Der Wehre-Viadukt ist eine Eisenbahnbrücke in der Kleinstadt Waldkappel im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. Der Viadukt überspannt die Wehre sowie einen Radweg. Das Bauwerk wurde im Zuge des Baus der strategischen „Kanonenbahn“ Berlin–Metz und dem dazugehörigen Teilabschnitt der Bahnstrecke Leinefelde–Treysa errichtet.
Der Viadukt wurde als eine Steinbogenbrücke ausgeführt und zählt zu den größeren Kunstbauwerken der Strecke, er ähnelt besonders dem Vierbach-Viadukt.
In nördlicher Richtung wurde beim Bau der Bundesstraße 7 ein Teil des Bahndamms abgetragen.Hermann Josef Friske, Werra-Meissner-Bahnen Teil 67, auf werra-meissner-bahnen.de
Geschichte In den 1870er Jahren wurde die technisch anspruchsvolle Brücke mit Gesamtkosten von 111.084 Mark erbaut.Zeitschrift für Bauwesen 1880 S. 455.
Für das Vorhaben wurden wie bei etlichen weiteren Bauwerken der Eisenbahnstrecke von Leinefelde nach Treysa Arbeiter aus verschiedenen Regionen Europas angeworben (z. B. Galizien, Italien, Kroatien). Bei der Errichtung der Brücke kam ein italienischer Arbeiter ums Leben, er stürzte aus großer Höhe. An ihn erinnert ein Kreuz in der Stützmauer der Brücke, das den Unglücksort markiert.
Es ist anzunehmen, dass ähnlich wie bei anderen Bauwerken wegen der primären militärischen Bedeutung der Eisenbahntrasse eine Brückenwache während des Ersten Weltkriegs eingesetzt wurde. Den Ersten und Zweiten Weltkrieg überstand die Brücke ohne größere Schäden.
Konstruktion Die Gesamtlänge der Steinbogenbrücke beträgt 52 m, mit einer Höhe von 19,8 m. Zudem hat die Brücke 4 Öffnungen mit Stützweiten von je 10 m und ist somit im Vergleich zum Vierbach-Viadukt größer ausgeführt. Trotzdem sind beide Bauwerke auf zweigleisige Breite angelegt und zugleich aus Sandstein erbaut worden. Entsprechend wurden Verzierungen in den hohen Bögen durch vier künstlerische Schlusssteine umgesetzt, in Form von Darstellung verschiedener Lebewesen (Löwe, zwei Schlangen, Fischkopf).
Die an den Brückenpfeilern angebrachten Löcher zur Entwässerung des Oberflächenwassers wurden im Laufe der Jahre zugemauert.
Ähnlich wie bei weiteren Flussüberquerungen wurden hohe Stützmauern realisiert, um eine Gefahr von Hochwasser auszuschließen. Diese sind halbkreisförmig geformt und verlieren seitlich an Höhe. Eingemeißelte Hochwassermarkierungen mit den Jahreszahlen „1909“ und „1979“ erschließen, dass sich diese Baumaßnahmen als sinnvoll erwiesen haben.
Heutiger Zustand Nach der Stilllegung der Teilstrecke Waldkappel–Malsfeld am 25. Mai 1974 wurde dem Eisenbahnviadukt seine ursprüngliche Funktion genommen.Tobias Stück, Vor 50 Jahren wird der erste Abschnitt der Kanonenbahn stillgelegt, 12. Mai 2024, auf werra-rundschau.de Der Viadukt ist in seiner Originalform erhalten geblieben und steht unter Denkmalschutz.
Im Jahr 2024 waren Brückenteile auf den darunterliegenden Radweg gestürzt. Aus diesem Grund wurde der Weg gesperrt und eine Überprüfung der Brücke vorgenommen. Diese ergab, dass die Brückenschäden durch Fremdeinwirkung verursacht wurden. Damit ist keine weitere Gefahr von dem Viadukt selbst zu erwarten, und der Radweg wurde wieder freigegeben. Es ist verboten, die Eisenbahnbrücke zu betreten.Markus Munk, Freigabe des Radwegs, 26. Juli 2024, auf waldkappel.de
Weblinks
vergessene-bahnen.de – Bilder der Bahnstrecke mit Viadukt www.komoot.com – weitere Bilder des Viaduktes
Einzelnachweise
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