden seine Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt.

Leben und Ausbildung Rolf Urban wurde 1958 in Bretten geboren. Von 1977 bis 1982 studierte er Malerei und Grafik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Markus Lüpertz. Parallel dazu studierte er von 1979 bis 1981 Kunstwissenschaft an der Universität Karlsruhe. 1989 erhielt Urban ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg. 1991 wurde er mit dem Albert-Haueisen-Preis ausgezeichnet. 1992 folgte ein Arbeitsstipendium an der Cité Internationale des Arts in Paris. Von 1990 bis 1995 war Urban Assistent am Institut für Bildende Künste der Universität Karlsruhe. Er ist Mitglied des Künstlerbundes Baden-Württemberg. Von 1995 bis 2005 war er als geschäftsführendes Mitglied im Vorstand tätig. Werke von Rolf Urban befinden sich in vielen öffentlichen Sammlungen unter anderem in der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland. Urban lebt und arbeitet in Bretten.

Werk Das Werk Rolf Urbans umfasst Zeichnung, Druckgrafik, Malerei, Holzobjekte und filmische Arbeiten. In der kunsthistorischen Literatur werden insbesondere Fragen der Beziehung von Fläche und Raum, die Struktur bildnerischer Prozesse sowie die Wahrnehmung von Bewegung und Zeit als wiederkehrende Themen hervorgehoben. Die frühen Arbeiten der 1980er Jahre waren von einer gestischen und strukturell angelegten Malerei geprägt.

Zeichnung mini|hochkant|Rolf Urban, Ohne Titel, 1996, Bleistift und Kohle auf Papier, 70 × 50 cmZum Ausgangspunkt seines Werkes wurde die Zeichnung, die alle Werkphasen begleitete. Bereits in den Arbeiten der späten 1980er Jahre traten neben räumlichen Strukturen auch gegenständliche und situative Elemente hervor. Sibylle BrosiBrosi, Sibylle: Rolf Urban – Neue Arbeiten 1988/89. Ausstellungskatalog Galerie Györfi, Herrenberg 1989. verweist auf das Spannungsverhältnis zwischen formaler Ordnung und offener Bildfindung, das die frühen Arbeiten kennzeichne. In den frühen 1990er Jahren rückte die Zeichnung als Mittel zur Untersuchung von Raumbeziehungen zunehmend in den Vordergrund. Rainer SchultheißSchultheiß, Rainer: Rolf Urban – Zeichnungen. Hainfeld 1991., Karin KörnerKörner, Karin: Rolf Urban – Espace. Würzburg/Bretten 1992., Marlene LauterLauter, Marlene: Rolf Urban – Zeichnungen und Linolschnitte. Wendlingen 1993. und Nicole NixNix, Nicole: StandOrte. Neunkirchen 1994. beschreiben eine Reduktion auf lineare und flächige Elemente sowie die Entwicklung offener räumlicher Strukturen.

Linol- und Holzschnitte mini|hochkant|Rolf Urban, Tisch, 1989, Linolschnitt-Unikat auf Papier, 100 × 70 cmParallel dazu entstanden großformatige Linol- und Holzschnitte. Joachim Heusinger von Waldegg bezeichnet die Auseinandersetzung mit Schnitt, Struktur und serieller Variation als charakteristische Merkmale dieser WerkgruppeHeusinger von Waldegg, Joachim: Rolf Urban – Linolschnitt-Unikate. Ausstellungskatalog Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, 1990..

Holzobjekte mini|hochkant|Rolf Urban, Ohne Titel, 1997, Ölfarbe auf Holz, 45 × 34 cmSeit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre begann Urban, parallel zu der Bearbeitung hölzerner Druckstöcke in der traditionellen Drucktechnik, davon unabhängige Arbeiten auf Holz herzustellen. Die Holztafeln wurden durch Einschnitte, Bearbeitungen der Oberfläche und farbliche Fassungen zu Bildobjekten weiterentwickelt. Eva-Marina FroitzheimFroitzheim, Eva-Marina: Rolf Urban. Zeichnungen und Holzschnitte. Schwetzingen/Berlin 1996/97. beschreibt diese Arbeiten als Zusammenspiel von Zeichnung, Material und räumlicher Organisation. Regina LangeLange, Regina: Raumschnitt – Linolschnitte von Rolf Urban. In: Xylon, Nr. 119, 2003/04. hebt die Bedeutung der Einschnitte und räumlichen Gliederungen innerhalb der Holzarbeiten hervor.

Film und Filmstills Im Ausstellungskatalog Parallelverschiebung (2002) beschreiben Elisabeth Claus und Peter Joch Urbans Arbeiten als Prozesse, in denen durch Eingriffe in das Material komplexe räumliche Beziehungen entstehen. Dabei trete die Darstellung von Gegenständen gegenüber strukturellen Fragestellungen zunehmend in den HintergrundClaus, Elisabeth; Joch, Peter: Parallelverschiebung. Ausstellungskatalog Kunsthalle Darmstadt / Kunst- und Kunstgewerbeverein Pforzheim, 2002.. Dirk Blübaum bemerkte bereits Ende der 1990er Jahre eine Erweiterung der zeichnerischen und druckgrafischen Arbeitsweise um die Dimension von Zeit und BewegungBlübaum, Dirk: In: Rolf Urban – Ortsverzeichnis. Ausstellungskatalog, 1998/99.. Seit den 2010er Jahren entstanden verstärkt filmische Arbeiten. Die Kurzfilme beruhen teilweise auf gezeichneten Bildfolgen, Kohlezeichnungen, die sich von Aufnahme zu Aufnahme durch Veränderung oder Wegnahme von Elementen stetig wandeln und die im Stop-Motion-Verfahren und fotografisch dokumentiert werdenGalerie Merkle (Hrsg.): vor, zurück, vor. Zeichnungen, Linolschnitte und Kurzfilme von Rolf Urban. Stuttgart 2018.. mini|hochkant|Rolf Urban, Vier Filmstills, 2017–2020, Kohle auf Papier, 50 × 70 cm Begleitend zu den Filmen entstehen sogenannte „Filmstills“, die als Zeichnungen oder Druckgrafiken eigenständig ausgestellt werden. Die Verbindung von statischem und bewegtem Bild bildet einen Schwerpunkt der jüngeren Arbeiten. Maria Lucia Weigel hebt die Kontinuität zeichnerischer Verfahren innerhalb der unterschiedlichen Werkgruppen hervor und verweist auf die Verbindung von räumlicher Konstruktion und zeitlicher Wahrnehmung als wiederkehrendes Motiv in Urbans ArbeitenWeigel, Maria Lucia: In: Rolf Urban – Nachsehen und Wiederhören. Arbeiten 2003–2008. Kunstverein Bretten 2008..

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1990: Städtische Galerie Ostfildern 1992: Espace, Kunstverein Würzburg mit Städtischer Galerie Würzburg; Kunstverein Bretten 1993: Zeichnungen und Linolschnitte, Städtische Galerie Wendlingen am Neckar 1994: StandOrte, Städtische Galerie im Bürgerhaus Neunkirchen 1995: Galerie und Edition m, Leipzig; Galerie Ruppert, Landau 1996: Kunstverein Schwetzingen; Galerie Witzel, Wiesbaden 1997: Galerie Inga Kondeyne, Berlin; Galerie Baumgarten, Freiburg im Breisgau 1998/1999: Ortsverzeichnis, Galerie Taeger, Frankfurt am Main; Galerie Boisserée, Köln; Galerie Merkle, Stuttgart 2002/03: Parallelverschiebung, Kunsthalle Darmstadt; Kunst- und Kunstgewerbeverein Pforzheim; Galerie Baumgarten, Freiburg im Breisgau; Galerie Erhard Witzel, Wiesbaden; Galerie Boisserée, Köln; Galerie Commercio, Zürich 2006: Kunstverein Reutlingen / Hans-Thoma-Gesellschaft (mit Dieter Rocke) 2014: Filme und Filmstills, Galerie Merkle, Stuttgart 2018: vor, zurück, vor, Galerie Merkle, Stuttgart, besprochen in den Stuttgarter Nachrichten 2020: Zeichnungen und gezeichnete Filme, Museum im Alten Bau, Geislingen an der Steige; Kunstverein Bruchsal

Ausstellungsbeteiligungen 1987: 4. Internationale Grafiktriennale, Vaasa, Finnland 1991: Kunstpreis junger Westen, Recklinghausen' 1993: Kunst der Neunziger Jahre, Badischer Kunstverein Karlsruhe 1994: Ausstellung im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 1997: 20 Jahre Kunststiftung Baden-Württemberg, Zeppelin Museum Friedrichshafen 1997/1998: Querschnitt – Deutscher Holzschnitt heute, Villa Zanders, Bergisch Gladbach, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen u. a. 2001: Zeitgenössische Kunst am Oberrhein, Städtische Galerie Offenburg 2004: Grund zu bleiben, Künstlerbund Baden-Württemberg, Kloster Schussenried 2005: ZeitSchnittRaum, Künstlerbund Baden-Württemberg, Schloss Achberg 2006: Zweilagig, Ulrich J. Wolf und Rolf Urban, Radierungen, Collagen, Malerei, Kunstverein Speyer 2010: innenaußen, 4. Biennale der Zeichnung, Kunstverein Eislingen 2014: Tor, Tor, Tor! Das Spiel der Spiele in der Kunst, Junge Kunsthalle Karlsruhe 2017: Stand der Dinge, Künstlerbund Baden-Württemberg, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen

Werke im öffentlichen Besitz Museen und öffentliche Sammlungen Kunstmuseum der Stadt Albstadt, Sammlung Hartmann Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland, Bonn/Berlin Kunstmuseum Villa Zanders, Bergisch Gladbach Stadt Donaueschingen Städtische Galerie Villa Merkel, Esslingen Stadt Frechen Kunstverein Göttingen, Artothek Pfalzgalerie Kaiserslautern, Marianne-und-Heinrich-Lenhardt-StiftungMuseum Pfalzgalerie Kaiserslautern: Erwerbungen der Marianne-und-Heinrich-Lenhardt-Stiftung, Bestandskatalog der Graphischen Sammlung, Nr. IX (2004), S. 86–89; Nr. XI (2009), S. 80–81. Kunstmuseum Karlsruhe Sammlung der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe Landesmuseum Mainz Museum Schloss Moyland, Sammlung van der Grinten Stadt Oldenburg, Artothek Sammlung des Landes Nordrhein-Westfalen Städtisches Kunstmuseum Singen Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

Werke in öffentliche Einrichtungen Regierungspräsidien Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart Landratsamt Karlsruhe Ministerium für Wissenschaft und Kunst Stuttgart Stadt Pforzheim Stadt Wendlingen

Werke in Unternehmens-, Bank- und Stiftungssammlungen Sammlung der Deutschen Bank, Frankfurt am Main Sammlung Forum Kunst der Kreissparkasse Hannover Sammlung des Kernforschungszentrums Karlsruhe Ursula-Blickle-Stiftung, Kraichtal Sammlung Lütze, Rastatt und Sindelfingen Sammlung der Bausparkasse Schwäbisch Hall Sammlung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Stuttgart Sammlung der Südwestdeutschen Landesbank, Stuttgart

Literatur (Auswahl) Blübaum, Dirk: Rolf Urban – Ortsverzeichnis. Ausstellungskatalog. Stuttgart/Köln/Frankfurt am Main, Stuttgart 1998. ISBN 3-9805666-3-3. Bork, Karen: ZeitRaumZeichen. In: ZeitSchnittRaum. Ausstellungskatalog, Schloss Achberg, 2005 Brosi, Sibylle: Rolf Urban – Neue Arbeiten 1988/89. Ausstellungskatalog Galerie Györfi, Herrenberg, 1989. Claus, Elisabeth; Joch, Peter: Parallelverschiebung. Ausstellungskatalog Kunsthalle Darmstadt und Kunst- und Kunstgewerbeverein Pforzheim, 2002/2003. ISBN 3-87034-069-X. Eichhorn, Herbert: Beitrag in: 20 Jahre Kunststiftung Baden-Württemberg. Ausstellungskatalog Zeppelin Museum Friedrichshafen, 1997/1998. Froitzheim, Eva-Marina: Rolf Urban. Zeichnungen und Holzschnitte. Ausstellungskatalog Kunstverein Schwetzingen und Galerie Inga Kondeyne, Berlin, 1996/97. ISBN 3-925223-28-2. Heusinger von Waldegg, Joachim: Rolf Urban – Linolschnitt-Unikate. Ausstellungskatalog Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, Karlsruhe, 1990. Körner, Karin: Rolf Urban – Espace. Ausstellungskatalog Kunstverein Würzburg und Kunstverein Bretten, 1992. Lange, Regina: Raumschnitt – Linolschnitte von Rolf Urban. In: Xylon. Internationale Zeitschrift für Holz- und Linolschnitt, Nr. 119, Winterthur, 2003/2004. Lauter, Marlene: Rolf Urban – Zeichnungen und Linolschnitte. Ausstellungskatalog Städtische Galerie Wendlingen am Neckar, 1993. Nix, Nicole: StandOrte. Ausstellungskatalog Städtische Galerie im Bürgerhaus Neunkirchen, 1994. Schultheiß, Rainer: Rolf Urban – Zeichnungen. Ausstellungskatalog Galerie Ruppert, Hainfeld, 1991. Vowinckel, Andreas: Beitrag in: L-Bank-Kunstbegegnung. Sönke Maier und Rolf Urban. Stuttgart, 1992. Weigel, Maria Lucia: Rolf Urban – Nachsehen und Wiederhören. Arbeiten 2003–2008. Ausstellungskatalog Kunstverein Bretten, 2008.

Weblinks Rolf Urban Werke auf Galerie.de Rolf Urban Werke auf Kunstmarkt.com

Einzelnachweise

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