Shen Yuan (; * 1959 in Xianyou, Fujian) ist eine chinesische Installations- und Konzeptkünstlerin, die seit 1990 in Frankreich lebt und arbeitet. Sie zählt zur chinesischen Avantgarde der 1980er-Jahre und wurde mit Installationen aus verfremdeten Alltagsgegenständen bekannt.
Leben und Wirken Shen Yuan gehörte zur ersten nach der Kulturrevolution aufgenommenen Klasse der Abteilung für traditionelle chinesische Malerei an der Kunstakademie Zhejiang (浙江美术学院), der heutigen Chinesischen Hochschule der Künste (中国美术学院), und schloss das Studium 1982 ab. Anschließend lehrte sie in Fuzhou; die offene Atmosphäre der Akademie, ihre Bibliothek und der Austausch mit Mitstudierenden hatten ihren Abschied von der Malerei begünstigt. Mitte der 1980er-Jahre stand sie der Gruppe Xiamen Dada (厦门达达) nahe und beteiligte sich an den radikalen Kunstaktivitäten in Xiamen. Im Jahr 1990 ging sie nach Frankreich zu ihrem Ehemann Huang Yong Ping, der nach seiner Teilnahme an Magiciens de la Terre (‚Magier der Erde‘) in Paris geblieben war. Das Paar lebte und arbeitete in Paris; Huang Yong Ping starb 2019.
Seit den 1980er-Jahren arbeitet Shen Yuan mit Installationen, Assemblagen, Skulpturen und Ready-mades und verfremdet Alltagsdinge durch Materialwechsel, Vergrößerung und ironische Eingriffe. Für die wegweisende Pekinger Ausstellung China/Avant-Garde (中国现代艺术展) schuf sie 1989 mit Wasserbett (水床) ihre erste Installation, ein transparentes, mit Wasser, Fischen und Pflanzen gefülltes Bett. In Perdre sa salive (‚vergeblich reden‘, 1994) schmolzen neun aus Wasser, Cola, Rotwein und Orangensaft gegossene Eiszungen, bis die in ihnen verborgenen Küchenmesser sichtbar wurden; die Arbeit verarbeitete ihre Erfahrung von Sprachlosigkeit und Entwurzelung nach der Ankunft in Paris. Für Superfluité (‚Überflüssigkeit‘, 1995) versah sie einen chinesischen Hausschuh mit abgeschnittenen Fingernägeln und entwickelte daraus ein ambivalentes Bild kultureller Zugehörigkeit und schwieriger Integration. Wichtige Themen ihres Werks sind Migration, Erinnerung, Sprache, Fremdheit, Identität und Grenzen kultureller Verständigung. Zu ihren bekannten Arbeiten gehören das mehrfach rekonstruierte chinesische Hausdach Un Matin du monde (‚Ein Morgen der Welt‘, 2000), die unpassierbare Brücke aus Keramikgefäßen Brücke (2004) und die mit Karten weltweiter Chinatowns bestickte Matratzenserie Trampolin 1 2 3 4 5 (2004–2009). Ihre Pekinger Einzelausstellung Shen Yuan: Hastige Worte (沈远:急促的话语) von 2009 bestand aus zwei raumfüllenden Installationen im UCCA. 2007 vertrat sie China gemeinsam mit Cao Fei, Kan Xuan und Yin Xiuzhen im chinesischen Pavillon der 52. Biennale di Venezia. Später war sie in der Überblicksausstellung Art and China after 1989: Theater of the World im Solomon R. Guggenheim Museum, im Guggenheim-Museum Bilbao und im San Francisco Museum of Modern Art vertreten. Die Einzelausstellung Shen Yuan: Angeln (沈远:垂钓) im Rotziegel-Kunstmuseum (红砖美术馆) in Peking (2022–2023) führte ihre Auseinandersetzung mit Zuhause, Entwurzelung und den sozialen Folgen der Covid-19-Pandemie anhand verfremdeter Haushaltsobjekte fort.
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