Ein Siebenmonatskind (lateinisch de septimestri partu; altgriechisch Περὶ ἑπταμήνου – peri heptamenu; englisch seven months’ child) ist ursprünglich ein Kind, das nach etwa sieben Monaten Schwangerschaft lebend geboren wird. Das Wort beschreibt somit ein Frühgeborenes des siebten Schwangerschaftsmonats.Gerhard Wahrig: Deutsches Wörterbuch mit einem „Lexikon der deutschen Sprachlehre.“ Herausgegeben in Zusammenarbeit mit zahlreichen Wissenschaftlern und anderen Fachleuten. Jubiläumsausgabe, Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh / München 1991, ISBN 3-570-03648-0, S. 1179. Die Fachbegriffe Foetus [korrekt: Fetus] septimestris und Partus septimestris (lateinisch: septem = sieben, -mestris = -monatig) bezeichneten früher „eine siebenmonatliche Frucht, eine sieben Monat[e] nach der Zeugung geborene [menschliche] Frucht.“Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Wörterbuch. 3. Auflage. Deuerlich- und Dieterichsche Buchhandlung, Göttingen 1844, S. 945. Digitalisat der Ausgabe von 1844, Internet Archive
In der modernen Medizin wird stattdessen die Schwangerschaftsdauer zumeist in vollendeten Tagen, Wochen oder Monaten nach dem ersten Tag der letzten Menstruation (lateinisch: menstruus = monatlich) angegeben. Heute spricht man in der Geburtshilfe allgemein (auf Seiten der Mutter: ) von einer Frühgeburt und (auf Seiten des Kindes: ) von einem Frühgeborenen. Die tatsächliche (echte) Schwangerschaftsdauer ist die Zeitspanne ab der Befruchtung.
Zweitbedeutung Daneben existiert eine scherzhafte oder volkstümliche Nebenbedeutung. Danach ist ein Siebenmonatskind ein Baby, das sieben Monate nach der Eheschließung seiner Eltern geboren wird und daher als bereits vor der Hochzeit gezeugt gilt. Das Deutsche Wörterbuch von Karl-Dieter Bünting definiert es „scherzhaft [als] Kind oder Person, das/die sieben Monate nach der Eheschließung seiner Eltern geboren wird/wurde.“Karl-Dieter Bünting, Ramona Karatas (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. – Mit der neuen Rechtschreibung. Isis Verlag, Chur / Schweiz 1996, ISBN 3-8299-0197-6, ISBN 978-3-8299-0197-0, S. 1067.
Diese Verwendung steht im Zusammenhang mit der früher verbreiteten Redensart: „Das erste Kind kommt nach sieben Monaten, die anderen nach neun.“ Sie spielt auf eine voreheliche Empfängnis an. Früher sprach man hier auch von unechten Siebenmonatskindern.Hermann Grensemann (Hrsg.): Hippokrates Über Achtmonatskinder / Über das Siebenmonatskind (unecht). Akademie-Verlag, Berlin 1968 (= Corpus Medicorum Graecorum. Band I 2,1).Richard Rudolf Walzer: Galens Schrift „Über die Siebenmonatskinder“. In: Rivista degli Studi Orientali. Band 15, 1935, S. 323 ff. - La Rivista degli Studi Orientali (RSO) è una pubblicazione orientalistica dell'Università di Roma (Università di Roma, La Sapienza).
Mit dem Ausbleiben der erwarteten Regelblutung beginnt der zweite Schwangerschaftsmonat als Zeitintervall für die Suche nach einem geeigneteren Partner, der die Lüge vom Siebenmonatskind akzeptiert. Bei einer Verbindung mit dem tatsächlichen Kindsvater wird nach der Entbindung dagegen die Umgebung entsprechend getäuscht.
Soziologie In der Literatur findet sich mitunter folgendes Motiv: Eine Frau wird verführt, geschwängert oder vergewaltigt. Der biologische Vater ist moralisch minderwertig, gewalttätig oder abwesend. Ein anderer Mann übernimmt die soziale Vaterschaft oder heiratet die Frau. Das Kind erhält dadurch Legitimität und Schutz.
Der bekannteste Sonderfall ist hier die unbefleckte Empfängnis in der biblischen Geschichte von Maria und Josef als Heilige Familie. Zwar liegt keine Vergewaltigung vor, aber Josef ist nicht der biologische Vater von Jesus. Er übernimmt trotzdem die soziale und rechtliche Vaterrolle. Dieses alttestamentarische Motiv des „guten Mannes, der ein fremdes Kind annimmt“, wurde später oft literarisch verarbeitet.
In den 1970er Jahren wurden häufig Blutgruppen untersucht. Dabei konnte man Vaterschaften nur ausschließen, aber nicht sicher beweisen. Aus solchen Daten wurden in Reihenuntersuchungen teilweise Nichtvaterschaftsraten von 10 bis 15 % oder sogar von 20 bis 30 % geschätzt. Das heißt, etwa jeder fünfte Mensch ist nicht Kind seiner Eltern.
Geschichte Seit der Antike wurde dem Siebenmonatskind eine besondere Lebensfähigkeit zugeschrieben. Noch bis ins 19. Jahrhundert war die Auffassung verbreitet, dass im siebten Schwangerschaftsmonat geborene Kinder bessere Überlebenschancen hätten als sogenannte Achtmonatskinder oder Neunmonatskinder. Diese Annahme gilt heute als widerlegt; nach heutigem medizinischem Wissen nehmen die Überlebenschancen mit zunehmender Schwangerschaftsdauer im Allgemeinen kontinuierlich zu.
Das Deutsche Wörterbuch definierte den Begriff 1901 wie folgt: „siebenmonatskind, neutrum: ein von der mutter nur sieben monate getragenes kind, niederdeutsch sëwemonâtskind Frischbier 2, 340ᵇ, vergleiche: wiewol es naturlich ist, das die weiber zun zeiten gleichwol sollten im sibenden monat geperen, auch die kaiserlichen recht vermögen, das ain ieder eheman ain solche gepurt als legitimam annemen musz. Zimm. chron.² 1, 181, 11 Barack.“Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lieferung 5 (1901), Band X,I (1905), Spalte 815, Zeile 35. – Gemeint waren Hermann Frischbier: Preußisches Wörterbuch, 2 Bände, Königsberg 1882/83, 2. Band, S. 340 (), und die Zimmerische Chronik, 2. Ausgabe, von Karl August Barack (Hrsg.), Band 1, Seite 181, Zeile 11.Anmerkung: Man könnte den letzten Satz ins heutige Deutsch übersetzen als: „Auch das kaiserliche Recht bestimmt, dass jeder Ehemann eine solche Geburt als ehelich (legitim) anerkennen muss.“ Gemeint war das Recht des Heiligen Römischen Reiches, also das aus dem Römischen Recht übernommene gemeine Recht (ius commune). Die Zimmerische Chronik erschien im 16. Jahrhundert.
Die Verlaufskurve des Digitalen Wörterbuches der deutschen Sprache für die Häufigkeit des Gebrauches des Wortes Siebenmonatskind in der deutschen Literatur beginnt etwa um 1880 mit einem Höhepunkt um 1950 (0,15 auf eine Million Tokens), um dann ab etwa 2000 schnell gegen null (unter 0,01) abzuflachen.
Triviales Die scherzhafte Zweitbedeutung ist auch in der Presse belegt. So verwendete die Süddeutsche Zeitung 2001 die ironische Formulierung „Verein der Siebenmonatskinder“, wobei die volkstümliche Bedeutung des Begriffs als bekannt vorausgesetzt wurde.Quelle: DWDS-Beleg (Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache) aus: Süddeutsche Zeitung, 18. April 2001. „Siebenmonatskind“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Siebenmonatskind>, abgerufen am 11. Juni 2026.
Vereinsname wie in Quelle zitiert; Großschreibung nach von Vorlage erzeugtem Punkt Allerdings existierte in Berlin in den 1920er Jahren tatsächlich ein „Klub der Siebenmonatskinder“, der „eine stattliche Zahl von Mitgliedern“ hatte. (Mit Abbildung.)
Siehe auch Vorkind
Einzelnachweise
Kategorie:Kind (Bezeichnung) Kategorie:Pränatalmedizin Kategorie:Neonatologie