Martina Kügler (* 14. Juli 1945 in Szklarska Poręba; † 9. Dezember 2017 in Frankfurt am Main) war eine deutsche Künstlerin.
Werdegang Martina Kügler absolvierte von 1963 bis 1966 eine Ausbildung zur Farblithografin in Frankfurt am Main. Anschließend studierte sie von 1966 bis 1972 freie Malerei an der Städelschule in Frankfurt. Bis zu ihrem Tod 2017 lebte sie als freischaffende Künstlerin in Frankfurt am Main.
Werk Martina Kügler schuf hunderte Gemälde, tausende Zeichnungen sowie Collagen und Radierungen. Die meist figürlichen Darstellungen thematisieren menschliche Beziehungen, Seelenzustände sowie Geschlechtlichkeit und Erotik. Den Kern des Oeuvres bildet das zeichnerische Werk, dominiert von der Linie, mit der Küglers Figuren allein in der Kontur sichtbar werden, ohne Hintergrund, ohne Perspektive, ohne schmückendes Beiwerk. Nur selten erzeugen Schraffuren einen Eindruck von Plastizität oder Räumlichkeit. Auch in der Malerei bleibt Martina Kügler ihrer Vorliebe für die Figuration treu, präsentiert verrätselte menschliche Gestalten, die denen in den Zeichnungen ähneln, genauso wie knallbunte fröhliche Fabelwesen. In den 1980er Jahren entstehen mehrere Serien von abstrakten, farblich reduzierten Bildern in Schwarz, Weiß und Brauntönen, die an die Ornamentik afrikanischer Textilien erinnern. Zur Perfektion gelangen diese Experimente in den 1990er Jahren in einer Folge von Arbeiten mit dem erdigen orange-braunen Pigment „Terra di Pozzuoli“, die allein durch die amorphen Formen und die Strahlkraft des Pigments eine dynamische Lebendigkeit entfalten und dabei an organisch-abstrakte Formen Hans Arps ebenso erinnern wie an die Klarheit der farbintensiven Scherenschnitte von Henri Matisse. Küglers Arbeiten wurden zu ihren Lebzeiten und auch nach ihrem Tod vielfach ausgestellt. Sie sind in bedeutenden Sammlungen vertreten, u. a. in der Kunstsammlung der Deutschen Bank, im Städel Museum Frankfurt und in der Frankfurter Sammlung „a private collection“.
Lyrik Neben Gemälden und Zeichnungen schuf Martina Kügler zahlreiche surreale Gedichte, die der Kunstsammler Hans-Jürgen Döpp als „anti-impressionistisch“ beschreibt: „Die Texte entziehen sich weitgehend einem Verstehen. Doch ihre Inhalte sind höchst elaboriert: Sie zeigen, dass hier einer die Erfahrungswelt des Erwachsenen durchlaufen – und hinter sich gelassen hat. Derart entsteht eine von der gewöhnlichen, praktischen Wirklichkeit gänzlich unabhängige dichterische Welt; ein autonomer, nur sich selbst genügender Kosmos.“ Döpp, Hans-Jürgen: Spiele ohne Fesseln, in: Martina Kügler: Irrlichter. Unbändige Texte und Zeichnungen, edition de l’oeil. Frankfurt, 2015, S. 47–49, hier S. 48.
Rezeption Da Kügler über Jahrzehnte mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen hatte,Frankfurter Rundschau: Erinnerungen an Martina Kügler, Artikel vom 5. Januar 2019, aufgerufen am 17. Juli 2026. wurden ihre Arbeiten wiederholt in diesem Zusammenhang interpretiert. Ein Teil des Nachlasses befindet sich in der Sammlung Prinzhorn, die Kunst von Menschen mit Psychiatrieerfahrung aufbewahrt und erforscht. Deren Leiter Thomas Röske warnt jedoch vor einer Stigmatisierung und betont Küglers künstlerische Professionalität: „Sicherlich hat Kügler in ihren Werken eigene psychophysische Erfahrungen und Ausnahmeerfahrungen verarbeitet. Aber ihr verhalf die professionelle Ausbildung, dazu in Distanz zu gehen und sie virtuos in einer fast klassizistisch kühlen Zeichentechnik zu gestalten […].“
Nachlass Der Nachlass Martina Küglers befindet sich seit 2026 in der Frankfurter Kunst Nachlass Stiftung.
Ausstellungen
Einzelausstellungen (Auswahl) 2025 Mountains at Frankfurt Art Experience 2023 Terrapozzoli, Galerie Mountains, Berlin 2022 THE ROOMS LOOKS RATHER EMPTY, Galerie Mountains, Berlin 2021 Der Mensch ist ein Durchzugsgebiet, Galerie Heike Strelow, Frankfurt 2021 Mountains at Paper Positions Berlin 2019 Schloss Hungen, Hungen 2018 In memoriam Martina Kügler, Kunst im Treppenhaus, Frankfurt 2016 Die Kunsttreppe, Frankfurt 2015 Kunst im Treppenhaus – KIT, Frankfurt 2011 Das gezeichnete Ich, Galerie Das Bilderhaus, Frankfurt 2004 Die Kunsttreppe, Hospital zum Heiligen Geist, Frankfurt 2003 Das gezeichnete Ich, Galerie Schamretta, Frankfurt 2002 Ausstellungshalle Schulstraße 1A, Frankfurt 1997 Galerie Prestel, Frankfurt 1992 Galerie Klewan, München 1987 Galerie Patio, Neu-Isenburg 1985 Galerie Timm Gierig, Frankfurt 1985 Galerie Rothe, Heidelberg 1984 Galerie Kiefer, Essen 1983 Galerie Timm Gierig, Frankfurt 1982 Galerie Lea, München 1979 Galerie Meyer-Ellinger, Frankfurt 1978 Frankfurter Kunstverein 1976 Kunstraum München Quellen:
Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl) 2024 Hinter Deinem Schatten, Mountains, Berlin (mit Nschotschi Haslinger und Miriam Cahn) 2022 In Between, Villa Schöningen, Potsdam 2022 A Private Collection Frankfurt, Mannheimer Kunstverein 2021 Walk the Line, Galerie Heike Strelow, Frankfurt 2020 Assisted Survival, Mountains, Berlin 2015 Wahn-Sinn, Kunsthalle Talstrasse, Halle an der Saale 2011 Kunst im Treppenhaus – KIT, Frankfurt 1997 Galerie Prestel, Frankfurt 1994 Galerie Klewan, München 1993 Der Schatten der Dinge, Galerie Christine König, Wien (mit Silvia Bächli und Louise Schmid) 1986 Kunst in Frankfurt, Frankfurter Kunstverein 1985 Kunst in Frankfurt, Paulskirche, Frankfurt 1984 Kunst in Frankfurt, Frankfurter Kunstverein 1984 Kunstlandschaft Bundesrepublik, Kunstraum München 1983 Szenarium 83, Frankfurter Kunstverein 1975–1977 Junggesellenmaschinen / Les Machines Célibataires, kuratiert von Harald Szeemann (Wanderausstellung: Kunsthalle Bern, Biennale Venedig, Brüssel, Düsseldorf, Paris, Malmö, Stedelijk Museum Amsterdam, MUMOK Wien) Quellen:
Publikationen (Auswahl) Martina Kügler - Zeichnungen, Malerei, Collagen, Gedichte / herausgegeben vom Freundeskreis Martina Kügler, Dielmann-Verlag Frankfurt, 2021, ISBN 978-3-86638-335-7 … inwendig voller Figur. Zeichnungen aus den 90er Jahren, edition de l’oeil, Frankfurt, 2014, ISBN 978-3-7386-0544-0 Irrlichter. Unbändige Texte und Zeichnungen, edition de l’oeil. Frankfurt, 2015, ISBN 978-3-7347-8611-2 Kopf überm Dach. Verse, Edition Rothe, Heidelberg, 1979, ISBN 3-920651-08-1
Literatur Hans-Jürgen Döpp: „Die Schizophrenie ist meine Fahne!“ Zum künstlerischen Werk von Martina Kügler, Books on Demand, Norderstedt 2019, ISBN 978-3-7494-0609-8
Weblinks Kunst Nachlass Stiftung Frankfurt Website des Freundeskreises Martina Kügler
Einzelnachweise
Kategorie:Künstler (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1945 Kategorie:Gestorben 2017 Kategorie:Frau