mini|Corne de vache an einem Bogen der Pont Henri IV mini|Zwei Bögen der Pont Henri IV mit Cornes de vache an beiden Seiten der Bögen
Corne de vache (Kuhhorn) ist das in Frankreich gebräuchliche Fachwort für eine Aufweitung des Bogens einer steinernen Bogenbrücke.Corne de vache, genre de voussure employée pour donner un certain évasement à une arche de pont, à l'entrée d'un tunnel, etc. In: Grand Larousse de la langue française, Band 7, SUS-Z, Paris 1989, ISBN 2-03-101377-7-VL, S. 6261 () Der Begriff stammt von einem Fachwort des Maurerhandwerks des 17. Jahrhunderts ab.M. de l'Académie Françoise (Hrsg.): Le grand dictionnaire des arts et des sciences. Band 3, BIAIS, Jean Baptiste Coignard, Paris 1696 ()
Beschreibung Eine Corne de vache entsteht, indem die rechtwinklige Kante zwischen der Bogenlaibung und der Stirnseite der Keilsteine schräg abgeflacht wird, und zwar am Scheitel beginnend in zunehmendem Maße bis zum Kämpfer. Das Ergebnis ist eine neue Kante an der Vorderfront der Brücke, die in einer weiteren Bogenlinie verläuft als die zweite Kante entlang der ursprünglichen Bogenlinie etwas im Hintergrund. Beide Linien zusammen ergeben eine Form, die Ähnlichkeiten mit dem Horn einer Kuh hat.
Die Cornes de vache lassen die Pfeiler schmaler und leichter erscheinen und geben der Brücke dadurch ein gefälligeres Aussehen. Der häufig genannte Grund, dass diese Form den Durchfluss erleichtern würde, trifft jedoch nicht zu, denn ein nicht aufgeweiteter Bogen hat das gleiche, durch das innere Gewölbe bestimmte Durchflussprofil.
Geschichte Die Pont Henri IV über die Vienne in Châtellerault mit ihren zwischen 1602 und 1606 durch Louis Chaillou errichteten Bögen gilt als die erste Brücke mit Cornes de vaches.
Die wenig später in den Jahren 1626 bis 1628 von Jacques Lemercier gebauten Bögen der Pont Neuf in Toulouse weisen an der Oberstromseite ebenfalls, allerdings nicht ganz so ausgeprägte Cornes de vaches auf.
Zur gleichen Zeit veröffentlichte Marcel le Roy, einer der am Bau der Pont Neuf beteiligten Baumeister aus Paris, sein Angebot für einen Neubau der Pont au Change, das starke Ähnlichkeiten mit der Brücke in Toulouse hatte, einschließlich der Korbbögen und der Cornes de vache.Georges Costa: Les entrepreneurs parisiens du Pont Neuf de Toulouse. In: Mémoires de la Société Archéologique du Midi da la France. Band 53, Toulouse 2003, S. 196 ()
Eineinhalb Jahrhunderte später wiederholte Jean-Rodolphe Perronet bei seiner zwischen 1768 und 1772 gebauten Pont de Neuilly die Verwendung von Cornes de Vache.
In England wird der französische Begriff bis heute verwendet, allerdings im Laufe der Zeit abgewandelt für einen Aspekt der schiefen Brücke ().
Thomas Telford scheint der erste gewesen zu sein, der in England Cornes de vache verwandte, so an der Over Bridge (1830) in Gloucester und an der später nach ihm benannten Telford Bridge (1831) in Morpeth, Northumberland. Dabei benutzte er zwar nicht das französische Fachwort, bezog sich aber ausdrücklich aus Perronets Pont de Neuilly.John Rickman (Hrsg.): Life of Thomas Telford, Civil Engineer, written by himself, containing a Descriptive Narrative of his Professional Labour: with a Folio Atlas of Copper Plates. Payne and Foss, London 1838, S. 261 (Digitalisat auf archive.org; dito )
In Deutschland wurden Kuhhörner zwar in der Fachliteratur beschrieben, aber in der Praxis selten gebaut, da sie den Bau einer Brücke verteuern.Deutsche Bauzeitung, Deutscher Baukalender (Hrsg.): Handbuch der Baukunde. Abteilung III, 4. Heft, Kommissions-Verlag von Ernst Toeche, Berlin 1892, S. 331 () Ein Beispiel war die Eisenbahnbrücke Trier-Pfalzel (1878).Abbildung. In: Zeitschrift für Bauwesen. Unterreihe Atlas, 1884, Blatt 46
Einzelnachweise
Kategorie:Brückenbau Kategorie:Bogen (Architektur) Kategorie:Französische Phrase