Samuel („Sam“) Rabin (20. Juni 1903 in Manchester als Samuel Rabinovitch; † 20. Dezember 1991 in Poole) war ein britischer Bildhauer, Ringer, Boxer, Sänger und Kunstlehrer. Bei den Olympischen Sommerspielen 1928 gewann er eine Bronzemedaille im Freistilringen (Mittelgewicht).Eintrag im Oxford Dictionary of National Biography
Biografie
Familie und frühes Leben Rabin, der jüdischer Herkunft warTaylor: Jews and the Olympic Games, 2004, S. 240., wurde am 20. Juni 1903 in der Dewhurst Street in Cheetham im Norden von Manchester, als Samuel Rabinovitch geboren. Er war der Sohn von Jacob Rabinovitch (1872–1962) und Sarah Rabinovitch (geb. Kraselschikow, 1879–1961), beide jüdische Exilanten aus dem russischen Zarenreich, die aus Wizebsk (heute in Belarus) stammten. Sein Vater war Hutmacher und später Großhändler für Hutwaren, seine Mutter arbeitete als Schmuckmonteurin.
In seiner Kindheit zog die Familie nach Salford, wo Rabin aufwuchs. Die Eltern förderten sein Zeichentalent und 1914 erhielt er ein Stipendium für die Manchester Municipal School of Art. Er war damit im Alter von elf Jahren der jüngste Schüler, der jemals diese Schule besucht hatte. Dort wurde er vom französischen Künstler Pierre Adolphe Valette im Zeichnen unterrichtet. 1921 wechselte Rabin an die Slade School of Fine Art in London, wo er bis 1924 sein Studium bei Henry Tonks fortsetzte. Nach dem Abschluss bildete er sich in Paris weiter, wo er den Bildhauer Charles Despiau kennenlernte, der ihn tief beeindruckte und prägte.
Rabin heiratete um 1935 Ida Lily Shuster, doch die Ehe wurde geschieden. 1956 heiratete er Frances Kaye (geb. Lucienne Karpeles, 1917–1988). Das Paar hatte einen Sohn namens David, der 1960 geboren wurde.
Bildhauer mini|West Wind an der Fassade von 55 Broadway (Hauptsitz von London Underground) Rabins eigene Skulpturen aus dieser Zeit sind kaum bekannt, da er ein Perfektionist war und Werke zerstörte, die er als unbefriedigend empfand. Im Jahr 1928 erhielt er unter seinem vollständigen Nachnamen den Auftrag des Architekten Charles Holden, die Skulptur West Wind zu schaffen, eine von acht Personifikationen der vier Winde für den Hauptsitz der Underground Electric Railways Company of London (heute London Underground) am 55 Broadway. Die übrigen beteiligten Künstler waren Jacob Epstein, Henry Moore, Eric Gill, Eric Aumonier, Allan Wyon and Alfred Gerrard.
Die Skulptur wurde teilweise direkt vor Ort am Gebäude fertiggestellt. 1930 schuf er seine einzigen weiteren öffentlichen Skulpturen: zwei dekorative geflügelte Masken, The Past und The Future, für das Gebäude des Daily Telegraph in der Fleet Street. Diese wurden direkt vom Gerüst aus am Gebäude geschnitzt.Ward-Jackson: Public Sculpture of the City of London. 2003, S. 137–138.
Sportler Beide Aufträge wurden damals positiv aufgenommenSculpture For The "Underground. In: The Times, S. 16, 5. April 1929., doch er konnte als Bildhauer seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten und schlug eine andere Laufbahn ein – das Freistilringen, wofür er seinen Nachnamen von Rabinovitch zu Rabin verkürzte. Rabin war körperlich stark und hatte als Amateur geboxt und gerungen. Er nahm an den Olympischen Sommerspielen 1928 in Amsterdam teil. Dort gewann er im Mittelgewichts-Wettbewerb (bis 79 kg) die Bronzemedaille, hinter dem Schweizer Ernst Kyburz und dem Kanadier Donald Stockton.
1932 wurde Rabin Profisportler, um seine Kunst zu finanzieren. Unter den Namen Rabin the Cat und Sam Radnor the Hebrew Jew trat er zu Veranstaltungen in ganz Großbritannien an. Alexander Korda besetzte ihn in den Filmen Das Privatleben Heinrichs VIII. (1933) als Ringer und in Die scharlachrote Blume als Profiboxer.
Sänger Während des Zweiten Weltkriegs unterhielt Rabin die Truppen, indem er in Lagern der britischen Armee sang. Nach Kriegsende trat er regelmäßig in der BBC-Radiosendung Time for Music mit den London Studio Players auf. Später gab Rabin das Singen und die Bildhauerei auf, um sich ganz auf die Zeichenkunst zu konzentrieren, wobei der Boxring und seine Figuren das Thema der meisten seiner Werke bildeten.
Obwohl Rabin keinerlei formale musikalische Ausbildung genossen hatte, war er ein begabter Bariton und trat in den 1940er Jahren professionell als Sänger bei Stars in Battledress auf; außerdem sang er Opernarien mit der Classical Music Group der Armee. 1946 sprach er beim Dirigenten der Mailänder Scala, Victor de Sabata, vor.
Kunstlehrer 1949 begann Rabin an der Goldsmiths School of Art in London Zeichnen zu unterrichten. Während seiner Zeit dort konzentrierte er sich auf das, was später sein bekanntestes und wohl am meisten bewundertes Thema werden sollte, das Zeichnen und Malen von Boxern. Sein disziplinierter Unterrichtsstil, der auch die Anfertigung von Vorführarbeiten umfasste, orientierte sich an dem seines eigenen Lehrers Valette. Zu seinen Schülern gehörten Mary Quant, Bridget Riley und Tom Keating. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die Lehrmethoden verließ er 1965 das Goldsmiths College.
Rabin unterrichtete bis 1985 am Bournemouth College of Art und anschließend bis kurz vor seinem Tod am Poole Art Centre. Er starb am 20. Dezember 1991 in Poole, und am 18. Januar 1992 fand in der St. Osmund’s Church in Parkstone, Dorset, eine private Trauerfeier statt.Obituaries. In: The Daily Telegraph, S. 18, 27. Dezember 1991.
Werke Nur wenige Werke Rabins aus der Zeit vor seiner Tätigkeit an der Goldsmiths School überstanden seine eigene kritische Vernichtung und eine versehentliche Zerstörung durch eine Vermieterin während des Krieges. Ein Großteil der erhaltenen Arbeiten besteht aus Figurenstudien, die er als Vorführungen für Studenten angefertigt hatte, sowie farbigen Boxszenen, die mit dick aufgetragenen, selbst hergestellten Wachsmalstiften entstanden sind. Rabin stellte selten aus, hatte jedoch 1985/86 eine Retrospektive in der Dulwich Picture Gallery. Er stellte außerdem im Februar und März 1986 in der Southampton City Art Gallery und vom im April und Mai 1986 in der Salford Art Gallery aus.
Zu den Orten, an denen seine Werke zu finden sind, gehören das British Museum, die Government Art Collection und das Musée National du Sport in Paris.
Literatur
Weblinks
Kurzbiografie (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Sänger Kategorie:Kunstlehrer Kategorie:Hochschullehrer (Goldsmiths, University of London) Kategorie:Boxer (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Ringer (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Olympiateilnehmer (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1928 Kategorie:Brite Kategorie:Engländer Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1991 Kategorie:Mann