Stephan von Mörlheim (auch Steffani de Merlheim; * wohl Ende des 11. Jahrhunderts; † nicht bekannt) war ein Ritter des Hochmittelalters und einer der wichtigsten Stifter des Zisterzienserklosters Eußerthal. Sein Name ist eng mit der Geschichte des heutigen Landauer Stadtteils Mörlheim verbunden.
Leben Stephan von Mörlheim gehörte dem Rittergeschlecht von Mörlheim an, dessen Sitz sich im heutigen Landauer Stadtteil Mörlheim befand.Karl Heinz Debus: Ritter Stephan von Mörlheim. In: Egon Ehmer (Red.): 1200 Jahre Mörlheim. Landluft-Verlag, Ranschbach 2000.
Möglicherweise ist er erstmals 1109 urkundlich belegt. Damals trat sein Bruder Konrad von Mörlheim in das Reformkloster Hirsau ein und übertrug diesem Teile seines Besitzes. Stephan erhob gegen diese Übertragung Einspruch und erreichte vor einem bischöflichen Schiedsgericht die Rückgabe eines Teils der Güter. Ob es sich dabei um dieselbe Person handelt, die später als Stifter des Klosters Eußerthal auftritt, ist in der Forschung nicht abschließend geklärt. Nach Karl Heinz Debus erscheint eine Identität jedoch durchaus möglich.
Familie Stephan von Mörlheim war mit Gepa verheiratet. Beide werden gemeinsam in den erhaltenen Urkunden genannt. Aus der Ehe ging mindestens eine Tochter namens Adegard hervor.
Über die Herkunft der Familie bestehen unterschiedliche Auffassungen. Wolfgang Werle vermutet eine Herkunft aus dem ostfränkischen Raum und einen Zusammenhang mit Straßburger Lehen. Debus hält dagegen fest, dass sich ein direkter Lehnszusammenhang mit der Straßburger Kirche nicht nachweisen lasse. Möglich sei ebenso eine Einwanderung aus Franken oder eine Verbindung über Stephans Gemahlin Gepa zum Geschlecht der Grafen von Sponheim.
Stiftung des Klosters Eußerthal mini|Sandstein in dem ehemaligen Kloster Eußerthal mit dem Hinweis auf Ritter Steffan von Mörlheim als Stifter des Klosters. In der ehemaligen Klosterkirche Eußerthal befindet sich ein Wappenstein aus dem 16. Jahrhundert mit der Inschrift, Stephan von Mörlheim habe das Kloster im Jahr 1148 gegründet.
Die tatsächliche Rolle Stephans bei der Gründung ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Während ältere Darstellungen ihn als alleinigen Gründer ansehen, weisen neuere Forschungen auf mehrere an der Entstehung des Klosters beteiligte Stifterfamilien hin.
Eine zwischen 1152 und 1153 ausgestellte Urkunde Papst Eugens III. bestätigt Schenkungen Stephans von Mörlheim, seiner Frau Gepa und seiner Tochter Adegard an das Kloster Eußerthal. Die Stiftung umfasste ein Allod in Mörlheim sowie Waldgebiete im Umfeld des Klosters, die Stephan zuvor vom Abt eines als „Wrdeio“ bezeichneten Klosters erworben hatte.
Nach der Interpretation von Hans-Walter Doll handelt es sich bei „Wrdeio“ wahrscheinlich um eine fehlerhafte Schreibweise für das Kloster Hornbach.
Debus kommt zu dem Ergebnis, dass die traditionelle Überlieferung einer Klostergründung durch Stephan von Mörlheim im Jahr 1148 grundsätzlich in den bekannten Gründungsablauf passe, seine Rolle jedoch im Zusammenhang mit weiteren Stiftern und politischen Interessen des 12. Jahrhunderts gesehen werden müsse.
Beziehung zu Mörlheim Stephan von Mörlheim übertrug dem Kloster Eußerthal unter anderem Besitz in Mörlheim, den späteren Klosterhof Mörlheim, sowie die dortige Kapelle. Kaiser Friedrich I. bestätigte diese Schenkung 1168, Bischof Ulrich von Speyer erneut im Jahr 1179.
Als die Kapelle später dem Kloster entzogen wurde, setzte Stephan ihre Rückgabe in einem Verfahren vor dem Synodalgericht durch. Graf Simon von Saarbrücken verzichtete anschließend gegenüber dem Kloster Eußerthal auf entsprechende Ansprüche.
Die umfangreichen Besitzungen des Klosters Eußerthal in Mörlheim führten dazu, dass in der Forschung wiederholt von einem klösterlichen Großhof beziehungsweise einer Grangie in Mörlheim gesprochen wird.
Rezeption Die Erinnerung an Stephan von Mörlheim blieb insbesondere durch die Geschichte des Klosters Eußerthal und des Klosterhofes Mörlheim erhalten.
An der ehemaligen Klosterkirche Eußerthal erinnert eine Inschrift an seine Stiftungstätigkeit. Im Jahr 2026 wurde in Mörlheim der Ritter-Stephan-von-Mörlheim-Platz eingeweiht.
Literatur Karl Heinz Debus: Ritter Stephan von Mörlheim. In: Egon Ehmer (Red.): ''1200 Jahre Mörlheim''. Landluft-Verlag, Ranschbach 2000, S. 48–56. Karl Heinz Debus: Das Zisterzienserkloster Eußerthal. In: 850 Jahre Zisterzienserkloster Eußerthal. Herausgegeben von der Ortsgemeinde Eußerthal, Speyer 1998. Karl Lutz: Kloster und Kirche Eußerthal 1148–1948. Neustadt an der Weinstraße 1948; Nachdruck Speyer 1981. Wolfgang Werle: Beiträge zur Gründungsgeschichte des Klosters Eußerthal. Hans-Walter Doll: Untersuchungen zur Entstehungsgeschichte des Klosters Eußerthal.
Einzelnachweise
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