mini|Lukaskirche in Bochum-Altenbochum Die Lukaskirche wurde am Ende des 19. Jahrhunderts im Bochumer Stadtteil Altenbochum errichtet. Sie gehört zum Evangelischen Kirchenkreis Bochum, Nordrhein-Westfalen, und war von Beginn an bis zum 31. Dezember 2006 das Gotteshaus der Evangelischen Kirchengemeinde Altenbochum. Seit dem 1. Januar 2007 ist sie die Predigtstätte der fusionierten Evangelischen Kirchengemeinde Altenbochum-Laer. Zusammen mit der etwa zeitgleich in der Nachbarschaft errichteten Liebfrauenkirche der katholischen Gemeinde bilden die Türme der beiden Schwesterkirchen zwei imposante Landmarken im Stadtteil Altenbochum.
Geschichte, Architektur und Ausstattung
Grundstein und Einweihung
Der Grundstein der Lukaskirche wurde am 21. August 1898 gelegt. Er ist nahe der Kanzel in der Mauer des rechten Seitenschiffes eingelassen. Der erste Gemeindepfarrer hieß Alfred Niederstein. Die Einweihung erfolgte am 5. September 1899.
Architektur und Baudenkmal Die Kirche gilt als neugotischer Backsteinbau über kreuzförmigem Grundriss mit einem polygenen Chor. An der Nordseite steht der etwa 60 Meter hohe schlanke Turm mit kupferbedecktem Spitzhelm, Windrose und Wetterhahn. Der Architekt war Abraham Voermann, Bochum. Den Status als Baudenkmal erhielt die Kirche am 30. Juni 1992, u. a. mit der Begründung des öffentlichen Interesses, weil „Die Lukaskirche […] [vom] religiösen Leben Altenbochums und der Stadt Bochum [zeugt]“.
Name
Ursprünglich „Kirche Altenbochum“ genannt, erhielt die Kirche erst im Jahr 1959 zum 60. Kirchweihfest den Namen Lukaskirche. Dies geschah in Erinnerung an die großen Rosettenfenster in den beiden Querhäusern (siehe Foto vom Tag der Einweihung) mit Motiven der Gleichnisse vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Samariter aus dem Lukas-Evangelium. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche durch den Bombenangriff der Britischen Luftwaffe auf Bochum am 4. November 1944 stark beschädigt. Die zerstörten Rosettenfenster wurden beim Wiederaufbau nicht wiederhergestellt, sondern jeweils durch vier kleinere neugotische Fenster ersetzt.
Deckengewölbe
Die dezent dunkelblaue Ausmalung mit hunderten stilisierten „Sternen“ und einem goldenen Vierungskreuz spannt sich wie ein abendliches Himmelszelt über den Kirchraum. Das „Himmelsgewölbe“ des Altarraumes erstrahlt in einem warmen Rotton der auf- und untergehenden Sonne.
Chor Alle Fenster der Kirche, bis auf das „Blumenfenster“, wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die vier im expressionistischen Stil erneuerten Fenster im Chor zeigen von links nach rechts Johannes den Täufer (Entwurf: Heinrich Steffens, Hagen), die Geburt Jesu, die Auferstehung Jesu und die Passion Jesu (Entwürfe: Karl Baumann). Das rechts im Altarraum liegende Jugendstilfenster zeigt stilisierte Passionsblumen. Es stammt aus der Gründerzeit der Kirche, war ab den 1920er Jahren zugemauert, überstand auf diese Weise den Zweiten Weltkrieg und wurde 1984 im Originalzustand wieder freigelegt.
Am 1. Januar 2007 fusionierten die beiden evangelischen Kirchengemeinden in Altenbochum und Laer zur Evangelischen Kirchengemeinde Altenbochum-Laer. Das bis zur Abstraktheit reduzierte Holzkruzifix und der Altar standen ursprünglich in der im Jahr 2012 entwidmeten Evangelischen Kirche Laer und wurden im Zuge der Gemeindefusion in den Chor der Lukaskirche überführt. Ihr Bildhauer war Heinz Heiber, Nürnberg.
Seit den 1980er Jahren stellt die achteckige, neugotische Kanzel aus Holz den zentralen Ort der Wortverkündigung dar.
Bildhauermeister Klaus Bielfeld, Bochum, stellte den Taufstein am 3. September 1989 anlässlich des 90. Kirchweihfestes auf. Er ist gefertigt aus Ruhrsandstein, mit Fischmotiv als Symbol der Christenheit und einer Masse von 580 kg.
Historische Altarbibel
Kaiserin Auguste Viktoria schenkte der Gemeinde zur Kirchweihe 1899 eine repräsentative Altarbibel. An den Ecken des schweren Buches befinden sich in Metall gestanzte, geflügelte Evangelistensymbole: Matthäus, Symbol Engel/Mensch; Markus, Symbol Löwe; Lukas, Symbol Stier; Johannes, Symbol Adler. Eine metallische Schnalle dient dem Verschluss. Die Widmung der Kaiserin lautet: Der evangelischen Kirche in Altenbochum zur Einweihung am 5. Sept. 1899. Ps. 121, 7, 8 Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Die historische Bibel wird heute zu besonderen Anlässen präsentiert, ansonsten ist sie archiviert. Im Normalfall nutzt die Gemeinde eine Altarbibel mit revidiertem Luthertext.
Orgel
Die vollpneumatische Orgel wurde durch die Orgelbau-Anstalt Wilhelm Sauer, Königlicher Hof-Orgelbaumeister, Frankfurt/Oder, im Jahr 1899 erbaut und aufgestellt. Sie verfügt über zwei Manuale, ein Pedal, 30 klingende Register und 1309 Pfeifen. Sie ist die älteste Orgel auf Bochumer Stadtgebiet.
Im Jahre 2025 wurde sie durch die Orgelwerkstatt Christian Scheffler, Jacobsdorf, klanglich umfassend restauriert und generalüberholt. Der ursprüngliche Spieltisch ist nicht erhalten. An die Stelle trat 2020 ein pneumatisch betriebener Wilhelm-Sauer-Spieltisch mit zwei Manualen aus dem Jahr 1902, der von der Orgelwerkstatt Christian Scheffler vollständig überarbeitet und auf die Orgel in der Lukaskirche abgestimmt wurde.
Gedenk- und Pastorentafeln Ursprünglich waren die zwei kleineren Eichentafeln (angefertigt um 1920) für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges und die große Eichentafel (angefertigt 1949) für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges als Triptychon im Eingangsbereich der Kirche platziert. Seit 2021 hängen die Tafeln separiert voneinander auf der östlichen Empore und werden durch einen Kommentar aus heutiger Sicht begleitet: In Trauer gedenken wir hier der 402 benannten Toten unserer Gemeinde aus den beiden Weltkriegen. Mit ihren Namen bewahren wir das Andenken dieser Verstorbenen. Sie starben nicht für Deutschlands Ehre, obwohl viele glaubten, dem Vaterland zu dienen: Sie wurden Opfer eines falschen Wahns. Ihr sinnloser Tod ist für uns und alle nachfolgenden Generationen eine Mahnung zum Frieden.
Die zwei Pastorentafeln, anlässlich des 125. Kirchweihfestes am 5. September 2024 im Eingangsbereich der Kirche angebracht, geben Auskunft über die im Pfarrdienst Tätigen in Altenbochum und Laer sowie die Geschichte der fusionierten Gemeinde, die beginnend in Bochum-Ümmingen bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht.
In der Lukaskirche im Pfarrdienst Tätige der Evangelische Kirchengemeinde Altenbochum Alfred Niederstein, 1897–1939 Friedrich Irle, 1920–1927 Hermann Hevendehl, 1927–1933 Wilhelm Christiansen, 1933–1945 Erich Brühmann, 1938–1978 Werner Richwin, 1946–1983 Gerhard Bartel, 1957–1989 Eike Grevel, 1966–2004 Christina Cremer, 1986–2006 Volker Kramer, 1990–1997 Johannes Ditthardt, 2004–2006 In der Lukaskirche im Pfarrdienst Tätige der Evangelischen Kirchengemeinde Altenbochum-Laer Petra Hockertz, 2007–2012 Christina Cremer, 2007–2019 Johannes Ditthardt, 2007–2013 Claudia Frank, 2014– Oliver Rausch, 2021–2026
Ümminger Kirchenfenster
Die farbenfroh bleiverglasten Fenster, restauriert von der Bochumer Glaswerkstatt Plötz und 2025 angebracht unter den beiden Seitenemporen, waren einst im Altarraum der 1886/1887 erbauten und im Jahr 1975 aufgegebenen Evangelischen Ümminger Kirche an der Wittener Straße im Stadtteil Laer angebracht.
Glocken
Der Bochumer Verein fertigte die drei Kirchenglocken aus Gussstahl: „Glocke des Auftrags“, gegossen 1871, Schlagton fis‘, Masse ≈ 750 kg, Inschrift Machet die Thore weit, und die Thüren in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe. Psalm 24,7 „Glocke der Erinnerung“, gegossen 1871, Schlagton e‘, Masse ≈ 850 kg, Inschrift ist durch Verwitterung und Rost nicht mehr lesbar „Glocke der Gemeinde“, gegossen 1899, Schlagton cis‘, Masse ≈ 1.600 kg, die Hauptinschrift lautet: EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE UND FRIEDE AUF ERDEN.
Im Geläut mit den Glocken der 1888/1889 erbauten Liebfrauenkirche der katholischen Schwestergemeinde erzeugen die beiden Altenbochumer Kirchen einen „ökumenisch-harmonischen“ Gesamtklang.
Nutzung
Gotteshaus und Offene Kirche
Die Lukaskirche wird regelmäßig für Gottesdienste und Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Trauerfeiern genutzt. Im Mai 2025 hat das Presbyterium die Lukaskirche darüber hinaus zu einer Offenen Kirche erklärt.„Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Altenbochum-Laer gibt bekannt: Ab dem 30. Mai 2025 wird die Lukaskirche als offene Kirche geführt.“ Aushang vom 23. Mai 2025. Das Banner „Kirche geöffnet“ im Eingangsportal weist darauf hin, wenn die Kirche frei zugänglich ist. Im Innern der Kirche sind die Besucher und Besucherinnen eingeladen den Raum auf sich wirken zu lassen und mit ihm meditativ sowie religiös zu interagieren. Zur Lektüre liegt das von Gemeindegliedern anlässlich des hundertsten Kirchweifest handschriftlich reproduzierte Evangelium nach Lukas aus. Es liegt ein Gästebuch aus.
Raum der Musik Seit 2006 hat der Musikausschuss des Presbyteriums zahlreiche Konzerte unter dem Leitgedanken „Kirche klingt“ veranstaltet und damit einen Beitrag zur „Öffnung von Kirche im Stadtteil“ geleistet. Die Palette der Konzerte weist eine Mischung aus populären, traditionellen und klassischen Stilrichtungen auf. Mal treten Musizierende aus der eigenen Gemeinde auf, mal kommen sie aus der näheren oder weiteren Umgebung, mal sind es ambitionierte Amateure, mal professionelle und studierte Künstler und Künstlerinnen. Häufig werden Benefizkonzerte für einen gemeinnützigen Zweck veranstaltet. Seit der vollständigen Restaurierung der Wilhelm-Sauer-Orgel im Jahr 2025 werden vermehrt auch Orgelkonzerte organisiert.
Stiftung
Stiftung Lukaskirche Die gemeinnützige „Stiftung Lukaskirche“ gründete sich im Jahr 2006 mit dem Ziel, die Kirche und die Wilhelm-Sauer-Orgel zu pflegen und zu erhalten. Der Stiftungszweck wird insbesondere verwirklicht durch die Bereitstellung von Sach- und Geldmitteln für a) die Unterstützung von Unterhaltung und Betrieb der denkmalgeschützten Lukaskirche und ihrer historisch wertvollen Sauerorgel, b) die Förderung kirchenmusikalischer Angebote, c) die Förderung des gottesdienstlichen Lebens der Kirchengemeinde, d) die Förderung gemeindlicher Angebote für unterschiedliche Altersgruppierungen.
Weblinks
Website der Evangelischen Kirchengemeinde Altenbochum-Laer
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude in Bochum Bochum Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Nordrhein-Westfalen Altenbochum Kategorie:Kirche in der Evangelischen Kirche von Westfalen Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Backsteinbauwerk des Historismus Kategorie:Erbaut 1899 Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Baudenkmal in Bochum