Prinz Satra Singh ist ein nepalesisches Zaubermärchen.Günter Unbescheid (Samm., Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Nepal. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1987, S. 72–79, 218.
Handlung Ein Prinz namens Satra Singh spielt gerne mit seinen drei Freunden, die die Söhne eines Schusters, eines Schmieds und eines Straßenkehrers sind, was der König unterbinden will. Die vier Freunde stehlen daraufhin vier königliche Pferde, flüchten und rasten erst, als sie in einem tiefen Wald angelangt sind. Dort erzählt der Schmiedesohn, dass er Tote wieder zum Leben erwecken könne, woraufhin der Straßenkehrersohn angibt, auch nach zwölf Jahren noch einen Fußabdruck wiedererkennen zu können und der Schustersohn meint mit dem Fell eines zwölf Jahre alten Rehs des Fliegens fähig zu sein. Satra Singh aber offenbart, dass er ein Schwert habe, das auf Befehl selbstständig für ihn kämpfen könne.
Als Satra Singh dann in der Nacht Wache hält, nähert sich dem Lager der Freunde ein Elefant, dem durch das Schwert der Garaus gemacht wird. Satra Singh erkennt in ihm den Elefanten des Vaters und schläft bei diesem traurig ein, sodass seine Freunde am nächsten Morgen denken, er sei ohne sie fortgegangen und weiterziehen. Alleine kommt er an eine Weggabelung, wo er den gefährlichen Weg wählt und so ins Dämonenland gelangt. Dort verliebt sich die Tochter des Dämonen in ihn und hilft ihm herauszufinden wie ihr Vater, der Menschen frisst, umgebracht werden kann, wodurch eine Heirat möglich wäre. Satra Singh zerschlägt daraufhin eine goldene Säule in einem Teich mit seinem Schwert, infolgedessen dieser drei Bienen entschlüpfen, die von den beiden Liebenden erschlagen werden. In der Folge bekommt es der Dämon mit dem Herz, doch kann er Satra Singh ebenfalls noch den Tod bringen.
Der traurigen Tochter des Dämonen fällt später beim Baden ein güldenes Haar in einen Fluss, das der König Udaya findet. Er begehrt das Mädchen daraufhin und verspricht demjenigen, der es findet, das halbe Königreich. Um es zu finden, verlangt eine alte Kupplerin ein Boot aus Madschingar-Holz und ein Ruder aus Hangar-Holz, was die königlichen Fährleute nicht beschaffen können und deshalb flüchten. In einem Wald erschlägt einer von ihnen eine Schlange, die gerade die Jungen einer Vogelfamilie fressen will, woraufhin ihnen mitgeteilt wird, dass der Baum auf dem das Nest liegt aus Madschingar-Holz und dessen Äste aus Hangar-Holz bestehen. Das Vogelnest wird sogleich umgebettet und aus dem Holz Boot und Ruder gefertigt, womit, nach der Aushändigung an den König, die Kupplerin ihre Reise antreten kann.
Nachdem die Alte das Mädchen in das Land des König Udaya gebracht hat, wird dort die Hochzeit zwischen den beiden verkündet. Die drei Freunde von Satra Singh schauen sich diese an und der Straßenkehrersohn entdeckt auf dem Körper des Mädchens einen Fußabdruck von Satra Singh. Sie befragen das Mädchen darüber, das ihnen alles Geschehene erzählt und zu dem König meinen sie, dass, wenn er ihnen ein Fell eines zwölf Jahre alten Rehs gebe, er eine besondere Überraschung erleben könne. Der König gibt es ihnen und so fliegen die drei Freunde mit dem Mädchen, dem König und dessen Sohn in der Luft umher. Dort oben schlagen sie dann mit einem Knüppel auf den König und seinen Sohn ein, sodass diese herunterfallen und sterben. Sodann fliegen sie zum Leichnam Satra Singhs, wo der Schmiedesohn aus einem Stück dessen Schwertes die gesamte Waffe wiederherstellen kann. Durch das Erhitzen im Feuer bis zum Glühen und dem anschließenden wieder Abkühlen des Schwertes in Wasser, findet auch Satra Singh wieder ins Leben zurück und sie erzählen ihm alles Geschehene.
Hintergrund Das Märchen wurde von dem Bauern Man Bahadur Tamang erzählt und 1981 im Distrikt Gorkha aufgenommen. In Günter Unbescheids Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Nepal (Köln 1987) erhielt es den Titel Prinz Satra Singh. Nach Unbescheid ist es in Nepal sehr beliebt. Eine Variante findet sich in Bodhibikram Adhikāris Nepāli Dantyakathā (1959, S. 47–64), die mit Annette Heunemanns Der Schlangenkönig – Märchen aus Nepal (Kassel 1980, S. 53: Prinz Sattalsingh) ins Deutsche übersetzt wurde. Die Holzsorten sind Namen des Holzes der Märchen-Baumes.
Als Motiv wurde AaTh 653: Die vier kunstreichen Brüder angegeben. Zudem wurden nach Stith Thompsons und Warren E. Roberts Types of Indic Oral Tales. India, Pakistan, and Ceylon. (Helsinki 1960) die Typen 945: Glück und Verstand + 302, 516 B: Das ägyptische Brüdermärchen zugeordnet.
Literatur Günter Unbescheid (Samm., Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Nepal. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1987, S. 72–79, 218. Annette Heunemann (Hrsg.): Der Schlangenkönig – Märchen aus Nepal. Erich Röth-Verlag, Kassel 1980, S. 53–67, 179–180.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Kultur (Nepal) Kategorie:Märchen