Constantin Terechkovitch (; in Frankreich auch Konstantin Andreevič Terechkovitch; Spitzname Kostja; alternative Schreibweisen: Tereškovič, Tereschkowitsch, Téréchkovitch; * 14. Mai 1902 in Meščerskoe, Gouvernement Moskau; † 13. Juni 1978 in Roquebrune-Cap-Martin) war ein russisch-französischer Maler, Grafiker, Lithograf, Buchillustrator und Dekorationskünstler.
Leben
Herkunft und Ausbildung in Russland Constantin Terechkovitch entstammte einer jüdischen Familie. Ab 1911 besuchte er ein Kunstatelier für Kinder unter der Leitung von Konstantin Fedorovič Juon, Il'ja Ivanovič Maškov und Fjodor Iwanowitsch Rerberg in Moskau. 1917 immatrikulierte er sich an der Freien Schule für Malerei, Bildhauerei und Baukunst (MUŽVZ) in Moskau, wo er bei Pawel Warfolomejewitsch Kusnezow studierte.
Bürgerkrieg und Emigration Nach der Oktoberrevolution 1917 meldete sich Terechkovitch freiwillig als Sanitäter zur Roten Armee. Die Wirren des russischen Bürgerkrieges führten ihn über Sibirien, die Ukraine, den Kaukasus und die Krim nach Konstantinopel, wo er zwei Jahre als Stallbursche bei der englischen Kavallerie verbrachte. Im Sommer 1920 erreichte er als blinder Passagier an Bord eines Schiffes Marseille und reiste ohne Papiere und Geldmittel weiter nach Paris.
Paris und erste Netzwerke In Paris knüpfte Terechkovitch Kontakte zu anderen russischstämmigen Künstlern, darunter Chaïm Soutine, Pinchus Krémègne und André Lanskoy, sowie zu französischen Künstlern. Er schloss Freundschaft mit dem Publizisten und Kunstkritiker Sergej Romov, der ihn finanziell unterstützte. Seine Weiterbildung erfolgte an der Académie Colarossi und der Académie de la Grande Chaumière. 1922 reiste er gemeinsam mit dem Dichter und Künstler Boris Julianovič Poplavskij (1903–1935) nach Berlin, wo er Kontakte zu weiteren Künstlern aus Russland knüpfte, darunter Voldemar Boberman, Philippe Hosiasson und Léon Zack; gemeinsam stellten sie im Januar 1923 aus. Nach seiner Rückkehr nach Paris vermittelte ihm Soutine Kontakte zu dem Sammler und Kunsthändler Leopold Zborowski sowie der Mäzenin Madeleine Castaing.
Karriere in Paris Ab 1925 stellte Terechkovitch regelmäßig im Salon d'Automne, im Salon des Tuileries und gelegentlich im Salon des Indépendants aus. Der Galerist Charles-Auguste Girard nahm ihn unter Vertrag. 1933 gestaltete er gemeinsam mit Eugène Lourié Bühnenbild und Kostüme für das Ballett Choreartium der Ballets Russes de Monte Carlo unter Colonel de Basil.
Zweiter Weltkrieg Von 1939 bis 1940 diente Terechkovitch in der Légion étrangère. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs zog er mit seiner Familie zunächst nach Avallon, dann nach Saint-Tropez, wo er Kontakte zu André Dunoyer de Segonzac und Pierre Bonnard unterhielt. 1942 erhielt er die französische Staatsbürgerschaft und kehrte nach Paris zurück.
Nachkriegszeit Nach dem Krieg erwarb Terechkovitch ein Haus mit Atelier in Montparnasse. Gemeinsam mit sieben anderen Künstlern, darunter Maurice Brianchon und Raymond Legueult, gründete er die Künstlergruppe Les peintres de la Réalité poétique. 1951 wurde er mit dem Titel Chevalier de la Légion d’honneur ausgezeichnet. Er verstarb am 13. Juni 1978 in Roquebrune-Cap-Martin.
Werk
Malerei Constantin Terechkovitch blieb zeitlebens der figurativen Malerei verbunden. Anfänglich durchlief er eine kurze expressive Phase mit Zügen der naiven Malerei (Paysage, 1922; Le Facteur d'Avallon, 1926, beide Öl/Leinwand). Später wandte er sich dem lyrischen Impressionismus zu, dem er farbfreudig verbunden blieb. Sein Motivspektrum umfasste Landschaften, Stadtszenen, Meeresszenen sowie Interieurs und Gartenansichten; seine Ehefrau und seine beiden Töchter dienten ihm häufig als Modelle (Jeune femme en manteau de fourrure, Öl/Leinwand, um 1959). Besondere Anerkennung fanden seine Porträts, darunter Bildnisse von Chaïm Soutine (1933), der Tänzerin Tatiana Riabouchinska (um 1933), Pierre Bonnard (1941), André Dunoyer de Segonzac (1941), André Derain (1943) und der Tänzerin Ethery Pagava in Les Forains (1945–46, alle Öl/Leinwand).
Druckgrafik und Buchillustration In den 1950er Jahren wandte sich Terechkovitch verstärkt der Druckgrafik, insbesondere der Lithografie, sowie der Buchillustration zu. Illustrierte Werke umfassen u. a.: Lev Tolstoj, Chadži Murat (1955); Colette, La Treille muscate (1961); François Piétri, Les Princes du sang (1962); Guy de Maupassant, Bel-Ami (1969).
Kunsthandwerk und Dekorationskunst Terechkovitch entwarf Wandteppiche und Gobelins für die Manufakturen Aubusson und Beauvais, bemalte Keramik und Möbel und schuf Dekorationsentwürfe für weitere Gebrauchsgegenstände.
Literatur
André Dunoyer de Segonzac, Jean-Paul Crespelle: Paintings by Constantin Terechkovitch. New York 1961. D. Severjuchin, O. Lejkind: Zolotoj vek chudožestvennych ob'edinenij v Rossii i SSSR. Sankt Petersburg 1994. Florent Fels: Terechkovitch. Éditions Le Triangle, Paris 1928. France Terechkovitch: Terechkovitch lithographe. La Bibliothèque des Arts, Lausanne 2010. Georges Vigne: Terechkovitch. Paris 1972. Gisèle d'Assailly: Avec les peintres de la Réalité poétique. Paris 1949. Jean Delarge: Dictionnaire des arts plastiques modernes et contemporains. Gründ, Paris 2001. Jean-Paul Crespelle: Montparnasse vivant. Hachette, Paris 1962. Jean-Paul Crespelle: Terechkovitch. Pierre Cailler, Genf 1958. Lydia Harambourg: L'École de Paris 1945–1965. Dictionnaire des peintres. Ides et Calendes, Neuchâtel 1993. Louis Chéronnet: Kostia Terechkovitch. Éditions Sequana, Paris 1943. Maurice Raynal: Anthologie de la peinture en France de 1906 à nos jours. Paris 1927. Maximilien Gauthier: Constantin Terechkovitch. Pierre Cailler, Genf 1948. O. Lejkind, K. Machrov, D. Severjuchin: Chudožniki russkogo zarubež'ja. Sankt Petersburg 1999. Paul Morand, Claude Roger-Marx, François Daulte: Les peintres de la Réalité poétique. La Bibliothèque des Arts, Lausanne/Paris 1994. Philippe-Alexandre Pierre: Constantin Terechkovitch, lithographe du bonheur de vivre. In: Nouvelles de l’estampe, Nr. 234, 2011. René Édouard-Joseph: Dictionnaire biographique des artistes contemporains. Band 3. Art & Édition, Paris 1934. René Huyghe, Jean Rudel: L'art et le monde moderne. Larousse, Paris 1970. Werner Lange: Les artistes en France sous l'Occupation. Paris 2015. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 13: Sommer – Valverane. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
Weblinks
LKG Gallery MutualArt
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Maler (Russland) Kategorie:Grafiker (Frankreich) Kategorie:Lithograf (Frankreich) Kategorie:Russischer Emigrant in Frankreich Kategorie:Geboren 1902 Kategorie:Gestorben 1978 Kategorie:Franzose Kategorie:Russe Kategorie:Mann