mini|Pelagie Greef-Andriessen Pelagie Greef(f)-Andriessen (* 20. Juni 1860 in Wien; † 17. Dezember 1935 in Frankfurt am Main) war eine österreichische Opernsängerin (Sopran), die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert Erfolge feierte.
Leben Pelagie Greef-Andriessens Mutter, Marie Andriessen-von Lingke, arbeitete als Gesangsprofessorin am Wiener Konservatorium.. Abgerufen am 26. Juni 2026 Ihr Vater war der Buchhändler Ferdinand Andriessen.
Ihre musikalische Ausbildung begann im Alter von 6 Jahren mit dem Erlernen des Klavierspiels.Pelagie Sthamer-Andrießen. In: Deutsche Musik-Zeitung, Nr. 25 (1890), S. 227. Ihre ersten Gesangsunterricht erhielt sie von ihrer Mutter. Später trat sie als Gesangsschülerin in das Wiener Konservatorium ein, das sie aber bereits nach kurzer Zeit wieder verließ, um sich der Bühnentätigkeit zu widmen. Sie begann ihre Karriere zunächst als Operettensängerin. Ihr Debüt gab sie 1879 am Wiener Carl-Theater als Anna in der Operette Flotte Bursche von Franz von Suppè.Pelagie Ende-Andriessen. In: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. S. 1820. Es folgten weitere Engagements als Operettensängerin am Gärtnerplatz-Theater in München, am Stadttheater Nürnberg sowie in Köln und Dresden.
Schon bald wechselte sie jedoch in das dramatische Opernfach. Sie erhielt ein erstes Opernengagement für kleinere Partien als Altistin an der Königlichen Hofoper Berlin, wurde dort jedoch nach kurzer Zeit von Botho von Hülsen, dem Generalintendanten der Königlichen Schauspiele zu Berlin, als „talentlos“ entlassen. 1882/83 nahm sie an einer Europa-Tournee der von Angelo Neumann geleiteten wandernden Wagner-Compagnie teil. 1884 wurde sie von dem Generalintendanten Max Staegemann an das Opernhaus Leipzig verpflichtet, wo sie als Antrittsrolle die „Aida“ sang, und dort bis 1890 im Engagement verblieb. Nach erneuten Gesangsstudien bei Elisabeth Dreyschock in Leipzig wurde sie „eine der bedeutendsten dramatischen Sopranistinnen innerhalb ihrer künstlerischen Generation in Deutschland“. Im Juli 1890 verabschiedete sie sich mit der Rolle der Selika in Die Afrikanerin von ihrem Leipziger Publikum.Im Stadttheater Leipzig. In: Hallische Zeitung vom 15. Juli 1890, S. 2.
Es folgte ein Engagement am Stadttheater Köln-Bonn (1890–1893). Im September 1890 debütierte sie im Bonner Stadttheater als Leonore in Fidelio.Bonner Stadttheater. In: Bonner Zeitung vom 24. September 1890, S. 3. Ab Beginn der Spielzeit 1893/94 gehörte sie bis zum Ende der Spielzeit 1906/07 als „Erste dramatische Sängerin“ dem Solistenensemble des Opernhauses Frankfurt an. 1902 sang sie am Opernhaus Frankfurt an der Seite von Hedwig Schacko die Rolle der Dämonia in der Uraufführung der Oper Dornröschen von Engelbert Humperdinck. Am Opernhaus Frankfurt, wo sie nach ihrem Festengagement noch bis 1922 als Gast weiterhin auftrat, war sie „sehr beliebt“.
Pelagie Greef-Andriessen ging einer regen Gastspieltätigkeit nach. Ab 1885 gastierte sie gelegentlich wieder an der Berliner Hofoper, nachdem sie vorher kurzzeitig an der „Friedrich-Wilhelmstädtischen Operette“ aufgetreten war.Im Theater des Westens. In: Norddeutsche Allgemeine Zeitung vom 25. März 1900, S. 6. 1886 sang sie bei den Bayreuther Festspielen die Rolle der Brangäne in Tristan und Isolde, die „als ihre besondere Glanzrolle galt“, unter der Regie von Cosima Wagner. Im Mai 1886 debütierte sie als Elisabeth in Tannhäuser an der Wiener Hofoper, wo sie bis 1891 im Rahmen eines „constanten Gastspiel-Engagements“ vornehmlich in den Sommermonaten regelmäßig auftrat.Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg. Besetzung vom 24. Mai 1886. Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 26. Juni 2026.Lohengrin. Besetzung vom 28. August 1891. Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 26. Juni 2026.. Abgerufen am 26. Juni 2026. 1892 sang sie an der Covent Garden Opera in London die Fricka in Das Rheingold. Nachdem sie dort für eine erkrankte Kollegin als Brünnhilde in Die Walküre eingesprungen war, hatte sie an diesem Haus eine große Karriere, vornehmlich in Wagner-Rollen.
Sie gastierte am Deutschen Theater Rotterdam (1890), an der Hofoper München (1891–1897), am Hoftheater Stuttgart (1899–1900), am Hoftheater Wiesbaden (1901), am Hoftheater Karlsruhe (1901), an der Hoftheatern in Mannheim, Kassel und Weimar sowie im Jahre 1900 am Theater des Westens in Berlin. 1899 gastierte sie sehr erfolgreich als Königin von Saba in der gleichnamigem Oper von Karl Goldmark am Kölner Stadttheater, ihrer früheren Wirkungstätte.Kölner Stadttheater. In: Rheinischer Merkur vom 29. März 1899, S. 2.
Pelagie Greef-Andriessen verfügte über eine „blühend schöne[n]“, voluminöse und hochdramatische Sopranstimme, die sich „durch einen in der Höhe selten zu findenden lieblichen Wohllaut“ auszeichnete. Ihre Stimme wurde als „hoher Sopran von vorzüglichster Ausbildung und unverwüstlicher Kraft“ beschrieben. Sie beherrschte ein Repertoire von insgesamt 88 verschiedenen Rollen. Ihre größten Triumphe hatte sie in den Werken von Richard Wagner, insbesondere in den Rollen der Isolde und der Brünnhilde, mit denen sie sich an die Weltspitze sang. Sie galt als Nachfolgerin der großen Wagnersängerin Amalie Materna. Neben ihren Wagner-Auftritten glänzte sie in weiteren Hauptrollen der Musikgeschichte. Sie gehört zudem zu den ersten Sängerinnen, die ihre Stimme auf Schellackplatten aufnahmen, für die Labels „Berliner Records“ (1900–1901) und „G & T“ (1904–07).Fülle des Wohllauts. In: DER SPIEGEL vom 28. Juni 2004. Abgerufen am 26. Juni 2026. Sie gab auch privaten Gesangsunterricht; ihre wohl bedeutendste Schülerin war die dramatische Sopranistin Elsa Hensel-Schweitzer (1871–1937).
Pelagie Greef-Andriessen war dreimal verheiratet. Ihr erster Ehemann, der württembergische Ulanen-Offizier und Leutnant a. D. Jürgen Niclas (auch: Nicolaus) Sthamer (1845–1886), mit dem sie seit 1880 verheiratet war, starb infolge einer in einem Duell erlittenen Verletzung in Leipzig. Ihr einziges Kind aus dieser in Berlin geschlossenen Ehe starb im Kindesalter. Ihr zweiter Ehemann war ab November 1890 der Architekt Walther Ende (* 1864; † nach 1914).Frau Pelagie Sthamer-Andriessen. In: Hallische Zeitung vom 25. November 1890, S. 2. In dritter Ehe war sie ab 1899 bis zur Scheidung 1907 mit dem Kaufmann Arthur Greeff (1860–1937), dem jüngsten Bruder des am Opernhaus Frankfurt engagierten Bassisten Paul Greeff (1854–1923) verheiratet.
Pelagie Greef-Andriessen wohnte bis zu ihrem Tod in einem 1928 erbauten eigenen Haus in der Gagernstraße 15 im Frankfurter Ostend. Das Haus vermachte sie testamentarisch den Städtischen Bühnen Frankfurt und der Stadt Frankfurt am Main mit der Auflage, dort „Altpensionären der Städtischen Bühnen eine Wohnstätte zu schaffen.“
Rollenrepertoire (Auswahl)
Literatur Pélagie Ende-Andriessen. In: Ottmar G. Flüggen: Biographisches Bühnen-Lexikon der Deutschen Theater von Beginn der deutschen Schauspielkunst bis zur Gegenwart. Zusammengestellt von O. G. Flüggen. I. Jahrgang. A. Bruckmann’s Verlag, München 1892, S. 72. Pelagie Greeff-Andrießen. In: Ludwig Eisenbergs Großes Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlag Paul List, Leipzig 1903, S. 347. Pelagie Greeff-Andriessen. In: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte Auflage. München 2003. Band 3: Franc–Kaidanoff, S. 1820. ISBN 3-598-11419-2.
Weblinks
Pelagie-Greef-Andriessen bei Isoldes Liebestod Pelagie-Greef-Andriessen bei der Mahler Foundation (engl.) Pelagie-Greef-Andriessen bei Discogs
Pelagie-Greef-Andriessen als Senta in Der fliegende Holländer, Tondokument (1901) Pelagie-Greef-Andriessen singt Robert Schumanns Lied Widmung, Tondokument (1903)
Einzelnachweise
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