Fritz Kramp (geb. 1903 in Mannheim; gest. 2. Juli 1961 in Hamburg) war ein deutscher Filmregisseur. Er wirkte maßgeblich am Aufbau der ägyptischen Filmindustrie mit und inszenierte in den 1930er-Jahren frühe Tonfilmproduktionen des Studios Misr.
Leben Kramp begann seine Karriere in der Filmwirtschaft der Weimarer Republik und arbeitete unter anderem für die UFA. Er war mehrere Jahre für die Firma Lignose Breusing tätig, einen Hersteller von Tonfilmtechnik. 1933 hielt er sich in Paris auf und realisierte dort die belgisch-niederländische Zweiversions-Produktion Jeunes Filles en liberté / Meisjes in Vrijheid. Nachdem der Film kein kommerzieller Erfolg war, kehrte Kamp 1935 nach Berlin zurück, wo er die Russin Julie Senokosnikow heiratete.
1935 wurde Kramp vom neu gegründeten Studio Misr unter Talʿat Harb in Kairo angeworben. Ursprünglich als Editor und Tontechniker vorgesehen, übernahm er gemeinsam mit dem in Berlin ausgebildeten Toningenieur Mustafa Wali den Aufbau der Tonfilmabteilung. Er führte Regie beim ersten Spielfilm des Studios, Weddad. Der Film war die größte ägyptische Filmproduktion seiner Zeit und auch das Schauspieldebüt der bekannten Sängerin Umm Kulthum. Der Film wurde als erster ägyptischer Film zu den Internationalen Filmfestspielen von Venedig eingeladen, hatte einen Kinostart in den USA und wurde in europäischen Zeitungen besprochen. Laut dem ägyptischen Filmhistoriker Ahmed al-Hadari erhielt Kramp die Regie des Films übertragen, weil er bei der Sichtung des zunächst von Ahmed Badrakhan verantworteten Filmmaterials dieses für nicht editierbar hielt und den Studioleiter davon überzeugte, ihm die Regie zu übertragen. Badrakhan kündigte daraufhin aus Protest. Kramp sprach vermutlich kein Wort Arabisch und entwickelte ein eigenes System der Kommunikation mit dem Filmteam.
Kramps zweite und letzte Regiearbeit für Studio Misr war der Historienfilm Verräter am Nil. Der 1938 veröffentlichte Film wurde 2006 in eine Liste der 100 besten ägyptischen Filme der Bibliotheca Alexandrina gewählt.
Bei Kriegsausbruch 1939 verließ Kramp Ägypten vermutlich aufgrund der Gefahr der Internierung als deutscher Staatsangehöriger. Eine Bescheinigung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda vom 28. November 1939 belegt, dass Kramp berechtigt war, für die Ufa Propagandafilme herzustellen. Während des Zweiten Weltkriegs realisierte er die Kriegswochenschauen Neues Leben in Paris (1942) und Ein Markttag in Schässburg (1943). Am 15. März 1940 beantragte er die Aufnahme in die Reichsfilmkammer, der stattgegeben wurde. Ein Feldpostbrief von 1941 weist ihn zudem als Soldaten aus.
Über Kramps berufliche Tätigkeiten nach Kriegsende ist nichts bekannt. Er starb am 2. Juli 1961 im Alter von 58 Jahren in Hamburg während der Fahrt ins Krankenhaus.
Filmografie
1932: Kavaliere vom Kurfürstendamm 1933: Jeunes Filles en liberté / Meisjes in Vrijheid 1936: Weddad (وداد) 1938: Verräter am Nil (لاشين, Lasheen) 1942: Neues Leben in Paris (Kurzfilm) 1943: Ein Markttag in Schässburg (Kurzfilm)
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Darstellender Künstler (Ägypten) Kategorie:Darstellender Künstler (Deutschland) Kategorie:Mitglied der Reichsfilmkammer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1961 Kategorie:Mann