Der Teppich von Bayeux [], gelegentlich auch Wandteppich von Bayeux oder Bildteppich der Königin Mathilda genannt, ist eine in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstandene Stickarbeit auf einem rund 52 Zentimeter hohen Leinentuchstreifen. Die in Bild und Text auf 68 Metern in 58 Einzelszenen dargestellte Eroberung Englands durch den Normannenherzog Wilhelm den Eroberer beginnt mit einem Zusammentreffen von Harald Godwinson, Earl of Wessex, mit dem englischen König Edward und endet mit der Schlacht bei Hastings am 14. Oktober 1066. Es fehlen die Schlussszenen, so dass die ursprüngliche Länge des Tuchstreifens unbekannt ist.

Wegen seiner Fülle an detaillierten Einzeldarstellungen, der durchdachten Ikonographie und der handwerklichen Qualität gilt der Teppich von Bayeux als eines der bemerkenswertesten Bilddenkmäler des Hochmittelalters. Die Details geben Aufschluss über viele Aspekte mittelalterlichen Lebens. So finden sich Einzelheiten zu Schiffen, Schiffbau und Seewesen, Trachten und Schmuck, Kampfweise und Ausrüstung französisch-normannischer und angelsächsischer Krieger, der königlichen Jagd, Reliquienwesen, Herrschaft und Repräsentation sowie Münz- und Geldwesen.Wamers, Egon et al.: "Die letzten Wikinger. Der Teppich von Bayeux und die Archäologie.", Frankfurt am Main 2009, S. 6. Er zeigt auch die erste bekannte bildliche Darstellung des Halleyschen Kometen, der um die Zeit der dargestellten Ereignisse den sonnennächsten Punkt erreichte. Das Bildwerk wird der romanischen Stilepoche zugerechnet. Es weist deutliche angelsächsische und skandinavische Züge auf und steht am Beginn der sogenannten anglo-normannischen Periode, die in den folgenden Jahrhunderten für England prägend wurde.Wamers u. a., S. 18.

Der Teppich von Bayeux wurde ab 1982 im eigens dafür errichteten Centre Guillaume le Conquérant in Bayeux in der Normandie (Frankreich) ausgestellt, von September 2026 bis Juli 2027 wird er im British Museum in London gezeigt. Eine weitgehend originalgetreu gearbeitete Kopie aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts findet sich im Stadtmuseum von Reading. 2007 wurde der Teppich in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Ausführung mini|Kettenstich, einer der für Reparaturen auf dem Teppich von Bayeux verwendeten Stichtypen mini|Szenische Darstellungen mit erläuterndem Text mini|Details der Stickerei mini|Detail der Stickerei Der Teppich von Bayeux ist auf seiner Länge von 68,38 Metern zwischen 48 und 53 Zentimetern breit. Während die Anfangsszenen intakt sind, ist das Ende abgerissen. Ursprünglich maß der sogenannte Teppich wohl über 70 Meter und zeigte in der Schlussszene offenbar noch die Krönung Wilhelms zum englischen König. Mit Wolle und Leinen sind für diese Arbeit der Textilkunst alltägliche Materialien verwendet worden. Dies ist vermutlich ursächlich dafür, dass der Teppich von Bayeux die letzten neun Jahrhunderte überdauerte. Ein mit Goldfäden, Goldplättchen und Edelsteinen verziertes Werk wäre vermutlich von Plünderern im Verlauf der Zeit zerschnitten worden.Carola Hicks: The Bayeux Tapestry – The Life Story of a Masterpiece. Vintage Books, London 2007, ISBN 978-0-09-945019-1 Der Erhaltungszustand des Teppichs gilt als insgesamt gut, auch wenn er Wachsflecken, Risse und ähnliche Schäden aufweist. Zudem sind Spuren von Reparaturen und Rekonstruktionen an zahlreichen Stellen deutlich zu erkennen.David M. Wilson: Der Teppich von Bayeux. Parkland, Köln 2003, ISBN 3-89340-040-0. (Reprint/Sonderausgabe der OA aus dem Ullstein/Propyläen Verlag von 1985)

Auf den erhaltenen Szenen sind im Hauptfries und den Randborten insgesamt 623 Menschen, 202 Pferde, 55 Hunde, 505 andere Tiere, 27 Gebäude, 41 Schiffe und Boote sowie 49 Bäume abgebildet.Rud, S. 13. Der Hauptfries wird von einem beschreibenden lateinischen Text begleitet, der fünfzehn einzelne Personen und acht Orte durch namentliche Nennung hervorhebt und die Handlung erläutert.Crafton, S. 13. So lautet der Text der Szenen 27 und 28 beispielsweise: HIC EADWARDUS REX IN LECTO ALLOQVITUR FIDELES („Hier spricht der im Bett liegende König Edward mit den Seinen“) und ET HIC DEFUNCTUS EST („Und hier ist er gestorben“). Der Text steht gelegentlich in unzureichend großen Zwischenräumen, und Wörter sind mitunter geteilt oder abgekürzt. Daher ging man davon aus, dass der Text erst in den Entwurf eingefügt wurde, nachdem die Figuren, die Details des Hintergrunds und die Randborten entworfen worden waren. Aufgrund der Führung der Fäden weiß man jedoch nun, dass die Stickereien von Hauptfries, Randborte und Text gleichzeitig ausgeführt wurden.

Stickgrund Bei der Arbeit handelt es sich nicht im eigentlichen Sinne um einen Teppich, da mit diesem Begriff eine Knüpf- oder Wirkarbeit assoziiert wird. Es ist vielmehr eine auf neunWamers, S. 16. miteinander verbundenen Leinenbahnen ausgeführte Stickarbeit. Die einzelnen Leinenbahnen sind sehr sorgfältig miteinander vernäht, sodass die Nahtstellen kaum auffallen. Erst im 19. Jahrhundert wurde erkannt, dass der Teppich aus mehreren aneinandergefügten Bahnen besteht, bis 1983 ging man von acht Bahnen aus. Erst bei der Untersuchung und Reinigung im Winter 1982/83 entdeckte man eine weitere Nahtstelle. Die zwei längsten Bahnen messen fast vierzehn Meter, eine ungewöhnliche Länge für Webstoffe dieser Zeit. Die übrigen Bahnen sind zwischen sechs und acht Meter, die zwei letzten Bahnen sogar nur etwa drei Meter lang. Das Gewebe weist 18 oder 19 Kett- und Schussfäden pro Zentimeter auf und ist damit relativ fein. Die ursprüngliche Webbreite betrug etwa einen Meter und wurde vor dem Besticken längs in Streifen von rund 50 Zentimeter geteilt. Dies entspricht etwa der Reichweite des Armes einer Stickerin, also der Breite, auf der diese noch gut arbeiten kann. An der Nahtstelle zwischen der ersten und der zweiten Leinenbahn ist der bestickte obere Rand um wenige Millimeter verschoben. Zumindest an dieser Stelle wurden die Leinenbahnen also erst zusammengefügt, nachdem die Stickerei vollendet war.

Garne und Stickerei Für die Stickerei wurden mindestens 45 Kilogramm Wolle verarbeitet. Seit einer genaueren Untersuchung und Reinigung im Winter 1982/83 weiß man, dass die Arbeit mit zweifädigem Wollgarn in ursprünglich zehn verschiedenen Farben ausgeführt wurde und nicht, wie bis dahin angenommen, in acht. Als Hauptfarben dominieren Terrakotta-Rot, Blaugrün, Hellgrün, Gelbbraun und Graublau.Rud, S. 11 und S. 12. Bei späteren Reparaturen und Rekonstruktionen sind auch andere Farben verwendet worden, darunter ein helleres Gelb und mehrere Grüntöne.

Zwischen den Farben der Teppichvorderseite und -rückseite besteht nur ein geringer Unterschied. Dass die Vorderseite nur geringfügig ausgeblichen ist, spricht für eine sorgfältige Färbung der Garne. Die synthetisch gefärbten Garne, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Reparatur verwendet wurden, sind heute teilweise stärker ausgeblichen als die ursprünglichen. Die Garne waren vor dem Verspinnen der Fasern in der Wolle gefärbt worden. Verwendet wurden lediglich drei unterschiedliche pflanzliche Farbstoffe. Mit Färberresede erzielten die Färber die gelben und beigen Töne. Die grünen Töne erhielt man aus einer Mischung von Färberresede und Färberwaid. Reines Färberwaid ergab die blauen Farben, und mit Färberkrapp wurde die Wolle rot gefärbt.

Die Verwendung der Farben wirkt mitunter zufällig. So sind Pferde auch in Rot oder Blau gestickt. Eine plastische Wirkung der ansonsten unperspektivischen Szenen wurde erzielt, indem verschiedene Farben für die äußere und die innere Seite etwa von Beinpaaren verwendet wurden. Auf die Darstellung von Fleischtönen wurde verzichtet; Gesichter, Hände und nackte Körper sind nur durch Umrisslinien wiedergegeben.

Verwendet wurden ursprünglich drei verschiedene Stichtypen: Flächen sind überwiegend im sogenannten Bayeux-Stich ausgeführt, für die Konturen und die Inschriften wurde der Stielstich verwendet. An einigen Stellen findet man außerdem Spaltstiche.Rud, S. 11. Kettenstiche sind nur an den Stellen des Teppichs zu sehen, die im Laufe der Jahre repariert wurden.Rud, S. 12.

Entwurf und Umsetzung Es gibt keine zeitgenössischen Quellen, die beschreiben, wie der Teppich von Bayeux entstand. Hinweise geben jedoch die Art der Ausführung und Quellen, die die Herstellung vergleichbarer Arbeiten beschreiben.

Vermutet wird, dass der Entwurf des Hauptfrieses von einem Künstler stammt, der von der Schlacht direkte Kenntnisse hatte.Wamers u. a., S. 16. Dafür sprechen die Einheitlichkeit der Darstellung, die detaillierte Wiedergabe von militärischen Waffen und die realistischen Schlachtszenen. Am Entwurf des Begleittextes waren vermutlich mehrere Personen beteiligt. Darauf weist die unterschiedliche Schreibweise von Namen hin. So werden für den Namen Wilhelm beispielsweise die Schreibweisen Willem, Willelm oder Wilgelm verwendet.

Entworfen wurde der Teppich wahrscheinlich zunächst in kleinerem Maßstab. Der Entwurf wurde dann dem Auftraggeber vorgelegt und nach seiner Zustimmung in dem Maßstab gezeichnet, der der Stickarbeit entsprach. Um Materialkosten zu sparen, war es üblich, die zu verwendenden Farben den Stickern nur durch Kürzel vorzugeben. Spuren einer Vorzeichnung oder Hilfslinien finden sich auf den Leinenbahnen nicht. Solche Vorzeichnungen, bei denen Holzkohle und Tinte verwendet wurde, waren jedoch üblich. Zum Besticken wurden die Leinenbahnen auf Holzrahmen festgezurrt, die wiederum auf Böcken auflagen. Die Sticker arbeiteten in der Regel so, dass sich eine Hand oberhalb und die andere unterhalb der Leinenbahn befand. mini|Krönungsmantel, königliche Hofwerkstatt, Palermo 1133/34, in arabisch-normannischem Stil ausgeführte Gold- und Seidenstickerei Werkstätten, die mit solchen Stickarbeiten beauftragt wurden, fertigten normalerweise liturgische Gewänder oder prunkvolle Altardecken, die von ihren Auftraggebern Kirchen oder Klöstern gestiftet wurden. Zu den typischen Arbeiten zählten außerdem repräsentative Gewänder wie der zu den Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches zählende Krönungsmantel, der wenige Jahrzehnte nach dem Teppich von Bayeux entstand. Die Werkstätten beschäftigten häufig eine sehr große Anzahl an Personen. Beispielsweise an der Ausführung von drei Prunkdecken, die für die englische Königin Philippa von Hennegau im Jahr 1330 in Auftrag gegeben wurden, arbeiteten 70 Sticker und 42 Stickerinnen. Der Auftraggeber stellte die Materialien und zahlte die Ausführenden nach Tagessätzen. Die ältesten bekannten Zunftvorschriften, die die Arbeit in solchen Werkstätten regelten, sind die der Pariser Stickergilde aus dem Jahr 1303. Die Vorschriften legten unter anderem fest, dass die Sticker nur bei Tageslicht arbeiteten.