mini|St. Clemens in Trechtingshausen mini|Innenraum mit Chor Die Pfarrkirche St. Clemens ist die Pfarrkirche der römisch-katholischen Gemeinde in Trechtingshausen im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Der markante Kuppelbau wurde 1922/23 nach Plänen des Architekten Josef Mockenhaupt errichtet und prägt das Ortsbild des historischen Ortskerns. In den Neubau wurden ältere Bauteile der Vorgängerkirche, darunter Teile des Chores sowie der mittelalterliche Kirchturm, integriert.
Lage Die zu Ehren des Hl. Clemens geweihte Kirche befindet sich im Zentrum von Trechtingshausen in der Kirchgasse. Aufgrund der dichten Bebauung des Ortskerns tritt das Bauwerk äußerlich vor allem durch seinen Turm und die große Kuppel hervor. Die Kirche gehört zur Pfarrei St. Urban Oberer Mittelrhein im Bistum Trier.
Geschichte Die Ursprünge der Pfarrkirche reichen bis ins Mittelalter zurück. Als Vorgängerbau wird eine Cornelius- und Cyprianus-Kapelle erwähnt, die später als Heilig-Kreuz-Kapelle genutzt wurde. Nach Zerstörungen und mehrfachen Umbauten entstand zwischen 1823 und 1825 nach Plänen des Baumeisters Karl Maeber eine klassizistische Pfarrkirche. Die außerhalb des Ortes gelegene romanische Clemenskapelle verlor damit ihre Funktion als Pfarrkirche und wird heute als Friedhofskapelle genutzt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwies sich die Kirche als zu klein und wies bauliche Mängel auf. Während des Ersten Weltkriegs begannen Planungen für einen Neubau. Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage konnten die Arbeiten jedoch erst 1922 aufgenommen werden. Pfarrer Matthias Josef Maas finanzierte das Bauvorhaben unter anderem durch staatliche Zuschüsse aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge und durch eine Kirchbaulotterie. Bereits im Oktober 1923 wurde die neue Kirche eingesegnet. Der Entwurf des Architekten Josef Mockenhaupt sah einen kreuzförmigen Zentralbau mit großer Kuppel vor. Dabei wurden der mittelalterliche Turm sowie Teile des Chores der Vorgängerkirche in den Neubau integriert. Eine feierliche Weihe durch den Bischof konnte zunächst nicht stattfinden, da der Hochaltar aus Kostengründen in Beton ausgeführt worden war. Erst nach der Neugestaltung des Altarraums im Jahr 1970 wurde die Kirche konsekriert. 2023 beging die Pfarrgemeinde das 100-jährige Bestehen der heutigen Kirche.
Architektur Die Kirche verbindet historische Bauteile mit einem Neubau des frühen 20. Jahrhunderts. Ältester Bestandteil ist der vermutlich romanische mittelalterliche Turm, der im 18. Jahrhundert eine barocke Haube erhielt. Der Chor der klassizistischen Kirche von 1823–1825 wurde ebenfalls in den Neubau übernommen. Der zwischen 1922 und 1923 errichtete Kirchenbau besitzt einen kreuzförmigen Grundriss mit Langhaus, kurzem Querhaus, Hauptchor und zwei Seitenchören. Die weit gespannte Kuppel über der Vierung verleiht dem Bau Züge eines Zentralbaus. Äußerlich prägt eine gestufte und geschweifte neobarocke Kuppel das Erscheinungsbild. Der Innenraum wird als lichtdurchfluteter, kuppel- und tonnengewölbter Raum beschrieben, dessen Gestaltung an schlichte barocke Vorbilder anknüpft.
Ausstattung Zur Ausstattung der Kirche gehören mehrere ältere Kunstwerke aus den Vorgängerbauten. Hervorzuheben sind spätgotische Figuren der Heiligen Clemens und Valentin aus dem späten 15. Jahrhundert sowie eine Darstellung des heiligen Nikolaus aus dem 18. Jahrhundert. Weiterhin besitzt die Kirche einen neugotischen Taufstein, ein Gefallenengedächtnis für die Opfer der beiden Weltkriege sowie farbige Fenster mit Darstellungen der Heiligen Goar, Hildegard von Bingen und Clemens sowie weiteren biblischen Motiven. Vier Wappenscheiben des 16. und 17. Jahrhunderts sowie figürliche Rundscheiben von 1898 ergänzen die Verglasung.
Orgel mini|Innenraum mit Orgelempore Die heutige Orgel wurde 1925 von der Bonner Orgelbauwerkstatt Johannes Klais als Opus 631 erbaut. Sie ersetzte ein Instrument der Orgelbauerfamilie Stumm, das für die klassizistische Kirche des 19. Jahrhunderts geschaffen worden war. Die Disposition umfasst 22 Register auf zwei Manualen und Pedal. Im Jahr 2011 wurde das Instrument durch die Firma Orgelbau Christian Gerhardt & Söhne aus Boppard restauriert. Die Orgel gilt als bedeutendes Beispiel einer spätromantischen pneumatischen Klais-Orgel. I Hauptwerk C–g3 Bordun 16′ Principal 8′ Konzertflöte 8′ Dulciana 8′ Octav 4′ Mixtur cornett II–III II Schwellwerk C–g3 Hornprincipal 8′ Sologamba 8′ Bordunalflöte 8′ Quintatön 8′ Dolce 8′ Vox Coelestis 8′ Traversflöte 4′ Aeoline 8′ Harm. aetherra III–IV Trompete 8′Pedal C–g1 Principal 16′ Subbass 16′ Zartbass 16′ Violon 8′ Flötenbass 8′ Salicetbass 8′
Koppeln: Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P Superoktavkoppeln: II/I, II/II Suboktavkoppeln: II/I, II/II
Windlade: Pneumatisch Spieltisch(e): Freistehend Traktur Tontraktur: Pneumatisch Registertraktur: Pneumatisch
Literatur Michael Imhof: Die Kirchen im Mittelrheintal. Hrsg.: Wolfgang Krammes; Bernhard Jakobs und Herber Gräff, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2008, ISBN 978-3-86568-237-6. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Band Rheinland-Pfalz/Saarland, 2. bearb. und erw. Auflage, Deutscher Kunstverlag, Berlin und München 1984. Werner Schäfke: Der Rhein von Mainz bis Köln. DuMont Buchverlag, 1995, ISBN 3-7701-1142-7.
Weblinks
Homepage der Pfarrei St. Urban Oberer Mittelrhein Pfarrkirche St. Clemens Ortsgemeinde Trechtingshausen
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Mainz-Bingen StClemens Kategorie:Clemenskirche Kategorie:Pfarrkirche des Bistums Trier Kategorie:Erbaut in den 1920er Jahren Kategorie:Erbaut 1923 Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal Kategorie:Neobarockes Bauwerk in Rheinland-Pfalz Kategorie:Neobarockes Kirchengebäude Kategorie:Kuppelkirche