mini|hochkant|Maurice Loutreuil, Selbstporträt, um 1918 Maurice Albert Loutreuil (* 16. März 1885 in Montmirail, Département Sarthe; † 21. Januar 1925 in Paris) war ein französischer Maler und Zeichner, der der École de Paris zugeordnet wird.

Leben Maurice Loutreuil wurde 1885 als Sohn eines Notars geboren. Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr seiner Geburt wuchs er bis 1889 bei den Großeltern in Chérancé (Sarthe) auf und lebte anschließend bei seinem Vater. Ab 1895 besuchte er die Schule in Le Mans. Ab 1901 arbeitete er als Notariatsgehilfe, zunächst beim Vater in Noyen-sur-Sarthe und ab 1904 in Le Mans. In dieser Zeit erkrankte er an Tuberkulose. Den Weg zur bildenden Kunst fand er über das Zeichnen: 1906 schuf er sein erstes Selbstbildnis und fertigte daneben Karikaturen unter dem Pseudonym Naresco an. Von 1906 bis 1909 erhielt er Malunterricht bei Jules Alfred Hervé-Mathé in Le Mans.

1909 ließ Loutreuil sich als Künstler in Paris nieder und setzte seine Ausbildung im Atelier von Fernand Humbert fort und studierte ab 1911 kurzzeitig bei Gabriel Ferrier an der École des Beaux-Arts, der ihn jedoch wegen ungehörigen Verhaltens von der Schule verwies. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete er als Karikaturist für verschiedene Humorzeitschriften wie Pêle-Mêle, Sourire, L’Assiette au beurre, Le Charivari und L’Indiscret. Von 1912 bis 1914 war er im Atelier für Freskomalerei von Paul Albert Baudoüin tätig. 1913 erhielt er gemeinsam mit Marcel Chotin den Auftrag, ein Fresko für den französischen Pavillon auf der Weltausstellung in Gent auszuführen. 1914 schloss er Freundschaft mit dem Maler André Masson.

mini|hochkant|Nu agenouillé, 1922 (Kohlezeichnung)

Obwohl sein Gesundheitszustand angegriffen war, wurde er als kriegstauglich eingestuft. Er entzog sich der Einberufung und verließ Frankreich kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Richtung Italien. 1915 hielt er sich auf Sardinien auf. 1916 wurde er in Neapel als Deserteur und Spion denunziert und an Frankreich ausgeliefert. Nach einer kurzen Inhaftierung in Marseille wurde er aufgrund eines medizinischen Gutachtens freigelassen. 1917 reiste er nach Tunesien und 1918 lebte er gemeinsam mit André Masson in Cagnes-sur-Mer und Martigues. In dieser Zeit verband ihn eine Liaison mit der Malerin Suzanne Dinkespiler.

1919 hielt sich Loutreuil zusammen mit Masson beim Maler Pinchus Krémègne in Céret auf, bevor er nach Montparnasse übersiedelte. Er pflegte Kontakte zu Raymond Duncan und Isadora Duncan, zu anarchistischen Kreisen sowie zu befreundeten Künstlern der École de Paris. 1920 erwarb Loutreuil ein kleines Haus in Paris-Belleville (61, rue du Pré-Saint-Gervais). Aus finanziellen Gründen musste er es 1922 vermieten und lebte und arbeitete ab 1923 in einer selbst errichteten Holzhütte im Garten des Anwesens.

1921 initiierte er gemeinsam mit dem Dichter Charles Vildrac den Salon de l’Œuvre anonyme in Paris, an dem rund 100 Künstler teilnahmen. Im Jahr 1922 war er in Berlin tätig und schuf 15 Gemälde. Dort begegnete er Ilja Ehrenburg und Serge Charchoune. Ab 1923 gehörte er dem als Groupe du Pré-Saint-Gervais bezeichneten Freundeskreis um seinen Nachbarn Christian Caillard, Irène Champigny, Béatrice Appia und den Schriftsteller Eugène Dabit an. 1924 unternahm er eine Reise nach Dakar (Senegal), von der er schwer krank zurückkehrte. Kurz vor seinem Tod setzte er Christian Caillard als Universalerben ein. Loutreuil starb 1925 in Paris an Virushepatitis und wurde in Chérancé beigesetzt.

Werk mini|hochkant|Bellevilloise au chapeau blanc, 1920 Loutreuil lehnte eine Orientierung an zeitgenössischen Kunstströmungen bewusst ab und verfolgte einen eigenständigen Weg. Dennoch lassen sich gewisse Einflüsse von Paul Cézanne im Bildaufbau sowie von Vincent van Gogh feststellen. Er gilt als virtuoser Kolorist mit einem ausgeprägten Sinn für harmonische Farbgebung. Charakteristisch sind intensive Grün- und Brauntöne, die durch Rot und Blaugrau subtil akzentuiert werden. In seinem Schaffen kommt dem Spiel mit Licht und Gegenlicht eine besondere Bedeutung zu (vgl. Paysage du Pré-Saint-Gervais à contre-jour, 1920/22).

Seine produktivste und kreativste Schaffensphase fällt in die frühen 1920er Jahre, als er in seinem Gartenatelier in Paris-Belleville arbeitete. In dieser Zeit entstanden Atelier- und Gartenansichten (Le jardin de la maison du peintre) sowie Darstellungen aus dem Wohnviertel (Porte du Pré-Saint-Gervais – ou rue d’Haxo, um 1920), darunter auch Arbeiterdarstellungen.

Rezeption Aufgrund seines frühen Todes, zu einem Zeitpunkt, an dem seine Werke gerade erst Anerkennung fanden, blieb Loutreuil lange Zeit verkannt. Eine erste Wiederentdeckung erfolgte im Jahr 1960 durch eine Retrospektive in der Pariser Galerie Durand-Ruel. Das Vorwort im Katalog schrieb Christian Caillard. Seit Mitte der 1980er Jahre wird sein Werk kunsthistorisch systematisch aufgearbeitet. Eine bedeutende Ausstellung im Jahr 2006 (Maurice Loutreuil, l’insoumis, 1885–1925, Katalog Le Mans/Céret) trug zu seiner weiteren Rehabilitierung bei. Heute gilt er als bedeutender Vertreter der École de Paris.

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen 1925 Paris, Salon des Tuileries (Gedächtnisausstellung) 1929 London, St. George Gallery (Retrospektive) 1976, 1979 Paris, Galerie de Nevers 1985 Saint-Denis, Musée d’Art et d’Histoire (Kat.-Vorw. C. Caillard) 1986 Le Mans, Musée de Tessé 1989 Menton, Palais Carnolès 1994 Paris, Musée Bourdelle 2006 Paris, Galerie Malaquais

Gruppenausstellungen ab 1913 Paris, Salon d’automne Paris, Salon de la Société nationale des beaux-arts 1920 Paris, Salon des Indépendants 1923, 1924 Paris, Salon des Tuileries

Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl) Le Mans, Musée de Tessé Paris, Musée National d’Art Moderne (Centre Pompidou)

Literatur Irène Champigny (Hrsg.): Correspondance de Maurice Loutreuil. Firmin-Didot, Paris 1929. Jean-François Levantal: Maurice Loutreuil – Peintre maudit de l’École de Paris. J. F. L. Édition, Paris 1985. Maurice Loutreuil l’insoumis 1885–1925. Katalog der Ausstellungen im Musée de Tessé und in der Abbaye de l’Épau, Le Mans, sowie im Musée d’Art moderne de Céret. Somogy Éditions d’Art, Paris 2006.

Gérald Schurr: Les Petits Maîtres de la peinture. Band 1. Les Éditions de l’Amateur, Paris 1975. Gérald Schurr, Pierre Cabanne: Dictionnaire des petits maîtres de la peinture 1820–1920. Band 2. Les Éditions de l’Amateur, Paris 1996.

Weblinks

MutualArt

Einzelnachweise

Kategorie:Maler (Paris) Kategorie:Zeichner (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1885 Kategorie:Gestorben 1925 Kategorie:Mann