Friedrich Wichmann (* 22. Mai 1772 in Potsdam; † 27. November 1826 in Einbeck) war ein deutscher Bildhauer, Möbelfabrikant und Baumeister.
Leben und Wirken
Friedrich Wichmann war der Sohn des Berliner Akziseeinnehmers Gottfried Wichmann und kam zum Bildhauer Pierre Loubier in die Lehre.Friedrich Wichmann ist mit der gleichnamigen Berliner Bildhauerfamilie Wichmann nicht verwandt, obwohl sich die Bildhauer Friedrich, Karl und Ludwig Wichmann über die Berliner Kunstakademie persönlich kannten.Vgl. Rolf Bidlingmaier: Der Bildhauer und Möbelfabrikant Friedrich Wichmann (1772–1826). Lebensstationen eines Künstlers des Klassizismus in Berlin, Kassel und Hannover. In: Der Bär von Berlin. Jahrbuch des Vereins für die Geschichte Berlins 68. (2019), S. 9. Anschließend erhielt er Zeichenunterricht an der Berliner Kunstakademie und ließ sich vermutlich als Schreiner ausbilden.
1795 eröffnete Wichmann in Berlin eine Möbelmanufaktur und fertigte Bildhauerarbeiten für einzelne Mobiliarstücke. Im Jahr darauf wurde er von der Kunstakademie zum akademischen Bildhauer ernannt. Da das Geschäft florierte, baute er 1800 den Betrieb zur Kunstwaren- und Möbelfabrik Friedrich Wichmann & Compagnie aus. 1804/05 hat das Unternehmen 150 Mitarbeiter. Hergestellt wurden Schreibsekretäre, Tische, Stühle, Uhren und ganze Zimmereinrichtungen im Stil des Klassizismus. 1804 lieferte Wichman für Graf von Schlitz gen. Görtz Dekorationsentwürfe und Mobiliar für die Hallenburg in Schlitz. Aufgrund der preußischen Niederlage 1806 gegen Napoleon im Vierten Koalitionskrieg verschlechterte sich die Lage des Unternehmens.
Friedrich Wichmann ging 1808 nach Kassel und wurde dort gewissermaßen Hoflieferant des westphälischen Königs Jérôme. Durch aus Paris importiertes Mobiliar lernte er den Empirestil kennen und entwickelte daraus eigenständige Formen. Seine bedeutendste Arbeit ist der 1810/11 für König Jérôme geschaffene Prunkschreibtisch in Schloss Wilhelmshöhe. Daneben war er auch als Bildhauer und Stuckateur tätig und dekorierte unter Jérôme in Schloss Wilhelmshöhe den Marmorsaal, den Runden Speisesaal und den Thronsaal.
Durch ausbleibende Aufträge verlor Wichmann seine Existenz und zog weiter nach Hannover, wo er Ende 1816 nachweisbar ist. Nun bezeichnete er sich als Baumeister und befasste sich mit der Konstruktion von Brennöfen für Malzdarren und Öfen zum Kochen, Backen und Heizen. Er konstruierte neuartige Ofenmodelle, die Brennmaterial einsparten. Beim Besuch des englischen Königs Georg IV. errichtet er 1821 in Hannover einen beleuchteten Tempel. 1826 starb er in Einbeck, wo er beim Wiederaufbau der abgebrannten Neustadt mithalf.Rolf Bidlingmaier: Der Bildhauer und Möbelfabrikant Friedrich Wichmann (1772–1826). Lebensstationen eines Künstlers des Klassizismus in Berlin, Kassel und Hannover. In: Der Bär von Berlin. Jahrbuch des Vereins für die Geschichte Berlins 68. (2019), S. 9–37.
Literatur Rolf Bidlingmaier: Der Bildhauer und Möbelfabrikant Friedrich Wichmann (1772–1826). Lebensstationen eines Künstlers des Klassizismus in Berlin, Kassel und Hannover. In: Der Bär von Berlin. Jahrbuch des Vereins für die Geschichte Berlins 68. (2019), S. 9–37. Rolf Bidlingmaier: Friedrich Wichmann. In: Allgemeines Künstlerlexikon (AKL). Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Bd. 116, Berlin 2022, S. 144.
Einzelnachweise
Kategorie:Kunstschreiner Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Baumeister (Deutschland) Kategorie:Geboren 1772 Kategorie:Gestorben 1826 Kategorie:Mann