Georg Christian Adler (* 1. November (greg.) / 21. Oktober (jul.) 1674 in Wohlbach; † 30. August 1741 in Brandenburg an der Havel) war ein evangelischer Geistlicher und Lehrer.
Leben
Herkunft und Familie Die Familie Adler entstammte einer über mehrere Generationen reichenden Linie evangelischer Geistlicher. Der Vater, Karl Christian Adler (* 23. Dezember 1635 in Schöneck im Vogtland; † 1. Juni 1688 in Brambach im Vogtland), amtierte zunächst als Pfarrer in Wohlbach und später in Brambach; er war mit Elisabeth, geborene Hausner, verheiratet. Der Großvater Zacharias Adler (* 16. Juni 1600 in Elbogen in Böhmen; † 25. Juni 1658 in Schöneck im Vogtland) bekleidete das Pfarramt in Schöneck im Vogtland. Dessen Vater Thomas Adler (* 1569 in Blankenburg in der Grafschaft Schwarzburg-Rudolstadt in Thüringen; † 1. Februar 1621 in Elbogen) war als letzter evangelischer Oberpfarrer in Elbogen in Böhmen tätig, bis dieses Amt im Zuge der Rekatholisierung aufgelöst wurde. Des Weiteren wirkte der Ururgroßvater Zacharias Adler (* 4. August 1544 in Saalfeld an der Saale; † 29. November 1572 in Blankenburg) als Pfarrer in Blankenburg. Als Stammvater dieser theologischen Tradition gilt der Reformator Caspar Aquila (eigentlich Adler), ein Weggefährte Martin Luthers.
Diese Herkunft prägte Georg Christian Adlers Werdegang und vermittelte ihm eine theologische Grundbildung. Durch den Tod des Vaters im Jahr 1688 – Adler war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt – verschlechterte sich allerdings die wirtschaftliche Lage der Familie, was seinen weiteren Bildungsweg erschwerte.
Adler heiratete im Jahr 1706 Sara Justina (* 1683; † 10. Mai 1718). Sie war eine Tochter von Justin Töllner (1656–1718), dem Aufseher der Schulen des Waisenhauses in Glaucha bei Halle. Aus dieser Verbindung gingen drei Söhne und vier Töchter hervor, von denen fünf im Kindesalter verstarben. Zwei Töchter erreichten das Erwachsenenalter: Sara Elisabeth heiratete 1725 Christoph Friedrich Kindermann, den Subrektor der Schule in der Neustadt Brandenburg und späteren Pfarrer in Päwesin; sie verstarb kurz nach der Eheschließung. Marie Anastasie heiratete den in der Neustadt Brandenburg tätigen Wundarzt Christian Ludwig Hövel.
Im Jahr 1720 ging Adler eine zweite Ehe mit Emerentia (* 1696; † 1. November 1738) ein, der Tochter des verstorbenen Osterburger Apothekers und Arztes Wolfgang Zedelt († 9. November 1711). Aus dieser Verbindung gingen zwei Kinder hervor. Die Tochter Johanne Christiane heiratete Johann Christoph Löseke, den beigeordneten Pfarrer in Plaue an der Havel. Der gleichnamige Sohn Georg Christian Adler der Jüngere studierte in Halle Theologie und wirkte später als Theologe, Philologe sowie als Hauptpastor in Altona; dieser war verheiratet mit Johanna Elisa (geb. Schultze; 1729–1806). Ihr gemeinsamer Sohn war der spätere dänisch-deutsche Generalsuperintendent für Holstein und Schleswig Jacob Georg Christian Adler.
Am 25. August 1739 schloss Adler eine dritte Ehe mit Johanna (1700–1771). Sie war die mittlere Tochter des verstorbenen königlich-preußischen Astronomen Gottfried Kirch. Ihr Vater gehörte zu den mathematisch-naturwissenschaftlichen Gelehrten seiner Epoche. Ihre Mutter, Maria Margaretha Kirch (geb. Winckelmann), verzeichnete als Astronomin die Entdeckung eines Kometen von 1702. Johannas Bruder, Christfried Kirch, führte die familiäre Tradition in der Funktion des königlichen Astronomen in Berlin fort. Diese Verbindung stellte für Adler eine Beziehung zu naturwissenschaftlichen Gelehrtenkreisen dar. Johanna Kirch überlebte ihren Ehemann und verstarb im Jahr 1771 im Alter von 71 Jahren.
Ausbildung und frühe Jahre Bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr erhielt Georg Christian Adler Hausunterricht, was in Pfarrfamilien jener Zeit durchaus üblich war und eine solide Grundbildung gewährleistete. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1688 wurde Adler auf das Gymnasium (siehe Friedrichgymnasium) in Altenburg gebracht, eine protestantische Bildungseinrichtung; zu seinen Lehrern gehörte unter anderem Samuel Grosser. Dort verbrachte er sieben Jahre und erhielt eine umfassende humanistische Ausbildung, die neben den klassischen Sprachen Latein und Griechisch auch Rhetorik, Philosophie und theologische Propädeutik umfasste.
Im Frühjahr 1695 nahm Adler das Studium an der Universität Leipzig auf. Zur Finanzierung seines Lebensunterhalts war er als Hofmeister und Privatlehrer tätig. Im Jahr 1697 reiste er zum Besuch eines Onkels in das Vogtland bevor er am 28. August desselben Jahres an die Universität Halle wechselte, die unter August Hermann Francke ein Zentrum des Pietismus bildete.
Die Königsberger Jahre und die Gründung des Collegium Fridericianum Im Jahr 1698 übernahm Adler eine Stelle als Informator bei dem königlichen Holzkämmerer Theodor Gehr in Königsberg; dieser war für die Verwaltung und den Verkauf des staatlichen Holzes aus den königlichen Forsten zuständig. Gehr war ein Anhänger des Pietismus und stand seit 1693 mit Philipp Jacob Spener sowie seit 1697 mit den Hallischen Theologen in Verbindung. Adlers Anreise erfolgte über Berlin, Stettin und Danzig. In Königsberg unterrichtete er zunächst die beiden Kinder Gehrs. In der Folgezeit wurden ihm weitere Schüler anvertraut, darunter der spätere Professor der Dichtkunst Johann Valentin Pietsch.
Am 11. August 1698 gründeten Gehr und Adler in Gehrs Wohnhaus auf dem Sackheim ein collegium pietatis (Hauskreis). Diese Hausschule mit Lateinunterricht umfasste anfangs vier Schülerinnen und zwei Schüler. Im Jahr 1699 folgte die Einrichtung einer angegliederten Armenschule zur Förderung des Volksunterrichts in Preußen. Die in Verbindung mit dem Collegium Fridericianum entstandenen Armenschulen fungierten als Vorläufer der allgemeinen Volksschule und trugen zur Alphabetisierung breiterer Bevölkerungsschichten bei. Das Konzept, Kindern aus mittellosen Verhältnissen Bildung zu ermöglichen, basierte auf der pietistischen Überzeugung, dass der Zugang zum Wort Gottes eine allgemeine Lesefähigkeit voraussetze.
Aufgrund steigender Schülerzahlen stellte Adler in der Folgezeit zusätzliche Lehrkräfte ein. Die pädagogische Ausrichtung der Schule verband den Fachunterricht mit religiöser und moralischer Unterweisung nach pietistischen Grundsätzen.
Die pietistische Ausrichtung der Schule stieß auf den Widerstand der lutherischen Orthodoxie in Königsberg. Anlässlich der Erhebung Preußens zum Königreich im Jahr 1701 wurde die Einrichtung unter den Schutz von König Friedrich I. gestellt, erhielt ein königliches Privileg und den Namen Collegium Fridericianum. Auf Vermittlung der Hallischen Pietisten, insbesondere August Hermann Franckes, übernahm Heinrich Lysius das Amt des Direktors. Zur dauerhaften Unterbringung der wachsenden Institution erwarb Gehr im Jahr 1703 ein Grundstück am Kollegienplatz.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Collegium Fridericianum zu einer bedeutenden Bildungseinrichtung in Preußen. Die Konzeption der Schule verknüpfte pietistische Frömmigkeit mit wissenschaftlicher Ausbildung und diente als Modell für vergleichbare Institutionen. Zu den späteren Schülern der von Adler mitbegründeten Einrichtung gehörte unter anderem Immanuel Kant.
Rückkehr und pädagogische Tätigkeit in Halle Im Jahr 1704 kehrte Adler nach Halle zurück und trat eine Lehrerstelle am dortigen königlichen Pädagogium an. Diese Einrichtung war den Franckeschen Stiftungen angegliedert und Teil des von August Hermann Francke initiierten Bildungssystems. Das Pädagogium war auf die Ausbildung von Schülern aus vermögenden Schichten ausgerichtet und verknüpfte klassische Gelehrsamkeit mit pietistischen Erziehungsidealen. Adler brachte in diese Tätigkeit seine in Königsberg erworbenen pädagogischen Erfahrungen ein.
Während seines Aufenthalts in Halle vertiefte Adler seine Verbindungen zum pietistischen Netzwerk. In dieser Phase publizierte er zudem seine ersten Schriften, die das Verhältnis von klassischer Bildung und christlicher Frömmigkeit thematisierten. Bereits 1702 erschien in Stargard sein Programm über den Nutzen der freien Künste in der Kirche (De utilitate artium liberalium in ecclesia); im Jahr 1707 folgte in Berlin eine Abhandlung über den philosophischen Tod der Gelehrten.
Kirchliche Laufbahn in Brandenburg an der Havel und theologische Verortung Im Jahr 1706 übernahm Adler das Rektorat der Saldrischen Schule in der Altstadt Brandenburg. Damit begann sein bis an das Lebensende reichende Wirken in Brandenburg an der Havel. Im Jahr 1708 wurde er zusätzlich zum Diakon an der dortigen St. Gotthardtkirche ernannt, womit er neben seinen pädagogischen Aufgaben fortan auch geistliche Funktionen ausübte.
Im Jahr 1708 publizierte Adler in Brandenburg eine pädagogische Schrift über das Phänomen des sogenannten Schulvagabundismus (häufiger Schulwechsel). Die Abhandlung thematisierte die damit verbundenen Beeinträchtigungen der Ausbildungsqualität und befasste sich mit der Strukturierung des damaligen Schulwesens.
Im Jahr 1714 stieg Adler zum Archidiakon an St. Gotthard auf. In dieser Position verblieb er fast zwei Jahrzehnte. Einen im Jahr 1729 erfolgten Ruf nach Fraustadt in Polen lehnte er nach einer dort gehaltenen Gastpredigt ab und verblieb in Brandenburg.
Im Jahr 1732 wurde Adler zum Pfarrer und Mittagsprediger an der St. Paulikirche in der Neustadt Brandenburg ernannt. Diese Funktion, die neben dem Hauptgottesdienst eine zusätzliche Predigt zur Mittagszeit umfasste, übte er bis zu seinem Tod im Jahr 1741 aus.
Adler vertrat einen gemäßigten Pietismus, der die bestehenden kirchlichen Strukturen der lutherischen Landeskirche nicht infrage stellte, sondern eine Erneuerung innerhalb der bestehenden Ordnung anstrebte. Seine kirchliche Laufbahn und seine theologischen Schriften spiegeln diese Position wider, die der Haltung der Mehrheit der zeitgenössischen pietistischen Geistlichen entsprach und eine Separation ablehnte.
Schriftstellerische und theologische Werke Adler veröffentlichte theologische und pädagogische Schriften. Zu seinen exegetischen Arbeiten gehörte eine Auslegung der Sprüche, des Predigers und des Hoheliedes Salomos. Diese Abhandlung erschien in dem von Joachim Lange 1737 herausgegebenen Bibelwerk Davidisch-Salomonisches Licht und Recht.
Im Jahr 1716 publizierte Adler in Brandenburg die pädagogische Schrift Der Schaden der versäumten Kinderzucht. Das Werk thematisiert die Bedeutung frühzeitiger religiöser sowie moralischer Erziehung durch die Eltern sowie den Lehrern aus pietistischer Perspektive. Die Inhalte basieren auf seinen Erfahrungen im Schuldienst und legen dar, dass die Grundlagen der christlichen Lebensführung in der Kindheit vermittelt werden müssen.
Im Jahr 1717 erschien in Halle die Standrede Die seelige Hofnung der Kleinen, die sich mit der Heilsgewissheit verstorbener Kinder im Kontext pietistischer Theologie befasst. Des Weiteren verfasste Adler den Lebenslauf und eine Beschreibung der letzten Stunden des Brandenburger Superintendenten Nicolaus Lange (1659–1720).
Adler publizierte mehrere Predigten und Predigtreihen. Im Jahr 1721 erschien in Magdeburg seine Auslegung des 110. Psalms unter dem Titel Der durch seine Himmelfahrt ewig verherrlichte und erhöhete Jesus. Es folgte 1722 in Brandenburg die Standrede Der nach getragener Tageslast und Hitze erfolgende selige Feierabend der Gläubigen. Eine weitere Predigt trug den Titel Die Freude am Herrn, der Kinder Gottes Stärke. Im Jahr 1733 veröffentlichte er in Brandenburg die Auslegung Die Braut Christi im Hohenliede Kapitel V, Verse 10 bis 16, oder herrliches Zeugnis vom Leiden Christi.