Die Straßenbahn Chișinău bestand von 1889 bis 1961 und wurde durch Bus- und Oberleitungsbuslinien abgelöst.

Geschichte

Die Geschichte der Straßenbahn in Chișinău begann im April 1888, als die Stadtduma den Bau von Pferdestraßenbahnlinien beschloss. Damals lag die Stadt im russischen Kaiserreich.

Das Abkommen über den Bau und den weiteren Betrieb der Pferdestraßenbahn wurde mit bekannten Geschäftsleuten der Stadt abgeschlossen: Rogazinski, Romanovici und Switalski. So wurden innerhalb eines Jahres auf der Ulica Aleksandrowska (Aleksandrowski-Straße, heutiger Boulevard Ștefan cel Mare și Sfânt) und weiteren zentralen Straßen der Stadt Pferdestraßenbahnlinien mit einer Gesamtlänge von 6 Werst (6,4 km) gebaut. Die Schienen wurden in einer Fabrik in Brjansk gegossen, die Wagen wurden in Warschau (7 Wagen ohne Verdeck) und Odessa (7 Wagen mit Verdeck) gekauft. Die Wagen wurden von je zwei Pferden gezogen.

mini|Aktie der Société anonyme tramways de Kischinew

1895 wurde in Brüssel die Société anonyme tramways de Kischinew gegründet, die zum Wirtschaftsimperium von Édouard Louis Joseph Empain zählte.

Die Statuten des Unternehmens wurden im Jahr 1912 modifiziert. In diesem Jahr betrug das Aktienkapital 1.500.000 belgische Franken. Es waren 6.000 Vorzugsaktien zu je 250 Franken ausgegeben worden.

Im Jahr 1897 nahm die Duma das Projekt zum Bau neuer Straßenbahnlinien an, um das Stadtzentrum mit dem Bahnhof zu verbinden. Bis 1910 betrug die Gesamtlänge der Pferdestraßenbahnlinien in Chișinău 12,5 Kilometer.Кишинёв. Энциклопедия (Кишинёв, Главная редакция Молдавской Советской Энциклопедии, 1984) Im Jahr 1910 begann die Umstellung der Pferdestraßenbahn auf elektrischen Betrieb. Die Stadtduma nahm dazu eine entsprechende Resolution an. Ab 1913 verkehrten in Chișinău ausschließlich elektrische Straßenbahnen; zudem wurde eine neue Linie von der Puschkin-Straße bis zur Barriere Sculeni gebaut. Auf der Aleksandrowski-Straße fuhren die Straßenbahnen auf zwei Gleisen. Insgesamt verfügte Chișinău zu dieser Zeit über vier Straßenbahnlinien. Die Gesamtlänge der Linien betrug rund 14 Kilometer. Täglich waren gleichzeitig bis zu 30 Wagen im Einsatz.

In der Zwischenkriegszeit blieb das Straßenbahnnetz von Chișinău im Besitz einer belgischen Gesellschaft, die den Betrieb 1910 erworben hatte. Im Jahr 1939 befanden sich im Depot in der heutigen Mitropolit-Dosoftei-Straße, damals bekannt als „Tramwaypark“, 50 Wagen, die insgesamt eine Strecke von elf Kilometern bedienten.

1935 berichtete die österreichische Zeitung Der Tag, dass die Stadt Kischinew Angebote zur Zeichnung einer Anleihe für Investitionen im Bereich der Elektrizitätsversorgung und der Straßenbahn plakatiert hatte. Ab 1940, nach der Besetzung Bessarabiens, wurde die Straßenbahn der Stadt verstaatlicht. 1943 schrieb die Kleine Volks-Zeitung, dass der Aufbau in der Stadt auch das Straßenbahnsystem beinhalte.

mini|Kriegsschäden am Depot, 1941

Im Jahr 1944 wurden infolge der Operation Jassy-Kischinew Wagenhallen und ein Großteil der Wagen zerstört. Der Wiederaufbau des Straßenbahnnetzes verlief daher schleppend.

mini|Überfüllte Straßenbahn auf der Lenin-Straße (dem heutigen Bulevardul Ștefan cel Mare și Sfânt), 1947

1952 waren nur noch 17 Wagen sowie eine Wagenhalle und Werkstätten zur Instandsetzung des Fahrzeugparks in Betrieb.

Im Jahr 1946 wurde der Fahrzeugpark um 14 Triebwagen ergänzt, die aus Deutschland nach Chișinău gebracht worden waren.Зленко В. П. История развития автомобильного транспорта, электротранспорта и дорожного хозяйства Молдовы. — Кишинев, 1992

Der reguläre Straßenbahnbetrieb in Chișinău wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1946 wieder aufgenommen. Die Gesamtlänge der Straßenbahnlinien betrug zu diesem Zeitpunkt rund 17 Kilometer. Die jährliche Fahrgastzahl erreichte 9 Millionen Personen. Mit Inbetriebnahme des Oberleitungsbusses im Oktober 1949 begann das Netz zu stagnieren, die Straßenbahn wurde zunehmend durch das neue Verkehrsmittel ersetzt. Im Jahr 1961 fuhr die letzte Straßenbahn durch die Stadt, danach wurden alle Schienen entfernt.

Fahrzeuge

mini|Ein Triebwagen des Typs ET54 auf dem heutigen Bulevardul Ștefan cel Mare și Sfânt, 1955 Die ersten elektrischen Fahrzeuge stammten von MAN, zuletzt wurden ET54 von LOWA beschafft. Nach der Betriebseinstellung wurden vier neuere Fahrzeuge an die Straßenbahn Lwiw übergeben.

Galerie

Erinnerungskultur

Das Muzeul Regiei Transport Electric Chișinău (Museum des elektrischen Verkehrsbetriebes Chișinău) erinnert an die elektrischen Verkehrsmittel der Stadt Chișinău, namentlich sind das die Straßenbahn und der Oberleitungsbus. Das Museum ist in ehemaligen Straßenbahndepot untergebracht und zeigt einen Pferdebahnwagen. Aus den Quellen geht nicht hervor, ob es sich dabei um ein Original oder ein Replikat handelt. transphoto.org nennt allerdings 1989 als Herstellungsjahr des Objektes. Diese Website gibt auch an, dass ein aus Lviv stammender Tatra T4SU als Denkmal aufgestellt wäre.

Literatur

Roland Dussart-Desart. Les tramways belges en Russie. De 1880 à la révolution de 1917. Hrsg.: Tramania ASBL & Musée des Transports en Commun de Wallonie. Brüssel 2017, ISBN 978-2-9601948-2-1

Weblinks

Tramvaiul în Chișinău în secolele XIX–XX (rumänisch) Geschichten aus Chișinău – So sahen die Straßenbahnen früher aus (rumänisch) Sammlung historischer Fotografien Fahrzeugliste bei transphoto.org Scripoworld/Tramways de Kischinew

Einzelnachweise

Chisinau Kategorie:Verkehr (Chișinău) Kategorie:Gegründet 1889 Kategorie:Aufgelöst 1961