mini|Mahnmal „Memento“ in Spudłów mini|Plakette am Mahnmal „Memento“
Pro Animale für Tiere in Not e. V. ist eine deutsche Tierschutzorganisation mit Verwaltungssitz in Schweinfurt. Der gemeinnützige Verein wurde 1985 gegründet und engagiert sich für die Rettung, Versorgung und dauerhafte Unterbringung von Haus- und Nutztieren in mehreren europäischen Ländern. Die Organisation unterhält zu diesem Zweck Tierherbergen, Lebenshöfe sowie Präventions- und Kastrationsprogramme.
Vereinsziel Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt auf der Rettung und Beherbergung von Tieren in Not. Der Verein ist auf die Aufnahme, Unterbringung und Vermittlung von Tieren spezialisiert, die aus Vernachlässigung, Misshandlung und Ausbeutung sowie vor drohender Tötung gerettet wurden. Schwer vermittelbare Hunde und Katzen nimmt der Verein lebenslang auf. Auch Pferde, Rinder, Esel, Schafe, Ziegen, Schweine, Geflügel, Kamele und Waschbären werden lebenslang in artgerecht ausgerichteten Tierherbergen aufgenommen. Der Verein unterhält dafür ein Netzwerk von Tierherbergen und Schutzhöfen in mehreren europäischen Ländern. Nach Vereinsangaben werden über 3.600 Tiere in eigenen Einrichtungen sowie einigen Pensionsstellen dauerhaft betreut.
Ein weiteres Ziel ist die Förderung tierethischer Denk- und Verhaltensweisen und das Werben um „Anerkennung der Mitgeschöpflichkeit zu unseren Tiergeschwistern“, so die eigene Formulierung zu den Zielen des Vereins. Dies geschieht durch die Vereinszeitschrift Der Tropfen, im Eigenverlag herausgegebene Buchpublikationen und die Gedenkstätte „Memento“, die 2015 im grenznahen polnischen Ort Spudłow eingerichtet wurde. Eine Kirchenruine in einem aufgelassenen Friedhof wurde dort mithilfe einer Spende in ein Denkmal gegen Tierleid umgewandelt. Sie ist von einem Gedächtnisgarten umgeben.
Struktur Pro Animale für Tiere in Not e. V. ist seit 1985 als gemeinnützig anerkannt und hat seinen Verwaltungssitz in Schweinfurt. Der Verein finanziert seine Tätigkeit durch Spenden, Patenschaften und Vermächtnisse. Die Vereinsführung besteht aus einem Vorstand. Dessen langjährige Erste Vorsitzende ist Gründerin Johanna Wothke, die seit der Gründung ausschließlich ehrenamtlich für den Verein tätig ist. Weitere Vorstandsmitglieder sind Natascha Wothke (seit 2009) und Christian Ulsamer (seit 2019). Viermal jährlich gibt der Verein die Mitgliedszeitschrift Der Tropfen heraus, die über aktuelle Aktivitäten berichtet und gegenüber den Mitgliedern Rechenschaft ablegt.
Prominente unterstützen den Verein als Vereinsbotschafterinnen und -botschafter, darunter die Schriftstellerin Charlotte Link, der Theologe Kurt Remele sowie der israelische Dirigent und Musiker Alon Sariel.
Der Verein hat sich der Initiative Transparente Zivilgesellschaft von Transparency International Deutschland e. V. angeschlossen. Die Unterzeichnenden verpflichten sich darin, „unter anderem die Satzung, die Namen der wesentlichen Entscheidungsträger*innen sowie Angaben über Mittelherkunft, Mittelverwendung und Personalstruktur öffentlich“ zu machen.
Pro Animale für Tiere in Not e. V. betreibt in diesen Ländern eigenständige gemeinnützige Körperschaften (Stand 2026): Irland (seit 2001): Pro Animale Ireland Ltd. Polen (seit 2003): Fundacja Pro Animale dla Zwierzat w Potrzebie Türkei (seit 2005): Pro Animale Derneği Türkiye Temsilciliği Schweiz (seit 2008): Stiftung Pro Animale Schweiz Anders als die Stiftungen in Irland, Polen und der Türkei, wurde die Stiftung Pro Animale Schweiz nicht vom Verein Pro Animale für Tiere in Not gegründet, sondern kam durch testamentarische Verfügung der verstorbenen Gründerin Gianna Kellenberger zur Organisation. Sie hatte diese 1976 als „Tierschutzstiftung Fellenberg“ gegründet. Die Stiftung betreibt seit 2010 das Projekt „Lifeline for Irish Horses“ in Galway. Für den Betrieb wurde die Fellenberg Foundation Ireland Ltd. ins Leben gerufen.
Geschichte Pro Animale für Tiere in Not e. V. wurde 1985 von der Pädagogin und Tierschützerin Johanna Wothke im oberfränkischen Uetzing in Bayern gegründet. Ihr Ziel war die unmittelbare Hilfe für Tiere in Notlagen sowie die Schaffung dauerhafter Zufluchtsorte für gerettete Tiere. Vom Einsatz in Deutschland für Hunde aus der Versuchshändlerszene im Gründungsjahr weitete die Organisation ihre Aktivitäten in den nachfolgenden Jahrzehnten auf mehrere europäische Länder aus.
Bereits Ende der 1980er Jahre entstanden erste Einrichtungen in Spanien, gefolgt von Kastrationsprogrammen für Straßentiere und weiteren Einrichtungen in Russland. Seit den 1990er Jahren engagiert sich der Verein neben Deutschland vornehmlich in Polen, der Türkei, Italien, Irland und Österreich. Neben der Tierrettung entwickelte Pro Animale langfristige Projekte zur Verringerung von Tierleid, darunter Kastrationsprogramme für Straßentiere in der Türkei, das Hilfsprogramm für Kettenhunde in Polen sowie das Schweinfurter Stadttaubenprojekt „Holubka“.
Seit Beginn des Russisch-Ukrainischen Kriegs im Februar 2022 rettet der Verein Tiere aus dem Kriegsgebiet, seit 2023 werden aus der Kriegsregion Cherson Hunde und Katzen evakuiert, medizinisch versorgt und dauerhaft in eigenen Tierschutzeinrichtungen aufgenommen oder weitervermittelt.
Ausgewählte Projekte mini|Pro Animale Pferdeleben in Fallada (Charzyno) mini|Pro Animale Türkei in Yasam Vadisi (Burhaniye) mini|Pro Animale Hundeleben in Copernika (Szczawno) Tiervermittlung Die drei großen Tierherbergen des Vereins in Deutschland, die „Keimzelle“ in Uetzing, die erste Tierherberge des Vereins ab 1985, die „Fellosophie“ in Worms seit 2014 und das 2001 eingerichtete „Rendez-vous mit Tieren“, eine Herberge für Großtiere wie Ponys, Esel, Ziegen, Schafe und Lamas sowie Vermittlungsstation für Katzen und Hunde in Markgrafpieske, fungieren unter anderem als Vermittlungsstationen, um Hunde und Katzen in ein privates Zuhause zu vermitteln.
Kastrationsprogramme Seit 1993 führt Pro Animale Kastrationsprogramme zur Eindämmung unkontrollierter Tiervermehrung durch. Diese Programme werden insbesondere in Polen und in der Türkei umgesetzt. Nach Vereinsangaben wurden im Rahmen dieser Maßnahmen mehr als 90 000 Kastrationen von Hunden und Katzen durchgeführt (Stand 2026).
Hilfsprogramm für Kettenhunde Seit 1996 engagiert sich die Organisation für Hunde, die von privaten Besitzern dauerhaft an Ketten gehalten werden. In Polen werden hierzu im Rahmen eines langfristigen Programms geförderte Hunderefugien errichtet, die den Tieren Schutz und Bewegungsfreiheit auf den jeweiligen Grundstücken bieten sollen. Nach Angaben des Vereins entstanden im Rahmen dieses Programms bisher über 720 Einzelrefugien.
Stadttaubenprojekt Seit 2022 betreibt der Verein das Stadttaubenprojekt „Holubka“ in Schweinfurt in Kooperation mit der Stadtverwaltung. Ziel ist eine tierschutzgerechte Bestandskontrolle und -versorgung durch betreute Taubenschläge und Geburtenkontrolle. Daneben unterhält der Verein Pflegestellen für mutterlose Taubenküken und/oder durch Vergrämung verletzte Tiere.
Pro Animale Hundeleben Der Verein praktiziert nach eigenem Modell seit 1985 die alternative, artspezifisch ausgerichtete Beherbergung von Hunden in tierheimähnlichen Einrichtungen. Unter Berücksichtigung des Sozialverhaltens, des Bewegungs- und Erkundungsdrangs von Hunden praktiziert der Verein im „Pro Animale Hundeleben“ eine Gruppenhaltung in wohnungsähnlichen Hundezimmern und weitläufigen, naturbelassenen Freigehegen, mit festgelegten Tagesabläufen.
In TV-Dokumentationen 1989: Wegwerf-Tiere. Regie: Mathias Welp, Deutschland, ZDF, Erstausstrahlung am 27. Juni 1989. 2026: Queens of Crime: Charlotte Link, Meisterin des Thrills. Regie: Sabine Jainski, Deutschland/Frankreich, Bayerischer Rundfunk.
Weblinks
Website Pro Animale e. V. Nadja Tenge: Tierherberge in Markgrafpieske rettet traumatisierte Tiere. (Bericht im RBB) In: ardmediathek.de vom 23. März 2026, abgerufen am 24. August 2026.
Einzelnachweise
Kategorie:Tierschutzorganisation Kategorie:Verein (Landkreis Lichtenfels) Kategorie:Vereinsgründung 1985 Kategorie:Non-Profit-Organisation