mini|Antonio Barzaghi-Cattaneo: Porträt von Jeanne Béha-Castagnola, um 1900 mini|Stillleben mit Trauben und Birnen, Öl auf Leinwand, 80×133,5 cm, MASILugano Jeanne «Giovanna» Béha-Castagnola (Nachname auch Béha-Castagnole, Vorname im deutschsprachigen Raum auch Johanna; * 10. Oktober 1869 in Brüssel; † 14. März 1942 in Lugano) war eine Hotelière und Malerin von Stillleben. Sie wirkte ab 1890 in Lugano im Schweizer Kanton Tessin.
Leben Sie wurde 1869 als Tochter des Buchhalters Luigi Castagnola (1830–1908)Luigi Castagnola Ragioniere. In: Gazzetta Ticinese. 15. Januar 1908, S. 3 (online). und der Rosalia geb. Gross (1842–1908)Rosalia Castagnola nata Gross. In: Gazzetta Ticinese. 1. September 1908, S. 3 (online). in Brüssel geboren. Sie hatte zwei Brüder: Virginio Castagnola (1865–1951), Bankdirektor in Lugano, und Carlo Castagnola (1874–1959), Gemeindekassier in Lugano.Un lutto. In: Gazzetta Ticinese. 28. Februar 1951, S. 2 (online). Ihre Familie war wohlhabend.Giulio Foletti: Jeanne Béha Castagnola. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Armando Dadò, Locarno 2001, S. 127–131. Ihren ersten Kunstunterricht erhielt sie von 1887 bis 1889 an der Zeichenakademie in Hanau, ferner auch am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main.Beha-Castagnola, Johanna. In: Allgemeines Künstler-Lexikon. Band 6. Rütten & Loening, Frankfurt a. M. 1922, S. 18 (PDF). 1890 heiratete sie Alessandro Béha (1859–1918), den Sohn des deutschen Hoteliers Alexander Béha, in Lugano.Alessandro Beha. In: Popolo e Libertà. 29. Oktober 1918, S. 3. Hier bildete sie sich bei Gioachimo Galbusera, Raimondo Pereda und Antonio Barzaghi-Cattaneo weiter. 1891 debütierte sie an der Turnus-Ausstellung in Lugano und war in der Folge weitere neunmal an dieser Wanderausstellung vertreten; beispielsweise zeigte sie 1906 im Winterthurer Stadthaus ein Stillleben mit Trauben.Zur Turnusausstellung im Stadthaus. In: Der Landbote. Zweites Blatt. Nr. 129, 6. Juni 1906, S. 1 (online). 1896 gehörte sie zu dreissig Tessiner Künstlern, die an der Schweizerischen Landesausstellung in Genf vertreten waren.Tessiner Kunst. In: Der Bund. Nr. 108, 18. April 1896, S. 4 (online). 1898 stellte sie in Turin aus, 1900 in Paris, 1906 an der Accademia di Brera in Mailand. 1900 kaufte die Eidgenossenschaft eines ihrer Stillleben an und wies es der Sammlung im Rathaus von Lugano zu. Béha-Castagnolas letzte Ausstellungstätigkeit ist 1907 belegt.
mini|hochkant|Luigi Vassalli: Grabmal der Familie Castagnola, 1911, Monumentalfriedhof Lugano Am 15. Januar 1908 starb ihr Vater Luigi im Alter von 77 Jahren in Lugano. Am 1. September 1908 starb auch ihre Mutter Rosalia, im Alter von 66 Jahren. Luigi Vassalli schuf das Marmorgrabmal des Ehepaars unter dem Titel Kontinuität des Lebens (Continuità della vita). Ganz im Stil des Symbolismus zeigt es eine weibliche Personifikation des Schmerzes. Da es die im Monumentalfriedhof Lugano maximal erlaubte Höhe überschritt, bedurfte es einer Sondergenehmigung des Stadtrats, ehe es 1911 platziert werden konnte.Paola Capozza: Tomba famiglia Castagnola. In: Cristina Brazzola, Giovanna Ginex, Paola Capozza: Il cimitero monumentale di Lugano. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2016 (= Schweizerische Kunstführer, Band 986–987), ISBN 9783037972748, S. 48 f., Nr. 20.
Béha-Castagnola war hauptberuflich im Hotelwesen tätig und galt als «vornehme und hochgebildete Frau».Tessiner Brief: Der Tod von Giovanna Béha-Castagnola. In: Der Bund. Morgen-Ausgabe. Nr. 139, 24. März 1942, S. 3 (online). An ihrem Wohnsitz, dem Palazzo Piccoli an der Via Giuseppe Mazzini 22 in Lugano, führte sie eine Pension «mit Familienanschluß», in der sie auch Konversationsunterricht in deutscher, französischer und italienischer Sprache sowie Malstunden anbot.Lugano. In: Der Bund. Band 64, Nr. 125, 16. März 1913, S. 12 (online). mini|Grabinschrift Béha-Castagnolas auf dem Beha-Familiengrab, Monumentalfriedhof Lugano Sie starb 1942 im Alter von 72 Jahren in Lugano und wurde im Familiengrab der Béha auf dem Monumentalfriedhof Lugano, am Hauptweg zwischen Eingang und Famedio, beigesetzt.
Béha-Castagnola war Mitarbeiterin am von Carl Brun herausgegebenen Schweizerischen Künstler-Lexikon und schrieb unter dem Namen Johanna Béha-Castagnola zahlreiche Artikel über Tessiner Künstler.Verzeichnis der Mitarbeiter. In: Schweizerisches Künstler-Lexikon. Zweiter Band: H–R. Huber, Frauenfeld 1908, S. V (Digitalisat).Verzeichnis der Mitarbeiter. In: Schweizerisches Künstler-Lexikon. Dritter Band: S–Z. Huber, Frauenfeld 1913, S. V (Digitalisat).Verzeichnis der Mitarbeiter. In: Schweizerisches Künstler-Lexikon. Vierter Band: Supplement. Huber, Frauenfeld 1917, S. V (Digitalisat).
2019/2020 zeigte die Pinacoteca Züst im Rahmen der Ausstellung Arte e Arti ein Porträt Béha-Castagnolas, das ihr Lehrer Antonio Barzaghi-Cattaneo um 1900 geschaffen hatte. Es war seit 1961 nicht mehr öffentlich zugänglich gewesen.
Werk Béha-Castagnola malte fast ausschliesslich Stillleben, vornehmlich mit Trauben, Blumen und Früchten, im Stil des späten Realismus. Ihre Stellung als Frau hinderte sie daran, ihr offensichtliches Talent in anderen Bildgattungen zu erproben. Das Museo d’arte della Svizzera italiana in Lugano bewahrt ihr Stillleben mit Trauben und Birnen (Natura morta con uva e pere) auf. Die meisten weiteren Werke befinden sich in Privatbesitz.
Literatur Beha-Castagnola, Johanna. In: Allgemeines Künstler-Lexikon. Band 6. Rütten & Loening, Frankfurt a. M. 1922, S. 18 (PDF). Celestino Trezzini: Giovanni Beha-Castagnola. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 2: Basel - Egnach. Paul Attinger, Neuenburg 1924, S. 79 (PDF Digitalisat). Giulio Foletti: Jeanne Béha Castagnola. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Armando Dadò, Locarno 2001, S. 127–131. Flavia Piazza-Keller: Alexander Béha. Piccola storia di un grande albergatore. Lugano 2006.
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