Pseudomicrophyllium ist eine 2017 beschriebene Gespenstschrecken-Gattung der Wandelnden Blätter (Phyllioidea). Eine der beiden aktuell dieser Gattung zugerechneten Arten ist ähnlich klein wie die Vertreter der Gattung Microphyllium und wie diese sind beide Pseudomicrophyllium-Arten auf der philippinischen Insel Luzon endemisch.

Merkmale Die Weibchen von Pseudomicrophyllium pusillulum erreichen 42,3 bis 47,0 mm Körperlänge. Die Weibchen von Pseudomicrophyllium geryon werden mit 62,0 bzw. 65,7 mm deutlich größer. Der am weitesten hinten liegende Dorn des Prescutums ist am ausgeprägtesten. Während bei Microphyllium-Weibchen der mittlere Dorn am größten ist. Bei Pseudomicrophyllium-Weibchen weist das dritte Segment der Fühler eine Stridulationsleiste auf, die an den Fühlern von Microphyllium-Weibchen fehlt. Die Vorderflügel (Tegmina) reichen bis zum Hinterrand des siebten Abdominalsegments. Die Hinterflügel (Alae) sind reduziert. Die Subgenitalplatte, also das achte Sternum des Abdomens bildet eine kleine Spitze, welche kaum über den Hinterrand des neunten Segments des Abdomens hinausragt. Die Gonapophysen sind lang und reichen bis zur Spitze des letzten Abdominalsegments. Die für viele Wandelnde Blätter typischen Lappen (Loben) an den Beinen sind bei den Weibchen von Pseudomicrophyllium stark reduziert. Die Schienen (Tibien) der Vorderbeine haben keine äußeren Loben und auch die inneren Loben (protibiale interiore Loben) sind stark reduziert und bilden lediglich ein kleines, proximal gelegenes Dreieck. Die inneren Loben an den Schenkeln (Femura) der Vorderbeine (profemurale interiore Loben) sind recht- bis stumpfwinklig und haben drei bis vier Zähne. Die Grundfärbung ist bei den Weibchen der beiden Arten grün. Pseudomicrophyllium pusillulum, von der auch die Lebendfärbung bekannt ist, zeigt auf den Tegmina zwei bis drei nach hinten gerichtete, graubraune, verschwommene Streifen, die Blattadern imitieren. Auch die äußeren Hinterränder der Abdominalsegmente zeigen derartige Muster.

Ein Männchen der Gattung Pseudomicrophyllium ist nur von Pseudomicrophyllium pusillulum bekannt. Es ist 27,8 mm lang und damit nur unwesentlich größer als die Männchen der Gattung Microphyllium. Seine Fühler bestehen aus 23 Segmenten, die vier bis fünf Mal so lang wie breit sind. Sie sind 20,1 mm lang und damit deutlich länger als die ausgestreckten Vorderbeine. Im Unterschied dazu sind die Fühler von Microphyllium-Männchen lediglich so lang oder kürzer als deren ausgestreckten Vorderbeine. Die breiteste Stelle des Körpers befindet sich bei ihnen nicht wie bei Microphyllium-Männchen am hinteren Rand des Metathorax, sondern am Hinterrand des vierten Abdominalsegments, wo es eine Breite von 5,9 mm hat. Bis zu diesem wird das dritte und vierte Abdomen allmählich breiter. Von dort wird das Abdomen bis zum Ende hin wieder gleichmäßig schmaler. Insgesamt wirkt das Männchen von Pseudomicrophyllium pusillulum dadurch eher wie das einer kleinen Phyllium-Art. Die Tegmina sind 8,3 mm lang und erreichen nur knapp das dritte Segment des Abdomens. Die Alae erreichen annähernd die Spritze des Abdomens. Die Loben an den Beinen sind bei Pseudomicrophyllium-Männchen stark reduziert. An den Tibien fehlen sie völlig. Die Loben der Femura der Vorderbeine sind auf einen einzigen distalen Dorn auf der Innenseite (profemurale interiore Loben) reduziert.

Verbreitung Das bisher bekannte Verbreitungsgebiet der Gattung Pseudomicrophyllium beschränkt sich, wie das der Gattung Microphyllium auf die philippinischen Insel Luzon. Die Fundorte von Pseudomicrophyllium pusillulum befinden sich im nördlichen und zentralen Teil Luzons, genauer in Banaue in der Provinz Ifugao, in Imugan in der Provinz Nueva Vizcaya und am Mount Barlig in der Mountain Province. Der Fundort des weiblichen Holotypus von Pseudomicrophyllium geryon ist lediglich mit Philippinen angegeben. Ein weiteres Weibchen wurde 2017 in Dingalan in der Provinz Aurora gesammelt. Der Fundort liegt damit deutlich südlicher als die von Pseudomicrophyllium pusillulum.

Systematik Royce T. Cumming beschrieb 2017 die Gattung und deren Typusart Pseudomicrophyllium faulkneri anhand eines einzelnen Männchens. Cumming ermöglichte die molekulargenetischen Untersuchung dieses als Holotyp hinterlegten Tieres, für die dessen linkes Hinterbein verwendet wurde. Die 2021 von Sarah Bank et al. veröffentlichten Ergebnisse zeigten, dass dieses Tier konspezifisch mit dem bis dato nur von Weibchen bekannten Microphyllium pusillulum ist, von dem ebenfalls eine Probe untersucht wurde. Folgerichtig wurde Pseudomicrophyllium faulkneri mit der älteren Art synonymisiert, die gleichzeitig als Pseudomicrophyllium pusillulum in die Gattung Pseudomicrophyllium überführt wurde. Diese Art war bereits 1934 von James Abram Garfield Rehn und seinem Sohn John William Holman Rehn als Phyllium pusillulum beschrieben worden. Frank H. Hennemann et al. hatten sie 2009 nach einem Vergleich mit den Paratypen von Microphyllium spinithorax, zwei weiblichen Nymphen in den Stadien L4 und L5, in die Gattung Microphyllium überstellt. Bereits kurze Zeit nach der Synonymisierung von Pseudomicrophyllium faulkneri beschrieben Cumming et al. mit Cryptophyllium faulkneri eine weitere, gültige Art der Wandelnden Blätter mit demselben Artzusatz, was bei der Nennung von Pseudomicrophyllium faulkneri für Verwirrung sorgen kann. Die Ergebnisse von Bank et al. zeigten außerdem, dass es eine weitere Art in der Gattung Pseudomicrophyllium gibt, nämlich das schon 1843 von George Robert Gray beschriebene Phyllium geryon. Diese Art wurde seit ihrer Beschreibung immer in der Gattung Phyllium und seit 2001 in deren Typusuntergattung Phyllium geführt. Während Hennemann et al. sie 2009 in die nähere Verwandtschaft von Phyllium siccifolium, genauer in die Siccifolium-Artengruppe stellten, vermuteten Rehn und Rehn schon 1934, dass Phyllium geryon eng mit Pyllium pusillulum verwandt sei, was schließlich bestätigt wurde.

Die Gattung Pseudomicrophyllium umfasst derzeit damit nur die beiden folgenden Arten: Pseudomicrophyllium geryon (, 1843) Pseudomicrophyllium pusillulum ( & , 1934) – Typusart (als Pseudomicrophyllium faulkneri , 2017)

Der Name „Pseudomicrophyllium“ bedeutet „falsches (sehr) kleines Blatt“ und setzt sich aus dem latinisierten Namen Phyllium (vom (phyllon, -oy) + -um) für „Blatt“ und dem ersten Präfix „Micro“ für „klein“ oder „sehr klein“ zusammen, was den Namen der Gattung Microphyllium bildet. Davor wurde das Präfix „Pseudo-“ vom griechischen „pseudes“ für „falsch“ gestellt, da der aus Cummings Sammlung stammende Holotypus der Typusart aufgrund seiner Größe und Ähnlichkeiten von ihm jahrelang lediglich für eine neue Microphyllium-Art gehalten wurde und erst bei genauerer Untersuchung als neue Gattung erkannt wurde. Wie Phyllium und Microphyllium ist auch Pseudomicrophyllium sächlich.

Neben der Klärung der zu Pseudomicrophyllium gehörigen Arten und Synonyme zeigte die Arbeit von Bank et al. über die Phylogenese und historische Biogeographie der Wandelnden Blätter, auch die Verwandtschaft der zu diesen gehörigen Gattungen. Pseudomicrophyllium erwies sich als Schwestergattung von Microphyllium. Diese beiden Gattungen bilden eine Klade mit Pulchriphyllium, in deren nächst höherer Ebene die Gattung Phyllium eingeschlossen wird (Siehe auch Kladogramm der Phylliidae).

Weblinks

Einzelnachweise Paul D. Brock, Thies H. Büscher & Edward W. Baker: Pseudomicrophyllium in the Phasmida Species File Online. (abgerufen am 10. Juni 2026)

(Pseudo) Microphyllium pusillulum auf Phasmatodea.com von Oskar V. Conle, Frank H. Hennemann, Pablo Valero Riquelme & Bruno Kneubühler

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