mini|Gertrud Trefftz, ca. 1912 mini|Sonnendurchfluteter Waldbach Gertrud Trefftz, geb. Schmidt, (* 13. Dezember 1859 in Leipzig; † 13. April 1927 in Bad Tölz) war eine deutsche Landschafts- und Stilllebenmalerin des Impressionismus sowie eine Kunstsammlerin.
Leben
Antonie Gertrud Schmidt wurde in eine sehr wohlhabende Leipziger Familie geboren. Ihr Vater war Julius Wilhelm Schmidt, Mitinhaber der Leipziger Bank "Hammer & Schmidt" und königlich schwedischer Konsul, ihre Mutter Rosalie Antonie war eine geborene Halberstadt. Gertrud Schmidt hatte noch eine Schwester mit Namen Antonie Helene. Die beiden Mädchen dürften eine wohlbehütete und sorgenfreie Kindheit und Jugend in der Leipziger Weststr. 12 verbracht haben.
Mit 18 Jahren, am 12. Oktober 1878, wurde Gertrud Schmidt mit dem zehn Jahre älteren Leipziger Kaufmann Georg Immanuel Trefftz (1849–1912) verheiratet, welcher als Prokurist in der Firma I.G.Trefftz & Sohn in der Leipziger Hainstraße 30 angestellt war. Nach seiner Heirat ist Georg Immanuel Trefftz als Mitinhaber in die Bank "Hammer & Schmidt" eingetreten und war es bis 1887. Für die junge Gertrud war wohl ein großbürgerliches Leben als Hausfrau und Mutter vorgesehen. 1879 hatte sie ihre Tochter Lilli Antonie (1879–1971), 1881 die Tochter Martina Gertrud (1881–1941) und 1882 die Tochter Gabriele Helene (1882–1917) zur Welt gebracht. Von den Töchtern ist bekannt, dass sie ihre Schulzeit überwiegend in Internaten verbracht haben. Später dann wohnten sie hin und wieder bei ihrer Mutter in Bad Tölz.
Um 1889 war Gertrud Trefftz in München Schülerin in den Ateliers von Ludwig Willroider und Otto Strützel. Eine vorhergehende malerische Ausbildung in Leipzig ist wahrscheinlich, kann aber nicht belegt werden. Es wird berichtet, dass sie sehr talentiert und eine große Naturfreundin gewesen sein soll. Zwischen 1911 und 1916 hatte Gertrud Trefftz an der Königlichen Akademie für grafische Künste und Buchgewerbe in Leipzig, heute Hochschule für Grafik und Buchkunst, studiert.
Der Ehemann von Gertrud Trefftz litt unter einem sehr hartnäckigen Bronchialleiden, weshalb er sich wegen der klaren Luft oft zur Erholung in verschiedenen Bergregionen aufgehalten hatte. Das war auch der Grund, warum Familie Trefftz um 1890 herum in Bad Tölz eine ganze Etage im dortigen sogenannten „Haidehaus“, gemietet hatte, ein Haus, welches dem Münchner Buchhändler Ernst Stahl, Inhaber der Lentner'schen Buchhandlung am Marienplatz (München), gehörte.
In ihrer Münchner Zeit hatte Gertrud Trefftz die Malerin Stefanie von Strechine kennengelernt, möglicherweise im Malunterricht bei Ludwig Willroider. Sie wurde eine sehr gute Freundin und mehr. Diese war oft zu Gast bei Familie Trefftz, aber auch andere Münchner Künstler, wie z. B. Otto Strützel mit seiner Familie, Anton Braith, Christian Friedrich Mali, Josef Wenglein waren dort. Man hatte sich zum gemeinsamen Wandern und Malen getroffen, aber auch ausgiebig gemeinsam gefeiert.
1917 gab Gertrud Trefftz ihren Münchner Wohnsitz ganz auf und zog zusammen mit ihrer Freundin endgültig nach Bad Tölz in die Königsdorfer Str. 69 um. Bis 1920 hatte sie aber auch immer noch eine Wohnung in Leipzig, zuletzt in der Grassistr. 25.
Gertrud Trefftz war von 1896 an Mitglied des Vorstands des Leipziger Verein der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen und von 1913 bis 1919 dessen zweite Vorsitzende. 1912 verstarb ihr Ehemann in Bad Tölz und wurde auf dem Neuen Johannisfriedhof in Leipzig im Grab der Familie Trefftz bestattet.
Der Gesundheitszustand von Gertrud Trefftz verschlechterte sich in den 1920er Jahren rapide. Sie erlitt drei Schlaganfälle und war ab 1923 auf den Rollstuhl angewiesen. Gertrud Trefftz starb 1927 und wurde ebenfalls auf dem Leipziger Neuen Johannisfriedhof bestattet, jedoch im Grab der Familie Schmidt.
Beteiligung an Ausstellungen (Auswahl)
Gertrud Trefftz hatte an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen, so z. B. 1894 in Leipzig, im Leipziger Kunstverein 1896 in Leipzig, Galerie Del Vecchio, Ausstellung des Vereins der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen 1896 in Leipzig, Galerie Del Vecchio, Sonderausstellung mit Anton Klamroth, Otto Gerlach und drei weiteren Leipziger Malern 1902 in München, Jahresausstellung im Königlichen Glaspalast (München) 1911 in München, Kunstverein München, Weihnachtsausstellung 1915 in München, Kunstverein, Weihnachtsausstellung
Werke von Gertrud Trefftz sind außerordentlich selten auf dem Auktionsmarkt zu finden. Das Tölzer Stadtmuseum ist im Besitz einiger grafischer Studien von Gertrud Trefftz, weiterer Museumsbesitz ihrer Werke ist bisher nicht bekannt.
1897 tritt Gertrud Trefftz als Kunstsammlerin in der Ausstellung „Ölgemälde moderner Meister aus Leipziger Privatbesitz“ auf. Sie stellte folgende Werke aus: Fritz Mackensen „Interieur mit einem Bauern“ (1896), Louis Neubert „Herbststimmung“, Franz Stuck „Mohnblumen“ und „Faun und Nymphe“ sowie Alfred Zimmermann „Der neue Jahrgang“.
Literatur
Trefftz, Gertrud In: Friedrich Jansa, Deutsche bildende Künstler in Wort und Bild, Verlag von Friedrich Jansa, Leipzig, 1912, S. 599 (digital.klassik-stiftung.de). Sigrid Hofstetter: Stefanie Strechine und ihre Zeit. Hrsg.: Stadtmuseum Bad Tölz, 2009, S. 86 ff. Walter Frei: Malerisches Erbe zwischen Isar und Loisach. Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen (Hrsg.), Hirmer Verlag GmbH, München 2018, S. 248 ff.
Weblinks
Einzelnachweise Schmidt, Jul. Whlm. In: Leipziger Adressbuch 1878, Teil 1. S. 245 Trefftz, Grg. Imman. In: Leipziger Adressbuch 1880, teil 1. S. 306 Trefftz, Gertrud Antonie In: Sächsisches Staatsarchiv, Bestand 20199 Staatliche Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe, Leipzig Trefftz, Gertrud, geb. Schmidt In: Leipziger Adressbuch 1920, Teil 1, S. 924 Verein von Künstlerinnen und Kunstfreundinnen, Centralstelle Leipzig In: Leipziger Adressbuch 1913, Teil IV, Vereine, S. 157 StadtAL, Leipziger Neueste Nachrichten, 34. Jahrgang, Nr. 307 vom 4. November 1894, 3. Beilage, ohne Seitenangabe StadtAL, Leipziger Tageblatt, 90. Jahrgang, Nr. 135 vom 15. März 1896, 4. Beilage, S. 1983 Del Vecchio's Kunstausstellung In: Leipziger Tageblatt und Anzeiger, 90. Jahrgang, Nr. 197 vom 19. April 1896, S. 2953 Offizieller Katalog der Münchner Jahresausstellung 1902 im Kgl. Glaspalast. München, Verlag der Münchner Künstlergenossenschaft, S. 109 (PDF) Die Werkstatt der Kunst. XI. Jahrgang, Heft 12 vom 18. Dezember 1911, S. 159 Die Werkstatt der Kunst. XV. Jahrgang, Heft 10 vom 6. Dezember 1915, S. 134 Katalog „Ausstellung von Ölgemälden moderner Meister aus Leipziger Privatbesitz“ im Leipziger Kunstverein, 16.05.-11.07.1897, Ausstellerverzeichnis, Seite 41 (Bibliothek des MdbK Leipzig)
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