Diese Liste enthält Filme aus RGW-Staaten, die von 1953 bis 1967 in der Bundesrepublik Deutschland nicht oder nur eingeschränkt zugelassen wurden.

Geschichte 1953 wurde ein Interministerieller Ausschuß für Ost-West-Filmfragen durch das Innenministerium gegründet, der alle in der Bundesrepublik und West-Berlin zu zeigenden Filme aus Ostblockstaaten vorher genehmigen sollte. Diese Überprüfung musste durch den Verleiher oder den Veranstalter vorher beantragt werden. Die Absicht war es, kommunistische Propaganda zu unterbinden. Die. angebliche Rechtsgrundlage war die Einfuhrkontrolle ausländischer Waren, die aber fragwürdig war, da eine Zensur nach dem Grundgesetz von 1949 eigentlich nicht zulässig war.Zensur von DEFA-Filmen in der Bundesrepublik bpd, zu Anmerkung 5

Der Ausschuss prüfte über 3180 Filme zwischen 1954 und 1966, von denen etwa 130 ganz verboten oder nur in einem beschränkten Rahmen bei Filmfestivals oder in Filmklubs zugelassen wurden.Zensur von DEFA-Filmen in der Bundesrepublik bpb, zu Anmerkung 4 Mehrfach betroffen waren davon Filme, die bei den Dokumentarfilmwochen in Mannheim und bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen gezeigt werden sollten, und deren Verbote auch in westdeutschen Zeitungen ausführlich besprochen wurden.Andreas Kötzing, Der Club der Filmschaffenden und die Beteiligung der DEFA bei der Mannheimer Filmwoche 1959/1960, in Michael Wedel et al. (Hrsg.), DEFA International. Grenzüberschreitende Filmbeziehungen vor und nach dem Mauerfall, Springer VS, Wiesbaden 2019, hier S. 369–384 (identischer Text in ders., Kultur- und Filmpolitik im Kalten Krieg, Göttingen, 2013, S. 123ff.); mit detaillierter Darstellung über die Verbote von DEFA-Filmen 1959 und 1960

1967 wurde der Ausschuss unter der ersten CDU/SPD-Koalition auch auf Grund des zunehmenden Unverständnisses über diese rechtswidrige Praxis in der westdeutschen Öffentlichkeit stillschweigend aufgelöst. 1972 entschied das Bundesverfassungsgericht das Verbot des Filmes Der lachende Mann von 1965 für verfassungswidrig.

Verbotsgründe Die wichtigsten Gründe für die Verbote waren kommunistische Propaganda sowie eine zu positive Darstellung der DDR und anderer Ostblockstaaten und ihrer Institutionen, die man nicht in den Kinos der Bundesrepublik sehen wollte.Zensur von DEFA-Filmen in der Bundesrepublik bpd, mit einigen Beispielen Dabei waren offensichtliche Propagandafilme wie Ernst Thälmann. Sohn seiner Klasse (1954) selten, da der Ausschuss nur Filme prüfte, die ein westdeutscher Veranstalter zeigen wollte, und so fehlten die meisten der extrem einseitigen Produktionen aus diesen Ländern.

Besonders empfindlich reagierte der Ausschuss auf Filme, die die Bundesrepublik und deren Vertreter attackierten und verunglimpften, wie der TV-Politkrimi Tote reden nicht (1963), der westdeutsche Gerichte als parteiisch und von politischen Weisungen abhängig darstellte. Ebenfalls unerwünscht waren die indirekte Gleichsetzung von Strukturen der NS-Zeit und der Bundesrepublik, sowie die Thematisierung der Karrieren ehemaliger nationalsozialistischer Verantwortlicher dort nach 1945, wie in Ein Tagebuch für Anne Frank (1959).

Viele Entscheidungen erscheinen aus heutiger Sicht übertrieben und unverständlich.Zensur von DEFA-Filmen in der Bundesrepublik bpd, Kapitel 4, mit einigen Beispielen So mussten aus dem Tierfilm Das Wüstenschiff (1959) eine kurze Erwähnung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) herausgeschnitten werden, bevor dieser freigegeben wurde. Bei einigen Landschafts-Dokumentarfilmen wie Die Wartburg (1954), Unser Erzgebirge (1955) und Vogelzugforschung auf Hiddensee (1954) wurden keine schriftlichen Zensurbegründungen gegeben. Der ambitionierte Studentenabschlussfilm Martins Tagebuch (1956) von Heiner Carow wurde nur für eine Festivalaufführung zugelassen, da er den falschen Eindruck vermittle, dass die Schulen in der Sowjetzone zu Anstand und Moral erzögen und darin dem westdeutschen Bildungssystem gleichzusetzen seien. Auch Träumt für morgen (1956) über spielende Kinder auf einem Ost-Berliner Hinterhof erhielt keine Genehmigung.

Auch einige Märchenfilme waren betroffen, wie Das tapfere Schneiderlein (1956), wo der König am Ende abgesetzt wird und der Schneider eine Magd heiratet.Zensur von DEFA-Filmen in der Bundesrepublik bpd, zu Anmerkung 13, bezeichnete diese Entscheidung als skurril (erwähnte auch den Artikel Das marxistische Schneiderlein, in Die Zeit, 1957) Ähnliches galt für die tschechoslowakischen Märchenfilme Der Kaiser und sein Bäcker (1952) und Der König mit den Eselsohren (1951). Auch mehrere Trickfilme erhielten keine oder nur eine verzögerte Zulassung, wie der unpolitische tschechoslowakische Kinderfilm Das verlorene Püppchen (1959), der für die Zensoren offenbar pädagogisch bedenkliche Szenen enthielt, oder der Aufklärungsfilm Zündhölzer (1964), der zeigt, wie Brände entstehen können. Von derselben Trickfilmerin war auch der Zeichentrickfilm Die Musici (1963), in dem Hausmusikanten von einem NATO-Panzer getötet werden.

DDR Es wurden 107 von beantragten 635 DDR-Filmen zwischen 1954 und 1966 durch den Ausschuss nicht oder nur eingeschränkt zugelassen, bei einigen erfolgte einige Zeit später noch eine Zulassung.Zensierte Filme Filmzensur Ost-West, mit 105 verbotenen oder nur eingeschränkt zugelassenen DDR-Filmen; sowie allen zugelassenen Filmen, mit z. T. ausführlichen Begründungen Es sind alle beschränkten Filme angegeben, sortiert nach dem Erstaufführungs- bzw. Aufführungsjahr.

Spielfilme Ent.-Jahr Titel Regisseur Bemerkungen 1948Die seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B. Wolfgang Staudte 1950 Der Rat der Götter Kurt Maetzig über Verantwortliche in der NS-Zeit 1950 Semmelweis – Retter der Mütter Georg C. Klaren 1951 Der Untertan Wolfgang Staudte nach dem Roman von Heinrich Mann; 1955 nur für Filmklubs zugelassen, 1956 in gekürzter Fassung mit veränderter Einleitung allgemein zugelassen 1951 Die Sonnenbrucks Georg C. Klaren 1951 Corinna Schmidt Arthur Pohl 1953 Die Unbesiegbaren Arthur Pohl 1954 Kein Hüsung Arthur Pohl 1954 Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse Kurt Maetzig biographischer Film 1954 Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse Kurt Maetzig 1954 Stärker als die Nacht Slatan Dudow 1955 Robert Mayer – Der Arzt aus Heilbronn Helmut Spieß 1956 Besondere Kennzeichen: keine Joachim Kunert 1956 Zwischenfall in Benderath János Veiczi 1956 Ein Polterabend Curt Bois Komödie 1956 Genesung Konrad Wolf 1956 Junges Gemüse Günter Reisch 1956 Thomas Müntzer – Ein Film deutscher Geschichte Martin Hellberg fünfmal verboten, 1965 erlaubt 1956 Das tapfere Schneiderlein Helmut SpießMärchenfilm mit verändertem Schluss, 1957 verboten, 1958 zugelassen 1956 Der Teufelskreis Carl Ballhaus über den Reichstagsbrand 1933 1956 Martins TagebuchHeiner Carow Hochschuldiplomfilm, über einen Problemschüler in einer Klasse, nur für Kurzfilmtage Oberhausen zugelassen, da der Film den falschen Eindruck erwecke, dass es in der DDR eine Erziehung zu Moral und Anstand gebe 1957 Sheriff Teddy Heiner Carow Spielfilm über einen Jungen 1957 Fridericus Rex – Elfter Teil Frank Beyer 1956 Berlin – Ecke Schönhauser Gerhard Klein über unangepasste Jugendliche, bis 1964 sechsmal verboten, auch in gekürzter Fassung, wegen zu negativer Darstellung über Westdeutschland 1957 Betrogen bis zum jüngsten Tag Kurt Jung-Alsen 1959 Sie nannten ihn Amigo Heiner Carow 1960 Der Fall Haarmann Wolfgang Luderer TV-Krimi, über den historischen Serienmörder 1961 Professor Mamlock Konrad Wolf nach Roman von Friedrich Wolf 1961 Der Fall Gleiwitz Gerhard Klein 1961 Septemberliebe Kurt Maetzig 1962 Auf der Flucht erschossen Wolfgang Luderer TV-Krimi, über einen authentischen Fall in Westdeutschland 1962 … und deine Liebe auch Frank Vogel erster DDR-Spielfilm, der den Mauerbau thematisierte 1962 Königskinder Frank Beyer 1962 Auf der Sonnenseite Ralf Kirsten 1962 Tote reden nicht Helmut Krätzig zweiteiliger TV-Politkrimi in Hamburg, mit propagandistischer Ausrichtung 1962 Ach, du fröhliche … Günter Reisch 1963 Nackt unter Wölfen, Frank Beyer nach dem Roman über das KZ Buchenwald 1963 Geheimnis der 17 Rolf Losansky Kinderfilm 1965 Solange Leben in mir ist Günter Reisch über Karl Liebknecht

Theateraufzeichnungen Ent.-Jahr Titel Autor Regisseur Bemerkungen 1958 Die Mutter Maxim Gorki Manfred Wekwerth 1960 Mutter Courage und ihre Kinder Bertolt Brecht Peter Palitzsch, Manfred Wekwerth 1961 Das Rabauken-Kabarett Werner W. Wallroth

Dokumentarfilme