Gisela Theresia Johanna Lorinser (* 27. September 1856 in Kalksburg; † 1. Februar 1899 in Wien) war eine österreichische Komponistin und Schriftstellerin.

Leben Gisela Lorinser kam 1856 im Landhaus ihrer Eltern in Kalksburg bei Wien zur Welt.Lorinser, Frl. Gisela v. In: Sophie Pataky (Hrsg.): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Carl Pataky, Berlin 1898, S. 520. Sie war eine Tochter des Arztes und Botanikers Friedrich Wilhelm Lorinser und dessen Ehefrau Wilhelmine, geb. Kalfus (1829–1904). Zu ihren vier Geschwistern gehörte die Malerin Minna König-Lorinser.König-Lorinser, Wilhelmine, gen. Minna, geb. Lorinser. In: Jochen Schmidt-Liebich: Lexikon der Künstlerinnen 1700–1900. Saur, München 2005, S. 243.Friedrich Wilhelm Lorinser: Nachträge zu den Gedenkblättern der Familie Lorinser enthaltend die ergänzte. Köhler, Wien, S. 25 (online).

Nach einem zweijährigen Bildungsaufenthalt in Deutschland lebte Gisela Lorinser ab 1874 in Wien. Dort wurde sie im gleichen Jahr eine Schülerin der Horak’schen Clavierschule, an der sie die Ausbildungsklasse unter dem Pianisten Ignaz Brüll besuchte. Weiters gehörten Jacob Fischer, Robert Fuchs und Hermann Graedener zu ihren Lehrern.Lorinser, Gisela Theresia Johanna. In: Eva Marx, Gerlinde Haas: 210 österreichische Komponistinnen. Residenz Verlag, Salzburg 2001, S. 490. Im Rahmen von Schulwettbewerben gewann sie erste Preise (1875, 1876, 1877) und bei öffentlichen Schülerkonzerten machte sie wiederholt auf sich aufmerksam. So wurde sie 1876 in einer Rezension der Morgen-Post als „Perle der ganzen Schule“ bezeichnet, „welche Schuhmann’s schwieriges Konzertstück mit viel technischer Gewandtheit und Sicherheit, schön abgestufter, verständiger Phrasirung und mit durchaus tiefer Empfindung vortrug“. Lorinsers beginnende Laufbahn als Pianistin wurde jedoch durch ein schweres Nervenleiden unterbrochen, das weitere öffentliche Auftritte verhinderte und zu einem Rückzug ins Private führte. Danach war sie als Komponistin, Schriftstellerin und Klavierlehrerin tätig. Im Vereinsjahr 1887/88 wurde sie ordentliches Mitglied des Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen Wien.Gisela Lorinser. In: Marianne Baumgartner: Der Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien (1885–1938). Böhlau, Wien 2015, S. 368.

Gisela Lorinser wohnte in der Wiedner Hauptstraße 71, wo sie 1899 im Alter von 42 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls starb. Sie wurde in der Familiengruft auf dem Kalksburger Friedhof bestattet.Lorinser, Gisela. In: friedhoefewien.at. Abgerufen am 11. Juni 2026.

Werk Gisela Lorinser komponierte Lieder für Singstimme mit Klavierbegleitung, Präludien und Mazurken für Klavier. Sie vertonte sowohl Lieder nach eigenen als auch fremden Gedichten. Einige ihrer Kompositionen wurden durch die Wiener Musikverlage Gutmann und F. Wessely sowie Ries & Erler in Berlin verlegt. Teilweise sind sie verschollen und nur durch Verlagskataloge oder Literatur belegt.

Als Schriftstellerin veröffentlichte Lorinser Bücher mit Romanen und Gedichten, daneben erschienen von ihr Novellen und andere Prosa in Zeitungen und Zeitschriften. Ihre gefühlsbetonte, thematisch vielseitige Lyrik zeichnet sich durch eine leicht fließende, wenn auch nicht immer fehlerlose Reimtechnik aus.

Musikwerke Vier Mazurkas für Pianoforte. Ries & Erler, Berlin 1883. Präludien für Pianoforte. Gutmann, Wien 1888. Fünf Gedichte für 1 Singstimme mit Pianoforte. Gutmann, Wien 1891.Musikalisch-literarischer Monatsbericht über neue Musikalien, musikalische Schriften und Abbildungen. Nr. 7, Juli 1891, S. 282 (online). 1. Das welke Röslein: „In meinem Buche hab’ ich“. 2. Ewig dein: „Dein ist mein Leben, mein Sterben“. 3. Dein Bild: „Im Herzen still verborgen“. 4. In der Nacht: „Oft lieg’ ich im stillen Gemache“. 5. Vergessen: „Die Jahre geh’n und kommen“. Ries & Erler, Berlin 1899. Op. 4. Sechs Charakterstücke für Pianoforte. Heft 1: 1. Frühlingslied. 2. Lied ohne Worte. 3. Jagdlied. Heft 2: 1. Duett. 2. Gruß. 3. Schlummerlied. Op. 5. Neun Präludien für Pianoforte. Ries & Erler, Berlin 1899.Friedrich Hofmeister (Hrsg.): Musikalisch-literarischer Monatsbericht über neue Musikalien, musikalische Schriften und Abbildungen für das Jahr 1899. Leipzig, S. 202 (online).

Literarische Werke Aus schöner und banger Zeit. Gedichte aus den Jahren 1874–1882. Hölzel, Wien 1895 (online). Natalie. Roman, Selbstverlag, Wien 1898. Am Clavier. Skizzen aus der musikalischen Gesellschaft. Roman, Selbstverlag, Wien 1899 (online). In der Sommerfrische, Die Heimat, Novellen

Literatur Lorinser, Gisela. In: Ludwig Eisenberg: Das geistige Wien. Band 1. Daberkow, Wien 1893, S. 327 (online). Lorinser, Frl. Gisela v. In: Sophie Pataky (Hrsg.): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Carl Pataky, Berlin 1898, S. 520 (online).

Lorinser, Gisela Theresia Johanna. In: Eva Marx, Gerlinde Haas: 210 österreichische Komponistinnen. Residenz Verlag, Salzburg 2001, ISBN 3-7017-1215-8, S. 490. Gisela Lorinser. In: Marianne Baumgartner: Der Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien (1885–1938). Böhlau, Wien 2015, ISBN 978-3-205-79702-9, S. 368 (PDF). Lorinser Gisela von, Theresia Johanna. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 2. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 2022.

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