mini|hochkant|Wappen der Unbescheiden Unbescheiden (auch: Umbescheiden, Unbescheyden o. ä.) ist der Name eines erloschenen niederrheinischen Uradelsgeschlechts mit Stammsitz in Köln, dann auf der Burg Lechenich. Später war die Familie auch bei Trier begütert. Ursprünglich handelte es sich wohl um ein Kölner Patriziergeschlecht, das auf das Land zog.

Das Geschlecht ist von der rheinischen Adelsfamilie Umbescheiden zu unterscheiden.Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preussischen Monarchie, Band 3 (T–Z), Ludwig Raub, Berlin 1858, S. 44 (MDZ online).

Geschichte Ursprung mini|Die Burg Lechenich heute Die Mitteilungen über das Geschlecht beginnen im Jahre 1291 mit Reinhard Unbescheiden, der an ein Haus auf dem Berlich in Köln geschrieben war. Die Nonne von Herchen, Sophie Unbescheiden, nahm 1325 zwei Weingärten bei Rheindorf in Erbpacht.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0311 / Herchen, Urkunden AA 0311, Nr. 10, abgerufen am 17. Juni 2026. Im Jahre 1333 ernannte Erzbischof Walram von Köln den Arnold gt. Unbescheiden und seine Frau Agnes (von Rode?) zu Burgleuten der Burg Lechenich. Sie erhielten außerdem Lehen zu Blatzheim und Monheim.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0001 / Kurköln, Urkunden AA 0001, Nr. 312, abgerufen am 17. Juni 2026. Deren Söhne Arnold und Wilhelm erschienen im Jahre 1351, als Winand von Muckenhusen ihre Ansprüche an St. Andreas beseitigte. 1347 besaß Johann Unbescheiden von Hochstaden neun Morgen Land am Severinstor. Seine Frau Agnes wurde 1369 als Witwe erwähnt und hatte ein Haus am Severinstor.

Palmersdorf Ein weiterer Arnold Unbescheiden heiratete Bela, die 1385 mit drei (2:1) Kugeln (?) siegelte. Sie hatten einen Sohn namens Godart Unbescheiden von Broele, der Vogt von Palmersdorf sowie Knappe war und Elisabeth (Elsa) heiratete. Zusammen verkauften die Eheleute 1384 eine Rente aus Land bei Palmersdorf an St. Severin.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0009 / Kurköln IV AA 0009, Nr. 1619, abgerufen am 17. Juni 2026. 1398 verkauften sie Land bei Palmersdorf an Drude von Kerpen und Johann dem Becker, Bruder der Elisabeth, und dessen Frau.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, RW 1181 / Familienarchiv von Zweiffel RW 1181, Nr. 4, abgerufen am 17. Juni 2026. Noch 1403 verkaufte Godart eine Rente aus einem Haus an der Kölner Pforte zu Brühl an den Erzbischof von Köln.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0001 / Kurköln, Urkunden AA 0001, Nr. 1379, abgerufen am 17. Juni 2026. Die Eheleute Godart von Unbescheiden und Metza von Lechenich verkauften 1407 zwölf Morgen Land bei der Domgrube im Hof von St. Cäcilien in Palmersdorf an den Kanoniker Gerard von Saffenberg von St. Severin. Godart von Unbescheiden trat noch 1412 als Edelknecht von Palmersdorf auf und verkaufte Land an St. Mauritius. Der Verkauf von Land deutet auf den finanziellen Notstand des Geschlechts hin; womöglich war dieser ein Grund für das Aussterben der Familie von Unbescheiden. Dietrich von Unbescheiden war Godarts Sohn und erschien von 1443 bis 1446. In diesen Jahren verkaufte er mit seiner Frau Paitza eine Rente und Land an St. Andreas und St. Severin. Das Gut zu Palmersdorf verkaufte Dietrich Unbescheiden mit seiner Frau Paitzgin im Jahre 1452 für 329 oberländische rheinische Gulden an den Evert von Zweiffel.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, RW 1181 / Familienarchiv von Zweiffel RW 1181, Nr. 10, abgerufen am 17. Juni 2026. Einige Jahre später, 1489, erschien ein weiterer Dietrich von Palmersdorf gt. Unbescheiden. Dieser erhielt 1518 von dem Grafen von Manderscheidt ein Burglehen zu Neuerburg. Er heiratete Barbara Poisgin von der Neuerburg und hatte zwei Kinder mit dieser: Johann von Palmersdorf gt. Unbescheiden und Margaretha, die Georg von Stein heiratete. Johann teilte 1534 mit seiner Schwester. Noch um das Jahr 1575 erschien ein Servaes Rörich, der mit einer von Palmersdorf verheiratet war.

Trier Im Jahre 1399 trat Arnold Unbescheiden von Nuweheym auf, der seine Gattin Elsgin von Ulmen mit seinem Trierer Lehen bewitthumte. Sein Bruder Wilhelm von Nuweheym, der Edelknecht war, stimmte dem zu. Dietrich Unbescheiden stellte noch 1488 zu Trier einen Lehnsrevers an den Grafen von Moers-Saarwerden und den Grafen Bernhard, Herr zu Rodemachern und Bollichum, über den Hof genannt die Schure in der Herrschaft Useldingen aus.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0608 / Paffendorf, Urkunden AA 0608, Nr. 467, abgerufen am 17. Juni 2026.

Weitere Erwähnungen Henz Unbescheiden zu Numagen versprach dem Nicolaus Vogt von Hunolstein im Jahre 1418 Burgfrieden.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Vereinigte Westfälische Adelsarchive e. V., Ber.Uk / Urkunden, Nr. Ber.Uk - 638, abgerufen am 17. Juni 2026. Zu Soest erschien im Jahre 1438 Dietrich Unbescheiden, der dem dortigen Bürgermeister, Johann vom Loe, das Wiederkaufsrecht an Land am Rupenloer Weg verlieh.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, D 120u / Kollegiatstift St. Patrokli, Soest / Urkunden, Nr. 256, abgerufen am 17. Juni 2026. 1445 trat der Karmelit Johann Unbescheiden, der Erbzinsen aus mehreren Häusern kaufte, auf.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0098 / Aachen, Karmeliter, Rep. u. Hs. AA 0098, Nr. 2, abgerufen am 17. Juni 2026.

Wappen Blasonierung: In Silber ein schwarzer Schrägbalken. Auf dem Helm ein silberner Brackenkopf mit schwarzen Ohren und roter Zunge.

Literatur Herbert M. Schleicher (Bearb.): Ernst von Oidtman und seine genealogisch-heraldische Sammlung in der Universitäts-Bibliothek zu Köln, Band 15 (Mappe 1151–1236; Speckhewer–Waldbott von Ulmen) (= Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Nr. 94), Köln 1998, S. 607–609. Anton Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden: Band 1, Heberle, Köln und Bonn 1848, S. 432 (hhu.de). Band 2, Heberle, Köln und Bonn 1853, S. 167 (hhu.de)

Einzelnachweise

Kategorie:Rheinländisches Adelsgeschlecht Kategorie:Kölner Patriziergeschlecht